Nordbahntrasse Wuppertal – was noch kommt

Am Samstag war ich mit zwei CMlern *G* die Nordbahntrasse abfahren und dabei fielen mir zwei Sachen auf, die mich zu Nachfragen veranlassten.

1) Nördlichen von Oberbarmen geht es durch ein Wohngebiet auf einem nur ca. 3 Meter breiten Weg. Ob das ein reiner Gehweg ist und der Radverkehr auf die Fahrbahn gehört oder ob es das ein Geh-und Radweg in zwei Richtungen ist, geht aus der Antwort der Stadt nicht hervor, aber immerhin sind die Drängelgitter nur ein Provisorium für die Zeit der Bauarbeiten und sollten 2016 verschwinden.

2) Noch fehlt eine ganze Brücke im östlichen Abschnitt der Trasse (Brücke Bracken). Eine Umleitung mit Floorgraphics konnte wetterungsbedingt nicht angebracht werden. Wenn das gut ausgeführt wird, könnte das besser sein, als eine StVO-korrekte Beschilderung. Ich bin gespannt und muss dran denken, mir das mal anzuschauen im nächsten Jahr. Will jemand mitkommen? :-) Eine grundsätzliche Beschilderung von Sambatrasse, Nordbahntrasse, Balkantrasse, Niederbergbahn, Korkenziehertrasse und ihren Verknüpfungen mit den gewohnten NRW-Wegweisern soll auch noch kommen.

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Die Falschparkerpetition: Der ADFC und seine Kritiker

Die Position des Bundesverbands zur Bußgeld-Petition wurde nicht nur hier intensiv diskutiert. Ich halte es für richtig, dass der ADFC sich da raus hält, wenn auch aus einem Grund, der beim Bundesverband keine Rolle spielt. Eine Unterstützung des ADFC sollte voraussetzten, dass der ADFC rechtzeitig vorher – in welcher Form auch immer – eingebunden worden wäre. Es ist eine Frage der Höflichkeit, dass ich nicht andere vor vollendete Tatsachen stelle und dann deren volle Unterstützung erwarte. Nachdem es nun gelaufen ist, wie es gelaufen ist, kann der ADFC nun nichts anderes machen, als auf die Petition hinzuweisen. Dann kann und muss jeder selbst entscheiden, ob er es unterstützt.

Bei aller berechtigten Kritik an der Position des Bundesverbandes wird aber übersehen, dass ein Verband mit einer breit gefächerten Mitgliedsstruktur (die für politisches Gewicht wichtig ist) von Warnwesten tragenden Gehwegradlern bis hin zu Critical Mass (CM)-Aktiven, von Freizeitausflüglern bis zu verkehrspolitisch aktiven 365-Tage-Radfahrern nicht die Position einer Teilgruppe allein vertreten kann und somit – wenn alles richtig läuft – immer schon einen Kompromiss nach außen kommunizieren muss. Wer sich in der Position des nicht mit dem Rad zur Vorstandssitzung kommenden ADFC-KV-Vorstandes wiederfindet, darf sich nicht darüber beklagen, dass nicht alle den Common Sense einer Gruppe aktiver CMler beim Bier teilen. Wer pointierte Forderungen vertritt, ist immer auch weniger anschlussfähig als ein Gruppe mit einem mehr oder weniger weichen Kompromiss. Wie viel Kompromiss akzeptabel ist, ist situationsabhängig und wird von jedem anders beurteilt. Ein Kompromiss wird aber in den seltensten Fällen “radikal” in eine Richtung sein. Je kleiner eine Gruppe und je weniger komplex ein Thema ist, desto leichter klappt dort auch die Verständigung auf eine Position und je pointierte kann die ausfallen. Eine Personenmehrheit wird aber nie genau der eigenen Position in Gänze entsprechen. Wenn eine Personenmehrheit aber nicht eine temporäre Erscheinung mit fluider Position sein will, braucht es aber die Meinungsfindung der Gruppierung und die damit die Bereitschaft zum Kompromiss. Mit dieser Position kann sie dann an Meinungsbildungsprozessen partizipieren. Bei den traditionell adfc-distanzierten CMlern hält man trotz aller Organisationsstrukturen das Mantra hoch, keine Organisation zu sein, wie es z.B. auf der Seite criticalmass-berlin.org cmtypisch heißt:

Die Aktionsform Critical Mass kennt weder Organisator*innen noch Hauptverantwortliche.

Komischerweise hindert das einen anonymen Schreiber mit dem Nick everydaycm auf dieser anonymen Seite nicht daran, gegen jegliches Szeneverständnis in einem Post im Name der Szene zu sprechen und Stellung zur Position des ADFC zu beziehen:

Wir laden alle adfc-Aktiven ein, bei der nächsten Critical Mass mitzufahren.

Wie schon diskutiert (s. hier und hier), liegt der Nukleus im Verständnis der CM-Szene darin, CM eben nicht aufzuladen mit Zuschreibungen über das Da-Sein hinaus. Aufgrund dieser Tatsache braucht es in der CM-Szene auch keine anstrengenden Meinungsfindungsprozesse, was aber aber auch bedeutet, keine Stimme im gesamtgesellschaftlichen Meinungsfindungsprozess sein zu können über erzeugte Handlungsnotwendigkeiten hinaus, was der einen oder anderen ADFC-Gliederung sicherlich gelingt. Das bekommt man eben nicht zum Nulltarif, sondern um den Preis von Konsensfindung und ein bisschen formales drum herum. Weiterlesen

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Radelnde Weihnachtsmänner

Auch im Winter hat das Fahrrad seinen festen Platz in der (Schaufenster-)Werbung: Leider keinen echten Nikolaus auf dem Fahrrad, aber imnerhin radelnde Weihnachtsmänner gibt es in Krefeld und Dortmund zu bewundern.

Radelnder Weihnachtsmann in einem Krefelder Schaufenster

Radelnder Weihnachtsmann zwischen weihnachtslichen Leckereien in einem Krefelder Schaufenster

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Bilder unter Creative-Commens-Lizenzen

(Bild: Alexander Shustov -Lizenz: CC0 1.0)

(Bild via unsplash.com: Alexander Shustov -Lizenz: CC0 1.0)

Nachdem ich neulich schon eine Quelle vorgestellt habe für Creative-Commens-Bilder, heute der Hinweis auf die Seite unsplash.com, auf der Bilder unter der Creative Commons Zero-Lizenz zur Verfügung gestellt werden. Weiterlesen

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Stadt Dortmund: Bequemlichkeit sticht StVO

Elmar Fischer schrieb vor ein paar Tagen in seinem Blog:

Wenn ich ehrlich bin, so muss ich sagen, dass ich gar keine Lust auf diese Auseinandersetzungen mit dem Amt für Straßen und Verkehrstechnik habe. Sie nimmt viel Zeit in Anspruch […]. Trotzdem denke ich, dass solche Auseinandersetzungen wichtig sind. Zur Wichtigkeit gehört meines Erachtens auch Transparenz. Das ist der Grund, warum ich solche Aus­einandersetzungen hier dokumentiere. Ich bemühe mich selbstverständlich, den Datenschutz zu gewähr­leisten, indem ich zum Beispiel nicht den vollen Namen nenne, keine E-Mail-Adressen usw.

Das entspricht im Großen und Ganzen auch meiner Sicht – lieber würde ich Fahrrad fahren oder konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten. Mein purer Horror ist es, dass die Einforderung, dass die Stadt sich an die Gesetzeslage hält, so eskaliert wie in Münster, wo der ADFC klagen muss, weil die Stadt Angst vor den Folgen der Umsetzung, des seit 1997 gültigen Rechts hat, wie die Westfälischen Nachrichten melden: Weiterlesen

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Öffentliche Fahrradpumpe am Rathaus Dortmund kommt aus Geldmangel ersteinmal nicht

Luftpumpe am Rathaus in Stuttgart (Foto:  Christine Lehmann)

Luftpumpe am Rathaus in Stuttgart (Foto: Christine Lehmann)

Bei DasFahrradBlog entdeckte ich eine fahrradfreundliche Maßnahme aus Stuttgart: Dort gibt es am Rathaus eine Fahrradpumpe in der Nähe der Fahrradständer. Ich schlug dann der Stadt Dortmund als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V. das direkt zur Nachahmung vor, denn die Radständer am Rathaus sind in der Regel gut belegt oder gar überbelegt, so dass diese Möglichkeit sicherlich angenommen wird. Auch würde die Stadt so als gutes Beispiel für dortmunder Firmen voran gehen und diese zur Nachahmung dieser kostengünstigen Möglichkeit zur Förderung des Radverkehrs animieren.

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Freie Adventsradwege in Berlin

Ich bin ja wahrlich kein Wegehelden-Fan, aber das hört sich doch mal glatt nach einer gelungenen Adventsaktion an:

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Nur ERA konforme Planung ist förderfähig – neue Förderrichtlinie Nahmobilität in NRW

Neue Förderrichtlinie Nahmobilität
Am 01.12.2014 hat das Landesverkehrsministerium per Runderlass (III A 2-86.19-4.3) die Richtlinien zur Förderung der Nahmobilität in Nordrhein-Westfalen (Förderrichtlinien Nahmobilität  –  FöRi-Nah) bekannt gegeben.

Zuwendungszweck
Das Land gewährt Zuwendungen für Investitionen und Planungen, Service, Kommunikation und Information zur Verbesserung der Nahmobilität in den Gemeinden. Unter Nahmobilität versteht das Ministerium nichtmotorisierten Individualverkehr wie Fußgänger und Radverkehr, aber auch andere nicht motorisierte Verkehrsmittel bzw. Fortbewegungsmittel (z.B. Skateboards, Inliner,…).

Förderfähig sind Vorhaben der Nahmobilität, die geeignet sind:

– sicheren Rad- und Fußverkehr zu gewährleisten
– motorisierten Individualverkehr auf den Rad- und Fußverkehr zu verlagern

Hierzu gehören gemäß Auflistung des Ministeriums:
– Radverkehrsanlagen
– Fußverkehrsanlagen
– Fahrradstationen
– Fahrradabstellanlagen im öffentlichen Verkehrsraum
– sonstige Maßnahmen (z.B. Öffentlichkeitsarbeit, Modal Split Erhebungen, Dauerzählstellen)

Regeln der Technik
Gemäß der Förderrichtlinie sind die anerkannten Regeln der Technik einzuhalten. Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) wird explizit genannt. Bei Radschnellwegen sind die Kriterien des Landes NRW und die Hinweise der FGSV zu Radschnellwegen zu beachten.

Fördersätze
Den Gemeinden werden im Regelfall bis zu 80 % der Kosten erstattet. Die Bewilligungsbehörde für die Förderung sind die jeweiligen Bezirksregierungen. Da kann man dann nur hoffen, dass mittlerweile die ERA dort bekannt ist (siehe Artikel: ERA 2010 beim Landesbetrieb Straßenbau NRW unbekannt?).

Gemäß der Förderrichtlinie Nahmobilität sind also Radverkehrsanlagen, welche nicht den Anforderungen der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) entsprechen, nicht förderfähig!

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Die Ville – eine (gar nicht so kleine) Erhebung in der Tiefebene

Die meisten Menschen werden von dem Landstrich westlich und nordwestlich von Köln den Eindruck des “Vor-Hollands” haben, also eines eher flachen Landes. Das ist natürlich auch so, denn immerhin heißen wir ja auch Rheinische Tiefebene. Es gibt allerdings auch einen Höhenzug von Südost nach Nordwest, etwa von Brüh/Bonn bis Grevenbroich und Pulheim. Dieser Höhenzug heißt Ville und läuft witziger Weise direkt an meinem Haus vorbei.

Das führt dazu, dass ich morgens, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, erst einmal insgesamt fast 80 Höhenmeter überwinden muss, um dann wieder fast 100 Meter runter zu fahren. Also drüber über die Ville.

Aber auch freizeit-radmäßig geht was, wie Ihr an meiner nachstehenden Ausfahrt sehen könnt.

Quelle: Cyclemeter

Quelle: Cyclemeter

Schon auf der südlichen Schleife dieser Fahrt muss der Villerücken bezwungen werden, hier ist das im Wesentlichen den Postberg in Horrem hinauf und dann weiter bis zur A4 und dann auch noch mal weiter bis oberhalb der Bahnlinie Köln – Horrem. Dann geht es nach Königsdorf hinunter um sofort wieder in westlicher Richtung hinauf zu fahren in den Königsdorfer Forst.

Die höchste Stelle der Fahrt erreichte ich auf der Glessener Höhe, die gleichzeitig auch den höchsten Punkt der gesamten Ville darstellt. Von dort aus geht es steil nach unten Richtung Glessen bzw. Oberaußem. Von Oberaußem aus hätte ich das letzte Stück gemütlich nach hause den Berg runter rollen können, entschloss mich aber doch noch mal, auf den Berg hoch und am Modellflugplatz Bergheim vorbei über das Hochplateau nach hause zu fahren. Schön war dann allerdings, dass die letzten Kilometer bergab gingen.

Hier das Höhenprofil der Fahrt:

20141018 fahrt durch die ville 2

Die Quelle dieser Bilder hier ist:

http://cyclemeter.com/500adff27802923a/Cycle-20141018-1549

Die Glessener Höhe ist keine natürliche Erhebung, sondern besteht im Wesentlichen aus Abraum aus den umliegenden Tagebauen. Sie wurde natürlich rekultiviert und wird auf dem Plateau landwirtschaftlich genutzt, während man den Hang hinauf durch Wald fährt. Der Wald gewährleistet den Halt der gesamten Höhe.

Hier noch ein paar Bilder von der Glessener Höhe:

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Das war eine wunderschöne Fahrt, wie Ihr sehen könnt, ja auch bei herrlichem Wetter Mitte Oktober. Allerdings war sie auch anstrengend, da ich doch, für eine Fahrt im “flachen Land” einige Höhenmeter schrubbte.

Zur Nachahmung empfohlen, für eine Tour mit möglicherweise unbedarften Mitradlern allerdings nur bedingt zu empfehlen. Stellt auch einige Anforderungen an das Material. Ich fuhr mit meinem Mountain Bike, damit machte die Ausfahrt aber einen Riesen-Spaß!

 

 

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Sind AGFS-Städte fußgänger- und fahrradfreundlich?

Verlängerung der AGFS-Mitgliedschaft
Am 01.12.2014 hat die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGFS) in der Landeshauptstadt Düsseldorf an 34 Mitglieder* Urkunden zur Verlängerung ihrer Mitgliedschaft überreicht. Nur für die Stadt Marl wurde die Mitgliedschaft in der AGFS nicht verlängert. Gemäß der Pressemitteilung der AGFS müssen sich die Städte: “Alle sieben Jahre … erneut bewerben und unter Beweis stellen, dass sie aktiv und kontinuierlich daran arbeiten, zukunftsfähige, belebte und wohnliche Städte zu gestalten.”


Sind die Städte wirklich so fußgänger- und fahrradfreundlich wie in den Broschüren und Imagefilmen der AGFS verkündet wird?


Am Beispiel der Stadt Aachen eine kurze Bilanz:

  • Die letzte größere Maßnahme in Aachen für den Radverkehr war im Zeitraum 2010 bis 2012 die Markierung von Schutzstreifen entlang des Graben- und Alleenringes. Diese Radverkehrsanlagen entsprechen nur in Teilabschnitten den Anforderungen der Empfehlung für Radverkehrsanlagen (ERA 2010). Ausreichend breite Schutzstreifen auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs waren anscheinend politisch nicht durchsetzbar. Die zwischenzeitlich nach der Umsetzung auftretenden relativ hohen Unfallzahlen im Abschnitt Boxgraben deuten auf ein infrastrukturell ausgelöstes Problem durch die beengten Verhältnisse hin.
    Ist dies fahrradfreundlich oder autofreundlich?
  • Die von der AGFS publizierten Broschüren mit Planungsempfehlungen werden bei Baumaßnahmen in Aachen regelmäßig nicht berücksichtigt. Beim Ausbau des europaweit einmaligen 125 km langen Vennbahn-Radweges zwischen Aachen und Luxemburg kam im Bereich der Stadt Aachen keiner auf die Idee die Querungsstellen mit landwirtschaftlichen Wegen oder öffentlichen Straßen entsprechend der in der Broschüre Querungsstellen für Radverkehrsanlagen dargestellten Musterbeispiele auszuführen. Dies geschah obwohl eine Vertreterin der Stadt Aachen im entsprechenden Arbeitskreis für die Broschüre tätig war. Vorfahrtsregelungen für Radfahrer auf der stark befahrenen Vennbahn-Route waren und sind selbst in kleinen Anliegerstraßen mit Tempo 30 nicht vorstellbar. Die nicht vorhandenen Nullabsenkungen an den Querungsstellen wollen wir erst gar nicht weiter thematisieren.
    Ist das innovativ?
  • Bei dem für das Jahr 2015 geplanten Umbau der Alt-Haarener-Straße soll nur ein einseitiger Schutzstreifen markiert werden, da bei einer zweiseitigen Lösung zu viele Kfz-Stellplätze entfallen würden. Die Alt-Haarener-Straße ist eine wichtige Verbindungsstraße zwischen Würselen und Aachen-Zentrum mit geringem Parkdruck. Im Verkehrsentwicklungsplan wird dieser Abschnitt als Lückenschluss für den Radverkehr hervorgehoben. Die Variante mit dem einseitigen Radfahrstreifen ist über 200.000 € teurer als die zweiseitige Markierung von Schutzstreifen.
    Stellen einseitige Radverkehrsanlagen eine fahrradfreundliche Lösung des Problems dar?
  • Die bestehende Radstation am Hauptbahnhof soll im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes überplant werden. Der Investor soll nun verpflichtet werden eine neue Radstation mit nur 400 Stellplätzen in dem Neubau zu integrieren. Sogar im kleinen Horrem bei Köln hat die Radstation ebenfalls 400 Stellplätze und die nicht besonders fahrradfreundliche Stadt Mönchengladbach plant derzeit eine Radstation mit 666 Stellplätzen. Ob es für die Bauzeit eine Interimslösung für die Radstation (z.B. Zelt) gibt, ist bisher nicht bekannt.
    Die vernetzte Mobilität zwischen den Verkehrsträgern ist in Aachen anscheinend nicht so wichtig, oder?
  • Die Stadt hat im Jahr 2014 eine Pressemitteilung herausgegeben um die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass 50 neue Fahrradbügel im gesamten Stadtgebiet aufgestellt werden. Dies ist eine “großartige” Leistung für eine fahrradfreundliche Stadt mit mehr als 230.000 Einwohnern. Noch peinlicher wird dies, wenn man die zusätzlichen Kfz-Stellplätze in Parkhäusern innerhalb des Alleenringes zusammenrechnet, die in den letzten Jahren in Aachen errichtet wurden: EBV-Carré, Kapuziner-Karre, Aufstockung Sparkasse, APAG + im Bau befindliches Parkhaus Aquis Plaza => 2.400 Kfz-Stellplätze.
    Vielleicht sollte sich die Stadt Aachen beim ADAC als autofreundliche Kommune bewerben oder gibt es so eine Auszeichnung in Deutschland noch nicht?
  • In Aachen-Brand soll im Jahr 2015 die Marktstraße und der Marktplatz umgestaltet werden. Neben der Marktschule (städtische Grundschule) werden Gehwege geplant, welche nur die Mindestbreite von 2,00 m aufweisen und daher nicht den Anforderungen der “Empfehlungen für Fußgängeranlagen” der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) entsprechen, obwohl mehr Platz vorhanden wäre. Ein kleiner bestehender Parkplatz wird erweitert und erhält eine zusätzliche Zufahrt. Um möglichst viele Stellplätze unterbringen zu können, wird auf dem Parkplatz keine Wendemöglichkeit vorgesehen. Die Fahrzeuge sollen neben der Grundschule den Parkplatz über den Gehweg rückwärtsfahrend verlassen. Die in der AGFS Broschüre Parken ohne Ende? propagierte Förderung der Nahmobilität mit möglichst wenigen Kfz-Stellplätzen bleibt hier völlig unberücksichtigt.
    Werden hier die Anforderungen an die Verkehrssicherheit von Fußgängern im Umfeld einer Grundschule erfüllt?

Fazit:
Das Städte nicht von heute auf morgen zu fußgänger- und fahrradfreundlichen Gebieten umgebaut werden können, ist jedem klar. Aber wenigsten bei Neubauvorhaben sollten die Anforderungen von Fußgängern und Radfahrern auf dem Niveau der aktuellen technischen Regelwerke, welche den Stand der Technik wiederspiegeln, umgesetzt werden. Als AGFS-Mitglied sollte man selbstverständlich nicht nur die gerade noch erlaubten Mindestabmessungen von Geh- und Radwegen bauen, sondern die Regelmaße einhalten – besser für Fußgänger und Radfahrer wären großzügige Lösungen wie in Kopenhagen. Eine Kombination von Mindestabmessungen von z.B. Gehweg, Schutzstreifen und Fahrbahn ist gemäß Richtlinie sogar explizit nicht zulässig.


Wie sind eure Erfahrungen in anderen AGFS-Städten? Berichtet doch mal im ADFC-Blog!

* Folgende Kommunen haben eine Verlängerung der AGFS-Mitgliedschaft erhalten:
Die Städte Aachen, Bielefeld, Bonn, Brühl, Bünde, Coesfeld, Dormagen, Dortmund, Dülmen, Düsseldorf, Essen, Euskirchen, Gladbeck, Hamm, Herford, Herne, Herzogenrath, Ibbenbüren, Iserlohn, Kempen, Köln, Krefeld, Leverkusen, Minden, Mülheim an der Ruhr, Münster, Pulheim, Soest, Troisdorf, Unna und Wesel sowie die Kreise Rhein-Erft-Kreis, Kreis Lippe und Kreis Viersen.

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