ADAC testet Fahrradhelme für Erwachsene

Bell Tourlite

Früher Fahrradhelm. Bell Tourlite, ca. 1985. Visier fehlt. US-Eigenimport. Hardshell. Gewicht ca. 530 g.

Das Ergebnis: Wirklich schlecht ist keiner. Die konventionellen Helme mit leichter Schale sind den Helmen mit harter Schale (Skaterhelme) aber überlegen. Der ADAC testete im April 2015 Markenhelme mit typischen Preisen von 75-90 €.
Der teuerste Helm im Test kostete im Laden 170 €, der günstigste 57 €. Die Schutzwirkung wurde mit 1,4 bis 2,2 bei den Softshell- und mit 2,2 bis 3,1 bei den Hardshell-Helmen bewertet.

Nicht getestet wurden von Discountern angebotene Fahrradhelme, die oft nur 10-15 € kosten. Da auch diese Helme die EU-Norm erfüllen, kann man vermuten, dass sie auch nicht schlechter abgeschnitten hätten, als mancher Markenhelm.

Die amerikanischen Normen CPSC, ASTM F1447-12, SNELL B-90 sind etwas anspruchvoller als die europäische Prüfnorm. Die höchsten Anforderungen stellt SNELL B-95 (vgl. http://www.bhsi.org/standard.htm und http://www.bhsi.org/stdsummary.htm). Helme, die diese Normen erfüllen, sind in der Regel etwas schwerer als die europäische Ausführung. Daraus kann man schließen, dass es im Wesentlichen auf die Polystyrol-Schicht der Helme unter der Schale ankommt und andererseits das mögliche Gewicht und Volumen des Helms die Schutzwirkung begrenzen.

Wie alle derartigen Tests macht der ADAC-Test keine Aussage darüber, in welchen Situationen und bis zu welchem Grad ein Fahrradhelm überhaupt schützen kann. Geprüft wird lediglich die Einhaltung der einschlägigen Norm.

Schützen kann ein Helm nur dann, wenn er getragen wird, passt, richtig eingestellt und befestigt ist. Der Helm soll möglichst fest und unverrückbar auf dem Kopf sitzen und andererseits nirgendwo drücken. Die richtige Einstellung liegt auf dem schmalen Grat dazwischen.

Die Testergebnisse sind beim ADAC nachzulesen:
https://www.adac.de/infotestrat/tests/fahrrad-zubehoer-sport/fahrradhelme/fahrradhelme_2015/default.aspx
Siehe auch:
Mehr als eine Preisfrage, FAZ 2010.

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare

Auf Wiedersehen

Nachdem ich nun den letzten offenen Artikel fertig gestellt habe (wenn auch nicht mit dem erwünschtem Ergebnis), möchte ich mich von allen Leser*innen verabschieden, da jetzt höchstens noch Ergänzungen, Updates und Korrekturen folgen – so der Plan. Der erste Dank gilt dem Vorstand des Landesverbandes NRW für dieses Projekt, das mir ermöglicht hat, das Bloggen auszuprobieren. Dann danke ich natürlich auch allen Leser*innen für Kommentare, Anregungen und Hinweise in den Kommentaren und per E-Mail. Wer hin- und wieder weiterhin etwas von mir zum Thema Radverkehr lesen möchte, kann dies auf velocityruhr.net (unter der Artikeln findet man auch die Möglichkeit mir eine E-Masil zu schreiben) oder in Mobilogisch.

Wer mag, kann in den Kommentaren erzählen, welche Artikel ihr oder ihm am meisten interessiert bzw. gefallen haben.

 

Veröffentlicht unter ADFC, Allgemein | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

Bußgelder

Hier in Dortmund sind die Leserbriefspalten der letzten verbliebenen und immer mehr zum Empörungsjournalismus tendierenden Lokalzeitung regelmäßig mit Leserbriefen gefüllt, in denen der Überwachung von Verkehrsregeln jegliche Legitimität abgesprochen wird, da dies ein staatlicher Missbrauch der Staatsmacht sei (“Wegelagerei”, “Abzocke”). Warum diese Stammtischpolemiker Verkehrsregeln ebenso wie deren Einhaltung für völlig unnötig halten, erklären sie nicht – das dürfte ja auch schwierig sein. Selbst wenn sie ihnen noch eine gewisse Legitimität zusprechen, wenn sich andere dran halten müssen, dürfte es eine Herausforderung sein, zu erklären, wie ihre Einhaltung ohne Überwachung und Sanktionierung durchgesetzt werden könnte. Die Notwendigkeit der Überwachung ergibt sich allein schon daraus, dass selbst bei der nur sporadischen Überwachung in Dortmund im Jahr über 100.000 “Knöllchen” für Falschparker gibt und über 230.000 Raser erwischt werden und diese immer häufiger aufgrund von Beschwerden von Einwohnern verteilt werden.

Halt, ich habe da eine Idee: Wenn man annimmt, dass diese Schreiber von Leserbriefen, deren Inhalt auch nicht schlüssiger und stimmiger wird, wenn derartige Ergüsse noch x-mal abgedruckt werden, die gleichen sind, die fernab jeder Kenntnis des gültigen Rechts qua Legitimation durch Motorstärke erzieherisch hupen, schneiden, anbrüllen, … dann könnte man ein hermetisch von der Vernunft abgeschirmtes, in sich schlüssiges Gedankengebäude darstellen. Wie kann man aber mit der Spannung umgehen, wenn man einerseits die eigene Freiheit für absolut und die geringen Bußgeldern im Straßenverkehr bereits für moralisch verwerflichen staatlichen Missbrauch der Staatsmacht hält und anderseits darum weiß, dass die Einhaltung von Regeln durch die anderen für einen wichtig ist? Lörrach hat da sein eigenes Konzept:

Inzwischen bekommen die Anheizer der Wegelagerei-Polemik auch Unterstützung vom ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg [1]:

Als Erstes müsse der ruhende Verkehr, die parkenden Autos, zugunsten der Radfahrer Platz machen, fordert Syberg […]. Und warum die Kommunen hierzulande nicht viel stärker dazu übergingen, auf Radwegen parkende Autos abzuschleppen, könne er überhaupt nicht verstehen: “Das gibt doch Asche”, macht er die in großer Zahl anwesenden Vertreter von Städten und Gemeinden, deren Finanznöte sprichwörtlich sind, auf eine zusätzliche Einnahmequelle aufmerksam. In wohlverstandenem Interesse seiner eigenen Sache.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter ADFC, Alltag, Politik, Radverkehr, Recht | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Fortsetzung des Schilderrätsels 11: Polizei Dortmund und der Mitarbeiterparkplatz, auf den Mitarbeiter nicht einfahren dürfen

Seit ein paar Tagen gibt es nun ein neues Schild an der Stelle, des Schilderrätsels 11. [1]

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Wenn ich mir die alten Bilder anschaue, könnte da vielleicht einfach nur etwas umgeklappt worden sein, denn das Schild ähnelt doch sehr dem vorherigen Schild und entspricht nicht – wie es notwendig wäre [2] – dem amtlichen Muster des von der BASt geführten Verkehrszeichenkatalogs. Es fehlt z. B. der Rand und auch das Format ist doch eher ungewohnt. Auf jeden Fall hat die Polizei da geregelt:

Die Einfahrt ist Fahrzeugen aller Art verboten. Diese Regelung gilt nur für Einsatzfahrzeuge.

oder etwas salopper formuliert:

Hier dürfen alle auf den Parkplatz fahren, außer Einsatzfahrzeuge. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Recht | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Baden-Württemberg: Zwei-Meter-Regel nun auch in der Stadt

Im letzten Jahr sorgte die Bekräftigung der „Zwei-Meter-Regel“ in Deutschlands Südwesten für heftiges Kontra von Seiten der Mountainbiker. Für Baden-Württemberg stellt sie jedoch einen solchen Erfolg dar, dass die Regel künftig auch für urbane Radfahrer gilt.

[pd-f/ht] 1.April 2015: Der Landtag von Baden-Württemberg hat in einer Sondersitzung mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die sogenannte „Zwei-Meter-Regel“ auszuweiten. In Zukunft ist das Radfahren auch innerorts nur auf Wegen erlaubt, die den Anforderungen an die landesweit gültige Mindestbreite genügen. In den Wäldern Baden-Württembergs gilt eine entsprechende Regelung bereits seit 1995.

„Wir mussten einfach die Notbremse ziehen“, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in einer Pressekonferenz. Während sich im Straßenverkehr die Zahl tödlicher Unfälle mit Radfahrerbeteiligung weiterhin auf einem hohen Niveau bewege, gebe es keine Berichte von schweren Unfällen im Wald. Somit habe die Zwei-Meter-Regel den bereits vor ihrer Einführung bestehenden Zustand nachhaltig gesichert und werde daher auf alle Verkehrswege ausgeweitet. Das schließe ausdrücklich auch ausgewiesene Radwege mit ein.

  Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Infrastruktur, Politik | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Car Industry Strikes Back – Volvo Paints a Grim Picture

Ist das nun ein Aprilscherz oder bot sich der (nur leicht verfrühte) Veröffentlichungstermin an, um die Realsatire zu kennzeichnen?

http://www.copenhagenize.com/2015/03/car-industry-strikes-back-volvo-paints.html

Veröffentlicht unter Alltag, Politik, Technik | 2 Kommentare

Kommentar des ADFC Köln zum ersten Rad-Aktionstag 2015 der Kölner Polizei

Als Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Köln e.V. nehmen wir Stellung zum Rad-Aktionstag der Kölner Polizei und des Ordnungsamts der Stadt Köln.

Autoverkehr verursacht 70% der Verkehrsunfälle in Köln

Fehlende Sichtbeziehungen schaffen GefahrenDer Volksmund sagt: Glaube nur einer Statistik, die Du selbst gefälscht hast. So oder so ähnlich sieht es wohl auch mit zahlreichen scheinbar transparenten Auswertungen von Verkehrsunfällen aus. Durch geschicktes Setzen von Filtern für die hübschen blau-bunten Diagramme erweckt die Kölner Polizei den sehr tendenziösen Eindruck, dass Radfahrer und Autofahrer in gleichen Teilen für Unfälle verantwortlich seien. Was sie jedoch geschickt in den Zahlenwerken zu verstecken versucht ist, dass der motorisierte Individualverkehr in bis zu 70% der Unfälle mit Verunglückten der Unfallverursacher war. In lediglich 17% der Unfälle war in 2014 ein Radfahrer der Verursacher.

Ursachen für Unfälle mit Radfahrern

Schaut man sich die Ursachen für Radfahrunfälle genauer an, stellt man fest, dass eine Hauptunfallursache die „Benutzung von anderen Fahrbahnteilen“ ist. Radfahrer fahren also über Wege, die sie eigentlich nicht benutzen dürfen. Radfahrer fahren also zum Beispiel auf dem Gehweg, in falscher Fahrtrichtung auf dem Radweg oder benutzen einen benutzungspflichtigen Radweg nicht. Die Nutzung von Gehwegen durch Radfahrer und das sogenannte Geisterradeln verurteilt auch der ADFC. Für die Nichtnutzung der maroden und zugeparkten Radweginfrastruktur Kölns haben wir jedoch großes Verständnis. Allerdings stellen wir uns auch die Frage, warum sich Radfahrer hier so verhalten.

Fehlende Abstandskontrolle durch die Polizei

In einer Stadt, in der sich die überwiegende Anzahl der Autofahrer nicht an die vorgeschriebenen anderthalb Meter Mindestabstand beim Überholen hält, darf es nicht verwundern, wenn Radfahrer sich vielfach nicht mehr trauen, auf der Straße zu fahren. Leider werden die hier durch den Kfz-Verkehr begangenen Nötigungen von der Kölner Polizei weder kontrolliert noch verfolgt. Bringt ein Radfahrer diese zur Anzeige, heißt nur lapidar „Ihnen ist doch nichts passiert.“ – Dass hier eine Straftat nach §240 StGB begangen wurde, wird geflissentlich ignoriert. Wir würden uns hier als ADFC wünschen, dass die Polizei durch Kontrolldruck aber auch durch eine gezielte Informationskampagne die gefühlte Sicherheit des Radverkehrs auf der Straße erhöhen würde. Die Daumenregel „nur wenn ich die Spur vollständig wechsele, kann ich sicher sein, den Mindestabstand einzuhalten“ ließe sich sehr einfach kommunizieren. Dies hat nichts mit einem Wohlfühlklima zu tun, sondern würde mittelfristig das Ausweichen auf den Gehweg und damit auch die Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern selbst deutlich reduzieren.

Radfahrern wird häufig die Vorfahrt genommen

Ein Hauptgrund für Unfälle mit Kraftfahrzeugen ist das Nichtgewähren der Vorfahrt durch den Kfz-Führer. Dieses Thema könnte ebenfalls gezielt von der Polizei angegangen werden. Statt jedoch gezielte Schulterblickkontrollen vorzunehmen, konzentriert man sich vielmehr auf lukrative Repressionen gegen den Radverkehr. Statt an Unfallschwerpunkten zu kontrollieren sucht man sich bewusst missverständliche Stellen, wie z.B. die Kreuzung Maybachstraße/Krefelder Straße, für tägliche Maßnahmen durch die Fahrradstaffel aus. Wir fragen uns, warum die Polizei hier nicht ihrer gesetzlichen Aufgabe nachkommt, durch Einwirken auf die Stadtverwaltung, eine solche Stelle zu beseitigen. Die Haushaltslage des Landes kann und darf hierfür nicht der Grund sein.

Mitverantwortung der Behörden durch schlechte Infrastruktur

Lieferverkehr parkt auf Radweg in KölnViele gefährliche Stellen sind seit langem bekannt. Laut Aussage des Fahrradbeauftragten der Stadt Köln auf der Bürgerversammlung zum Radverkehrskonzept Innenstadt entspricht lediglich ein einziger Radweg in ganz Köln den Baurichtlinien und gesetzlichen Vorgaben. Im restlichen Stadtgebiet gibt es nur handtuchbreite Stolperwege, die beispielsweise an den Kölner Ringen durch die dortige Gastronomie führen. Unfälle mit Fußgängern und unter Radfahrern sind hier vorprogrammiert. Aber ebenso kommt es eben erst durch diesen Zustand zu den oft tödlichen Rechtsabbiegeunfällen. Statt diesen rechtswidrigen Zustand zu verändern, liest man dann wieder in den Pressemitteilungen von einem „übersehenem“ Radfahrer – welch ein Euphemismus. Durch die in diesem Jahr neu aufgestellten Werbetafeln wurden die Sichtbeziehungen an vielen Kreuzungen sogar noch deutlich verschlechtert.

Aufhebung der Radwegbenutzungspflichten

Aufgrund der Situation der gefährlichen Radweginfrastruktur ist es nicht verwunderlich, wenn viele Radfahrer – auch zu ihrer eigenen Sicherheit – die Straße benutzen. An vielen Stellen ist dies ja auch bei vorhandenem Radweg durchaus erlaubt, an anderen Stellen ist die Benutzungspflicht dringend aufzuheben. Über die Aufhebung der Benutzungspflicht müssen die Verkehrsteilnehmer informiert werden, da selbst die Polizei Köln schon häufig mit einer sehr eigenwilligen Interpretation der Rechtslage aufgefallen ist. Es ist an der Zeit, auf Straßen mit zwei Spuren je Fahrtrichtung der Empfehlung der von der Stadt Köln mitgegründeten Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte in NRW zu folgen und jeweils eine ganze Spur dem Radverkehr zuzuweisen und den gewonnenen Platz auf dem Bürgersteig den Fußgängern zuzuschlagen.

Verfolgung von Falschparkern

Parken auf Rad- und Gehwegen wird in Deutschland immer noch als Kavaliersdelikt angesehen. Deutschland ist hier europaweites Schlusslicht mit Bußgeldern, die 75% unter dem EU-Durchschnitt liegen. Die Störung des fließenden Radverkehrs durch Parksünder sollte daher zumindest konsequent durch das Ordnungsamt aber auch die Polizei verfolgt werden. Dies beginnt in der Kontrolle und Ausweisung von Haltezonen für den Lieferverkehr, damit dieser nicht in die zweite Reihe oder auf den Rad- und Gehweg ausweichen muss. Auch dies würde erheblich zur gefühlten und zur realen Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer beitragen. Leider wird dieses Thema in Köln nur an den beiden Radaktionstagen pro Jahr angegangen.

Erziehung zum Rotlichtvergehen

Eine weitere Hauptunfallursache von Radfahrern sind Vorfahrtmissachtungen mit und ohne Rotlicht. Unfälle mit Verunglückten aufgrund roter Ampeln werden hierbei in Köln entgegen der vorherrschenden Meinung in mehr als drei von vier Fällen durch Autofahrer verursacht. Allerdings halten sich auch zahlreiche Radfahrende nicht immer an die Signalanlagen. Auch wenn der Radfahrer im Gegensatz zum PKW hier in der Regel nur sich selbst gefährdet, sollte man die Ursachen für die fehlende Regelakzeptanz hinterfragen. Viele Kontaktschleifen in Köln reagieren nur auf den Autoverkehr. Der Radfahrende bekommt niemals Grün. Selbst in einer der beiden Fahrradstraßen (sic!) in der Nähe einer Schule ist dies so. Hier erzieht die Stadt schon den Nachwuchs dazu, dass der pragmatische Radfahrer ggf. auch mal bei Rot fahren muss.

Gängelung von Fußgängern und Radfahrenden

Wegequalität vieler Radwege ist unzureichendAn vielen anderen Stellen werden Fußgänger und Radfahrer gegängelt, beim Überqueren einer Straße bis zu drei alternierende rote Ampeln zu beachten. Zwischen den beiden Rotphasen haben die schwachen Verkehrsteilnehmer auf viel zu schmalen Verkehrsinseln zu warten. Eltern können sich hier beispielsweise auf der Rheinuferstraße entscheiden, ob sich ihr Fahrrad oder der Kinderanhänger dem Autoverkehr in den Weg stellen soll. Es kann nicht sein, dass man hier zwischen StVO und realer Sicherheit abwägen muss. Wir hoffen, dass Situationen wie diese vor dem nächsten schwer verletzten oder getöteten Radfahrer von der Stadtverwaltung beseitigt werden. Auf der Rekordkreuzung für Radfahrer in Köln soll man übrigens sieben unabhängig geschaltete Ampelanlagen auf hundert Metern vorfinden. Im Autoverkehr wäre so etwas undenkbar. Wir brauchen in Köln endlich auf den Rad- und Fußverkehr abgestimmte Signalanlagen für besseren Verkehrsfluss und eine erhöhte Regelakzeptanz.

Fehlende Investitionen in die Infrastruktur

Der Nationale Radverkehrsplan sieht für die Investitionen in den Kommunen einen Mittelbedarf von 8 bis 19 Euro pro Einwohner und Jahr vor. Als Stadt, die über Jahrzehnte den Trend zum Radfahren verschlafen hat, sollte man meinen, Köln würde sich an den für Vorreiter im Bereich Radverkehr empfohlenen 19 Euro orientieren. Die Realität liegt jedoch weit davon entfernt. Nicht einmal 2 Euro werden jährlich pro Einwohner in den Radverkehr investiert. Man verfehlt damit sogar den Mindestwert um 75%. Die Stadt sollte unter anderem mit dem kommenden Radverkehrskonzept für die Innenstadt und Deutz zeigen, dass sie es ernst meint mit dem Fahrrad als Verkehrsmittel. Der in den letzten Jahren um 25% gestiegene Anteil des Radverkehrs unterstreicht die Wichtigkeit unseres Anliegens. Wir werden diesen Prozess weiter konstruktiv im Sinne unserer 3.000 Mitglieder und aller Kölner Radfahrerinnen und Radfahrer begleiten.

Hinweis: Dieser Artikel wurde im Original am 31. März auf meinem privaten Blog veröffentlicht und hier auf diesen Termin zurückdatiert. Die Fotos wurden von Carolin Ohlwein (ADFC Köln) erstellt.

Veröffentlicht unter ADFC, Politik, Radverkehr | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Gefährliche am Radfahren: Die Autos

Radfahrerunfälle Unfallgegner EU 2012-1Der nächste bundesweite Blitzmarathon findet am 16. April 2015 statt. Todesursache Nummer eins auf den Straßen ist immer noch zu hohe Geschwindigkeit: Speed kills.

Auch die technische Aufrüstung der Pkw wird daran so schnell nichts ändern. Volvo hat seine Vision 2020 so formuliert: „Bis 2020 soll in einem neuen Volvo kein Mensch mehr sterben oder ernsthaft verletzt werden.“  Nicht eingeschlossen sind darin die ungeschützten Verkehrsteilnehmer vor, neben und hinter den neuen Volvos.

Quelle der Abbildung:
Fortschritt bei der Verkehrssicherheit in der EU, Ilyas Daoud, Project Manager ETSC PIN
Download der Präsentation:
http://www.gdp.de/gdp/gdpnrw.nsf/id/DE_Verkehrsforum-2014/$file/Ilyas_Daoud.pdf

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Knoten knüpfen im Sauerland: Neue Ausschilderung im Land der tausend Berge

Druckfrisch im März 2015: ADFC-Regionalkarte Sauerland und ADFC-Radausflugsführer Alte Bahntrassen im Sauerland (Foto: M. Isbruch)

Druckfrisch im März 2015: ADFC-Regionalkarte Sauerland und ADFC-Radausflugsführer Alte Bahntrassen im Sauerland (Foto: M. Isbruch)

Rad fahren im Sauerland – schon lange kein Geheimtipp mehr. Fanden vor Jahren noch fast ausschließlich Mountainbike und Rennrad Fahrende den Weg ins Land der tausend Berge, fasziniert die tolle sauerländische Landschaft zunehmend auch Genussradelnde. Im Zuge der Regionale 2013 wird das NRW-Radverkehrsnetz derzeit in der gesamten Region Südwestfalen aufgewertet durch ein Knotenpunktsystem. Schon vor Fertigstellung ist auch entsprechendes Kartenmaterial druckfrisch verfügbar.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Bücher und Karten, Radreisen, Radtouren | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 19 Kommentare

Jeden Tag 70 Verkehrstote in Europa

Nach Aussage der EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc sterben in Europa jeden Tag fast 70 Menschen im Straßenverkehr (siehe: Road safety in the European Union – Trends, statistics and main challenges, March 2015) Die Zahl der Schwerverletzten pro Tag liegt noch deutlich höher. EU-weit ist die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr im vergangenen Jahr nur leicht zurückgegangen. In Deutschland ging der Trend im Jahr 2014 leider in die gegenteilige Richtung. 3.368 Menschen starben im letzten Jahr auf deutschen Straßen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, waren dies 29 Getötete oder ein Prozent mehr als im Jahr 2013.

Ghost Bike in Berlin

Ghost Bike in Berlin

Das Ziel der EU-Kommission die Zahl der Verkehrstoten in Europa vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2020 zu halbieren, ist noch in weiter Ferne. Wie die EU-Kommission mitteilte, starben 2014 in den 28 EU-Ländern 25.700 Menschen bei Unfällen, rund ein Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der Verkehrstoten eigentlich auf 15.750 Personen reduziert werden. Seit dem Jahr 2010 sind die Verkehrsopferzahlen erst um 18 % zurückgegangen. Bei gestorbenen Fußgängern beträgt die Reduktion nur 11 % und bei Radfahrern sogar nur 3 %!

In Deutschland kamen 2014 im Durchschnitt 42 Menschen pro einer Million Einwohner im Straßenverkehr ums Leben, 2013 waren es 41 Menschen. Der EU-Durchschnitt liegt bei 50,5 Todesopfern pro einer Million Menschen. Am gefährlichsten ist der Straßenverkehr laut EU-Statistik in Lettland, dort wurden 106 Todesopfer pro Million Einwohner gezählt. Die wenigsten Toten gibt es in Malta mit 26 bzw. Schweden und Großbritannien mit jeweils 29 Opfern pro Millionen Einwohnern. Die Zahl der Personen, die in Deutschland schwer oder leicht verletzt wurden, erhöhte sich 2014 gegenüber dem Vorjahr um 4,0 % auf etwa 389.000 Menschen.

Die EU-Verkehrskommissarin will nun eine Studie zur Verkehrssicherheit in Auftrag geben. Dabei hatte das Europaparlament schon im Jahr 2011 eine Lösung aufgezeigt: Mit breiter Mehrheit empfahl das Gremium, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Städten einzuführen.

Für mehr Verkehrssicherheit in Europa zu sorgen ist längst überfällig. Vor kurzem wurde ein 10 Punkte Programm für mehr Verkehrssicherheit bei „it started with a fight“ veröffentlicht, welches eine gute Basis für die EU-Kommission und unseren Verkehrsminister Herrn Dobrindt wäre, um endlich tätig zu werden.

Veröffentlicht unter Allgemein, Infrastruktur, Politik, Radverkehr, Recht | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar