Lieber Herr Ramsauer,

Sie hätten beobachtet, wie Radler unter den Augen von Polizisten rote Ampeln und jede Verkehrsregel missachteten, sagten Sie der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (Ausgabe vom 10.4.2012). Manchmal sei die Polizei schlicht und einfach überfordert, der Verrohung dieser Kampf-Radler endlich Einhalt zu gebieten.

Radfahrerin umgeht das Auto auf dem Radweg.


Lieber Herr Ramsauer,
ich habe selbst beobachtet, wie …
… Polizeiautos auf Radwegen parkten, weil die Besatzung Fritten holen gegangen war.
… Autofahrer auf Radfahrstreifen parken und von Polizisten dazu noch ermuntert wurden.
… Autofahrer mich ohne Seitenabstand überholten und dabei ihren Außenspiegel zerdepperten.
… Autofahrer mich verfolgten, nachdem ich sie kritisiert hatte, weil sie auf Radwegen geparkt hatten.
… Autofahrer rechts abgebogen sind, obwohl ich auf dem Radweg neben ihnen war.
… entgegenkommende Autofahrer versuchten, mich über den Haufen zu fahren.
… Autofahrer innerorts viel zu schnell fuhren.
… Autofahrer über rote Ampeln fuhren.
… Autofahrer abbogen, ohne den Blinker einzuschalten.
… Autofahrer überall parken, wo noch eine freie Fläche ist, Gehweg hin oder her.
… Autofahrer mich anpöbelten und nötigten, weil ich rechtlich einwandfrei auf der Fahrbahn fuhr.
… Autofahrer mich im letzten Moment überholten, um vor mir an der roten Ampel zu sein.
… Autofahrer vor mir mit den Reifen bis an den Bordstein fuhren, damit ich ja nicht vorbei kam.
… Autofahrer versuchten, mich am Linksabbiegen zu hindern.

Verkaufsstelle auf dem Radweg.


Lieber Herr Ramsauer,
ist die Polizei denn wirklich damit überfordert, die Radfahrer vor den total verrohten Autofahrern zu schützen?

Parkendes Auto verhindert Einfahrt.

Lieber Herr Ramsauer,
ich fahre ja auch selbst Auto, aber …
ich kann nicht sagen, dass ich noch nie zu schnell gefahren wäre.
Ich kann nicht sagen, dass ich noch nie falsch geparkt hätte.
Ich kann nicht sagen, dass ich noch nie einen Radfahrer übersehen hätte.
Ich kann nicht sagen, dass ich noch nie den Blinker vergessen hätte.
Ich kann nicht sagen, dass ich noch nie zu dicht an einem Radfahrer vorbei gefahren wäre.

Lieber Herr Ramsauer,
kann die Polizei mich denn wirklich nicht vor mir selbst schützen?

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Über Klaus Kuliga

Seit 25 Jahren Arbeit an demselben Projekt: Aus Bochum eine fahrradfreundliche Stadt machen. Eine fahrradfreundliche Stadt ist eine Einladung zum Rad fahren. Immer, überall, für jeden. Nicht ohne meinen ADFC. Zur Zeit Vorsitzender beim ADFC Bochum.
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8 Antworten auf Lieber Herr Ramsauer,

  1. avatar Thomas Semmelmann sagt:

    Herr Ramsauer hat Angst davor, dass es bald noch mehr Fahrräder auf den Straßen geben wird und der Verkehrsraum zu Lasten des Autoverkehrs neu aufgeteilt werden muss. Eine billige Kampagne um die Radfahrer zu diffamieren. Zukunftsfähigen und nachhaltigen Verkehr auf unseren Straßen scheint ihn nicht zu interessieren
    .

  2. avatar Robert Hildebrand sagt:

    Lieber ADFC, Lieber Herr Ramsauer!
    Beide habt ihr Recht und Unrecht.
    Zuerst mal zu mir: Ich bin begeisteter Radfahrer, der das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel nutzt, zur Fahrt zur Arbeit ganzjährig, zum einkaufen, für die Fahrt um etwas zu erledigen, für die Feierabendtour, für die Tagestour, für die Reise, etc, auf dem Lande, in der Stadt, mehrere 1000km jährliche Fahrleistung.
    Leider muss ich Herrn Ramsauer in vieler hinsicht bestätigen. Vor allem in Großstädten, in Hamburg und Köln hab ich es als besonders krass empfunden, verhalten sich der überwiegende Teil der Radfahrer fast anarchisch, da fällt man eher als StVO-konformer radfahrer auf als als Kampfradler. Es wird permanent auf der falschen Seite geradelt, Rote Ampeln:”Was ist das?”, Fahren ohne Licht in der Dunkelheit:”Licht am Rad? Wieso, ich seh doch genug!” Fahren auf Bürgersteigen, in Fußgängerzonen obwohl untersagt, alles ist dabei. Leider!! da krieg selbst ich als Radfahrer manchmal so richtig ne Krawatte. Ok, Autofahrer und Fußgänger sind auch keine Engel, besonders Autofahrer, die permanent Radstreifen als Parkstreifen missbrauchen, die Radfahrer beim Linksabbiegen zur Vollbremsung zwingen oder mal eben so abdrängen.
    Ich bin, ehrlich gesagt, dafür, dass die Polizei viel mehr den Straßenverkehr kontrolliert und auch gleich mal den Protokollblock zückt um für Ordnung zu sorgen. So jedenfalls kann es nicht weiter gehen.

  3. avatar Michael sagt:

    Lieber Robert Hildebrand, Ramsauer hat nicht recht.
    Es gibt sicher deutlich mehr Radfahrer, die sich an Regeln halten, als die zitierten Kampradler.
    Es spricht nichts dagegen Knöllchen an Radfahrer zu verteilen, die sich und andere durch ihr Verhalten gefährden. Allerdings sollte auch versucht werden, die Ursachen solchen Verhaltens aufzuspüren und abzustellen. Gerade die vielfach auf Gehwegen fahrenden Radfahrer tun dies häufig nicht um schneller zu sein, sondern weil sie sich sicherer fühlen. Wer ständig auf der Fahrbahn viel zu eng überholt und geschnitten wird, kann dort kaum ein Sicherheitsgefühl entwickeln.
    Stadtverwaltungen, die unzureichende oder fehlerhafte Radverkehrsanlagen akzeptieren und Radfahrer zu Regelverstößen zwingen sind leider immer noch keine Ausnahme. Radverkehr ist schon bei der Planung kein gleichberechtigter Verkehrspartner.
    Im übrigen sollte sich Politik eher um ein verständnisvolles Miteinander bemühen als einseitig Schuldzuweisungen zu verteilen.

  4. avatar Frank ter Veld sagt:

    Natürlich gibt es Kampfradler, aber soll ausgerechnet einen Minister solche Ausdrücke wählen? Ich fahre als Niederländer jetzt fast 10 Jahre Rad in NRW. Die Fahrradinfrastruktur ist ähnlich wie damals in den 80-er Jahre in meine Heimatstadt Groningen: Rudimentär. Und da hilft wirklich nur eins: der Radfahrer muss seinen Platz e r k ä m p f e n. Mit viel Handgestik soll man immer die Autofahrer auf ihr falsches (und sehr gefährliches) Fahrverhalten hinweisen. Dass unser Herr Ramsauer viele neue Ideen zugeschoben bekommt von die Lobby der Autoindustrie ist natürlich ganz Süß aber der Trend geht eindeutig in eine andere Richtung. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

  5. avatar Klaus Kuliga sagt:

    Auch Autofahrer fahren häufig bei Rot

    Vier von fünf Autofahrern haben in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Rotlichtverstoß begangen, zitiert die WAZ eine Umfrage von Infratest und E-Plus.

    Und in Flensburg ist zu hohes Tempo der häufigste Eintragungsgrund.

    80% Kampfraser also …

  6. avatar Klaus Kropp sagt:

    Hallo, ich frage mich wie wir in Berlin die Autofahrer von den Fahrradstreifen herunter bekommen. Heute habe ich an gefährlicher Stelle einen Rettungswagen der Berliner Feuerwehr gesehen. Die beiden Fahrer und Beifahrer haben die Karre mitten in der Kurve geparkt, sind dann gemütlich zum Döner gegangen, und kamen nach 10 Minuten wieder. Wer möchte die Bilder haben? Es ärgert mich maßlos und nix ändert sich! Das sind unsere Fahrradstreifen, die tagtäglich in Berlin 100fach missbraucht werden, zum Fritten holen, mal schnell einkaufen (das heißt dann alles be- und entladen!!!) Dabei wird die Gefährdung der Radfahrer billigend in Kauf genommen. Warnblinker an, 15 Minuten keine Parkgebühren zahlen, Parkplatzsuche gespart, und dann weiter gehts. ICH BIN ES LEID!

    Fragt sich was wir tun können. Denn die Polizei macht nix dagegen. Vermutlich lohnt es sich nicht.

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