“Am Kümpchenshof” Erfahrungsbericht und Lösungsvorschlag

Warum eine gemischte Auto-Rad-Spur vor dem Parkhaus eines großen
Multiplex-Kinos nicht funktioniert und die simple Lösung

Hintergrund:

In den Sommerferien 2015 wurde die Straße “Am Kümpchenshof” am Mediapark umgestaltet. Hierbei handelt es sich um einen der wichtigsten Knotenpunkte sowohl für den Radverkehr als auch für den motorisierten Individualverkehr. Vor dem Umbau standen dem Autoverkehr vier volle Fahrspuren zur Verfügung, dem Radverkehr keine. Ziel war es daher, dass “[…] die Straße unter Berücksichtigung der Belange aller Verkehrsarten umgestaltet werden” sollte.

Kümpchenshof geschwärzt 2

Typische Situation an einem Freitag Abend. Links im Bild die gemischte Spur.

Konkret geplant wurde zunächst lediglich eine weitere Spur für den motorisierten Individualverkehr der in die Tiefgarage abbiegen möchte. Die Begründung dafür liegt weit in der Vergangenheit, der Rückstau der Kinobesucher löste angeblich teilweise Staus bis auf die Ringe aus. Bei Ortsterminen der Bezirksvertretung Innenstadt an Wochenenden ließ sich dies allerdings nicht bestätigen. Ausführliche Analyse der Fraktion “Deine Freunde”

12516807_10206858131310656_354668905_o (2)

Piktogramm: Parkhaus und Fahrrad

Doch was ist mit dem Radverkehr? Dieser war in den alten Beschlussvorlagen immerhin durch den rot markierten Eingangsbereich der Spur geplant.

Um den Radverkehr etwas besser zu berücksichtigen keimte die Idee der Shared Lane auf, also einer gemeinsamen Fahrspur für Rad- und Autofahrer. Zur Verdeutlichung des Zwecks dieser Spur wurden großflächige Piktorgramme auf der Fahrbahndecke aufgebracht, ein Fahrrad- sowie ein Parkhaus-Symbol. Allerdings ist das Parkhaus-Symbol deutlich größer und farblich auffälliger als das Fahrradsymbol.
Ob es an den Piktogrammen liegt oder an dem Konzept der Shared Lane allgemein ändert am folgenden Ergebnis nichts.





Erfahrungssbericht:

Die letzten Monate zeigen leider sehr deutlich, dass Verbesserungen für den Radverkehr nicht existent sind. Neben dem absehbaren hohen Aufkommen von Autos die sowohl tagsüber als auch abends, während der Woche genauso wie am Wochenende in die Tiefgarage abbiegen wollen, wird die Spur leider zusätzlich von vielen weiteren Verkehrsteilnehmern zweckentfremdet:

  • Taxifahrern die dort halten oder gar parken um auf Hotel-Gäste zu warten oder dort rauszulassen
  • Autofahrern die dort halten und jemanden am Kino aussteigen lassen und dann über die Erhebung zurück auf die ursprünglichen Spuren fahren
  • Autofahrern die absichtlich diese Spur nutzen um andere Autos rechts zu überholen und am Ende wieder auf die anderen Spuren zu wechseln

Collage

Darüber hinaus achten die wenigsten Autofahrer beim Abbiegen in die Tiefgarage auf kreuzende Radfahrer. Dass es hier bisher noch zu keinem schweren Unfall gekommen ist kann nur auf umsichtiges Verhalten der Radfahrer zurückzuführen sein.

Das oben genannte Verhalten der Auto-und Taxifahrer ist leider kein Einzelfall, sondern lässt sich dort zu fast jeder Uhrzeit beobachten. So ist die Idee der geteilten Spur schon im theoretischen, reibungslosen Zustand nicht jedermanns Sache. Viele möchten mit dem Fahrrad generell nicht in Konkurrenz zu Autos und LKW treten. Am Kümpchenshof kommt noch erschwerend hinzu, dass es sich um ein vielbefahrenes Parkhaus mit über 1.500 Stellplätzen handelt. In Kombination mit den Taxis und der Spur als Absetzpunkt ist die Infrastruktur für Radfahrer kaum nutzbar.

Die derzeitge Lösung ist für eine Stadt die sich eine Steigerung des Radverkehrs und eine Reduzierung des Autoverkehrs auf die Fahne geschrieben hat ungenügend. Damit der Radverkehr an dieser Stelle endlich den Raum erhält den er gerade dort dringend benötigt (die angrenzende Maybachstr. ist eine der Hauptverkehrsachsen des städtischen Radverkehrs) ist eine erneute Bewertung der Situation unabdingbar.

Lösungsvorschlag:

Karte beschriftetWas vielleicht nicht jedem klar ist, das Parkhaus, welches unterirdisch weite Teile des Mediaparks umfasst, hat zwei Ein- und Ausfahrten. Der zweite Zugang befindet sich im Bereich der Erftstraße und ist in seiner Dimension autobahnartig angelegt.
Somit wäre die umstrittene Zufahrtsspur Am Kümpchenshof überflüssig. Die Ein- und Ausfahrt über die Erftstraße bedarf keiner Umbaumaßnahmen. Die U-Turn-Möglichkeit ist lediglich 900m entfernt und bereits ausgeschildert. Die dortige Einfahrt in das Parkhaus ist durch eine eigene Abbiegespur und eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der Fahrbahn ausgestattet. Die gigantische Zerschneidung des Lebensraums durch die “Autoschlucht”, wie in den 90’er Jahren üblich, könnte jetzt wenigstens zur Entspannung der Situation an der Maybachstraße beitragen. Auch die Problematik des vermeintlichen Rückstaus an den Ringen wäre somit aufgelöst.
Collage4
Wenn Köln die im Strategiepapier “Köln Mobil2025” angestrebte Veränderung der Mobilität wirklich ernsthaft erreichen will, dann muss kurzfristig die neue Spur zu einer reinen Fahrradspur werden und der Autoverkehr wieder auf die vier ursprünglichen Spuren begrenzt werden.

Die einzigen kleinen baulichen Anpassungen wären:

  • ein Schild an der derzeitigen Einfahrt am Kümpchenshof mit dem Hinweis zur Einfahrt an der Erftstraße.
  • Die Einfahrt am Kümpchenshof für den Autoverkehr durch Poller verhindern
  • Die Taxizone am Cinedom als Absetzpunkt für Hotel- und Kinobesucher im privaten Pkw ausweisen

Außerdem muss seitens Politik und Verwaltung dringend das Gespräch mit dem Kinobetreiber gesucht werden um anreisende Kinobesucher zur Nutzung anderer Verkehrsmittel zu bewegen. Es kann nicht sein, dass auf der Homepage des Kinos die nahe gelegenen U-und S-Bahn-Haltestellen mit keinem Wort erwähnt werden. Darüber hinaus könnte über eine Kooperation mit der KVB bzw. dem VRS nachgedacht werden um beim Online-Kauf von Kinotickets die Gratis-Nutzung des ÖPNV zur An-und Abreise anzubieten (wie es heute bereits bei vielen Veranstaltungen normal ist).

Christian Hüskens
Jonas von Knobloch

Weitere Bilder: https://goo.gl/photos/xaXzhbZbjohxnSqj8

avatar

Über Jonas von Knobloch

Seit knapp 10 Jahren in Köln. Geboren und aufgewachsen in Karlsruhe. Soziologe und Fahrrad-Evangelist. Da die Mobilität mit dem Fahrrad auf nachhaltigen und universell gültigen Prinzipien beruht, ist nach Abwägung unterschiedlicher Perspektiven das Fahrrad oft Teil der Lösung für alle Beteiligten im urbanen Raum.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Alltag, Infrastruktur, Politik, Radverkehr abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten auf “Am Kümpchenshof” Erfahrungsbericht und Lösungsvorschlag

  1. avatar Alfons Krückmann sagt:

    Klingt sehr schlüssig.
    Eine Ausweitung der Leistungsfähigkeit des MIV ist – allen populistiscen Unkenrufen zum Trotz – niemals Teil der Lösung sondern immer und überall nur Teil des Problems.

    Sehr schön beim Lösungsvorschlag finde ich die Berücksichtigung des Umweltverbundes. Funktionierender Radverkehr braucht eine hohe Qualität von Fussverkehr und ÖPNV. Da funktioniert der Umweltverbund meist wie ein dreibeiniger Schemel.
    Der Autoverkehr führt ja nicht nur zu Lungenkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, …, …, …, …, sondern er ist auch zuverlässig der Hauptverhinderer einer menschengerechten Mobilität.

    Diese merkwürdige Radverkehrsplanung, die glaubt den Autoverkehr unangetastet lassen zu können, oder die diesen sogar noch ‘verbessern’ bzw. ‘verflüssigen’ will, funktioniert doch weltweit nirgendwo. Resultat ist immer – ist ja auch logisch – eine Steigerung des MIV und damit eine Steigerung der Problemlagen. Auch wenn es die “ich möchte auch gern flüssig mit dem Auto unterwegs sein” – Fans das nicht gerne hören: solche halbherzigen Scheinlösungen nach dem Motto ‘Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass’ sind kontraproduktiv.

    Manchmal drängt sich der Eindruck auf, dass die Planer befürchten ihnen fiele die Hand ab wenn sie bei einer “Radverkehrsfreundlichen” Planung ‘versäumen’ die ‘Leistungsfähigkeit’ des MIV zu erhöhen.

    Aber beim “Kölner Klüngel” … …
    Wenn man sich das hier
    http://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/stadtentwicklung/koelner-perspektiven-zur-mobilitaet
    kritisch durchliest und auch ‘Kann Köln von xxx lernen’ zur Kenntnis nimmt, dann ist da herzlich wenig Positives erkennbar.
    Das Motto: “Ein ‘weiter so’ darf es nicht geben, also: weiter so”

  2. Spannend ist, ob es rechtlich möglich ist, eine seit Jahren im Betrieb befindliche Zufahrt zu schließen. Der Betreiber wird sich da wehren und ggf. wird es auch als Fluchtweg benötigt.

    Würde man mit dem seitlichen Abpöllern der Spur bis in die Einfahrt nicht bereits verhindern, dass die Spur zum Halten, Parken und rechts Überholen genutzt werden kann?

    • Rechtlich: Selbst auf der Schildergasse fuhren früher Autos. Sicher nicht einfach das juristisch zu erörtern. Wenn die Einfahrt zBsp in den Grundbüchern so eingetragen ist, oder wie auch immer man das regelt bei dieser Größenordnung, könnte das schon knifflig werden mit guten Argumenten für die Betreiber. Insbesondere mit dem zweiten Eingang ins Parkhaus aber gar nicht mal so radikal bei gleichzeitig großem Gewinn für RadfahrerInnen. Der sollte ja im Vordergrund stehen. Man muss dem Gebäude auch zugestehen, dass durch den enormen technischen Aufwand der Tiefgarage eine große Autofreie Zone entstanden ist. Falls das Sperren des Eingangs (Ausfahrt ist ja unproblematischer) nicht möglich ist, könnte man zumindest wieder zurück zu 4 Spuren ohne eigene Parkhausspur.

      Pollern: Wäre ein weiterer Kompromiss der besser ist als jetzt.
      Nachteil beim Einsatz von Pollern: es bleibt eine shared lane, selbst wenn das Parken hierdurch einzudämmen wäre. Das Pollern würde auch das Umfahren von PKWs dort erschweren. Insgesamt vermutlich kein richtig guter Radverkehr zu vielen Verkehrszeiten.

  3. avatar Bastian T sagt:

    Die Idee klingt sehr interessant, auch wenn die “Sperrung” des Tiefgarageneingangs noch recht unrealistisch erscheint. Für den Fluchtweg kann der Ausgang ja bestehen bleiben.

    in eigener Sache: Eine Spur ziehe ich im Schnee!! Der Autofahrer sogar zwei!
    Ihr brecht jedesmal das Herz eines Straßenverkehrsrechtlers, wenn der “Fahrstreifen” irrtümlich als Spur bezeichnet wird. 😉

    Fahrstreifen ist der Teil einer Fahrbahn, den ein mehrspuriges Fahrzeug zum ungehinderten Fahren im Verlauf der Fahrbahn benötigt. §7(1) StVO

  4. avatar Markus MK sagt:

    Wir haben hier vor Ort in einem wesentlich kleiner dimensionierten Fall einfach einen Mehrzweckstreifen auf der Mittleren der drei Fahrstreifen. Darauf wurde dann eine Verkehrsinsel angelegt. Diese trennt den Verkehr in zwei Hälften. Hinter dieser Verkehrsinsel verläuft ein Geradeausstreifen, der kaum benutzt wird.
    Autofahrer fahren meist auf der Linksabbiegespur oder behindern sich rechts vor dem Parkhaus im weiteren Verlauf gegenseitig. Radfahrer müssen zunächst rechts an der Verkehrsinsel vorbei und dann auf die (leere) mittlere Spur.

  5. avatar Petra sagt:

    Verkehrsausschuss TOP 5.5 am 26.04.2016
    https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=57578&search=1

    Zitat: “Kostenerhöhung bei der Realisierung der Maßnahme „Umbau der Straße am Kümpchenshof von Hansaring bis Maybachstraße“ über insgesamt 213.000 €. Die Gesamtkosten betragen nunmehr 929.090,45 € statt bisher 716.090,45 €.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *