Rückenwind – Ein Streifzug durch die Fahrradgeschichte

Das Fahrrad in der modernen noch heute bekannten Bauform des Safety, dem Sicherheitsfahrrad, existiert nun seit 125 Jahren. Seitdem kann das Fahrrad eine große Erfolgsgeschichte als das effizienteste und ökologischste Verkehrsmittel vorweisen. Das Historische Museum in Bielefeld zeigte eine Sonderausstellung zum Thema und ergänzte sie mit dem vorliegenden Buch. Dass die Geschichte des Fahrrades nicht nur die Geschichte der Fahrradtechnik ist, sondern viele andere historische Wirkungen erzielt hat, erzählt das Buch “Rückenwind” packend und lebendig. Neben der Technik werden auch gesellschaftliche, politische und sportliche Themen in spannenden Essays aufgezeigt.
Ein Beitrag des Buches erklärt den Zusammenhang zwischen der Fahrraderfindung durch den Freiherrn von Drais im Jahre 1817 und einer vorausgegangenen Klimakatastrophe, ausgelöst durch einen Ausbruch des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa. Missernten und horrende Haferpreise schufen damals ein Bedürfnis nach pferdeloser Mobilität. Dass das Laufrad von Herrn Drais nicht nur der Vorläufer unseres Fahrrades war, sondern dass sich das Automobil auf die gleichen Entwicklungslinien zurückführen lässt, wird plausibel dargelegt.
Die emanzipatorische Wirkung des Fahrrades auf die Frauen um das Jahr 1900 wird in einem weiteren Artikel lebendig. Vermännlichung, gesundheitliche Risiken und gefährdete Sittlichkeit durchs Radfahren wurden zur damaligen Zeit heftigst diskutiert. Die Mode der Frauen änderte sich deutlich durch die Fahrradnutzung. Traditionelle Röcke waren auf dem Rad nicht mehr tragbar.
Die Geschichte des Kinderrades, des Gepäcktransportes oder des Fahrradlichts werden beleuchtet und lassen den Leser das heute Selbstverständliche staunend neu betrachten. In Beiträgen zur Arbeiterkultur und zum Nationalsozialismus wird die Wechselwirkung von Politik und Fahrradgeschichte nachgezeichnet. Die Gründung und Auflösung des Arbeiter-Radfahrerbundes aufgrund von Repression in der Kaiserzeit, die Gleichschaltung des Radfahrvereins „Solidarität“ und die Instrumentalisierung des Fahrrades durch die Nationalsozialisten sind weitere Inhalte.
Das vorliegende Buch spart das Thema Doping nicht aus und erzählt die Anfänge der Leistungssteigerung im Radsport schon in den frühen Radrennen. Die dargelegten Ursachen des Dopings haben heute noch Gültigkeit, auch wenn die verwendeten Substanzen sich stark geändert haben.

Rückenwind – Ein Streifzug durch die FahrradgeschichteHerausgeber:
Michael Bollschweiler, Michael Mertens und Gerhard Renda
BVA Bielefelder Verlag
ISBN-10: 3870735058
Preis: 19,90 €

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Bücher und Karten, Technik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.