„Holland“ mal ganz anders

Während einer Kutschfahrt kann man das Freilichtmuseum Bokrijk mühelos besichtigen.

Ein Besuch in Limburg

Im Süden der Niederlande lässt sich gut erfahren, dass eben doch nicht alles „Holland“ ist. Die Landschaft westlich von Aachen hat mit den üblichen Klischees des platten Landes nichts zu tun. Einzig die lockere Lebensart der Niederländer ist vielfach zu spüren. Dazu kommt aber bereits der vor Ort angebaute Wein und so wirbt die Region unter dem Titel „burgundisch genießen“.

Die grenzüberschreitende Region Limburg unterteilt sich in eine niederländische und eine belgische Provinz Limburg. Die Maas ist das verbindende Element und schlängelt sich von Nord nach Süd durch Limburg. Der Süden der Provinz hebt sich deutlich vom Rest der Niederlande ab, da er eine der wenigen hügeligen Regionen ist. In Limburg befindet sich der höchste Punkt der Niederlande, der Vaalserberg. Wer es im hügeligen niederländischen Süden bequemer mag, kann mit dem Leihrad „groene fiets” (grünes Fahrrad) mit Elektroantrieb die Hügel erklimmen. Die flache Landschaft Nord-Limburgs lädt zu ausgedehnten Radtouren ein.

Ladestation für Pedelec an einem „Fietscafé“

Auch der Genuss kommt nicht zu kurz, Spitzengastronomie oder Fritten gefällig?

Dank der genauen Beschilderung von Knotenpunkt zu Knotenpunkt finden sich Radfahrer auf dem 3.500 Kilometer langen Netzwerk leicht zurecht. An allen Knotenpunkten helfen Übersichtskarten, sich zu orientieren. Mittlerweile wird das im belgischen Limburg entwickelte Knotenpunktsystem sogar in Teilen von Nordrhein-Westfalen angewendet. Viele Wege führen durch malerische Dörfer und Landschaften, fernab von großen Straßen.

Für Radurlauber ist Limburg der Himmel auf Erden. Bei einer Umfrage in Belgien wurde die Region Limburg mit über 61 Prozent zur Radregion des Jahres 2011 gewählt. In einer eh schon fahrradfreundlichen Umgebung ist dies ein tolles Ergebnis.Die Region hat eine hervorragende Infrastruktur und vorbildliche Serviceleistungen entwickelt, die den Urlaub in vollen Zügen genießen lassen.

Wer sich zwischendurch eine Erfrischung gönnen will, kann das auf belgischer Seite in Fahrradlokalen, den so genannten „Fietscafés“ tun. Diese Gaststätten haben neben frühen Öffnungszeiten u.a. einen Fahrradunterstand, Reifenflickset und Luftpumpe zu bieten.

 Qual der Wahl

Die Burgruine hoch über Valkenburgh

Leben in Maastricht

Problematisch ist allerdings die Auswahl der Ausflugsziele. Ein „Tagesausflug“ wird hier schnell zu einem „Wochenendausflug“.

Im Herzen Europas gelegen, hat die Geschichte bereits seit den Römern eine Vielzahl  besuchenswerter Orte, Schlösser und Kirchen geprägt. Limburg ist eine Schatztruhe voll mit Kunst, Kultur und Geschichte. In jedem Dorf und jeder Stadt findet sich die eine oder andere Sehenswürdigkeit wie zum Beispiel ein mittelalterliches Schloss, eine besondere Kapelle, eine Kirche mit Schatzkammer oder ein interessantes Museum. Die Museen erzählen Geschichten über das reiche römische Leben, die Torfstecher des Peel, die vielen historischen Dörfer und über das Leben auf dem Land. Im belgischen Tongeren lassen sich z.B. beeindruckende Spuren römischer Geschichte entdecken.

Umnutzung einer Kirche zur Buchhandlung

Empfehlenswert ist ein Besuch der Stadt Maastricht. Eine ehemalige Dominikanerkirche in der  Dominikanerkerkstraat 1 erinnert ein wenig an Harry Potter. Die Kirche beherbergt heute eine große Buchhandlung mit Cafe.

Einen besonderen Ausflug in die Vergangenheit kann man im belgischen Freilichtmuseum Bokrijk erleben. Mehr als 100 historische Häuser, Scheunen und Mühlen aus Flandern wurden dort in ihrem ursprünglichen Zustand wiederaufgebaut und sogar das Mobiliar, die landwirtschaftlichen Geräte und der Hausrat sind authentisch. Zahlreiche Statisten spielen als Handwerker, Bauern, Bäcker, Pastor und weiteren Rollen alltägliche Szenen von früher nach und lassen auf diese Weise die Vergangenheit wieder aufleben. Das Freilichtmuseum ist von April bis September geöffnet.

Ausstellungsraum im Freilichtmuseum Bokrijk. Tuchhändler wie die Familie Brenninckmeier (C&A) haben hier den Grundstein für ihren wirtschaftlichen Aufstieg gelegt

Informationen unter: www.bokrijk.be

Die Bergbauvergangenheit Limburgs wird im historischen Revier von Winterslag (Genk) lebendig. Hier erhob sich der erste Limburger Schachtturm aus dem Boden und hier begann auch die erste Steinkohleproduktion. Die ehemaligen Zechengebäude und Maschinen werden derzeit restauriert und im Laufe der kommenden Jahre unter dem Namen „C-Mine“ als Kunst- und Kulturzentrum dem Publikum zugänglich gemacht.

Für eine Radreise durch das historische Limburg sind natürlich auch Schlössertouren zu empfehlen. Eine der Routen beginnt im südlich von Venlo gelegenen Klosterdorf Steyl mit seinen Gärten und ehemaligen Handelshäusern und endet im historischen Städtchen Baarlo. Eine weitere führt durch die verträumte Schlosslandschaft Hespengau. Obstplantagen, Baumschulen und Weinberge säumen den Weg, an dem ein fast jedes Dorf sein eigenes Palais zu haben scheint.

Eine unterirdische Kirche wurde in einer Valkenburger Mergelgrotte eingerichtet.

Außergewöhnlich ist auch ein Besuch der limburgischen Mergelgrotten. Hier wurde in Stollen der begehrte Mergelstein abgebaut. Die Grotten sind heute für Besucher geöffnet. Interessant sind die Wandmalereien und Steinskulpturen, die im Laufe vieler Jahre entstanden sind.

http://www.lustauflimburg.de/radfahren

Fotos und Text: Michael Kleine-Möllhoff

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Über Michael Kleine-Möllhoff

Meine Fahrten erledige ich meist mit dem RAD oder dem ÖPNV. Ein Auto benötige ich sehr selten. Verantwortlich bin ich für die Zeitschrift RAD im Pott. Vorstandsmitglied im ADFC-NRW und ADFC-Duisburg.
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