Stopp! Grün. Warten Sie auf Rot.

Die optimale Ampelschaltung für Radfahrer – a la Bochum.
Herner Straße / A43 Bochum: Bitte warten.Wahrscheinlich ist das eine einzigartige Definition von “fahrradfreundlich”.

Radfahrer bekommen an der Kreuzung Herner Straße / A43 in Bochum eine durchlaufende Grünphase, um geradeaus über die Kreuzung zu fahren. Aber nur, wenn sie bei Grün anhalten, auf Rot warten und dann per Tastendruck Grün anfordern. Aber auch dann ist das durchlaufende Grün nicht gewährleistet. Wenn nämlich kurz vorher zum Beispiel ein Fußgänger in Gegenrichtung unterwegs war, hat er das durchlaufende Grün bekommen und der Radfahrer darf auf 35 Metern vier mal an  einer roten Ampel warten. Das dauert dann bis zu dreieinhalb Minuten. Aber nur, wenn er nicht vergisst, an der vierten Ampel nochmals Grün anzufordern. Ander als die ersten drei Ampeln zeigt die vierte nämlich immer nur auf Anforderung Grün.

Die Verwaltung sagt: “Diese Signalisierung stellt den bestmöglichen Kompromiss aus den Forderungen der einzelnen Verkehrsteilnehmer dar.

Die Möglichkeit zum Lottogewinn im Grünroulette wurde erst auf Protest nachgerüstet. Die Grünphasen für den Autoverkehr wurden und werden selbstverständlich seit dem ersten Tag und ganz ohne Proteste durch Induktionsschleifen bedarfsgerecht gesteuert. Radfahrer bekommen keine Induktionsschleifen. Radfahrer bekommen unlösbare Rätsel, die unendliche Geduld erfordern.

Die Verwaltung gab einem verwirrten Radfahrer bereits 2010 schriftlich folgende Bedienungsanleitung:
Ich vermute dass Sie an dem ersten Überweg zufälligerweise Grün hatten und somit den ersten Taster nicht betätigt haben. Dieser ‘Fehler’ ist uns bereits aufgefallen. Ich bitte Sie, auch bei Grün den ersten Taster zu bedienen um eine Freigabe über alle Fahrspuren anzufordern. Sollten Sie mit Ihrem Anhänger unterwegs sein, würde ich Ihnen empfehlen, vor dem ersten Überweg zu warten, auch wenn dieser Grün zeigt.

Verbunden war das mit der Zusage, an der zweiten Ampel einen zusätzlichen Taster zu installieren, der ein durchlaufendes Grünsignal für die drei restlichen Ampeln anfordern sollte, wenn die erste Grün gezeigt hatte. Das funktioniert bis heute nicht. Verschwiegen wird, dass der Taster an der ersten Ampel bei Grün funktionslos ist. Verschwiegen wird auch, dass das durchlaufende Grün nur erscheint, wenn dem ein Umlauf mit vier mal Rot voraus ging.

Mehr dazu auf www.adfc-bo.de.

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Über Klaus Kuliga

Seit 30 Jahren Arbeit an demselben Projekt: Aus Bochum eine fahrradfreundliche Stadt machen. Eine fahrradfreundliche Stadt ist eine Einladung zum Rad fahren. Immer, überall, für jeden. Nicht ohne meinen ADFC. Zur Zeit Vorsitzender beim ADFC Bochum.
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2 Kommentare zu Stopp! Grün. Warten Sie auf Rot.

  1. avatar N.M. sagt:

    Die Grünphasen für den Autoverkehr wurden und werden selbstverständlich
    seit dem ersten Tag und ganz ohne Proteste durch Induktionsschleifen
    bedarfsgerecht gesteuert. Radfahrer bekommen keine Induktionsschleifen.
    Radfahrer bekommen unlösbare Rätsel, die unendliche Geduld erfordern.

    Wie einfach könnte es sein, wenn Fahrräder wie jedes andere Fahrzeug behandelt würden. Dann führen sie auf der Fahrbahn mit Induktionsschleifen, und generell bekäme nicht nur der Autoverkehr (auch jetzt sind es ebenfalls motorisierte Zweiräder, Pferdefuhrwerke usw.) seine Grünphasen, sondern generell der Fahrzeugverkehr. Aber Radfahrer bekommen benutzungspflichtige Sonderwege und werden schikaniert.

    Anstelle einer Verschlagwortung mit “Bettelampeln” würde die Kategorisierung mit “Benutzungspflichtiger Radweg” das Problem treffender einordnen. (Wobei ich mich auch als Fußgänger über Bettelampeln aufrege. Der Fahrzeugverkehr in Parallelrichtung bekommt Grün, und wenn ich eine Sekunde zu spät drücke, stehe ich eine ganze Ampelphase vor Rot.)

    Wird außer Protesten etwas gegen diesen Zustand unternommen? Wie ich dem verlinkten Artikel entnehme, gibt es nun (nach nunmehr drei Jahren) eine schriftliche “Anregung” des adfc an Bürgermeister und Ratsfraktionen (was haben die damit zu tun?). Wäre da nicht sofort nach Einrichtung dieses Unfungs ein Widerspruch bei der anordnenden Verkehrsbehörde wegen Verstoß gegen § 45 StVO (mindestens) angebrachter gewesen?

  2. Pingback: Das Hin und Her im Straßenverkehr | Radverkehrspolitik.de

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