Einkaufen mit dem Rad – es geht tatsächlich!

Zugpferd des Gespannes ist meist ein Flyer T9. Der Anhänger trägt die richtigen Farben, wenn man im östlichen Ruhrgebiet unterwegs ist.

Seit letztem Jahr ist meine Frau stolze Besitzerin eines Pedelec (Pedal Electric Cycle, also Fahrrad mit Tretunterstützung). Da ich jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit fahre und mein Arbeitsweg mit dem des Wocheneinkaufs identisch ist, bin ich nun auf die Idee gekommen, mir das Rad meiner Frau einmal in der Woche auszuleihen, um damit die Einkäufe zu erledigen. Hier möchte über meine bisherigen Erfahrungen berichten.

Wer sich fragt, warum ich das Pedelec zum Einkaufen nutze, dem sei verraten, dass sich der Einkaufsmarkt ca. 13 km von Zuhause entfernt befindet und ich auf dem Hin- und Rückweg zusammen mehr als 300 Höhenmeter zu bewältigen habe. Ohne elektrische Unterstützung würde ich es, wenn überhaupt, nur nass geschwitzt schaffen oder Stunden später ankommen.

Beim Surfen im Internet fielen mir in einem bekannten Internet-Auktionshaus Lastenanhänger ins Auge. Ich war sogleich Feuer und Flamme und musste so ein Teil ausprobieren. Da ich eher der vorsichtige Typ bin und nicht gleich einen Haufen Geld für etwas ausgeben will, dass vielleicht kurze Zeit später in einer Ecke des Kellers vergammelt, musste zunächst einmal ein billiger Anhänger reichen. Es handelt sich um jenen auf dem Foto, für den ich am Ende der Aukton 40 Eur inkl. Versandkosten gezahlt habe. Dort hinein passt locker eine herkömmliche Klappkiste oder zwei Kästen Getränke.

Das Einkaufen ist ein Traum! Keine Parkplatzsuche, denn das Rad kann direkt neben dem Ladeneingang abgestellt werden. Während andere noch verzweifelt einen Platz für ihr Auto suchen, habe ich meinen Einkaufswagen bereits recht gefüllt. Meine Klappkiste nehme ich mit in den Markt und befülle sie sogleich an der Kasse nach dem Scannen durch die Kassiererin. So brauche ich sie nur noch in den Anhänger zu hieven. Ein “normaler” Einkauf wiegt bei uns so ungefähr 30 kg, Getränke nicht eingeschlossen. Letztere kaufen wir eh nicht mehr. Wir haben uns einen Wasser-Aufsprudler angeschafft und trinken spätestens seither nur noch das gute und viel günstigere Leitungswasser. Nur das Bier können wir noch nicht selbst herstellen, der Verbrauch dessen hält sich aber auch in sehr engen Grenzen.

So sieht das Höhenprofil am Ende des Arbeitstages bzw. nach dem Einkaufen aus.

Das Fahren mit Anhänger macht richtig Spaß. Autofahrer halten aufgrund der doch etwas ungewöhnlichen und größeren Silhouette einen durchaus größeren Seitenabstand beim Überholen oder bleiben gar für einen Moment dahinter. Allerdings fahre ich auch nicht im Rinnsteig der Fahrbahn, sondern eher im rechten Drittel. Das ist legitim und auch von Nöten, denn Radfahrer haben auch einen Sicherheitsabstand zu halten, wenn sie an parkenden Fahrzeugen entlang fahren. Sich plötzlich öffnende Autotüren sind leider keine Seltenheit und kommt es zur Kollision, erleidet wahrscheinlich der Radfahrer nicht nur einen körperlichen Schaden, sondern bekommt versicherungstechnisch auch eine Teilschuld. Außerdem wird dem Autofahrer dadurch nicht vorgegaukelt, genug Platz zum Überholen zu haben. So wird auch ein zu dichtes Vorbeifahren verhindert.

Dank der elektrischen Unterstützung fahre ich nahezu im gleichen Tempo die Hügel hinauf, wie ohne schwerem Anhänger mit normalem Fahrrad. Zusätzlich schwitze ich deutlich weniger. Da die Strecke über Land führt, kann man einen “Zeitverlust” im Vergleich zur Autofahrt nicht leugnen. Dieser hält sich aber mit 5 bis 10 Minuten auf meinem Weg sehr in Grenzen. Zumindest wenn man davon ausgeht, dass man sich als Autofahrer auch an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält.

Die Anschaffung des Anhängers bereue ich heute, nach 3 Monaten Praxistest, auf keinen Fall. Natürlich zeigen sich bereits ein paar Qualitätsschwächen. So ist der Stoffbezug ein wenig klein geraten. Anfänglich habe ich mit zwei Klappkisten in dem Anhänger hantiert, wodurch die Nähte aufplatzten.

Wie man sieht, passt schon einiges in den Anhänger hinein.

Weiterhin kann man hier die Ladung nicht ausreichend gegen Verrutschen sichern. Bei angemessener Fahrweise geht das aber gerade noch mal so. Das Verdeck habe ich bereits mehrfach wieder hinter mir aufsammeln müssen, weil es vom Fahrtwind davon geweht wurde. Heute sichere ich es mit einem extra Gummiband. Nach hinten machen mich, zusätzlich zum normalen Fahrradrücklicht, zwei batteriebetriebene LED-Leuchten für den nachfolgenden Verkehr in der Dämmerung weithin sichtbar. Selbstverständlich habe ich den Anhänger auch mit Rückstrahler und zusätzlich zu den “Katzenaugen” auch mit reflektierenden Speichensticks ausgestattet.

Der Anhänger ist jedoch nicht nur bei den Einkäufen im Einsatz. So nutzt ihn mein Sohn gerne, wenn er allwöchentlich Werbung an die Haushalte verteilt. Weiterhin kommt er so oft wie möglich zum Einsatz. Früher war es zum Beispiel üblich, mit dem Auto zum Altpapier- und Altglascontainer zu fahren. Das wird heute mit dem Rad erledigt.

Ich kann jedem nur ans Herzen legen, das Einkaufen mit dem Rad einmal zu versuchen. Sicherlich gibt es noch viel in die Fahrradinfrastruktur zu investieren. Nicht nur unsichere Radwege sind mir oft ein Dorn im Auge, sondern auch – sofern überhaupt vorhanden – ungeeignete Fahrradabstellanlagen, an denen man noch die Reifen ins Stahlgeflecht quetscht und die Felgen dadurch bei einem Umsturz des Rades beschädigt werden. Es fehlt oft an Abstellanlagen an denen man sein Fahrrad auch anschließen kann. Da muss ich doch z.B. die Wermingser Straße in Iserlohn loben. Dort existieren tatsächlich in ausreichender Anzahl verteilt vor den Läden Anlehnbügel. Sehr schön! Und das, obwohl man dort zu den Geschäftszeiten gar nicht radeln darf!

Wenn Sie das nächste Mal ins Auto steigen wollen, denken Sie bitte einmal kurz und ehrlich darüber nach, ob sie diesen bevorstehenden Weg nicht auch mit dem Rad schaffen würden. Sie tun damit sich, Ihrer Gesundheit und unserer Umwelt etwas Gutes.

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Über Karsten Obrikat

Ich bin erst recht spät wieder auf das Radfahren zurück gekommen, indem ich einfach einmal aus Lust und Laune ausprobieren wollte, mit dem Fahrrad zur 13km entfernten Arbeitsstelle zu fahren. In den letzten Jahren ist aus diesem einem Mal gleich eine Weltanschauung geworden. Denn mittlerweile fahre ich jede Fahrt zur Arbeit mit dem Rad. Auch den Wocheneinkauf erledige ich mit Fahrrad (hier nehme ich dann das Pedelec) und Anhänger. Aber auch Radurlaube stehen mindestens ein mal im Jahr auf meinem Programm. Im Großen und Ganzen nimmt aber immer mehr die Arbeit im ADFC meine Freizeit ein. Sehr gerne engagiere ich mich hier z.B. als Tourenleiter, Schreiberling und als Strippenzieher hinter den Kulissen. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, die Bedingungen für Radfahrer im Alltag zu verbessern.
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10 Antworten zu Einkaufen mit dem Rad – es geht tatsächlich!

  1. avatar N.M. sagt:

    Danke für den Bericht.
    Mit geeigneten Packtaschen kann man auch viele Dinge einkaufen; für den klassischen Wocheneinkauf reicht es leider nicht. Ich hätte auch sehr gerne einen Anhänger, was jedoch in typischen Mietshäusern kaum machbar ist. Für PKW gibt es bequeme Stellplätze vor dem Haus, für Fahrräder kaum dafür nutzbare und umständliche Kellerräume. Für Anhänger ist einfach kein Platz. Das sind Infrastrukturen, bei denen dringender Verbesserungsbedarf besteht.

    • avatar Karsten Obrikat sagt:

      Theoretisch ist der abgebildete Anhänger auch zügig zusammenfaltbar, womit sein Packmaß deutlich verkleinert wird. Ich selber verzichte aber darauf, weil ich es mir erstens erlauben kann, da ich einen auf Straßenniveau liegenden, großen Keller habe und ich zweitens dem Billiggefährt ehrlich gesagt nicht zutraue, dass das auf Dauer nicht aufs Material geht.

      • avatar Maxi sagt:

        Hast du es nicht augetestet, ob der Fahrradanhänger das “Zusammenfalten” aushält? Wäre mega spannend, weil bei uns im Keller wird schon eher gestapelt… ;)

  2. avatar Martin Isbruch sagt:

    Solange die Kupplung sicher ist, spricht m. E. nichts gegen einen solch günstigen Anhänger. Wichtig für’s Einkaufen: zweispurig! Die einspurigen Modelle sind für die Urlaubstour sehr attraktiv, aber die Gewichte beim Großeinkauf verändern die Fahrphysik doch enorm – hier sind die zweispurigen doch klar im Vorteil, vertragen auch eine höhere Zuladung (je nach Modell bis zu 50 Kilogramm!) und sind beim Abstellen weniger problematisch.

    ADFC-Mitglieder finden übrigens im aktuellen ADFC-Magazin “Radwelt” (aug/sep 12) einen Test einiger einkaufstauglicher Modelle, neben klassischen Transportanhängern auch so genannte “Shopper” (quasi Rentnerporsche mit Fahrradkupplung). Besonders interessant erscheinen mir Modelle mit abschließbarer Alukiste – das dürfte bei jedem Wetter den Auto-Kofferraum voll ersetzen können.

    Aus eigener Erfahrung möchte ich allerdings dringend abraten vom Anhängerbetrieb bei Glatteis – die veränderte Fahrphysik lässt das Zugfahrzeug auch mit Spikes ziemlich alt aussehen!

    P.s.: Die Farben der Karsten’schen Einklaufskiste könnten natürlich auch die ein oder andere mutwillige Beschädigung heraufbeschwören…

  3. avatar Philipp sagt:

    Habe genau den selben Anhänger (vom bekannten Auktionhaus erworben) und er ersetzt sogar für größere Einkäufe regelmäßig das Auto. Bisher hielt er auch gnadenloser Überladung stand (nur für kurze Strecken!).
    Farblich ist er in Bayern leider nicht ganz so passend :)

  4. avatar Robert Müser sagt:

    Hallo,
    ich habe mir für mein Pedelec einen zusammenklappbaren Anhänger besorgt:

    http://www.croozer.de/croozer_cargo.html

    der nun seit Jahren klaglos seine Dienste versieht.

    Ob größere Einkäufe im Supermarkt, Getränkehandel, Baumarkt oder ähnliches – alles kein Problem. Auch werden regelmäßig Gartenabfälle mit dem Anhänger zum kommunalen Entsorger gebracht – ich möchte diesen Anhänger nicht mehr missen.

    Durch das Pedelec ist schon ein komisches Gefühl, wenn man mit etwa 20 kg den Berg hochfährt, ohne den üblichen Einbruch zu erleben. Der Energieverbrauch bei Lastfahrten hält sich beim Pedelec in Grenzen, soll heißen: ich merke keinen deutlichen höheren Verbrauch.

    Wichtig sind aber gute Bremsen am Pedelec, ich habe das Pedelec nachträglich auf Hydraulikbremsen umgebaut.

    Mein Auto benutze ich für solche Fahrten jedenfalls nicht mehr.

  5. avatar Dino sagt:

    Kann diesen Anhänger auch nur empfehlen und wie bereits weiter oben geschrieben, brauchen wir für kleine Einkäufe das Auto auch nicht mehr, sehr genial!

  6. avatar René sagt:

    habe auch super Erfahrungen mit Fahrradanhängern beim Einkauf und im Alltag gemacht. Mein Anhänger ist der Weber Monoporter, habe auch einen sehr ausführlichen Erfahrungsbericht darüber geschrieben ;)

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