Änderung von Beleuchtungsvorschriften?

Eventuelle Änderungen in den Beleuchtungsvorschriften für Fahrräder gehen derzeit durch die Presse und durch verschiedene Foren innerhalb und außerhalb des ADFC.

Auch NRW-Vertreter des ADFC wurden in der Presse zitiert, nachdem eine Tageszeitung das Thema aufgewärmt hatte. Derzeit warten Alle auf das Ergebnis einer vom Bundesverkehrsminister an die BAST vergebenen Studie zu diesem Thema.

Nach vielen Gesprächen und Diskussionen, Workshops auf dem Bundes- und NRW-Forum, einer Anhörung im Rahmen des Forschungsauftrags und einem ADFC-Hearing mit Experten haben wir auf Bundesebene festgestellt, dass wir unsere vor Jahren auch auf einer BHV definierten Position überarbeiten und der veränderten Realität praxisnah anpassen müssen.

Die Beleuchtungstechnik hat riesige Fortschritte gemacht hat und wird weitere machen. Schon vor Jahren hatte der Fachausschuss Technik im ADFC die Forderung nach einer Wirkvorschrift aufgestellt, die Mindestanforderungen an Lichtleistung, Betriebsdauer und Zuverlässigkeit definiert, wobei die Art der Stromversorgung eine untergeordnete Rolle spielt. Das halten wir weiter für sinnvoll. Die Festlegung alleine auf Dynamos als Stromquelle erscheint uns aufgrund einer zu erwartenden Leistungssteigerung der Batterietechnik und zukünftig möglicher alternativer Formen der Stromversorgung nicht mehr sinnvoll. Pedelecs können bereits jetzt ihre Beleuchtung zuverlässig aus der ohnehin vorhandenen Batterie speisen. Die Mindestleuchtstärke von 10 Lux halte ich für zu niedrig.

Moderne Beleuchtungsanlagen mit Nabendynamo haben sich in der Praxis als sehr zuverlässig erwiesen und werden von uns deshalb grundsätzlich weiter empfohlen. Die Nachrüstung älterer Fahrrädern kann jedoch unverhältnismäßig teuer werden, weshalb vorhandene Fahrräder gesetzeskonform mit nach der Wirkvorschrift zugelassener Batteriebeleuchtung nachgerüstet werden könnten. Neue, nicht für den sportlichen Einsatz vorgesehene Fahrräder müssen aber immer mit kompletter Beleuchtungsanlage konform zur definierten Wirkvorschrift verkauft werden.

Die Regelung für Rennräder unter 11 Kilogramm halten wir für überholt. Eine Freigabe zertifizierter Batteriebeleuchtungen für eindeutig zum Sporteinsatz gedachter Mountainbikes, Rennräder usw. wäre sinnvoll. Bei einer Novellierung der Vorschriften müssen auch Vorgaben zur Blendwirkung Berücksichtigung finden. Batterie- und Dynamo-Leuchten sind so zu konstruieren, dass ein unbeabsichtigtes Verstellen des Abstrahlwinkels verhindert wird.

Stephan Behrendt,

der sein Reiserad zur vollsten Zufriedenheit vor der großen Himalajatour auf NaDy und LED umgerüstet hatte und auch am Stadtrad Gleiches für das Optimum hält, gleichwohl am neuen Birdy hochwertige Akkuleuchten nutzt.

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Über Stephan Behrendt

Leiter FA Technik, im Vorstand des KV Köln Rentner und selbsternannter Chefönologe des ADFC. Meine längste Radreise führte mich 2010 für drei Monate in den indischen Himalaja auf 5.500 m. Ich schrieb den Radwanderfüher Mosel im Bruckmann-Verlag.
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8 Responses to Änderung von Beleuchtungsvorschriften?

  1. Wichtiger als eine Ideologie über Batterie oder Kabel ist die funktionierende ausreichende Beleuchtung. Daher halte ich den Ansatz des ADFC eine Wirkvorschrift zu fordern für den richtigen Weg. Billigleuchten die vor sich hinfunzeln oder Blinken sind für mich nicht akzeptabel.
    Da mir bei der Vielzahl der genutzten Räder eine Umrüstung auf hochwertige Nabendynamos zu teuer ist, fahre ich zusätzlich zur vorhandenen “Altbeleuchtung” eine hochwertige LED-Akkulampe. Blöd dabei ist nur, bei jedem Abstellen die Lampe mitnehmen zu müssen. Bei der Weiterfahrt verstellt sich zwangsweise der Abstrahlwinkel und ich muss neu justieren. Mir ist die Blendwirkung von 40 Lux bewusst und ich achte auch drauf. Oft werde ich aber auch von anderen Mondbeleuchtern geblendet. Hier muss die Industrie auch bei teuren Leuchten noch nacharbeiten.

  2. avatar franken sagt:

    kann sich der händler freuen der dann wieder zu überteuerten preisen licht anbietet
    und wir eben weiter billig lichter nehmen müssen 6.95 weil man sich ein fernnüftiges licht das fast über 45 euro kostet nicht leisten kann!!!! der radfahrer wird abgezockt vom radhändler

    • avatar Stephan Behrendt sagt:

      Lieber Herr Franken,

      Bei der Verordnung zur Fahrradbeleuchtung geht es hauptsächlich und vor Allem um die Erstausrüstung von Neufahrrädern.
      Im Übrigen gilt eigentlich bei allen Änderungen entweder eine Übergangsfrist für Altbestände oder die zum Zeitpunkt der Änderung bereits im Verkehr befindlichen Fahrzeuge sind von einer Umrüstung komplett ausgenommen. Sie müssen also so oder so keine neuen Leuchten kaufen, wenn Sie eine derzeit gültige Beleuchtung an Ihrem Rad haben.

      PS
      Der Lesefluss und die Akzeptanz eines Textes werden ungemein gesteigert, wenn man die im Deutschen übliche und auch hier gewünschte Groß-/ Kleinschreibung verwendet.

  3. avatar N.M. sagt:

    Von der Pflicht zum Dynamo verabschiede ich mich eher ungern; ich kann nur wenige Argumente zugunsten der Batteriebeleuchtung nachvollziehen. In aller Regel ist ein (guter Naben-)Dynamo zuverlässiger. Ein Fahrzeug, welches am Straßenverkehr teilnimmt, sollte den Zulassungsvorschriften genügen; es gibt (heute) keinen Grund (mehr), warum es für Rennräder außerhalb von genehmigten Rennveranstaltungen Ausnahmen geben sollte. Was meint der ADFC in diesem Zusammenhang mit “sportlichem Einsatz”? Aber gut, das ist eigentlich nicht das, was ich für den wichtigsten Punkt halte.

    Ich wundere mich nämlich schon seit Jahren darüber, dass einerseits eine Beleuchtung zwingend vorgeschrieben ist, bei Schwerpunktkontrollen darauf stark geachtet wird, insbesondere eher fahrradfeindliche Seiten (Politiker, Verkehrswacht, teilweise Polizei) immer wieder darauf herumreiten, wie gefährlich unbeleuchtete Fahrräder sind, aber andererseits unnötig restriktive Vorschriften eine gute und sichere Beleuchtung an Fahrrädern schlicht nicht erlauben. Es sind zwar 15 (fünfzehn!) Reflektoren vorgeschrieben, aber ich darf lediglich zwei Rücklichter und einen Scheinwerfer am Fahrrad haben. Letzterer darf nur so stark sein und muss so eingestellt sein, dass bei normaler Fahrt nicht einmal Verkehrszeichen rechtzeitig erkannt werden können! Fernlicht ist nicht erlaubt. Blinker (Fahrtrichtungsanzeiger) sind nicht erlaubt. Vieles, was sinnvoll und sicher wäre, ist schlicht nicht erlaubt, die vorgeschriebene Leistung (2,4 W vorne, 0,6 W hinten) ist schlicht ein schlechter Witz; und nun dreht sich die Diskussion um Dynamopflicht oder nicht.

    Das ist doch wieder eine völlig an den tatsächlichen Problemen vorbeigehende Diskussion, daher bin ich über den Inhalt dieses Blog-Eintrages, in dem Wert auf Wirkvorschriften gelegt wird, erfreut. Fragen an den ADFC bleiben mir aber immer noch: Worauf wird genau Wert gelegt in den Forderungen oder deren Entwürfen? Kann man das irgendwo nachlesen? Werden auch die anderen von mir angesprochenen Bereiche berücksichtigt?

    Gruß,
    N.M.

  4. avatar Gert sagt:

    über die überarbeitete Position des Clubs freue ich mich sehr. Gewisse Details sind für mich aber interessant zu erfahren: Bisher muss man auch bei Rennrädern unter 11 Kg die Beleuchtung immer dabei haben. Aus meiner Sicht eine völlig unsinnige Vorschrift, wenn ich mitten am Tag mittags eine Runde mit dem Renner drehen will. Wie steht die ADFC dazu?

    @N.M.: Auch ich freue mich über den Nabendynamo an meinem Alltagsrad. An meinem Mountainbike oder Rennrad hat so etwas aber nichts verloren. Ich fahre mit den Rädern seltenst in der Dunkelheit und wenn, dann reicht die Batterieleuchte. An einigen Radtypen ist eine Permanentbeleuchtung einfach nicht nötig, nicht schön und auch technisch aufwändig. Wenn es hell ist, braucht man kein Licht, wenn es dunkel ist muss ein Licht unbedingt sein!

  5. avatar Stephan Behrendt sagt:

    Hallo Gert,

    Fahrräder im Straßenverkehr sind Verkehrsmittel wie andere auch mit den gleichen Rechten und Pflichten.
    Ich halte die 11kg-Regelung allerdings für überholt, Rennräder sind heute wesentlich leichter; ansonsten kann es doch so bleiben, wie es bisher ist. Ich halte es für zumutbar, eine Fahrradbeleuchtung mitzuführen, wenn man mit dem Rad auf öffentlichen Straßen unterwegs ist. Schon in der ersten langen, dunklen Unterführung ist auch bei strahlendem Sonnenschein eine Beleuchtung notwendig.
    In der Praxis wird sich auch kaum etwas ändern: tagsüber wirst du vermutlich auch nach einer Änderung so wenig kontrolliert wie bisher.

    Stephan Behrendt

  6. avatar Klaus Kuliga sagt:

    Hallo,
    mir fehlt bei der Diskussion der Aspekt der Leuchtdichte.
    Die Leuchtstärke eines Scheinwerfers ist nicht das einzige wichtige Kriterium. Auch die Größe der leuchtenden Fläche ist sehr wichtig für die Erkennbarkeit eines beleuchteten Fahrrads durch andere Verkehrsteilnehmer. Im Handel erhältliche batteriebetriebene Fahrradleuchten zeichnen sich häufig durch sehr kleine leuchtende Flächen aus. Entsprechend schlecht und spät wird das so beleuchtete Fahrrad dann von anderen wahrgenommen. Wer hat denn einen Z-Reflektor am Rennrad?

  7. avatar Sandkorn sagt:

    Hallo,

    den zugelassenen Beleuchtungstyp vom Gewicht abhaengig zu machen ist Unfung. Am ende darf der Reiche mit Batterie fahren, die weniger reichen muessen ein Dynamo haben. Desweiteren gibts es durchaus Fahrraeder die man als Sprotgeraet bezeichen kann und ueber 13kg schwer sind: Downhill optimierte Mountainbikes, stabilitaet ist hier bei weitem wichtiger. Diese Art wird man wohl kaum im Standverkehr finden, aber irgendwie muss man ja zum Berg.

    Der Artikel von Herr Horst Hahn-Klöckner

    http://www.adfc.de/news/archiv-news-2011/batteriebeleuchtung-adfc-warnt-vor-unbedachter-freigabe

    beinhaltet ein paar „schlagfertige“ Argumente bezueglich der klassifizierung als Sportgeraet,:

    “…solche Sportgeräte in der Regel tagsüber gefahren werden…”

    Wo liegt der unterschied zwischen einem 13kg Mountain Bike und einem 14kg Mountainbike? Im Preis!
    Der Verwendungszweck ist doch entscheident, nicht das Gewicht.

    Es gibt auch keine Dynamos die die Belastungen eines Mountainbikes standhalten. Technisch heute nicht mit vertretbarem Gewicht und Kosten machbar. Und warum sollte ein Rennrad dann ausgenommen werden? Ein Dynamo wuerde doch durch sein Gewicht und bremsen ein Trainingseffekt eher verbessern, oder?

    Was ich sagen will: Wuerde eine Tag/Nacht Regelung nicht mehr Sinn machen?

    “… und Radsportlern zugetraut werden kann, dass sie Batterieleuchten auf ihren Ausfahrten bei Bedarf verantwortungsbewusst einsetzen.”

    Welche Studie beweist das Sportler verantwortlicher mit Batteriebeleuchtungen umgehen als der Ottonormal fahrer? Es ist genau das Gegenteil! Ausgerechnet Rennradfahrer missachten haeufig die Verkehrsregeln wie rote Ampeln, STOP Schilder, Zebrastreifen etc. Aber ausgerechnet dieser Sportler soll die Batteriebeleuchtung verantwortungsbewusst einsetzten?

    Erwaehnt auch die Problematik bei Kindern. Ich weiss nicht ob Herr Horst Hahn-Klöckner Kinder hat. Bei meinen muss ich jedenfalls regelmaessig die Dynamobetriebene Lichtanlage reparieren. Defekte Birnen, abgerissene Kabel usw. Am Ende waere fuer mich es einfacher die Batteriebtriebene Beleuchtung bei Bedarf und unter meiner Aufsicht zur Verfuegng zu stellen. Nach Gebrauch sammle ich diese wieder ein und sorge fuer die korrekte Funktion. Kinder sollten auch meines erachtens nicht alleine im dunkeln fahren.

    Eine vernueftige Regelung sollte die Qualitaet der Beleuchtung definieren und dafuer sorgen dass es vernueftige mindestanforderungen fuer Beleuchtungen gibt die die Hersteller einhalten muessen. Tagsueber wird kein Licht gebraucht (es gibt auch keine Pflicht die Dynamobeleuchtung einzuschalten), ab der Daemmerung muss aber eine adequate Beleuchtung vorhanden, funktionstuechtig und eingeschaltet sein. Ist das Licht ungenuegend, dann ist ein Bussgeld durchaus angebracht. Warum sollen die verantwortungsvollen Radfahrer durch eine technische Ueberregulierung bestaft werden? Macht bitte eine technologie unabhaengige Regel und nehmt mehr den Fahrer selbst in die Verantwortung.

    Bitte, lieber ADFC, sorgt fuer eine gerechte und vernueftige Regelung. Verantwortungslose (oder Ruecksichtsloese Radfahrer wird es immer geben, bestraft aber nicht die die mit der heutigen Technik verantwortungsvoll umgehen. Ich habe die Diskussionen mit den Polizeibeamten satt, die haeufig Verstandnis fuer uns Mountainbiker (ueber 13kg) haben, und die Sonntagsrennradler grinsen beim Vorbeifahren. (Schade das der Bierbauch zu Person gezaehlt wird, denn selbst wenn das Rennrad leichter ist, ist das Paar manchmal schwerer als beim Mountainbiker)

    @ Stephan Behrendt

    Ich habe noch nie jemanden gesehen der beim Radeln in einer Unterfuehrung anhaelt und sein Dynamo zuschaltet. Das geht auch bei Batteriebetriebenen Licht, waere sogar automatisch moeglich.

    S.F.

    P.S. Nur am Rande: Ein Rennrad gehoert auch genauso auf den Radweg wie jedes andere Fahrrad. Schluss mit der Diskriminierung ueber den Geldbeutel!

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