Ko-FAS: Die Fußfessel für Radfahrer kommt

Kommt bald die elektronische Fußfessel für Radfahrer für mehr "Verkehrssicherheit"? Foto: Peter Reinäcker / pixelio.de

Kommt bald die elektronische Fußfessel für Radfahrer für mehr “Verkehrssicherheit”?
Foto: Peter Reinäcker / pixelio.de

Wie ich bereits in HighTechTalk: car2car-Kommunikation – und die Radfahrer? vorausahnte, würde eines Tages die elektronische Fußfessel für Radfahrer und Fußgänger kommen. Nun ist es so weit: Mitte September wurden in Aschaffenburg die Ergebnisse des Projektes “Ko-FAS” (“Kooperative Sensorik und kooperative Perzeption für die präventive Sicherheit im Straßenverkehr”) vorgestellt. Ein Teilprojekt befasste sich damit, wie die ungeschützten Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger besser von mit einem Haufen Sensorik bestückten Kraftfahrzeugen erkannt werden können. Neben optischen Verfahren wie Kameras wurde auch Radar untersucht. Beide Verfahren können jedoch nicht um die Ecke schauen und versagen, wenn Radfahrer oder Fußgänger durch andere Gegenstände wie z. B. andere Autos verdeckt sind. Also wird man nach Vorstellung der Projektbeteiligten zukünftig die “verletzlichen” Verkehrsteilnehmer mit  elektronischen Transpondern ausstatten, die von entsprechenden Ortungsgeräten in den Fahrzeugen erkannt werden können.

Ich denke, es wird Zeit für eine intensive gesellschaftliche, politische und ethische Diskussion darüber, was den Menschen für den Kraftfahrzeugverkehr zugemutet wird. Ich möchte jedenfalls – auch gerade vor dem Hintergrund des NSA-Skandals – nicht ein komplettes elektronisch ortbares Bewegungsprofil hinter mir herziehen. Auch innerhalb des ADFC wünsche ich mir eine Diskussion, welche Maßnahmen wir beim Schwerpunkt “Überlebenstechnik” tolerieren wollen.

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Über Jan Bartels

Als Alltagsradler bin ich fast täglich mit dem Rad zur Arbeit unterwegs und genieße es als Ausgleich zum Bürojob. Im ADFC kümmere ich mich um vor allem um den Internetauftritt des Landesverbands. Im Kreisverband bin ich verkehrspolitisch rund um den heimischen Kirchturm aktiv und liefere regelmäßig Artikel für die "Rad am Niederrhein", unserer Mitgliederzeitung (http://www.rad-nr.de).
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3 Antworten zu Ko-FAS: Die Fußfessel für Radfahrer kommt

  1. avatar Alfons Krückmann sagt:

    Eine interessante Perspektive, die das Spektrum der Berichterstattung um eine weitere Facette ergänzen kann:

    Radfahrer hat selbst Schuld am Unfall weil er:
    – keinen Helm trug
    – auf der Fahrbahn fuhr
    – keine Warnweste trug
    – kein Tagfahrlicht benutzte
    – nicht wie angeordnet im Linksverkehr fuhr
    – auf seiner Vorfahrt beharrte
    – seinen Airbag-Kragen zuhause vergessen hat
    – das Tragen des Transponders verweigerte
    – … …

    Befürchtungen bezüglich einer Überwachung scheinen mir aber zu weit gegriffen. Schliesslich zeigt ja gerade der NSA “Skandal”, dass es sich mit Total-Überwachung ganz gut lebt. Zumindest solange man nicht anderer Meinung ist als die NSA, der BND, und wer da sonst noch so alles mitliest. Gerade in Deutschland haben wir ja genügend Erfahrung damit, wie eine konsequente Überwachung des Volkskörpers das Wohl der Wirtschaft oder der Einheitspartei langfristig absichern kann.
    Da will man als Radfahrer doch nicht zurückstehen, zumal ja einige Radfahrende neuerdings ohne Handy unterwegs sein sollen und sich so heimtückisch der Ortung entziehen.
    Und schliesslich dient es doch unser aller Sicherheit, wenn wir bei Verlassen eines Radwegs ohne selbst aktiv werden zu müssen gleich den Bußgeldbescheid aufs Smartphone geschickt bekommen.
    Sicherheitsorientierte Dienstleistung im Interesse der schwächeren Verkehrsteilnehmer könnte man das ja nennen.

    • avatar Jan Bartels sagt:

      … zumal ja einige Radfahrende neuerdings ohne Handy unterwegs sein sollen und sich so heimtückisch der Ortung entziehen.

      Jetzt muss ich mich natürlich outen, dass ich genau zu dieser Randgruppe gehöre!

      Das Stichwort Handy ist übrigens gut: Man überlegt nämlich, die Transponder in Handys zu integrieren. Denn so ein Teil hat ja heutzutage jeder dabei, so dass kein zusätzliches Gerät notwendig ist, das man bei sich tragen muss.

  2. avatar Alfons Krückmann sagt:

    Das mit dem fehlenden Handy war eigentlich nur ein Scherz, da das ja bald sowieso nichts mehr nutzt.
    Spätestens wenn Dir jemand mit Google-Glass oder ähnlichem entgegenkommt oder wenn Du an einer der zahlreichen Überwachungskameras vorbeifährst kannst Du automatisch per Gesichtserkennung identifiziert werden (Deine Biometriedaten sind durch die neuen Personalausweise bereits ‘vorrätig’). Damit landest Du dann automatisch in Indect-Datenbanken als subversiver Smartphone-Verweigerer.
    Es bräuchte dann schon eine Maske.
    Aber auch das bringt künftig gehörigen Ärger wegen Verstosses gegen das Vermummungsverbot. Bei Demonstrationen ist das ja seit längerem eingeführt.
    Eine Burka-Zweckentfremdung würde vielleicht unter Religionsfreiheit durchgehen?
    Laut Verkehrswacht müsste die Burka natürlich neon-gelb-reflektierend sein, wodurch auch die Attraktivität des Radverkehrs deutlich steigen würde.

    Der neue Cycle-chic sozusagen :-)

    Pech nur wenn sich der grüne Polizeichef aus Münster mit seiner Kennzeichnungspflicht durchsetzt, dann nutzt uns selbst die Neon-Burka nichts mehr.

    Leider kann ich das nur noch satirisch sehen.
    Der NSA-Skandal ist doch auch schon folgenlos verpufft und endgültig heraus aus der medialen Aufmerksamkeitsspanne bevor noch klarwerden konnte dass es in Deutschland keinen Deut besser aussieht.

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