Versuch mit fahrradfreundlichen Gleisen

An dieser Stelle des Ruhrtalradweges in Arnsberg hat man nach zahlreichen Unfällen ein Gummiprofil eingebaut. Allerdings handelt es sich um eine wenig befahrene Werksbahntrasse. Gefährlich ist hier besonders der im spitzen Winkel verlaufende Radweg über die Gleise.                Foto: Michael Kleine-Möllhoff

An dieser Stelle des Ruhrtalradweges in Arnsberg hat man nach zahlreichen Unfällen ein Gummiprofil eingebaut. Allerdings handelt es sich um eine wenig befahrene Werksbahntrasse. Gefährlich ist hier besonders der im spitzen Winkel verlaufende Radweg über die Gleise. Foto: Michael Kleine-Möllhoff

Noch gibt es keine bewährte Standardlösung gegen das Verklemmen von Fahrradreifen in Tramschienen. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) führen nun einen neuen Versuch durch, bei dem eine innovative Schienenkonstruktion getestet wird. Die Anforderungen sind hoch und der Ausgang des Versuchs offen. Dennoch hilft dieser Schritt, die Entwicklung radfreundlicher Straßenbahngleise voranzutreiben.

Während der Sommerferien 2013 wird die Haltestelle Schwert in Zürich Höngg saniert und behindertengerecht umgestaltet. Auch die Gleise werden ersetzt. Die VBZ nutzt diese Gelegenheit, um ein neuartiges Schienensystem zu testen. Dieses soll das Verklemmen von Fahrradreifen in den Gleisen verhindern. Auf einer Länge von 90 Metern wird die Konstruktion eingebaut. Eine Gummifüllung wird in der Schienenrille befestigt. Bei der Durchfahrt der Straßenbahnen wird die Füllung eingedrückt, jedoch nicht bei der Durchfahrt von Fahrrädern. Diese sind zu leicht. Die zusätzlichen Kosten für das neuartige Schienensystem betragen 415.000 Franken.

Erster Test überhaupt

Die innovative Schienenkonstruktion wird nun erstmals im öffentlichen Verkehr getestet. Die Anforderungen sind hoch. Die Sicherheit für Radfahrende soll steigen und gleichzeitig muss das neue Material der Belastung von durchfahrenden Trams standhalten. Ebenso muss es unterschiedlichste Witterungsverhältnisse aushalten: Hitze, Kälte, Regen, Schnee oder Eis. Im Winter kommt zusätzlich die Belastung durch Streusalz hinzu.

Die Stadt Zürich und die VBZ leisten mit diesem Versuch einen Beitrag, um die Sicherheit für Radfahrende zu erhöhen. Sollte der Versuch erfolgreich sein, führt dies nicht automatisch zum großräumigen Ersatz bestehender Tramschienen. Viel eher wäre der Einbau an neuralgischen Stellen vorgesehen, wo viele Radfahrende besonders oft nahe am Gleis fahren oder dieses kreuzen. Bis dies soweit ist, braucht es aber selbst bei einem erfolgreichen Versuch weitere Entwicklungsarbeit.

Erste Erkenntnisse im Frühling 2014

So sieht das neu entwickelte Schienen-profil des Züricher Tests aus. Foto: Stadt Zürich

So sieht das neu entwickelte Schienen-profil des Züricher Tests aus.
Foto: Stadt Zürich

Derzeit gibt es in Europa kein Produkt, welches über einen längeren Zeitraum erfolgreich getestet wurde. Auch in der Stadt Zürich waren Versuche seit 2007 nicht erfolgreich. Bisher wurden Gummiprofile in die bestehenden Schienen eingebaut. Diese haben sich durch die Befahrung der Trams rasch abgenützt und mussten entfernt werden. Aus diesen Versuchen konnte die Erkenntnis gewonnen werden, dass allein der Einbau eines Gummifüllers nicht zu funktionieren scheint. Für einen neuen Versuch musste also das ganze Schienensystem betrachtet werden. Der Verdrängungsraum für das eingebaute Füllmaterial musste größer gestaltet werden, damit dieses nicht wieder durch die scharfen Radkränze zerschnitten wird. Ob der Versuch erfolgreich ist, werden die nächsten Monate zeigen. Im Frühling 2014 wird die VBZ Bilanz ziehen.

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Über Michael Kleine-Möllhoff

Meine Fahrten erledige ich meist mit dem RAD oder dem ÖPNV. Ein Auto benötige ich sehr selten. Verantwortlich bin ich für die Zeitschrift RAD im Pott. Vorstandsmitglied im ADFC-NRW und ADFC-Duisburg.
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3 Kommentare zu Versuch mit fahrradfreundlichen Gleisen

  1. avatar Thorsten Boehm sagt:

    In Deutschland sind verschiedene Gleisübergangssysteme der Kraiburg STRAIL GmbH & Co. KG recht verbreitet, u.a. das System veloSTRAIL ohne Spurrille: http://www.strail.de/index.php?id=197&L=0

    Es ist immer mit einer Gummiplattenfüllung zwischen den Gleisen verbunden, so dass es vielleicht deswegen in erster Linie im Bereich von (spitzwinkligen) Gleisüberfahrten eingesetzt wird und weniger auf freien Gleisstrecken, weil man die vorhandene Gleisfüllung austauschen müsste. Allerdings kann veloSTRAIL mit konventionellen Gleisen eingesetzt werden.

    Das Schweizer Modell setzt ja offenbar auf eine andersartige Gleiskonstruktion, so dass bei seinem Einsatz immer ein Austausch der Gleise notwendig wird. Ob das die Bereitschaft der Verkehrsbetriebe steigert, so etwas einzusetzen?

    Interessieren würde mich, ob es Erfahrungen mit veloSTRAIL gibt, die es als technisch untauglich erscheinen lassen, so dass seine weitere Verbreitung dadurch gehemmt wird.

  2. avatar CJB sagt:

    Zitat: “Noch gibt es keine bewährte Standardlösung gegen das Verklemmen von Fahrradreifen in Tramschienen.”
    Doch, gibt es. Ich wende sie seit Jahrzehnten an und bin noch nie in einer Schiene steckengeblieben: Gleise nur In flachem Winkel überqueren.
    Wenn man manchmal beobachtet, wie Fahrradfahrer wider alle Physik darauf vertrauen, daß sie trotz sehr spitzem Winkel nicht in eine Schiene geraten, sich also eigentlich dumm und fahrlässig verhalten, neigt man zu einem “selber Schuld”, wenn dann einmal etwas passiert.

    Nicht gegen jede Gefahr im Leben gibt es eine Versicherung, nicht immer sind die anderen schuld.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Bei Meterspur ist das nicht so trivial, wenn man in der Mitte der Schienen fahren muss. Außerdem kann das ja auch durch Gefahrenausweichungen passieren, dass man da rein gerät.

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