Bahn als heilige Kuh?

Während sich der ADFC sorgt, dass beim Vorzeige-Objekt RXX die Mehrzweckabteile ausreichend dimensioniert werden, gehört die Bahn dem Klischee nach zentral zur Schweiz. Aktuell geht die NZZ der Sache auf der Spur um kommt zu interessanten Ergebnissen.

Die meisten Gründe werden so auch in Deutschland diskutiert:

Diese Unterstützung, die jüngst einen kantonalen Raumplaner zur Aussage verleitete, die Eisenbahn habe die Armee als zweite heilige Kuh neben der Landwirtschaft abgelöst? Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass das Schienenverkehrsmittel diesen Status in der Schweiz geniesst, seit die sogenannten Privatbahnen von eidgenössischen Fördermitteln profitieren, also spätestens seit 1918.

Mit Ausnahme der Kantone Zürich und Tessin wurden in der Schweiz kaum je schlecht ausgelastete Eisenbahnlinien auf Busbetriebe umgestellt, wie das sonst in Europa geschah. […]
Für die Renaissance des Personenverkehrs auf Schienen ab den 1980er Jahren sind drei Faktoren wesentlich: erstens das 1987 beschlossene Konzept Bahn 2000, […]. Zweitens der ökologische Aufbruch […].

Aber richtig spannend wird es eigentlich am Ende der Liste

Und drittens, seit dem Schub, den die S-Bahn im Kanton Zürich ab 1990 ausgelöst hat: die Kantone, die in den Bahnen plötzlich nicht mehr nur ein Instrument zur Aufrechterhaltung der dezentralen Besiedelung sahen, sondern einen Faktor, um ihre urbanen Einzugsgebiete zu erweitern. Seither winken auch bürgerliche Regionalpolitiker wieder dezidiert mit der grünen Kelle, wenn in Schienen investiert werden soll.

Aber – und auch das ist interessant, verweist der Artikel am Ende auch noch auf die Schattenseite dieses Boom, wenn er darauf verweist,

dass die S-Bahnen nach dem Auto die zweite grosse Welle der Zersiedelung ausgelöst haben und ein Mittel sind, dessen Ziele besser reflektiert werden müssten.

Von Überlegungen zu den beabsichtigten gesellschaftlichen Ziele und den unbeabsichtigten Nebenwirkungen habe ich im Zusammenhang mit dem RXX natürlich auch noch nichts gehört.

Wenn man in der Schweiz als Politiker nicht an der Förderung der Bahn vorbei kommt, warum sollen dann Politiker nicht auch irgendwann nicht an der Radverkehrsförderung vorbei kommen? :-)

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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2 Responses to Bahn als heilige Kuh?

  1. Pingback: Blogrundschau 3 | ADFC Blog

  2. avatar Leo Fink sagt:

    Lieber Norbert Paul
    In der Schweiz wird das Velo gefördert. Stichwort Langsamverkehr!
    Kann hier engeschaut werden:
    http://www.astra.admin.ch/themen/langsamverkehr/00480/index.html?lang=de

    Nur, was viele Oekos gerne vergessen, ist die Topografie in der Schweiz ein wenig anders als in Holland oder Norddeutschland.
    Gruss Leo Fink

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