Unnötige Lebenszeit vor Lichtzeichen

In Dortmund reagieren Kontaktschleifen für Ampeln auf der Fahrbahn immer wieder nicht auf Radfahrer. Nachdem ich mal wieder ewig an einer Ampel stand, ging am 09. 10. 2013 eine E-Mail an einen der Zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung:

die Schleife zum Anfordern von Grün an der Einmündung der Carl-von-Ossietzky-Straße in die Ardeystraße reagiert – wie ich mehrfach feststellen musste – immer erst, wenn ein Auto die Kontaktschleife überfahren hat. Können Sie bitte eine Nachjustierung veranlassen, so dass ich als Radfahrer nicht Minuten warten muss oder illegal fahren muss?

Nachdem ich nun lange nichts gehört hatte, ging am 29. 11. 2013 eine kleine Nachfrage raus und heute kam dann eine Antwort eines Städtischen Oberbaurats – was es nicht alles gibt :-) -, dass er die Störung weitergeleitet habe und er sich – O-Ton – freuen würdewenn ich mich erneut melden würde, wenn sich erneut keine Besserung einstellt.

Versprochen, mache ich. :-)

Die Antwort hat mich glatt motiviert, direkt noch nachzufragen, was aus einer anderen Anfrage geworden ist  vom 03.  07. 2013 zum Thema “Ampelschaltung B1 Nordseite/Kreuzung B54”.

ich nutze regelmäßig in Richtung Universität/Dorstfeld die nördliche B1 Seite mit den Fahrrad und muss gemessene ca. 30-45 Sekunden an der ersten Ampel und dann nochmal an der nächsten Ampel warten.

Da der Autoverkehr entweder Stop-and-Go an mir vorrüber zieht im Berufsverkehr und nach einer Rotphase schnell wieder aufschließen könnte oder gar nicht so stark ist, dass man theoretisch problemlos bei Rot fahren könnte als Radfahrer, spricht nichts gegen eine Verringerung der Wartezeit für Radfahrer und Fußgänger.

Da die Stadt sich durch die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft der fahrradfreundlichen Städte NRW der Förderung des Fahrradverkehrs verschrieben hat, sind die Belange des Radverkehres besonders zu berücksichtigen bei Verwaltungsentscheidungen.

Eine Grundlage für die Wartezeiten an dieser Ampel findet sich in den “Empfehlungen für Radverkehrsanlagen Ausgabe 2010 (ERA 2010)”. Die Strecke entlang der B1 übernimmt Funktionen, die nach der ERA in die Kategorie IR II fallen (Seite 8). Daraus ergäbe sich (Seite 10) ein maximaler Zeitverlust durch Anhalten und Warten von 30 Sekunden je km. Meines Erachtens nach müssen bei der Bestimmung der max. Verlusstzeiten die in räumlicher Nähe an weiteren Einmündungen durch die Wegeführung entstehenden Verzögerungen mit berücksichtigt werden. Ebenso ist in eine sachgerechte Abwägung einzubeziehen, dass die Wegeführung des Radweges an den Interessen des Autoverkehres orientiert ist und einen Umweg und eine zusätzliche Ampel im Vergleich zum Kraftverkehr mit sich bringt.

Da lange Wartezeiten die Akzeptanz verringern, würde eine schnellere Reaktionszeit der Bedarfsampel auch zur Verkehrssicherheit beitragen.

Hin und wieder beobachte ich auch Mütter, die mit ihren zu Fuß Kindern die Straße queren und welche großen Mühen sie haben, die Kinder so lange von dem Queren der Straße abzuhalten.

Ich bitte um eine Prüfung, ob eine radfahrer- und fußgängerfreundlicheren Ampelschaltung möglich ist.

Außerdem interessiert es mich, wie die Schaltregeln sind. Wäre die Ampel in eine “Grüne Welle” des Autoverkehrs eingebunden, müsste ich auch mal innerhalb weniger Sekunden Grün bekommen, anderseits spricht gegen eine feste Wartezeit, dass die Werte, die ich feststellte, doch stark schwanken.

Wie soetwas vorbildlich gelöst werden kann, kann man sich bei YouTube anschauen.

Neues Ungemach droht aber schon an nächster Stelle. Am 19.11.2013 wurde im Ausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden auf Initiative eines engagierten Radfahrers das Thema “Gleichberechtigte Ampelschaltung an der L 609n (NS IX) behandelt. Wobei der Bericht eines Besuchers bei Facebook ein wenig Hoffnung macht:

[…] Der Querverkehr zur L 609n (also wenn man von der Schnettkerbrücke kommt) soll parallel zu den Autos geschaltet werden, ohne dass eine zusätzliche Anforderung getätigt werden muss […]. Dies wird die Stadt Dortmund dem Landesbetrieb Straßen NRW entsprechend vorschlagen. Die Straße liegt nämlich im Zuständigkeitsbereich vom Land NRW. Was den Längsverkehr angeht, wurde argumentativ versucht den […] Vorschlag mit Dauergrünschaltung für Radfahrer und Fußgänger zu realisieren, weil die PKW Fahrspuren ja komplett mit Induktionsschleifen ausgestattet sind. Dies wurde zunächst erst garnicht verstanden und es war die Rede davon, dass es zu teuer sei im nachhinein Induktionsschleifen für Radfahrer nachzurüsten. Daraufhin wurde es nochmals erläutert. Dazu wurde dann erwidert, dass der zu erwartende Autoverkehr sehr hoch sein wird und dann eine solche Schaltung ja keinen Sinn mache. Dass die PKW aber immerzu Grün anfordern und die Ampel dann in einem Zyklus eh alle Phasen durchschalten würde, kam leider bis zum Schluss nicht richtig an, weil ja dann die Radfahrer immer grün hätten, bzw. prioritär behandelt würden. Und das sei an solch einer Stelle ja nicht sinnvoll. Die Forderung, dass die installierte Infrastruktur auch wenigtens ihrer vorgesehenen Nutzung zugeführt werden solle, damit auch die Induktionsschleifen auf der L 609n eine Funktion bekommen, wurde immer nur mit dem Argument widerlegt, dass hier der MIV priorität hat und dementsprechend keine Bevorrechtigung für Radfahrer möglich sei. Man wolle aber für eine fahrradfreundliche Ampelschaltung bei Straßenbau NRW plädieren. […]
(Tipfehler korrigiert)

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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