Wie mir ein Weihnachtslicht aufging: Planungsfehler am Phoenix-See

Passanten auf dem Radweg am Phönix-See in Dortmund bei Dunkelheit. (Foto: Norbert Paul)

Passanten auf dem Radweg am Phönix-See in Dortmund bei Dunkelheit. (Foto: Norbert Paul)

Blick auf den Phoenix-See in Richtung Westen (Foto: Rainer Halama, CC BY-SA 3.0)

Blick auf den Phoenix-See in Richtung Westen (Foto: Rainer Halama, CC BY-SA 3.0)

Eigentlich wollte ich heute nur kurz dokumentieren, dass die Verbesserung der Ausschilderung an einer dem Blog-Leser bekannten Baustelle auch nach der Verbesserung nicht gelungen ist und hatte extra Kamera, Zollstock und Notizpapier eingepackt und musste feststellen, dass die Baustelle schon wieder aufgehoben war. Das mysteriöse Schild, das ich auf dem Weg dahin auch noch auf SC-Karte bannen wollte, war auch verschwunden. Danach fuhr ich zum letzten Ziel (mehr ein anderes mal dazu … :-)) und stellte beim Aufnehmen der Verkehrsschilder fest, dass an der Stelle die Beschilderung noch diffuser ist, als ich sie immer wahrgenommen hatte. Leicht resigniert fuhr ich daraufhin eine Runde um den Phönix-See und während ich so um den See fuhr, ging mir ein Weihnachtslicht auf: Es ist leicht erklärbar, warum die Fußgänger gerne auf dem Radweg laufen. 

Der Uferrandweg hat eher Park-Charakter als Straßen-Charakter, so dass man vermutlich eh unaufmerksamer und der Nase nach läuft – nicht unbedingt kompatibel mit zügigen Radfahrern. Von der Planern wurde deshalb ja richtigerweise auch ein extra Weg für Radfahrer angelegt, nur scheint dass für ca. die Hälfte der Fußgänger keine Bedeutung zu haben. Ich habe mich immer gefragt, warum das nicht klappt, obwohl es für mich eindeutig genug ist dank Fahrrad-Piktogrammen. Der Aufbau ist dabei rings um den See – von wechselnden Bodenbelägen abgesehen – immer identisch: Vom Seeufer aus gesehen kommt erst der Fußweg und dann der Radweg …

Radweg und Fußweg am Phönix-See in Dortmund bei Dunkelheit. (Foto: Norbert Paul)

Radweg und Fußweg am Phönix-See in Dortmund bei Dunkelheit. (Foto: Norbert Paul)

… und dann die Beleuchtung. Als Fußgänger würde ich vermutlich im Dunkeln wenn man nicht gerade den Kontakt zum anderen Geschlecht sucht, Vampir ist oder Böses im Schilde führt auch da laufen, wo Licht ist. Da die eine Hälfte des Laternenlichts die Böschung beleuchtet, bleibt nur noch der Radweg, um es halbwegs hell zu haben. Und wenn man im Dunkeln dort läuft, gewöhnt man sich das schnell an und geht automatisch auch im Hellen da, wo die vermeidliche Fußwegbeleuchtung auf den Fußweg hinweist.

Ergebnis: weder Radfahrer_innen noch Fußgänger_innen können die Aussicht und Atmosphäre genießen. Vielleicht wäre es besser, wenn die Laternen in der Mitte oder auf Seiten des Fußweges ständen. Aber jetzt stehen die erst mal so und seit heute ist mir klar, warum ich nicht sauer auf die Radwegläufer sein kann … :-)

Hafen am Phönix-See bei Nacht (Foto: Norbert Paul)

Hafen am Phönix-See bei Nacht (Foto: Norbert Paul)


Aufgrund einer Diskussion anderswo über den Artikel, eine kleine Ergänzung: Mir geht alleine darum, dass der eine Teil der Planung (Beleuchtung nur auf der fußwegabgewandten Seite des Radweges) den anderen Teil der Planung (getrennte Wege für Radfahrer und Fußgänger) aushebelt und das es aufgrund der Situation nicht Böswilligkeit oder Igoranz sein muss, warum die Leute da zu Fuß gehen, wo sie gehen und ich mir deswegen vorgenommen habe, mich nicht mehr darüber zu wundern und zu ärgern.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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3 Antworten zu Wie mir ein Weihnachtslicht aufging: Planungsfehler am Phoenix-See

  1. avatar Johannes sagt:

    Planungsfehler Nummer 2 ist auch deutlich zu sehen:

    – Asphaltdecke für den Radverkehr
    vs.
    – “wassergebundene” Decke bzw. Roter-oder-weißer-Schlamm/Staub-der-nie-wieder-weggeht für den Fußweg

    Bei auch nur den leichtesten Anzeichen von Feuchtigkeit ist das vorauszusehen, dass die Fußgänger auf der Asphaltdecke unterwegs sind.
    Der Fußgänger steht direkt mit Schuh und Beinkleid in Pfütze und Dreck und trägt das dann noch ins Haus.
    Antike Römerstraßen sind HighTech im Vergleich dazu.

    Ein ähnliches Phänomen bietet sich auch bei gepflasterten Fußgängerwegen neben Asphaltdecken für den Radverkehr: Fußgänger weichen instinktiv auf den besseren Weg aus, den saubereren und den mit weniger Unebenheiten, bei Dunkelheit verstärkt sich das noch. Irgendwie ist das tief drin, dass Stolpern und Ausrutschen einfach blöd ist.

    Wenn das mit Radwegen neben Fußwegen klappen soll, muss die Oberflächenqualität vergleichbar sein, ein leichter (lockender) Vorteil für den Fußgängerweg wäre da vielleicht im Zweifel für die Radfahrer deutlich vorteilhafter.

    • avatar Jochen sagt:

      Den Ausführungen schlechterer Fußweg für die Fußgänger und geteerter Radweg für die Fahrradfahrer kann ich als Fußgänger nur voll und ganz zustimmen.
      Dieser harte Untergrund des Fußgängerwegs mit den lockeren Steinchen oben drauf ist einfach nur nervig. Von verstaubten Schuhen und Hosen ganz zu schweigen. Lediglich die irrsinnige Geschwindigkeit von einigen Radfahrern lässt einen dann schon mal lieber auf dem Staubweg bleiben.

  2. avatar Norbert Paul sagt:

    Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber das dürfte auch ein Grund sein. Danke für die Ergänzung.

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