Blogrundschau 1: PresseRad – Neuer Blog zum Thema Radunfälle

Via radverkehrspolitik.de bin ich auf den interessanten Post Wie man eine radfahrerunfreundliche Pressemitteilung formuliert (1) aufmerksam geworden auf PresseRad, der sich selber so beschreibt:

Das hier ist nur ein kleines Blog mit Links und Kommentaren zu all den Seiten dort draußen, die sich mit Themen rund um das Fahrrad(fahren) beschäftigen. Neben den wenigen guten Beiträgen in der Presse und ihren Online-Ablegern findet man leider auch eine große Anzahl Artikel, die man als leidenschaftlicher Radfahrer eher kritisch sehen muss. […] Dieses Blog werde ich anonym betreiben, meine Person tut nichts zur Sache. Die gewünschte Anonymität werde ich nicht missbrauchen, versprochen.

Seit dem 24. 12. 2013 gibt es hauptsächlich eine tägliche Übersicht über Unfälle in Polizeimeldungen und weitere Links zu Fahrradunfällen. Ziel ist es wohl, darauf aufmerksam zu machen, wie wenig neutral darüber berichtet wird, wenn Radfahrer unverschuldet verletzt werden und wie häufig die Meldungen mit Meinungen durchsetzt sind, die dort nicht hingehören.

In dem besagten Post Wie man eine radfahrerunfreundliche Pressemitteilung formuliert (1) wird ein solches Beispiel seziert:

Am 31.12.2013 hat die Pressestelle der Polizei Minden-Lübbecke noch einmal schnell eine Pressemitteilung zu einem Unfall zwischen einem Radfahrer und einem Auto abgesetzt, die förmlich danach schreit, kommentiert zu werden.

Was ist passiert: Ein Autofahrer biegt rechts ab, fährt einen auf dem Radweg befindlichen Radfahrer an, welcher stürzt und – offensichtlich verletzt – mit dem Rettungswagen in die Klinik gefahren wird. Nichts ungewöhnliches also, so etwas passiert wohl jeden Tag irgendwo in Deutschland.

Wie schafft man es nun, diesen Vorfall für den Radfahrer so unfreundlich wie möglich zu formulieren?

Dabei beschreibt der anonym bleibende Autor z. B. wie man subtil kommuniziert, dass Radfahren gefährlich sei und Radfahrer eh alles Kampfradler sein, die selber Schuld an den Unfällen sein:

Auch wenn die fatale Aktion vom Autofahrer (A.) ausging, sollte man den Radfahrer (R.) in den Mittelpunkt des Geschehens setzen. “Autofahrer fährt Radfahrer um” könnte man titeln, oder “Autofahrer verletzt Radfahrer”. Das wäre aber nicht radfahrerunfreundlich genug. Auch wenn der R. nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war, muss unbedingt seine Passivität in Aktivität umgetitelt werden. Folgerichtig muss es lauten: “Radfahrer verletzt sich”.

Während dessen können die Autofahrer nichts dafür:

Jeder Negativpunkt […] kann auch positiv für den A. umformuliert werden. Hat sich der R. korrekt verhalten, müssen auch hier Joker gezogen werden. Umwelteinflüsse bieten sich an, im Winter beispielsweise die tief stehende Sonne. Gleichzeitig sind etwaige Fehlverhalten des A. (hier: Sichtfahrgebot) zu verschweigen, dies würde den Leser nur irritieren. Wir schreiben daher nicht “Der A. verstieß gegen das Sichtfahrgebot und fuhr den R. grob fahrlässig an”. Damit uns niemand plumpe Pro-Autofahrer-Argumentation vorwerfen kann, verpacken wir die Entschuldigung noch als Zitat und schreiben regelkonform: “Der Fahrer des PKW gab … an, dass ihn die tief stehende Sonne … geblendet habe”.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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