Frau Hoppenstedt fährt Rad

Hövding? Foto: www.pd-f.de / gregor bresser

Fahrrad-Airbag oder die Trockenhaube von Frau Hoppenstedt? Foto: www.pd-f.de / gregor bresser

Wenn ich Bilder vom Hövding sehe, muss ich immer an Frau Hoppenstedt und den Heinzelmann denken: “Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.” In dem bekannten Loriot-Sketch schwatzt ein Staubsaugervertreter Frau Hoppenstedt einen Saugblaser auf, der staubsaugen und gleichzeitig mit einer Trockenhaube Haare trocknen kann.

In freier Wildbahn habe ich noch keinen Hövding gesehen. Bei einem Verkaufspreis von ca. 400 EUR hat es dieser neuartige Kopfschutz sicher schwer, zu einem Massenprodukt zu werden. Im übrigen teilt er im Zweifelsfall vermutlich das Schicksal mit zahlreichen Batteriebeleuchtungen am Fahrrad: leere Akkus. Dann bleibt von dem High-Tech-Teil quasi nur ein modisches Accessoire in Form eines Halstuchs übrig.

Genaugenommen müsste man ohnehin zusätzlich zum Kopf auch noch zahlreiche andere Körperteile schützen. Wie der Fall unserer Bundeskanzlerin zeigt, ist ein Becken-Airbag von großer Wichtigkeit. Rücken, Schultern, Brust, Beine und Arme wollen auch gut eingepackt sein. Mit derart vielen Protektoren und Airbags bestückt, ist man oder frau wohl kaum mehr in der Lage, Rad zu fahren. Spaß machte es jedenfalls wohl nicht mehr.

Ich halte den Hövding für ein nerdiges Spielzeug ohne praktische Relevanz. Der ADFC lehnt in seinem Verkehrspolitischen Grundsatzprogramm, dem sogenannten Aachener Programm, bewusst eine Helmpflicht ab. “Helmträger und Radfahrer ohne Helm dürfen rechtlich und gesellschaftlich keinesfalls diskriminiert werden.”, heißt es darin. Das gilt natürlich auch  für andere Schutzausrüstungen. Eine entsprechende Forderung findet sich leider in der aktuellen Fassung des Grundsatzprogramms nicht wieder. Der ADFC NRW hatte sich auf der Bundeshauptversammlung in Aachen dafür eingesetzt. Der richtige Weg ist sicherlich, die Rahmenbedingungen für den Radverkehr so zu verbessern, dass Unfälle an sich vermieden werden. Dann brauchen wir auch keine Schutzausrüstung, die vor Unfallfolgen schützt. Genau diesen Weg schlägt das Aachener Programm vor.

 

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Über Jan Bartels

Als Alltagsradler bin ich fast täglich mit dem Rad zur Arbeit unterwegs und genieße es als Ausgleich zum Bürojob. Im ADFC kümmere ich mich um vor allem um den Internetauftritt des Landesverbands. Im Kreisverband bin ich verkehrspolitisch rund um den heimischen Kirchturm aktiv und liefere regelmäßig Artikel für die "Rad am Niederrhein", unserer Mitgliederzeitung (http://www.rad-nr.de).
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2 Antworten zu Frau Hoppenstedt fährt Rad

  1. avatar Norbert Paul sagt:

    Der Straßenpreis nähert sich inzwischen mit 328,89 Euro* den 300 Euro an und kommt damit fast in den Bereich von teuren Fahrradhelmen.

    * http://www.amazon.de/Hövding-Helm-Airbag/dp/B00DGW1D14

  2. avatar Gudrun Fürtges sagt:

    Also, ich mag diese Erfindung der beiden Ingenieurinnen. Schont die Frisur….

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