“Warum stehst du auf meinem Weg? “- Flyer der Stadt Dortmund

Kinder zeigen den Flyer, im Hintergrunfd Erwachsene

Kampagnenstart von “Radfahren in Dortmund – aber sicher!” mit Verteilung von “Warum parkst du auf meinen Wegen”-Flyern (Foto: Stadt Dortmund)

Im Rahmen der Aktion “Radfahren in Dortmund – aber sicher” wurde am 19.04.2013 als erstes Schwerpunktthema das andere gefährdende Parken gewählt – wenn auch auf Parken auf Radwege runtergebrochen und handlich gemacht.

Viele Autofahrer halten oder parken relativ selbstsicher auf dem Radweg. Gerade in ruhigeren Ecken einer Stadt, wo kaum Fahrradverkehr sichtbar ist, scheint dies keine große Sache zu sein. Doch egal an welcher Stelle: auch nur kurzes Halten auf einem Radweg, kann für Radfahrerinnen und Radfahrer eine Gefährdung bedeuten. Polizei und Stadt möchten mit diesem Themenschwerpunkt Autofahrerinnen und Autofahrer für dieses Gefährdungspotential sensibilisieren. Dazu werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Polizei und Verkehrsüberwachung mit Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern in einem ersten Schritt “Falschparker” mit einer Karte [pdf, 814 kB] auf ihr Fehlverhalten hinweisen. Im Anschluss an die Kartenaktion werden Polizei und Verkehrsüberwachung “Brennpunkt”-Radwege verstärkt kontrollieren.

Es blieb jedoch bei dieser einen Aktion, da einzelne Aktionen, so wie mit den Kindern der Landgrafengrundschule, recht aufwendig zu koordinieren sind, erklärt Hans-Joachim Skupsch, Pressesprecher der Stadt Dortmund, auf Anfrage für adfc-blog.de hin. Während dieser Veranstaltung wurden zwischen 11 und 13 Uhr rund 50 Flyer verteilt, also ca. alle 2 Minuten ein Flyer, was dafür spricht, dass an der Stelle tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Ob dies die optimalste Stelle dafür war, lässt sich kaum feststellen, denn es dürfte kaum möglich sein, ausreichend valide den Radweg zu bestimmen, auf dem am meisten geparkt wird. So wird der Ort der Realisierung pragmatischen Gründen gefolgt sein wie der Bereitschaft der Schule, sich zu beteiligen. So wurde von der Stadt auch kein Vergleich der an der Stelle vergebenen Bußgelder im Jahresvergleich erstellt. Wichtiger ist auch die Aktion als solche erfolgreich durchzuführen. Angekündigt war für die Zeit nach der Auftaktveranstaltung:

Bis Anfang Mai werden die betreffenden Verkehrsteilnehmer vorerst präventiv auf dieses Fehlverhalten hingewiesen und mündlich verwarnt. Ab dem 4. Mai 2013 droht jedem ‘Verkehrsrowdy’ bei einem solchen Verstoß ein bundesweit festgelegtes Verwarnungsgeld in Höhe von 10 bis 35 Euro.

Die Stadt kann jedoch nicht benennen wie häufig es nach der “Vorwarn-Phase” dann Kontrollen gab und wieviele Verwarngelder an der Stelle dann verhängt wurden. Somit lässt sich über die Wirkmächtigkeit der Aktion über die zwei Stunden hinaus nur spekulieren. Dennoch: Jede Aktivität, die dieses Problem angeht, ist begrüßenswert, auch wenn es eine eher symbolische Aktion ist.

Der verteilte Flyer ist natürlich nicht so politisch und konfrontativ wie der von Bernd Sluka entworfene Flyer, auf denen er für die Unterstützung im Kampf gegen die Radwegbenutzungspflicht den Autofahrern dankt. Dieser Flyer ist mir zu aggressiv und konfrontativ und setzt zu viel voraus und löst wohl eher Aggressionen aus als Verständnis. Vom Ansatz her finde ich den Flyer der Stadt Dortmund hingen richtig, da er auf persönliche Ansprache setzt “Warum parkst du auf meinem Weg?” und die Gefahren aus Sicht eines Kindes hinweist. Wer will schon für den Unfall eines Kindes im Straßenverkehr verantwortlich sein?

Ich bin Nele und fahre gerne Rad. Damit ich sicher zur Schule, zum Sport oder zu meinen Freunden komme, benutze ich den Radweg. Aber wie soll ich dort gut ankommen, wenn Du mit dem Auto auf dem Radweg parkst? Stell Dir mal vor, ich stehe auf der Straße und versperre Dir den Weg. Was machst Du dann? Du ärgerst Dich. So wie ich jetzt.

Auch verweist er nicht nur bürokratisch-rational auf Bußgelder; Bußgelder sind schließlich nur Mittel zum Zweck um den es eigentlich geht, nämlich Sicherheit im Verkehr. Ein Hinweis auf der Rückseite zu den juristischen Folgen des Radwegparkens wäre jedoch noch gut unterzubringen gewesen.

Schwieriger finde ich schon, dass der Flyer die Gleichung “Radwege = sicher” kommuniziert und dass der Flyer nicht allgemeiner gefasst ist und auch Parken auf Fußwegen, Radstreifen etc. umfasst. So richtig überzeugende Ideen, wie man das besser machen könnte, habe ich aber auch nicht. Einer der Blog-Leser_innen vielleicht?

Auf der einen Seite ist der Flyer kurzfristig gesehen also gut im Ansatz, wenn es darum geht, dass Parken auf vorhandenen (benutzungspflichtigen) Radwegen zu thematisieren, andererseits sehe ich langfristig die Gefahr, dass der Flyer mit dazu beiträgt Mythen am Leben zu halten, wie der Geschichte von dem grundsätzlichen Sicherheitsgewinn  durch Radwege.

Übrings: Solange noch ein paar der 5.000 gedruckten Exemplare vorhanden sind, kann man diese kostenlos bei der Stadt anfordern per E-Mail an radfahren.ordnungsamt( at )dortmund.de.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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3 Kommentare zu “Warum stehst du auf meinem Weg? “- Flyer der Stadt Dortmund

  1. avatar mkorsakov sagt:

    Einen ähnlich aufgemachten Flyer zum Thema Parken auf Bürgersteigen hat fahrradfreundlich.nrw.de im Angebot.

  2. avatar Norbert Paul sagt:

    Danke für den Hinweis auf die mutmaßliche Inspirationsquelle. 🙂

  3. Pingback: Radfahren in Dortmund – aber sicher! – Ausblick auf 2014 | ADFC Blog

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