Zukunft der Mobilität in Essen

Technisch gut gemacht, inhaltlich schwach: In einem Video macht sich Alexander Schmidt im Rahmen des Forschungsprojektes ” Neue Mobilität für die Stadt der Zukunft” an der Uni Duisburg-Essen, gefördert durch die Stiftung Mercator, Gedanken.

Ein paar Beobachtungen und Anmerkungen:

  • Der Autoverkehr hat in der Vision immer noch eine große Bedeutung, selbst für den Transport von ein paar Unterlagen ins Büro.
  • Gerade beim Fahrrad sind Verleihsystem nicht das Allheilmittel, da die Anforderungen an Fahrräder aufgrund der unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen etc. viel unterschiedlicher sind als bei Autos; in der Vision kommen aber hauptsächlich Leihräder vor. (Von den ganzen Datenschutzfragen bei Verleihsystem und dem Risiko der Nicht-Verfügbarkeit mal abgesehen).
  • Leihsysteme für das Rad sind dann interessant, wenn man das Rad nicht regelmäßig oder gar täglich nutzt. Car-Sharing-Angebote sind ja auch gerade dafür da, dass man sich ein Auto leihen kann, wenn man mal (!) eins brauch. Fahrrad-Leihsysteme sind ebenso für sporadische Benutzer oder auswertige Gäste interessant, nicht aber als Hauptverkehrsmittel geeignet.
  • Für E-Mobilität gibt es sicherlich gerade leicht Geld, da das ein politisches Trend-Thema ist, aber der Strom fällt auch bei besseren Batterie-Kapazitäten nicht vom Himmel. E-Mobilität ist keine Lösung, sondern nur ein anderer Antrieb. Wer E-Mobilität als Lösung preist, ist eine Hohepriester des “Weiter so”, der davon ablenkt, dass tragfähige Lösungen radikalere Lösungen brauchen als Detail-Änderungen im bestehenden System. Engagement für E-Mobilität simuliert dabei vor allem Änderungswillen ohne das man dabei jemanden verärgern muss, da sich ja nichts grundlegendes ändert.
  • Zu einer zukunftsfähigen Mobilität gehören auch Aspekte wie Verkehr-Vermeiden oder zu-Fuß gehen, auch wenn dass in der aktuellen politischen Großwetterlage nicht als so sexy angesehen wird wie E-Mobilität.

Gut finde ich, dass in dem Film die mittleren Spuren einer vierspurigen Straße zu Radschnellwegen werden sollen. Ich würde mir mehr solche Ideen wünschen bei einer Vision.

(via VeloCityRuhr)

 

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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