Helle Kleidung hat keinen Schutzeffekt

Bisher war es nur eine Vermutung, aber es wurde nun nachgewiesen: Warnwesten bringen Radfahrern nichts. Die Seite road.cc berichtet von einem Forschungsprojekt zur Frage, ob bestimmte Kleidung die Sicherheit von Radfahrern erhöhen kann:

Dr Ian Walker said: “Many people have theories to say that cyclists can make themselves safer if they wear this or that. Our study suggests that, no matter what you wear, it will do nothing to prevent a small minority of people from getting dangerously close when they overtake you.”

(via Carl vs. Karl)

Die Studie entstand an der Faculty of Humanities & Social Sciences der Universität in Bath und ist frei zugänglich. Bei 5690 Messungen haben unabhängig von der Kleidung 1-2% mit weniger als 50 cm Abstand überholt.

This suggests there is little riders can do, by altering their appearance, to prevent the very closest overtakes; it is suggested that infrastructural, educational or legal measures are more promising for preventing drivers from passing extremely close to bicyclists.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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12 Antworten zu Helle Kleidung hat keinen Schutzeffekt

  1. avatar Jürgen Friedrichs sagt:

    Also die Studie hat lediglich den Einfluss der Bekleidung auf den Überholabstand untersucht, insofern finde ich die Aussage der Überschrift “Helle Kleidung hat keinen Schutzeffekt” etwas gewagt. Helle Kleidung kann potentiell immer noch einen Radfahrer früher sichtbar machen (wurde ja nicht untersucht) und somit doch eine Schutzwirkung haben.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Überschriften zu finden, ist gar nicht so einfach, wie ich immer wieder feststelle, da sie sowohl Interesse wecken sollen als auch inhaltlich stimmen sollen ohne zu viel vorneweg zunehmen. Der Einwand ist also korrekt. Ich habe halt unsauber Überholabstand mit Sicherheit gleich gesetzt.

  2. avatar Peter sagt:

    …genau. Der Überholanstand ist im Fahrradweg-Deutschland auch keine interessante Messgröße. Wenn wir denn endlich mal alle wieder dort fahren dürfen, wo wir hingehören hätte die Studie wenigstens für hiesige Verhältnisse eine Relevanz. Viel spannender wäre doch dann aber auch die Frage, ob die Schutzwesten auch dann noch eine Wirkung haben, wenn jeder sie trägt. Und ob wir dann alle auch auf Fußwegen Schutzwesten tragen sollten. Und in der Schule. Und zu Hause. Vielleicht sogar im Bett, denn dort sterben bekanntermaßen die meisten Leute. Und ob die Menschheit irgendwann wieder zur Vernunft kommt statt jedes noch so dämliche Zubehörteil mit “…aber die Sicherheit!!!” zu rechtfertigen.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Die Frage ist aber schon, ob man nicht vermuten kann, dass auch in anderer Hinsicht das Verhalten der Autofahrer durch Westen nicht beeinflusst wird.

      Zu deiner aufgeworfenene Frage: Ich vermute nein, weil dann eine Warnweste ja keinen Unterschied vom Normalzustand markiert, was ja ihr Sinn und Zweck ist. Wenn alles ein Ausnahmezustand ist, wird das zum Normalzustand.

  3. avatar Kai Teranski sagt:

    @Jürgen: Die Studie macht sehr wohl eine Aussage über die Sichtbarkeit. Diese heisst: “Dunkler gekleidete Personen werden im Schnitt nicht dichter überholt als Personen in Signalkleidung.” Ansonsten würden z.B. dunkler gekleidete Personen, die quasi erst “in letzter Sekunde” erkannt werden, dichter überholt.

    Es geht ja immer noch weit verbreitet die Angst um, man könne von hinten überfahren werden. Dabei kommt es meiner Meinung nach massgeblich auf die Position des Radfahrers auf der Fahrbahn an. Leider wurde hier nicht untersucht, wie sich verschiedene Abstände des Radfahrers vom Fahrbandrand auf den Überholabstand auswirken. Dieser Faktor ist aber nach Meinung vieler Alltagsradfahrer entscheidend. Also nicht sich an den Rand drücken, sondern gerade bei dichtem Vekehr mit Engüberholern weit in der Fahrbahnmitte fahren, um ein Überholen auf der nächsten Spur oder Gegenfahrbahn zu erzwingen.

  4. avatar Daniel Schulte sagt:

    Ich mache mal meine persönliche Studie auf:

    Da ich seit Anfang der 90er Jahre im Dunkeln für die bevorstehende Saison trainiere, und dabei im Dunkeln ca. 80 km zurücklege, ist dies ja schon einigermaßen repräsentativ.

    Bis ca. 2007-8 bin ich noch mit Halogenlampen gefahren. Der Umstieg auf LED-Lampen war schon ein großer Sicherheitsgewinn. Es kam nicht mehr vor, dass entgegenkommende Fahrer mit Fernlicht weiterfuhren. Seit 2 Jahren fahre ich zusätzlich nachts noch mit einer gelben Weste. Subjektiv hat das mein Sicherheitsgefühl noch weiter verstärkt. Und darauf kommt es ja meines Erachtens an. Übersehen wird man auf keinen Fall mehr.

    Nichtsdestotrotz: Hab jetzt aber kein Lust mehr im Dunkeln zu fahren. Noch einen Monat bis zur Zeitumstellung… Dann gehts auch wieder aufs dicke Blatt!

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Hallo Daniel Schulte,
      sollte nicht eher objektiv die Sicherheit steigen anstatt nur das subjektive Sicherheitsgefühl? Gerade wenn das subjektive Sicherheitsgefühl unverhältnismäßig hoch ist, verleitet das doch dazu, sich (unbewusst) unsicher(er) zu verhalten – das Risiko steigt dann.

      • avatar Daniel Schulte sagt:

        Sehe ich anders. Wer sich sicher auf dem Rad fühlt, fährt auch sicher. Und wer ängstlich fährt, fährt unsicherer und unfallträchtiger. Sicher radfahren und unvernünftig radfahren sind 2 Paar Schuhe. Das ist so meine Praxiserfahrung auch aus 20 Jahren Trainingsbegleitung.

  5. avatar Grünschnabel sagt:

    Nachts mit einer Warnweste zu fahren, erhöht die subjektiv gefühlte Sicherheit… als ob es darauf ankäme, wie man sich fühlt. Gehwegradeln erhöht auch die subjektive Sicherheit, kann man immer wieder beobachten, sonst würden es wohl nicht so viele tun.
    Tatsache, dass eine neonfarbene Warnweste nachts überhaupt nicht besonders sichtbar ist, bis auf die Reflektorstreifen.
    Man kann sich so sicher fühlen, wie man will und kann trotzdem von einem ignoranten oder unaufmerksamen Autofahrer “übersehen” werden oder geschnitten werden oder ausgebremst oder oder oder.

    • avatar Kai Teranski sagt:

      Ist auch meine Beobachtung. Ich habe mich diesen Winter gewundert, wie viel andere Radfahrer auf einmal wie die Müllmänner durch die Gegend fahren. Dabei konnte ich meist erst im letzten Moment erkennen, dass eine Leuchtweste getragen wurde. Mag sein, dass die Westen bei ganz spezifischen Bedingungen (tagsüber bei bedecktem Himmel und ausgeschaltetem Licht ausserorts oder so) etwas mehr Sichtbarkeit bringen, diese wird von den Trägern aber weit überschätzt. Viel wirksamer ist doch wahrscheinlich eine funktionierende Lichtanlage.

  6. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Im Dunklen bringt eine Warnweste im Grunde nix, weil ihre Tages-Signalfarbe nicht wirkt, und die Reflexstreifen oberhalb eines Kfz-Scheinwerfer-Lichtkegels liegen. Eine ordentliche aktive Fahrradbeleuchtung erzeugt Erkennbarkeit und in zweiter Linie ausreichend tief angebrachte Rückstrahler. Rückstrahler jedweder Art bringen jedoch nichts, wenn sie nicht vom Lichtkegel erfasst werden, was z.B. der Fall ist, wenn Radfahrer und Autofahrer auf zwei sich kreuzenden Straßen auf die Kreuzung zufahren oder sich an Einmündungen begegnen.

    @ Daniel: Ich glaube nicht, dass automatisch objektiv sicher fährt, wer sich sicher fühlt. Überkompensationseffekte gibt es auch beim Radfahren mit Helm, Weste usw.. Mancher fährt z.B. mit Helm (unbewusst) riskanter, weil er sich gut geschützt glaubt.
    Und manche Autofahrer verhalten sich gegenüber behelmten Radfahrern weniger vorsichtig, weil jene vermeintlich weniger verletzungsempfindlich sind. Der Helm hat nach außen keine Warnfunktion und signalisiert keine Schutzbedürftigkeit.

    Bei einer Weste mag das anders sein, aber wenn viele eine tragen, entfällt der Charakter des besonderen. Und es ist ja nicht so, dass ein Radfahrer ohne Weste bei Tageslicht nicht sichtbar wäre. Die Weste in Signalfarbe wäre dann eher eine Voraussetzung dafür, dass der Kfz-Verkehr schneller fahren könnte, als es eigentlich angemessen wäre.

  7. Pingback: Helmkritik und Helmempfehlung | ADFC Blog

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