Schilder-Rätsel 4: Magdeburger Schilderrätsel

Auch in Magdeburg gibt es rätselhafte Beschilderungen, wie die Fotos von Norman Dreimann zeigen, die er an der Kreuzung Leipzigerstr. /Wienerstraße Richtung Südring heute machte.

Bild 1: Gesperrte Radweg (Foto: Norman Dreimann)

Bild 1: Gesperrte Radweg (Foto: Norman Dreimann)

Hier gibt es schon mal keine (rechtzeitige) Umleitung und auch keine sichere Überleitung auf die Fahrbahn. So schafft man Unfallrisiken und sorgt für einen Rückgang des Radverkehrsanteil. Mit dem “Durchstreichen” des Radverkehrsschildes ist der Radweg ausreichend aufgehoben. Vermutlich gibt es Leute die das in Kombi mit dem Absperrzaum für noch nicht deutlich genug hielten und einfach noch ein Radfahren-Verboten-Schild dazu stellten. Dreifach hält besser. Ein Verkehrszeichen gilt dabei erst einmal für die ganze Straße, s. § 30 II Satz 3 und 4 STVO:

Als Schilder stehen sie regelmäßig rechts. Gelten sie nur für einzelne markierte Fahrstreifen, sind sie in der Regel über diesen angebracht.

Ob man nun damit argumentieren kann, dass sich das offensichtlich aufgrund der Situation nur auf den aufgehobenen Radweg bezieht, entscheidet im Zweifelsfall ein Gericht. Die Interpretation von Beschilderungen die nicht der Logik der Norm folgen ist logischerweise nicht Teil der Norm. Ganz sicher darf man hier aber nicht mehr auf der Buckelpiste fahren.

Aber dankenswerterweise gibt es nach 60 Metern dann ein Schild aus der Rubrik: “Jeder darf mal ein Schild aufstellen”, das aber eindeutig ein Radweg kennzeichnet und den muss man ja auch erreichen können, also wird sich das erste Schild wohl kaum auf die ganze Straße bezogen haben. :-)

Bild 2: Interessante Beschilderung (Foto: Norman Dreimann)

Bild 2: Interessante Beschilderung (Foto: Norman Dreimann)

Wenn man davon ausgeht, dass die zuständige Behörde so etwas nicht angeordnet hat, sondern dass das wieder mal Baufirmen-Freestyle ist, wäre dies ein nichtiges Verkehrszeichen und somit nicht beachtlich. Der tiefere Sinn muss sich einem bei der Kombination eh nicht erschließen. Vielleicht soll das aber auch heißen: “Radfahrern ist es freigestellt, sich diese Piste anzutun”. Bei dem erkennbaren Zustand eine gute Idee. Aber beruhigender Weise muss man einen Radweg erst ab der nächsten Auffahrtmöglichkeit wieder nutzen und eh die kommt, steht nach weiteren 60 Meter das nächste Schild:

Bild 3: Der Standard (Foto: Norman Dreimann)

Bild 3: Der Standard (Foto: Norman Dreimann)

Er berichtet, dass man zum Wechseln absteigen müsste. Endet ein Fahrradweg  oder geht er in einen Fußweg – Radfahrer frei über, dürfte man bei der letzten sicheren Möglichkeit vorher den Radweg verlassen. Aber auf den ist man ja – s. o. – gar nicht erst gekommen. :-) Zudem müsste ein sicheres Wechseln auf die Fahrbahn möglich sein, durch Markierungen o. ä. – selbst bei Baustellen, wie die AGFS es in ihrer Handreichung zum Thema empfiehlt.

Da die Schilder aber offensichtlich in einem Zusammenhang stehen (kurzer Abstand, alles temporäre Schilder) und in ihrer Gesamtschau keine eindeutige Anordnung darstellen (Benutzungspflicht vs. Fußweg – Radfahrer frei vs. Fahren verboten), fehlt es dem Verwaltungsakt (hier: Baustellenausschilderung) an Eindeutigkeit und kann schon von daher kaum befolgt werden. Daher würde ich da auf der Straße fahren, da ich da als Radfahrer fahren muss bzw. darf, solange kein (benutzungspflichtiger) Radweg vorhanden ist.

Diese Beschilderung wirft also einige Fragen auf und lässt verschiedene Deutungen zu. Wer es genau wissen will, muss aber seinen Verkehrsrechtsanwalt des Vertrauens fragen.

edit 04.02.2014 12:12

Rubrikbezeichnung in Überschrift ergänzt

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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