Poller und Radfahrernde – Teil 2

Da ich gar kein Querulanten-Blogger werden möchte, sondern lieber über Positives (oder Grundsätzliches) schreibe, erst einmal eine gute Nachricht aus Dortmund: Die Einbahnstraße Am Kucksberg in Schönau war die Tage nun mit den zu Ende gehenden Umbaumaßnahmen auch in Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben worden. Auf Vorschlag eines Mitgliedes hatte sich der ADFC Dortmund dafür eingesetzt. Für die Umsetzung ohne zeitlichen Abstand zu den Baumaßnahmen und die Umsetzung ansich ist die Verwaltung klar zu loben. :-)

An anderer Stelle bleibt es aber fahrradunfreundlich: Vor kurzem hatte ich hier davon berichtet, dass ich die Stadt Dortmund kurz privat angeschrieben hatte, damit die Durchfahrt für Radfahrende bei ausgefahrenen Pollern legalisiert wird – wenn sie nicht gewünscht wäre, hätte man ja eine Schranke aufstellen können. Ich ging davon aus, dass ein entsprechendes Schild abhanden gekommen sein könnte oder schlicht vergessen wurde und die Geschichte mit der E-Mail erledigt wäre.

Das – wie berichtet – von mir nach dem ersten E-Mail-Verkehr dann vorgeschlagene Schild “Radfahrer frei bei ausgefahrenem Poller” fand auch keine Gegenliebe in der Verwaltung wie das zuerst vorgeschlagene “Fahrrad frei”-Schild, da es in der StVO nicht vorhanden ist. Ich hatte zudem gefragt, ob es nicht möglich wäre, dass das die rote Lichter nur leuchten, wenn die Poller hochgefahren werden? Mit der Mutmaßung, dass es aus Sicherheitsgründen nötig sei, wurde auch dieser Ersatzvorschlag abgelehnt.

Aufgrund des Berichtes hat mich Sebastian Brumme aus Leipzig darauf hingewiesen, dass in Leipzig viele Poller die autofreie Innenstadt abgrenzen.

Sie ist Fussgängerzone, von 20-11 frei für Fahrräder, mit den entsprechenden Konsequenzen für Radfahrer […] Die Poller dienen dem Lieferverkehr, von 5-11 sind sie offen. Nur eine ausgewählte Taxi-Anzahl hat Zugang (Fernbedienung). Rettungswagen haben sowieso Zugang. Ein Bus fährt durch. Hat zur Folge, das sich die Poller (pneumatisch) doch sehr oft bewegen.

 

Die Leipziger Polizei kennt keinen Fall, bei dem ein Radfahrer durch einen ausfahrenden Poller verunglückt ist, wie Polizeisprecher Uwe Voigt auf Anfrage für adfc-blog.de hin erklärt:

Die Polizeidirektion Leipzig hat nach den durchgeführten Recherchen keine Unfallvorgang mit einem derart kuriosen Sachverhalt polizeilich aufgenommen und registriert. Es kam zwar vor, dass PKW Fahrer hinter dem Bus versucht haben durchzuhuschen, das wurde dann vom Poller bestraft. Das waren Einzelfälle. Es gibt keinen Unfallschwerpunkt aus Sicht der Polizei.

Aber auch mit dem Verweis auf Leipzig bliebt die Verwaltung bei ihrem nein, denn der Sachbearbeiter, der nun mehr Zeit mit dem Ablehnen als dem Anordnen des Schildes verbracht hat, erklärte mit Rückgriff auf seine Ortskenntnisse, dass die Situation nicht vergleichbar sei. Meine halbstündige Kurzvisite in der Wartezeit beim Umsteigen vor Jahren kann ich jetzt natürlich nicht als profunde Ortskenntnis ins Feld führen, aber ich erkenne schon ein paar Unterschiede: Die beiden Poller an der Stelle sind in Dortmund tagsüber die ganze Zeit unten und können in der Zeit legal passiert werden, dafür sind sie nachts wohl die ganze zeit oben und in der Zeit kann kein Radfahrer sie legal passieren, es sei denn, er steigt ab. Und in Dortmund liegt die Stelle in einer ruhigen Seitenstraße der City ohne Busverkehr. Dafür wird sie aber durch eine echte Ampel mit der Folge dunkel – gelb – rot – dunkel abgesichert und das ist nach den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (S. 11) eine Ampel und nicht nur einfach irgendein Licht:

Lichtsignale sind Lichtzeichen gemäß § 37 der StVO. Für Lichtsignale, die den Verkehrsablauf an Knotenpunkten und anderen Straßenstellen steuern, wird verkehrsrechtlich der Begriff „Wechsellichtzeichen” verwendet. […] Lichtsignale für Kraftfahrzeuge haben die Signalfolge GRÜN – GELB – ROT – ROTIGELB – GRÜN. An Lichtsignalanlagen, die nur in größeren zeitlichen Abständen in Betrieb genommen werden, oder bei Verwechslungsgefahr hintereinanderliegender Signalgeber, ist auch die Signalfolge DUNKEL – GELB – ROT – DUNKEL erlaubt.


Kennt einer der Leser andere Beispiele aus der Straße Rosental in Dortmund und der Innenstadt Leipzig und kann aus Radfahrersicht berichten?

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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1 Antwort zu Poller und Radfahrernde – Teil 2

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