Michael Ramstetter macht klaren Tisch: Ich habe es für Deutschland getan

Jeden Tag erschüttern neue Enthüllungen den ADAC. Da der ehemalige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter adfc-blog.de wegen seiner ausgewogenen Berichterstattung schätzt, hat er sich entschlossen, in einem völlig fiktiven Interview Rede und Antwort zu stehen, das journalistisch so solide ist, wie der Gelb-Engel-Preis repräsentativ.

Die ADAC-Zentrale in München (Foto: Bbb Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Die ADAC-Zentrale in München (Foto: Bbb Lizenz: CC BY-SA 3.0)

ADFC Blog: Heute wird in den Medien noch gar kein neuer Skandal verbreitet …

Michael Ramstetter: Ehrlich gesagt wundert mich das auch. Nachdem die Süddeutsche Zeitung, die übrings eine viel geringere Auflage hat als die von mir bis vor kurzem geleitete ADAC Motorwelt, behauptet hat, ich sei bei meinen Untergebenen nicht so beliebt gewesen, erwarte ich ja jeden Tag nun neue böswillige Unterstellungen von Menschen, die sich profilieren wollen, indem sie meine kleinen Fehler ausnützen und  daraus Skandale zimmern. Ich habe doch nur im Sinne der Sache gehandelt. Skandale sind z. B. der Zustand der deutschen Straßen …

ADFC Blog: Sie scheinen ja ein Mann mit einer Mission zu sein. Was treibt sie an?

Michael Ramstetter: Jeden Tag denken sich die Regierungen in Bund und Ländern neue Schikanen aus, mit denen sie die Mehrheit schröpfen wollen.  Fahren Sie mal morgens von Bochum nach Essen: Da sehen Sie, wer die Mehrheit ist: Das sind die deutschen Autofahrer. Nicht die Radfahrer und Hubschrauberbesitzer. Und die wählen sich immer wieder Regierungen, die Entscheidungen treffen, die ihr als Mehrheit, also den Autofahrern, schaden. Die Benachteiligung fängt schon in Kindertagen an. Schon in der Grundschule wird den Kindern kostenlos das Radfahren näher gebracht und immer mehr – das nur am Rande – fahren dann auch noch später Rad, obwohl sie sich ein Auto leisten könnten – sogar mit dem Segen der Politik.*Kopfschüttel* Immer mehr fahren dann auch noch auf der Straße und bremsen den Autoverkehr, dem Rückgrad unserer Wirtschaft, damit aus. Wenn der Radverkehrsanteil weiter steigt, haben wir hier bald Zustände wie in Griechenland. Da kann ich dem ADFC nur gratulieren, dass er es geschafft hat als Splittergruppen-Vertretung Politik und Verwaltung auf seine Seite zu ziehen. Etwas, dass wir als neutraler Verein aber auch nie angestrebt haben. Wir wollten immer parteipolitisch neutral sein. Aber das geht ja noch weiter: Obwohl die Kampfradler keine Steuern zahlen, baut man ihnen auch noch eigene Wege und kostenlose Parkmöglichkeiten. Wenn ich da an die Parkkosten in Deutschland denke. Auch die Kommunen werden von der Minderheit regiert, die alles tun, um der Mehrheit der Autofahrer zu schaden. *sich erreg*

ADFC Blog: *Atmenpause Ramstetters nutz* Aber man sagt den Politikern doch Nähe zur Autoindustrie nach  …

Michael Ramstetter: Das ist doch alles nur gespielt und dient der Ablenkung von den eigentlichen Vorhaben. Wenn die Politiker autofreundlich wären, dann wären doch die Autofahrer nicht die Melkkühe der Nation.

ADFC Blog: Experten sagen, dass der Autoverkehr die immensen externen Kosten gar nicht vollständig trägt.

Michael Ramstetter: Jetzt hören Sie mir doch mit diesen Verschwörungstheorien auf. Ohne Auto gäbe es die deutsche Wirtschaft nicht. Deshalb muss endlich mehr Geld ausgegeben werden für den Autoverkehr. Meine persönliche Berechnung hat ergeben, dass die A40 durch das Ruhrgebiet auf mindestens 12 Spuren ausgebaut werden müsste und nicht auf sechs wie es passiert. *mit der Faust auf den Tisch hau*

ADFC Blog: Ich sehe, sie haben eine Mission.

Michael Ramstetter: Seit Jahren ist der ADAC und insbesondere auch meine Person eine der wenigen, die sich trauen zu sagen, wie arm die Autofahrer in Deutschland dran sind. Tempolimit, Öko-Motoren, die Liste der Schikanen hört gar nicht auf. Da vergeht einem ja fast die Lust am Autofahren. Und jetzt gibt es auch noch Schilder, die unsinnige Rechtsregelungen wie das Radfahren auf Straßen propagieren. Erst werden den Radfahrern mit dem Geld der Autofahrer Wege gebaut und dann wollen sie die nicht nutzen und der Staat unterstützt das auch noch.

ADFC Blog: Vielleicht macht ja Radfahren Ihnen mehr Spaß?!

Michael Ramstetter: Klar, dass das jetzt von Ihnen kommen muss. Radfahren ist was für den Sonntagsausflug in den Park und ein Spielzeug für Kinder. Auch können die das nutzen, bis sie Autofahren dürfen. Das darf man in Deutschland übrings auch viel zu spät. So ein Auto ist doch hochgradig sicher dank deutscher Ingenieurskunst. Ohne Autoindustrie würde Deutschland Entwicklungshilfe bekommen müssen von anderen Ländern. Auch braucht es mehr Westen für Radfahrer, da die immer plötzlich kurz vor dem Auto auftauchen. Als ADAC versuchen wir schon länger, den Kindern klar zu machen, dass von Fußgängern und Radfahrern große Gefahren ausgehen und dass diese sich umfassend schützen und sich umsichtig verhalten müssen. Auch muss man sich vergegenwärtigen, dass Autos gar nicht für so geringe Geschwindigkeiten ausgelegt sind …

ADFC Blog: Ich möchte sie ungerne unterbrechen, aber wir wollten über die aktuellen Skandale sprechen.

Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der Geschäftsführung des ADAC e. V. bei der Preisverleihung des Gelben Engels 2014, als die Verfälschungen noch als böswillige Unterstellungen dargestwellt wurden (Foto: ADAC)

Dr. Karl Obermair, Vorsitzender der Geschäftsführung des ADAC e. V. bei der Preisverleihung des Gelben Engels 2014, als die Verfälschungen noch als böswillige Unterstellungen dargestellt wurden (Foto: ADAC)

Michael Ramstetter: Setzen Sie Skandale in Anführungszeichen. Ich habe mich ja nicht persönlich bereichert wie prominente Steuersünder, sondern ganz im Gegenteil: Ich habe es für Deutschland getan. Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. Niemand ist so arm dran, wie der deutsche Autofahrer!

ADFC Blog: Sie sagten es bereits. Sehen das ihre Mitglieder eigentlich auch alle so?

Michael Ramstetter: Der ADAC vertritt natürlich die Interessen aller Autofahrer.

ADFC Blog: Woher nehmen Sie die Gewissheit?

Michael Ramstetter: Sie sollten als Journalist inzwischen mitbekommen haben, dass die Autofahrer so viel im Stau stehen, dass sie nicht mehr an den Umfragen von uns teilnehmen können. Aber nochmal: Es ist eine Kernkompetenz des ADAC zu wissen, was den Autofahrer plagt. Ich fahre doch selber täglich Auto und sehe, was los ist. Völlig absurd, dass andere sagen: Ja, ich fahre freiwillig Tempo 100. Das macht kein verständiger Autofahrer.

Karl Obermair: *zur Tür rein schau*: Jetzt sag Ihnen endlich, wie schlimm es um die Situation der Autofahrer in Deutschland bestellt ist. Da bleibt einem ja nichts anderes übrig, als zu fliegen. *verlässt den Raum*

ADFC Blog: Die schweizer Bevölkerung hat in einer Volksabstimmung beschlossen, dass Rasen kein Kavaliersdelikt mehr sein soll, sondern härter bestraft werden soll.

Michael Ramstetter: Deutsche Autofahrer zahlen schon genug Steuern, die nicht in den Straßenverkehrshaushalt einfließen. Da kann man nicht auch noch die eh schon hohen Busgelder noch mehr erhöhen, während Radfahrer …

Peter Ramsauer: *klopft an* Hallo Michael, wo du du jetzt auch mehr Zeit hast dachte ich … ach, du hast ja Besuch. Entschuldigung. *geht*

Michael Ramstetter: Ach, auch ein guter Mann, der genauso wie ich zu Unrecht gehen musste. Wir hatten noch viel vor gemeinsam.

ADFC Blog: Nochmal zurück zu den Mitgliedern: Verstehe ich Sie richtig, dass Sie bzw. den ADAC die Meinung der Mitglieder nicht interessiert?

Michael Ramstetter: Doch. Nur wissen viele noch nicht, wie die Sicht der Dinge für sie sein sollte und deshalb habe ich mir viele Jahre die Mühe gemacht, ihnen das näher zu bringen.  Ich habe viele Stunden nicht im Auto, sondern am Schreibtisch verbracht, um gegen den Wahnsinn anzuschreiben und viele wichtige Dinge zu testen, z. B. in welcher Raststätte der Kaffee am Besten ist. Das sind wichtige Erkenntnisse, von denen alle profitieren. Natürlich habe ich mich nicht durch eine Mantaplatte hier, die Erlaubnis auf dem Behindertenparkplatz halten zu dürfen dort, zu Korrekturen verleiten lassen, die sachlich nicht geboten waren.

ADFC Blog: Wieviele Mitglieder haben Sie denn vertreten in Ihrer Zeit beim ADAC?

Michael Ramstetter: Wie gesagt, der ADAC und auch ich vertreten alle Autofahrer. Und wie Sie wissen sollten, sind Statistiken nicht die Kernkompetenz des ADAC.

ADFC Blog: Aber der ADAC muss doch wissen, wer die Leistungen in Anspruch nehmen darf, die der ADAC seinen Mitgliedern anbietet.

ADAC-Pannendienst (Foto: Klugschnacker, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

ADAC-Pannendienst (Foto: Klugschnacker, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Michael Ramstetter: Zu erst: Die Mitglieder sind wegen den Positionen Mitglied und nicht wegen des Service. Ansonsten bin ich jetzt mal offen und ehrlich: Meinen Sie, wir können den Pannendienst aus den Mitgliedsbeiträgen finanzieren? Wofür verkaufen wir wohl überteuerte Batterien beim Pannendienst? Villen und Hubschrauberflüge finanzieren sich nicht aus der Portokasse. Das wird im ADFC nicht anders sein.

ADFC Blog: In der Tat. Bis heute reicht die Portokasse nur fürs Porto. Dass heißt, der Pannendienst kommt zu jedem?

Michael Ramstetter: Ja, wenn es sich lohnt. Jedes Jahr habe wir für die Autos Kaufempfehlungen in der ADAC Motorwelt kommuniziert, wo wir beim Pannendienst am meisten verdienen können. Nannte sich Pannenliste oder so. Aber als Privatier möchte und kann ich natürlich nicht zu viel preisgeben an Interna meines ehemaligen Arbeitgebers. Verraten Sie das also bitte nicht weiter. Geschäftsgeheimnis und so – Sie wissen schon. Und ich will ja auch keine Abmahnung riskieren.

ADFC-Blog: Auto-Journalisten wird immer wieder Hofberichterstattung vorgeworfen, die durch teure Reisen etc. erkauft wird. Hat das ihre Arbeit beeinflusst, z. B. bei der Manipulation der Rangfolge beim Gelben Engel-Preis?

Michael Ramstetter: Manipulation hört sich danach an, als ob ich etwas zu meinen Gunsten verändert hätte. Aber es ging mir immer nur darum, das best mögliche für den Autostandort Deutschland zu erreichen.

ADFC Blog: Herr Ramstetter, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch und werde natürlich für mich behalten, dass die Pannenstatistik so gestaltet ist, dass möglichst viele Autos gekauft werden, an denen der Pannendienst gut verdient.

Michael Ramstetter: Gerne geschehen. Darf ich eigentlich auch für den ADFC Blog schreiben? Wenn die ganzen neuen Ex-Mitglieder nun nicht mehr die ADAC Motorwelt bekommen, haben sie ja vielleicht Zeit hier vorbei zu schauen.

Corrigenda 7.2.2014

Huch waren da viele Tipfehler im Text trotz Nochmal-Lesen. Da musste ich korrigieren, damit es nicht mehr so peinlich ist. :-)

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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4 Responses to Michael Ramstetter macht klaren Tisch: Ich habe es für Deutschland getan

  1. avatar Klaus Droste sagt:

    Hallo,
    ich finde es nicht sehr angebracht als ADFC über den ADAC schlecht zu schreiben, dies ist in meinen Augen ein sehr schlechter Stiel. Wenn man als Wettbewerber punkten möchte sollte man über seine eigenen Stärken berichten, nicht aber über andere schlecht Reden.
    Klaus Droste (Kein ADAC Mitglied, sehr wohl aber im ADFC aktiv)

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Hallo Klaus Drooste,
      danke für das Feedback. Dazu drei kleine Anmerkungen:
      1) Hier in dem Blog schreiben zwar ADFC-Aktive, aber nicht der ADFC. Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
      2) ADFC und ADAC stehen für mich nicht wirklich in Konkurrenz zueinander. Gibt bestimmt viele, die in beiden Vereinen Mitglied sind.
      3) Am Anfang der “Epoche” habe ich schon mal zum Thema geschrieben und da auch vertreten, dass der ADFC nicht schadenfroh sein soll sondern aus der Sache lernen sollte, um ähnliche Fehler zu vermeiden. https://adfc-blog.de/2014/01/gelber-engel-mit-abgeknicktem-fluegel/ Das sehe ich auch heute noch so.
      Grüße Norbert Paul

  2. avatar Christoph S sagt:

    Guten Abend Herr Paul,

    Blogs wie Ihrer wecken in mir die Hoffnung, dass der Fahrradklub, in dem ich seit vielen Jahren Mitglied bin, noch nicht vollständig zum ADFC-TUI verkommen ist. Bitte weiter so!

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