kaputte Melonen, Scheinlogik und Fahrradhelme

Die Gratiszeitschrift coolibri Dortmund “erfreute” mich heute in der Ausgabe 4/2014 auf Seite 34 mit folgendem Geschwurbel aus der Rubrik “missratene Einleitungen”:

Eine Melone wird immer gern als Schauobjekt herangezogen, um zu zeigen, was bei einem Fahrradsturz ohne Helm passieren kann. Nicht schön, diese Vorstellung, und darum sollte man auch tunlichst nicht oben ohne fahren. Dass die Kopfbedeckung nicht nur lebensrettend, sondern auch trendy sein kann, zeigen die Modelle von Melon Helmets.

Zum Unsinn von Melonen-Demonstationen hat Malte Hübner Ende letzten Jahres alles gesagt in seinem Post Dumm gelaufen: Melonentest geht schief.

Der Vergleich zwischen Kopf und Melone ist aber weiterhin schwierig: Erst einmal werden in der Praxis Unfälle selten so ablaufen wie bei einer fallengelassenen Wassermelone, so dass die handlichen Gleichungen „Mit Helm = lebendig, ohne Helm = tot“ vermutlich so valide gar nicht sind. Zweitens stört sich der Kopf im Gegensatz zu einer Wassermelone nicht an ein paar oberflächlichen Schrammen — die sind zwar unschön, sicherlich auch schmerzhaft, aber sowas verheilt. Im Gegensatz dazu dürfte sich das Gehirn innerhalb des Schädels mit der Heilung deutlich schwerer tun, also sollte vor allem das Hirn bei einem Unfall möglichst geringen Kräften ausgesetzt werden. Das wird aber bei einem Melonentest überhaupt nicht illustriert: Das Fruchtfleisch innerhalb der Schale ist eben nicht mit der Gehirnmasse vergleichbar und selbst wenn die Melone optisch unversehrt aus dem Helm kullert, können je nach Versuchsaufbau schon derartige Kräfte eingewirkt haben, die an einem menschlichen Gehirn schon schwere und irreparable Schäden hinterlassen hätten. Andersherum platscht ein menschlicher Kopf bei einem mittelschweren Sturz aber längst nicht mit einem ekelhaften Geräusch in Dutzende Teile wie eine Melone.

Der Artikel listet danach alle möglichen Features der Helme auf und überrascht mit einem Magnetverschluss des Helmes. Da die Webseite nicht erreichbar ist, kann ich der Sache nicht auf die Spur gehen, was ich mir darunter vorzustellen habe.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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3 Antworten zu kaputte Melonen, Scheinlogik und Fahrradhelme

  1. avatar mkorsakov sagt:

    Hier findet sich ein paar »Urban Facts« – n büschen dünn, finde ich …

  2. avatar Winter sagt:

    Was soll eigentlich so ein Blog auf der Web-Page des Landesverbandes Nordrheinwestpfalen?
    Will jetzt ehrlich jemand diskutieren, dass Fahrradhelme für Kinder nicht sinnvoll sind?

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