Felgenbrechheims Abschied von der Ortsumgehungsstraße

Die Anspannung wich um 19:23 aus dem Gesicht des jungen Bürgermeisters von Felgenbrechheim, Holger-Emanuel Breitenscheidt (31). Der Ortsrat hatte soeben einstimmig für den neuen B-Plan gestimmt, der für die Überbauung der stillgelegten Umgehungsstraße mit einer Bahnstrecke und einem Radweg nun die rechtliche Grundlage geschaffen hat. Der wirtschaftlichen Zukunft des Ortes stand nun nichts mehr im Weg, nachdem bereits Anfang des Monats des Verkehrsministerium die Förderung aus dem 111-Bergtäler-Bahnförderprogramm zugesagt hatte.

(Foto:  Nowa , Lizenz:  CC BY 3.0)

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Vor fünf Jahren löste eine Idee aus dem beschaulichen Felgenbrechheim Kopfschütteln im ganzen Kreis aus. In dem engen Tal fehlte es an einer geeigneten Trasse für die Verlängerung der Bahnstrecke aus Beidemradler. Jedoch wollte man die Verlängerung unbedingt realisieren, denn der örtliche Tourismus geht seit Jahren mangels Bahnanschluss zurück und auch Gewerbeansiedlungen in dem traditionsreichen Ort, in dem das Leben rund um die örtliche Moschee daher manchmal ein bisschen verschlafen wirkt, sind sehr selten.

Im Jahre 2001 wurde die Ortsumgehungsstraße stillgelegt, da sie sich nicht rentierte, wie eine gesamtgesellschaftliche Kosten-Nutzung-Rechnung ergab. Seitdem erobert sich wie bei stillgelegten Bahnstrecken die Natur die Trasse zurück. Unerwarteterweise entwickelte sich die Trasse auch zum inoffiziellen Schnellweg für Radfahrende in und aus dem Tal, die den Ort umfahren wollen. Als 2002 die Verlängerung der Bahnstrecke über Felgenbrechheim nach Gepäcktrag ins Gespräch kam, scheiterte das Projekt fast an der fehlenden Trasse in dem Tal. Jedoch konnte Holger-Emanuel Breitenscheidt den Gemeinderat von der Notwendigkeit der Bahnstrecke überzeugen, so dass eine Entwidmung der Straßentrasse beschlossen werden konnte. “Da die Bahntrasse nicht die ganze Breite braucht aufgrund ihrer höheren Flächeneffizienz, haben wir einen parallelen Radweg mitgeplant, für den es offensichtlich einen höheren Bedarf gibt, als für die Umgehungsstraße”, erklärt der Politiker, der schon damit Aufmerksamkeit erregte, dass er Umkleideräume für Radfahrende in allen kommunalen Gebäuden durchsetzte. “Die Straße war von Anfang an eine Fehlplanung,” ergänzt die Planungsamtsleiterin Dilar Mutlu, “die wir nun korrigieren können.” Sie geht davon aus, dass bald weitere Gemeinden mit stillgelegten Umgehungsstraßen die Trassen ebenfalls überplanen werden.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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1 Response to Felgenbrechheims Abschied von der Ortsumgehungsstraße

  1. avatar Christof Bieker sagt:

    klare Fehlplanungen wie auch in augustusburg dafür zahlt der Steuerzahler!Das sollte klar geändert werden.Der Gesetzgeber muss für diese deutlichen Fehlplanungen die Politiker die das verantworten müssen zur Rechenschst ziehen,schon deswegen damit so
    etwas möglichst unterbleibt!Rechenschaft ziehen heißt die Verantwortlichen müssen auch dafür zahlen,deutlicher als der Steuerzahler!

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