Aktionstag Radfahren in Dortmund – aber sicher

Kinder zeigen den Flyer, im Hintergrunfd Erwachsene

Kampagnenstart von “Radfahren in Dortmund – aber sicher!” mit Verteilung von “Warum parkst du auf meinen Wegen”-Flyern (Foto: Stadt Dortmund)

Am 28. März war der <Aktionstag der Kampagne Radfahren in Dortmund – aber sicher> als Auftakt für diesjährige Programm.

Unter dem Motto: “Radfahren in Dortmund, aber sicher!” veranstalten die Initiatoren am 28.03.2014 einen Aktionstag rund um das Thema Fahrrad und setzen damit einen weiteren Meilenstein [sic!] in ihrem Kooperationsprojekt.

Pünktlich zum Beginn der Fahrradsaison laden die Veranstalter gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern  in die Berswordthalle ein. Ab 10.00 Uhr haben alle interessierten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich über Sicherheit im Straßenverkehr zu informieren, Wissenswertes über lichtreflektierende Fahrradbekleidung zu erfahren und auszuprobieren, wie ein Helm wirklich richtig sitzt. Bei den abwechslungsreichen und interessanten Angeboten der Ausstellenden ist sicherlich für Jeden etwas dabei.

Insbesondere scheint für die Stadt Dortmund Radfahren nicht etwas zu sein, dass man aus Freude daran macht oder weil es cool ist, sondern aus Vernuftsgründen:

Regelmäßiges Radfahren stärkt Herz und Lunge, kräftigt die Muskulatur und hebt nebenbei ganz automatisch die Stimmung. Neben den zahlreichen positiven Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit und unser seelisches Wohlbefinden, schont es auch unser Portemonnaie. Wer täglich Rad fährt, leistet nebenbei auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und schont die Umwelt.

So motiviert man wohl kaum jemanden zum Radfahren. Egal wie groß die Kampagne angelegt ist.

Bereits in den vergangenen Monaten hat das Ordnungsamt der Stadt Dortmund in Kooperation mit der Dortmunder Polizei ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen. Das Projekt wirbt für das Fahrradfahren und setzt sich neben dem Ziel, eine breite Akzeptanz des Radverkehrs in Dortmund nachhaltig zu sichern, dafür ein, durch verschiedene Aktionen die Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrerinnen und Radfahrern zu senken. In den vergangenen Monaten wurden bereits die ersten Module der Kampagne, unter Anderem im Rahmen verschiedener Veranstaltungen in Dortmunder Schulen zum Thema Fahrradsicherheit, Sichtbarkeit im Straßenverkehr oder die Kampagne Radwegebenutzung umgesetzt.

Ich hätte den bisherigen Verlauf von <Radfahren in Dortmund, aber sicher> nicht so bombastisch und erfolgreich beschrieben. Wie man mit der Betonung des Sicherheitsaspektes für das Radfahren werben will, bleibt mir schleierhaft. Wie die Kampagne etwas für die Akzeptanz des Radverkehrs tut, ist nicht erkennbar. Warum man bei der Unfallverhütung einseitig die Radfahrenden anspricht ist unverständlich. Das man einzelne Kleinstveranstaltungen als Module verkauft ist peinlich. Und unter “Kampagne Radwegebenutzung” kann ich mit nur ein geheimes Arbeitsprogramm des Tiefbauamtes vorstellen, sich möglichst lange der gültigen Rechtslage zu widersetzen und möglichst viele Radwege benutzungspflichtig zu lassen. Fraglich bleibt auch, warum man die Kampagne nicht mit den einschlägigen und neuen Vereinen und Initiativen auf Augenhöhe veranstalten will.

Nach dieser Auftaktveranstaltung für dieses Jahr ist übrings bisher nichts weiteres passiert; weder wurden die interessierten Verbände und Firmen über weitere Schritte informiert noch gab es ausweislich der entsprechenden Seite der Stadt Dortmund weitere Veranstaltungen und Aktionen. Da die Veranstaltung zu einer Zeit stattfand, wo sehr viele Leute auf der Arbeit, an der Uni, … sind, konnte ich selber auch nicht hingehen, aber die Berichte von Beteiligten zeichnen ein negatives Bild: Kaum Besucher. Das hatten engagierte Radfahrer schon vorher so prophezeit. Dabei hat es die Stadt nicht mal hinbekommen, eine korrekte Teilnehmerliste zu veröffentlichen. So wurde z. B. VeloCityRuhr als Teilnehmer aufgeführt, obwohl die Initiative die Teilnahme abgesagt hatten. Im Vorfeld hatte VeloCityRuhr mit anderen Initiativen in einem offenen Schreiben u. a. gefordert, dass die Zeiten in den Abend erweitert werden oder nach hinten verschoben werden bzw. alternativ auf einen Samstag verschoben würden. In dem Schreiben wurde von den Verbänden u. a. angeboten:

 – Beteiligung mit einem mit Fahrrad-Generatoren angetriebenen Fahrradkino und Kooperation mit 5–10-minütigen preisgekrönten Kurzfilmen aus dem Portfolio des jährlichen International Cycling Festival in Herne (www.cyclingfilms.de)
– Nutzung unserer „Werbemaschinen“ – Kontaktlisten, Social Media usw. auf verschiedensten Kanälen -> zeitgemäßes Multichannel-Marketing mit einem GARANTIERT fahrradinteressierten Empfängerkreis

Den Tag mit Filmen aufzulockern und somit auch den Spaß am Radfahren zu vermitteln neben den nötigen Sicherheits- und Technikinformationen ist sicherlich ein attraktives Angebot. Die Stadt ging darauf aber nicht ein. Auch andere Gebote waren nicht möglich. Da selbst Unkostenbeiträge für eine Fahrradcodierung schon ein nicht erwünschter Verkauf gewesen wären, fiel auch dieses Angebot weg.

Kritisch wird in dem Schreiben angemerkt:

Unser Kernproblem mit der Veranstaltung im aktuellen Planungskonzept ist die Arbeit mit Ehrenamtlichen in diesem Rahmen. [… Sie] bringen ihre Freizeit als unser Kapital in diese Aktionen ein. Da hier keine finanzielle Vergütung besteht, ist unsere Währung der Spaß und die Freude, Menschen vom Thema Fahrrad im Alltag zu begeistern, unsere Lebensfreude mit dem Fahrrad weiter zu geben und eine gute gemeinsame Zeit zu haben.

Besonders aufgrund der aktuellen Terminierung sehen wir diese „Vergütung“ aktuell nicht gegeben. Viele Mitglieder unserer Organisationen müssten neben der Freizeit auch Urlaub opfern um teilzunehmen. Eine ansprechende Zahl von Besuchern ist aber zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten.

Rechnen wir mit 3 Personen pro Gruppe und ca. 10 Stunden Zeitaufwand inkl. Vor- und Nachbereitung bieten wir konkret 90 Mann- und Fraustunden Arbeitszeit für einen solchen Tag an. Bei einem Bruttoarbeitslohn von 15 € entspräche dieses allein schon einem Gegenwert von 1350 €…

[… Wir] würden uns sehr wünschen, dass auf die Bedürfnisse von Ehrenamtlichen bei der Zeitplanung eingegangen wird, so dass diese auch in der Zukunft mit Freude an Veranstaltungen unter der Leitung der Stadt Dortmund teilnehmen werden.

Am Ende nahmen vor allem Institutionen wie Polizei und Stadt teil, die entsprechend Mitarbeiter verpflichten können. Den Berichten von Teilnehmenden zu Folge, haben sich dann teilweise die Standbesetzungen gegenüber den wenigen Besuchern richtig abweisend verhalten und sich lieber untereinander unterhalten. Begeisterung für das Thema Radfahren geht anders.

Eine dortmunder Politikerin äußerte sich – nicht öffentlich zugänglich – bei Facebook enttäuscht von der Veranstaltung:

Ich bin so traurig: Der Fahrradtag in der Berswordthelle war mehr Show als Inhalt. Und eine Diskussion über Fahrradverkehr in der City – wo doch mal alle offiziellen Akteure vor Ort sind – nicht gewollt. Schade finde ich es insbesondere, dass sich alle Fahrradzuständigen nicht mit dem Problem Ost/West und Nord/Süd Cityquerung auseinandersetzen wollen.

Nachdem ich mich in einem Post hier bereits kritisch zur Themensetzung der Kampagne geäußert hatte, war die Berichterstattung am Tag nach dem Aktionstag in den Ruhr Nachrichten passend aber entsprechend wenig dazu geeignet, zum Radfahren zu motivieren.

Auf der Kinderseite ging es in den letzten 7 von 46 Zeilen des Artikels darum, wo man in Dortmund (gut) radfahren kann. Der Rest davor waren hin- und überleitende Sätze und vor allem wurde thematisiert, was man alles tun muss, um überhaupt radfahren zu können. Neben der Betonung, wie wichtig z. B. Licht ist, gab es auch den wichtigen Hinweis, dass Helme nach Stürzen ausgetauscht werden müssen. Allein 10 Zeilen in dem Artikel waren dem Tragen von heller Kleidung und Warnwesten gewidmet als wichtige Voraussetzung fürs Radfahren.

Einen etwas ausführlicheren Bericht hatte die Autorin Jana Schoo, sonst eher für Tratsch & Klatsch zuständig, für den Lokalteil geschrieben. Während der Artikel auf der Kinderseite mit

Wenn es langsam wieder warm wird

begann, war der Einstieg im Lokalteil genauso kreativ:

Frühlingszeit ist auch Fahrradzeit: Mit den warmen Tagen steigt auch die Lust auf Fahrradtouren.

Dass das Fahrrad ein Ganzjahresverkehrsmittel ist, scheint der Aktionstag der Reporterin als unbedarfte Besucherin nicht vermittelt zu haben, wenn die Autorin nur Fahrradtourismus mit Fahrradfahren assoziiert nach dem Besuch der Veranstaltung. Obwohl sonst Reporter doch immer gerne das Ungewohnte aufgreifen, waren die handgefertigten Räder der F&A Manufaktur nur ein Bild im Teaser auf der ersten Lokalseite wert. Sie hatten sogar ein interessantes Crusing-Tandem dabei, das ich hier schon mal kurz erwähnt hatte.

In sieben Punkten fasste sie den Besuch zusammen. Im ersten Punkt rät der ADFC, sein Fahrrad durchzuchecken bzw. es kontrollieren zu lassen, wenn man im Winter das Rad im Keller hatte. Dann gibt die Polizei Hinweise zur Beleuchtung. Danach erfährt man, wie man einen Helm richtig trägt. Als viertes rät die Polizei, fluoreszierende und reflektierende Kleidung zu tragen. Klingt nicht nach einer Lust machenden Veranstaltung, wenn man überhaupt bis hierhin gelesen hat. Im Anschluss rät die F&A Manufaktur beim Fahrradkauf nicht zu sparen. Erst dann erfährt man, dass der ADFC Einsteigertouren anbietet und es im Sommer die Aktion Mit dem Rad zur Arbeit gibt. Falls der Leser noch nicht aufgehört hat, gibt es noch ein paar Tips von Dortmund Tourismus und ADFC zu Fahrradrouten für die Freizeit. Alles ein paar Infos, die man sich auch schnell in ein paar Minuten zusammengooglen kann. Wenn das alles ist, was es von einem Radaktionstag zu berichten gibt, dann habe ich wohl nichts verpasst.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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