Argumente gegen flächendeckendes Tempo 30

Tempo 30 bremst nicht aus, macht die Gefahren von hohem Tempo erst sichtbar und vor allem  gibt es weniger Unfälle und die Unfallfolgen werden deutlich geringer. Die Effekte sind so eindeutig, dass selbst die Versicherungbranche dafür ist. Da wird es schwer, Argumente gegen eine weitere Ausweitung von Tempo 30 zu finden.

Dirk Schmidt, Betreiber des Blogs Schmidts Katze,  findet Tempo 30 nicht grundsätzlich schlecht, schreibt er in seinem Post Flächendeckend Tempo 30 im Ruhrgebiet? Ohne mich!

Tempo 30-Zonen finde ich gut. In reinen Wohnstraßen ist das angebracht.

Gegen eine Ausweitung spricht dann aus seiner Sicht aber:

Allerdings muss ich auch ins Wohnviertel kommen und manchmal sogar hindurch.

Tempo 30 führt zu einer gleichmäßigeren Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer und die Reisezeit steigt dabei nicht so stark an, wie viele annehmen, wie auch ein Video zeigt, dass ich kürzlich hier vorstellte.

Viel zu viele Anwohner werden in ihrer eigenen Tempo 30-Zone geblitzt. Das spricht dafür, sie nicht mit noch größeren Verbotszonen zu drangsalieren, wenn es nicht nötig ist. Was soll also eine Tempo 30-Zone in einem Gewerbegebiet? Sie dient allenfalls der ideologischen Bekämpfung des Autoverkehrs. […]

Weitere Forderungen sind außerorts 80 km/h und auf den Autobahnen 100 km/h. […] Wir werden das Auto weiterhin brauchen, auch wenn die Grünen das anders sehen. Gut das sie in Berlin keine Mehrheit für eine derartige Verbotspolitik finden.

Naja, auch die Grünen fahren Auto, wie z. B. Joschka Fischer. Es soll halt nur grün rüberkommen.

Die deutlich erhöhte Verkehrssicherheit ist eins der zentralen Argumente für Tempo 30. Ich verstehe nicht, warum man die effizienteste Maßnahme für weniger Unfallopfer als ideologische Kampagne und Drangsalierung umdeuten kann. Auch jeder Autofahrer hat was davon, wenn er einen Unfall nicht hatte. Nur merkt er das leider nicht, dass er bei Tempo 50 einen gehabt hätte.

Die “Weil sich viele Leute nicht dran halten”-Argumentation wird am Ende des Artikels dann noch durch ein “Das passt aber nicht allen”-Argument getopt:

Ich habe Bürger erlebt, die der derzeitige Umfang an Tempo 30 bereits zuviel ist.

Ja und? Die körperliche Unversehrtheit anderer hat im deutschen Recht ein höheres Gewicht als irgendwelche Maximal-Geschwindigkeiten. So gebietet schon das Gebot der Rücksichtnahme in der StVO in der Regel eine geringere Geschwindigkeit als die Maximalgeschwindigkeit.

avatar

Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Radverkehr abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu Argumente gegen flächendeckendes Tempo 30

  1. avatar Robert Müser sagt:

    Es ist erstaunlich, wie der Betreiber dieses erwähnten Blogs in der verkehrpolitischen Steinzeit der unbedingten “Auto über alles-Verkehrspolitik” verharrt. Ein weiterer Kommentar ist hier eigentlich überflüssig, da im Ruhrgebiet die Auswirkungen dieser Politik seit Jahren negativ beobachtet werden können. Der Betreiber steht einer Partei nahe, die gerne Politik mit Windschutzscheiben-Perspektive betreibt und in den Jahren ihrer Regierungsverantwortung unter Rüttgers keine verkehrspolitischen Ruhmesblätter hunterlassen hat.

  2. avatar Markus MK sagt:

    Aber die Frau Vierkötter kann sich noch gut daran erinnern, dass aus jener Regierngszeit ein Bau- und Verkehrsminister des Landes mit 109 km/h durch ihre Ortschaft bretterte und seinen Führerschein abgeben durfte.
    Eigentlich müsste doch heute schon mehr Tempo 30 als benutzungspflichtige Radwege angeordnet sein. Vorausgesetzt, Tempo 30 ist immer noch die einzig wirksame Möglichkeit, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und nicht zu reduzieren. Da die meisten Radwege ohnehin nicht auf moderne Fahrkonzepte ausgelgt oder gar nicht erst vorhanden sind, ist das wohl die einzige Chance für ein vernünftiges Miteinander.
    Wenn natürlich der gute Wille zählt und auch mittelfristig Richter in Verfahren die örtliche besondere Gefahrenlage entgegen der StVO bewerten, müssen wir uns nicht wundern, dass wir noch die nächsten 6? Jahre auf flächendeckendes Tempo 30 warten müssen.
    Vermutlich würde es Frau Vierkötter auch ziemlich fuchsen, wenn sie zugunsten einer Anordnung von Tempo 30 auf den gewohnten Bordsteinradweg verzichten müsste.
    Besteht die Möglichkeit, gesamte Ortschaften als nahezu komplette Tempo30-Zone auszuweisen und Vorfahrsregelungen nur bedarfsweise anzuordnen?
    Das käme dann auch den Gegnern von Tempo 30 entgegen. Denn sie möchten um jeden Preis individuelle Anordnungen vor generellen Regelungen.
    Sie möchten flüssigen Verkehr ermöglichen und keine Schleichverkehre in den Städten. Klar ist es mit einem Schild nicht geetan. Dann sollten bitteschön aber auch wirklich die gestalterischen Möglichkeiten ausgeeschöpft werden, ohne Tempo 30-Befürwortenden generell ein differenziertes Verständnis von Vekehrspolitik abzusprechen.
    Erst wenn die ausgeschöpft sind, würden sich Kontrollen erübrigen. Kommunale Unkosten für Radarwagen wären durch gezielte Stichkontrollen innerhalb von 24 Stunden refinanzierbar. Das haben wir hier vor Ort schon probiert. Die Anschaffung eines weiteren Radarwagens scheitert hier z. B. nur am Unwillen der Ortspolitik. Der Städte- und Gemeindebund muss sich bezüglich der Refinanzierbarkeit überhaupt keine Sorgen machen. Auch die “Sicherheitsbedenken unserer Kreispolizeibehörde gegen Tempo 30” sollten somit behoben sein.
    Über das Interesse von Sicherheit und Lärmschutz besteht weitgehend parteiübergreifende Einigkeit. Und die vielen innerstädtischen Ampelstaus sind doch von gestern.
    Punkt 54 aus dem Aktionsplan Verkehrssicherheit der EU schlägt vor: “In Wohngebieten und auf einspurigen Straßen ohne Fahrradwege ist Tempo 30 vorzuschreiben.”
    Ich schätze, dass die schwarz-gelben EU-Parlamentarier hier bei vollem Bewusstsein zugestimmt und dies nicht vergessen haben.
    Tempo 30 ist nichts für Bremser. Flüssigkeit und Leichtigkeit im städtischen Verkehr der Zukunft geht nur mit Tempo 30. In einigen Städten bereits jetzt auf über 80 % der Straßen.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Wer ist Frau Vierkötter? Weder im Post, noch im Post auf den ich ich bezog, noch in den Kommentaren taucht eine solche auf …

  3. avatar Markus MK sagt:

    Keine Sorge 😉 Frau Vierkötter ist nur aus kreativem Zufall entanden. Sie sollte hier nur als Modellcharakter einer sauerländischen Mehrheits-Radfahrenden dienen. “Frau Mehrheitsradfahrenede”, die sich selbst bei Tempo 30 sorgenfaltig fortbewegt, aufgrund ihrer Gefühlslage vielleicht eine Sonderlösung benötigt und ohne die aber offenbar keine Verkehrswende möglich ist…?

  4. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Menschen wie Frau Vierkötter stellen die deutliche Mehrheit der Radfahrenden dar. Sie mögen einfach nicht die unmittelbare Nähe tonnenschwerer Fahrzeuge und empfinden es als kaum weniger bedrohlich, mit Tempo 30 angekarrt zu werden als mit Tempo 50.

    Frau Vierkötter hat auch keine Lust darauf, hinter einem Tempo-30-Schild in der Abgaswolke des Autostaus (“Mischverkehr”) zu stehen und nicht voran zu kommen. Sie hält es mit “Nahmobilität 2.0” und einer Straßenquerschnittsaufteilung von außen nach innen zu Gunsten von Fußgängern, Radfahrerinnen, ÖPNV und danach Automobilisten.

    Soll Frau Vierkötter mit ihren 11-jährigen Zwillingen hingegen (außerhalb ruhiger Nebenstraßen) ohne Sorgenfalten auf der Fahrbahn Rad fahren, bedarf es wohl einer Gehirnwäsche bei ihr und ihren Sprößlingen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.