Liebt Braunschweig Geisterradfahrer?

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Ein Kurzbesuch in Braunschweig hat mir gezeigt, welche Langzeitwirkungen es haben kann, (Zweirichtungs)radwege auszuweisen. Zuerst fielen mir positiv die vielen Radfahrer auf, dann merkte ich, dass die Radfahrenden extrem häufig auf dem Bürgersteig fuhren und zwar in beide Richtungen. Warum das in Braunschweig dem ersten Eindruck nach so extrem ist, erklärte sich mir bald, denn mir fiel auf, dass die ganze Stadt voll ist mit Zweirichtungsradwegen, so dass die Radfahrer erlernen, dass es a) normal ist auf dem Bürgersteig zu fahren und b) Radwege in beide Richtungen befahren werden können. Braunschweig zu Gute halten muss man im Ausgleich, dass ich einen Pizzalieferdienst oder ähnliches mit einem Rad an mit vorbeirasen sah.


Täuscht mein erster Eindruck von Braunschweig?

 

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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11 Responses to Liebt Braunschweig Geisterradfahrer?

  1. avatar Dominik sagt:

    Nein, der Eindruck täuscht nicht. Es gibt hier wirklich ungewöhnlich viele Radwege, die für beide Richtungen freigegeben sind und die Konsequenzen sind eben die, die du beschreibst. Nicht unweit von der Stelle auf dem Foto wurde das ganze mit Fahrradampeln (ein ganz eigenes Thema…) noch weiter getrieben. Immerhin: man merkt, dass sich die Parteien Gedanken machen, wie man den Radverkehr fördern kann. Aktuell entsteht ein recht brauchbares Netz aus Fahrradstraßen und breiten Radwegen abseits von Straßen (Stichwort Ringgleis-Radweg).
    Der Pizzabote, den du gesehen hast, ist übrigens nicht allein. Mir sind mindestens 3 Fastfood Läden bekannt, die per Rad ausliefern und scheinbar ordentliche Fuhrparke an speziellen Rädern haben.

  2. avatar Axel sagt:

    So einen Blogeintrag beim ADFC zu lesen schockiert mich gewaltig! Ein Kurzbesuch führt zu diesen steilen Thesen? Traurig!

    Ich fahre in Braunschweig seit 16 Jahren durch die gesamte Stadt und teils auch die Außenbezirke Rad. Viele Radwege, die beidseitig ausgewiesen sind kenne ich nicht, und die, die die mir aufgefallen sind, ergeben in meinen Augen Sinn. Was keinen Sinn macht sind:
    Fahrradstraßen im Überfluss (Was bitte soll das? Nichts gegen die ein oder andere Fahrradstraße, wo wirklich hohes Fahrrad- und niedriges sonstiges Verkehrsaufkommen ist, aber wir Fahrradfahrer können völlig problemlos hintereinander fahren und gegenseitige Rücksicht gilt im Verkehr sowieso?),
    Fahrradampeln, die für den Autoverkehr nicht sichtbar sind (wie sie in den letzten Monaten hier wie Pilze aus dem Boden schießen),
    Fahrradwege, die auf dem Boden aber nicht mit Schildern ausgewiesen sind (die Kastanienallee zu fahren ist die Hölle!),
    und zu guter Letzt auch rücksichtslos fahrende Fahrradfahrer auf der falschen Seite/auf Ihr Recht pochend/Lichtlos.

    Fahrradfahrer “gewöhnen” sich daran auf dem Bürgersteig zu fahren, weil es Zweirichtungsradwege gibt? Diesem Argument folgend müssten alle Fahrradfahrer nur auf Bürgersteigen fahren, weil sie es bis 8 oder 10 (das genaue Alter weiß ich grad nicht) gelernt haben. Meiner Erfahrung nach gibt es die Zweirichtungswege nur dort wo der Weg wirklich breit genug ist, da muss niemand auf den Gehsteig ausweichen.

    Und meiner Erfahrung nach scheren sich Fahrradfahrer einen Scheiß um die Schilder, wenn man auf der falschen Seite fahren will, dann macht man das halt. Auch ich kann mich davon nicht gänzlich frei machen. Meiner Ansicht nach gewöhnt sich da niemand daran, dass man Radwege grundsätzlich von beiden Seiten benutzen kann.

    Und warum Radfahrer häufig den Bürgersteig statt der Straße benutzen hat einen anderen Grund: Wenn man die Straße benutzt setzt man sich viel zu großen Gefahren aus. Ich bin schon von fahrenden Autos gegen parkende Autos gedrängt worden. Nachdem ich den Fahrer freundlich um Erklärung bat, wurde mir mit der Aussage geantwortet “Sie dürfen ja gar nicht auf der Straße fahren, Sie A****loch, wenn sie mir Krumm kommen dann hab ich hier was für Sie. Schnuppern Sie mal, aber ganz vorsichtig” und dann wurde mir eine Spritzflasche mit Buttersäure unter die Nase gehalten (!KEIN WITZ!). Die neue Beschilderung auf die ich ihn hinwies, hatte er noch nicht wahrgenommen (und mir auch nicht geglaubt). DAS ist das Problem: Die vielen Rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer, die glauben (oder denen es egal ist), sie seien im Recht! Ob das jetzt Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer sind.

    Je mehr Rechte und Pflichten es gibt, desto mehr Recht will man haben und desto mehr Pflichten sieht man bei den anderen! Weg mit diesem ganzen Regelschwachsinn! Rauf auf die Straße mit den schnellen Fahrradfahrern, wie alle anderen auch und hohe Strafen für verkehrsuntüchtige Räder auf Straßen! Rauf auf den Gehsteig mit den langsamen. Dort haben sie dann allen anderen Verkehrsteilnehmern Vorfahrt zu gewähren und bekommen Schuld, wenn sie ein Auto übersieht, dass aus einer Einfahrt kommt! Wenn sie im Verkehr fließen wollen, sollen sie halt auf der Straße fahren. In dem Zuge kann man gleich das Tempo innerorts auf 30, außerorts auf 80 und auf der Autobahn auf 115 begrenzen. Aber das geht ja nicht… *seuftz*

    PS: Bevor die Autofahrer schreien: Ja ich fahre gerne Auto, auch gerne schnell. Warum bin ich für ein generelles Tempolimit? Weil ich es erlebt habe: Ein Besuch in Groß Britannien mit einem generellen Tempolimit von 112km/h hat mir die Augen geöffnet: So entspannt und mit so wenig Spritverbrauch und so wenig Pausen bin ich noch nie 600km gefahren. Und ich stand um London herum 50km im Stau!

    • avatar Norbert Paul sagt:

      So einen Blogeintrag beim ADFC zu lesen schockiert mich gewaltig! Ein Kurzbesuch führt zu diesen steilen Thesen? Traurig!

      Mir ist etwas aufgefallen und das habe ich thematisiert. Nicht ohne Grund endet der Beitrag aber mit:

      Täuscht mein erster Eindruck von Braunschweig?

      Ansonsten sind wir wohl bei grundsätzlichen Fragen nicht einer Meinung. Auf straßenbegleitenden Gehwegen innerorts haben Radfahrer z. B. aus meiner Sicht nie etwas zu suchen. Selbst wenn es Beispiele gibt, wo es vielleicht einen guten Grund dafür gibt vor Ort, gibt es einen guten Grund, auf Ausnahmen zu verzichten: Verkehrsregeln müssen einfach sein und sich nicht nur Experten erschließen wie die Unterschiede zwischen nicht straßenbegleitendem räumlich nahen Radweg, straßenbegleitenden Radweg benutzungspflichtig, straßenbegleitenden Radweg nicht benutzungspflichtig und Schutzstreifen.In der Praxis führt so auch die teilweise Existenz von Zweirichtungsradwegen dazu, dass sich bei Radfahrern einschleift, auch andere Radwege in Gegenrichtung zu nutzen. Auf Autobahnen gibt es so wenig Geisterfahrer, weil auf breiter Basis akzeptiert ist, dass es keine Zweirichtungsfahrbahnen gibt auf Autobahnen.

      • avatar Norbert Paul sagt:

        Ergänzend: Geisterradeln kostet ab 20 Euro.

      • avatar Axel sagt:

        Ob Ihr Eindruck von Braunschweig täuscht oder nicht, ist völlig unerheblich, weil die Prämisse in meinen Augen schon falsch ist (Viele Zweirichtungsradwege -> Radfahrer oft auf Gehwegen und falsch rum). Erstmal ist zu prüfen, ob in Braunschweig überhaupt viele Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung/auf dem Bürgersteig fahren im Vergleich zu anderen Städten mit der gleichen Bevölkerungsdichte und ähnlichem Radwegenetz. Gleiches gilt für Zweirichtungsradwege. Das ganze betitelt mit einer der Bildzeitung alle Ehre machenden Überschrift; auch wenn es eine persönliche Einstellung ist, hat es mich traurig gemacht soetwas unreflektiertes beim ADFC zu lesen.

        Zugegebenermaßen habe ich auch kaum Vergleichsdaten, halte aber die kausale Ableitung (oben in Klammern) für falsch und gefährlich, weil sie vortäuscht, mit nur genügend Regeln bekäme man alles in der Griff. Ebenfalls für falsch halte ich auch den Zusammenhang für Autobahnen. Die wenigen Geisterfahrer gibt es nicht, weil auf breiter Basis akzeptiert ist, dass es keine Zweirichtungsfahrbahnen auf Autobahnen gibt, sondern, dass es an JEDER Stelle Auffahrten auf beide Spuren gibt und nur ein irgendwie fehlgeleiteter in 120km/h schnellen Gegenverkehr fährt.

        Es geht beim Radfahren auch nicht nur darum, dass der Radfahrer alle unterschiedlichen Radwege erkennt, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer.
        “…sich nicht nur Experten erschließen…”
        Nach meinem Buttersäure-Beispiel oben, möchte ich behaupten, gerade Hardcore-Autofahrer erkennen die Unterschiede selten bis gar nicht.

        Und natürlich sind wir einer Meinung: “Ansonsten sind wir wohl bei grundsätzlichen Fragen nicht einer Meinung. Auf straßenbegleitenden Gehwegen innerorts haben Radfahrer z. B. aus meiner Sicht nie etwas zu suchen.” -> Das haben sie definitiv nicht. Man könnte darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, dass sie es hätten, aber dafür muss erstmal die Polemik aus dieser Diskussion.

        Und ich werde es auch weiterhin tun, wenn ich einen Grund dafür sehe (und der Grund sind sicher nicht Zweirichtungsradwege). Auch wenn es ab 20Euro kostet. Ich brauch keine Buttersäure auf dem T-Shirt, kein blaues Auge, keinen Bus der mich übersieht, kein Hupen und Schneiden (Nein, die Dinge sind nicht alle in Braunschweig passiert). Da halte ich lieber an jeder Einfahrt und radle die kurzen Stückchen in Schrittgeschwindigkeit hinter Fußgängern her, bis ich wieder auf der richtigen Seite bin. Und selbst dann muss man sich manchmal noch Spazierstöcke in die Speichen stecken lassen. Aus gutem Grund, aber es ist im Vergleich zu testosteron-gesteuerten PS-Boliden die sicherere Wahl.

        Abschließend möchte ich eine Frage stellen, die jeder für sich selbst beantworten darf:
        Folgende Situation: Man startet mit dem Fahrrad an einer vierspurigen Straße durch Grünstreifen getrennt, Radwege durch Grünstreifen/Parkplätze getrennt. Man möchte nach links und an der nächsten Kreuzung nach links abbiegen. Nach rechts gibt es in 350m Entfernung eine Ampel, nach links gibt es in 200m Entfernung eine Ampel. Was würdest Du/würden Sie tun:
        a) Ich fahre nach rechts, kreuze nach 350m die Straße, nachdem ich an der Ampel gewartet habe. Dann fahre zurück und warte nach 550m an zwei Ampelphasen, um in die gewünschte Richtung zu fahren.
        b) Ich überquere den Grünstreifen, die Parkplätze, warte bis die ersten Spuren frei sind, und kreuze die Straße, beeile mich in der Mitte auf dem Grünstreifen zum stehen zu kommen und wiederhole die Prozedur für die andere Richtung. Nachdem ich auf der richtigen Seite angekommen bin fahre ich 200m nach links und warte an zwei Ampelphasen.
        c) Ich fahre vorsichtig/schiebe nach links, achte auf entgegenkommenden Verkehr zu Fuß und per Rad, achte besonders auf Einfahrten. Nachdem ich die Ampel erreicht habe, fließe ich in Schrittgeschwindigkeit mit dem Fußgängerverkehr über die Ampel und setze meinen Weg auf dem richtigen Radweg jetzt in Reisetempo fort.
        d) Ich fahre schnellstmöglich nach links, um den Gehweg und den Radweg in die andere Richtung schnellstmöglich wieder frei zu geben.
        e) Ich fahre schnellstmöglich nach links, ich habs eilig. Bei Fußgängern klingele ich, damit sie Platz machen. Die müssen ja wissen, dass ich komme. Mit etwas Glück schaffe ich fahrend die Grünphase des Fußgängerüberwegs.

        Ich vermute: 85% aller Radfahrer verhält sich nach e). Das liegt nicht an Zweirichtungsradwegen, sondern weil ein Umweg von 700m in Kauf genommen werden müsste. Auch das kann ich nicht beweisen oder belegen, allerdings kommt mir dieses Verhalten aus meiner Erfahrung heraus am wahrscheinlichsten vor. Und bedenken Sie, um auf das Autobahnbeispiel zurück zu kommen. Bei einem Reiseweg von 3km ein Umweg von 700m entspricht bei einer Autobahntour von 70km einem Umweg von 16km. Zeigen Sie mir einen Autofahrer der das machen würde, weil es an der Stelle nur eine Auffahrt in eine Richtung gäbe? Ich mein klar würde er es machen, weil er nicht Geisterfahren würde, aber es würde nichtmals so geplant werden; Wenn das ein Verkehrsplaner planen würde, wären hier mehr Leute auf der Straße, als zur Wiedervereinigung.

        In diesem Sinne: Das schöne Wetter nutzen und radeln gehen! Schönes Wochenende wünsch ich!

        • avatar Norbert Paul sagt:

          Ich denke, dass es eindeutig aus dem Artikel hervorgeht, dass es sich nicht um die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Langzeitstudie geht, sondern ich nur über etwas geschrieben habe, was ich erlebt habe und was mir durch den Kopf ging dabei. Und das habe ich zur inhaltlichen Diskussion gestellt. Deshalb auch eine Frage in der Überschrift. Ich mag aber nicht darüber diskutieren, ob ich nicht weiß, was für einen Eindruck ich hatte und was ich mir daraufhin gedacht habe.

          Ob Ihr Eindruck von Braunschweig täuscht oder nicht, ist völlig unerheblich,

          Das war mal Ursprung an der Kritik am Posting, oder nicht. :-)

          Das ganze betitelt mit einer der Bildzeitung alle Ehre machenden Überschrift;

          Da ich solche Medien lese, weiß ich nicht, ob die Bild-Zeitung auch ergebnisoffene Fragen an die Leser stellt.

          auch wenn es eine persönliche Einstellung ist, hat es mich traurig gemacht soetwas unreflektiertes beim ADFC zu lesen.

          s. https://adfc-blog.de/ueber-diesen-blog/ Hier gibt es nur private Meinungen.

          Zugegebenermaßen habe ich auch kaum Vergleichsdaten, halte aber die kausale Ableitung (oben in Klammern) für falsch und gefährlich, weil sie vortäuscht, mit nur genügend Regeln bekäme man alles in der Griff.

          Das ist nicht meine Ansicht.

          Ebenfalls für falsch halte ich auch den Zusammenhang für Autobahnen. Die wenigen Geisterfahrer gibt es nicht, weil auf breiter Basis akzeptiert ist, dass es keine Zweirichtungsfahrbahnen auf Autobahnen gibt, sondern, dass es an JEDER Stelle Auffahrten auf beide Spuren gibt und nur ein irgendwie fehlgeleiteter in 120km/h schnellen Gegenverkehr fährt.

          Auf die Fahrbahn kommt man als Radfahrer übrings jederzeit, also gibt es da noch weniger Gründe, auf der falschen Seite zu fahren. Wer Radverkehr gleichberechtigt will, muss vom Radverkehr eine gleiche Regelkonformität erwarten wie vom Autoverkehr und muss ihm aber auch gleiche Rechte etc. einräumen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anforderungen.

          Es geht beim Radfahren auch nicht nur darum, dass der Radfahrer alle unterschiedlichen Radwege erkennt, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer.
          “…sich nicht nur Experten erschließen…”
          Nach meinem Buttersäure-Beispiel oben, möchte ich behaupten, gerade Hardcore-Autofahrer erkennen die Unterschiede selten bis gar nicht.

          Ja eben! Dieses Bsp. bestätigt doch eher, dass die Regelungsvielfalt zu groß ist, so dass sie von 08-15 Bürgern nicht mehr begriffen und befolgt werden kann.

          Und natürlich sind wir einer Meinung: “Ansonsten sind wir wohl bei grundsätzlichen Fragen nicht einer Meinung. Auf straßenbegleitenden Gehwegen innerorts haben Radfahrer z. B. aus meiner Sicht nie etwas zu suchen.” -> Das haben sie definitiv nicht. Man könnte darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, dass sie es hätten, aber dafür muss erstmal die Polemik aus dieser Diskussion.

          Nein, haben sie nicht. Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören auf die Fahrbahn. Gehwege sind der Teil der Straße, der zum Gehen da ist. Das sind die Schutzräume für Fußgänger*innen, wo sie vor Fahrzeugen (insbesondere motorisierten) weitesgehend geschützt sein sollen.

          Und ich werde es auch weiterhin tun, wenn ich einen Grund dafür sehe (und der Grund sind sicher nicht Zweirichtungsradwege). Auch wenn es ab 20Euro kostet. Ich brauch keine Buttersäure auf dem T-Shirt, kein blaues Auge, keinen Bus der mich übersieht, kein Hupen und Schneiden (Nein, die Dinge sind nicht alle in Braunschweig passiert). Da halte ich lieber an jeder Einfahrt und radle die kurzen Stückchen in Schrittgeschwindigkeit hinter Fußgängern her, bis ich wieder auf der richtigen Seite bin. Und selbst dann muss man sich manchmal noch Spazierstöcke in die Speichen stecken lassen. Aus gutem Grund, aber es ist im Vergleich zu testosteron-gesteuerten PS-Boliden die sicherere Wahl.

          Das ist für mich, zu kapitulieren. Nur weil der Autoverkehr einen zu gefährlich erscheint, zu Lasten der noch schwächeren auszuweichen, halte ich für keine gute Idee. Mal abgesehen davon, dass die aktuelle Verkehrssicherheitsdiskussionen eher davon ausgehen, dass das Unfallrisiko nicht mit diesen subjektiven Sicherheitsgewinnen sinkt sondern eher steigt.

          Das so viele Menschen – unabhängig vom Verkehrsmittel – davon ausgehen, dass Radverkehr auf den Gehweg gehört/darf, hat eine zentrale Ursache in der Sozialisierung durch Bordsteinradwege. Und innerörtliche Zweirichtungsradwege haben über Jahrzehnte die Menschen so sozialisiert, dass man bei Radwegen mit dem Rad nicht auf die vorgeschriebene Fahrtrichtung achten muss. Ein Radlobbyist, der da mit zweierlei Maß misst und vom Autoverkehr eine höhere Regelbefolgung erwartet, als vom Radverkehr, macht sich unglaubwürdig.

          Abschließend möchte ich eine Frage stellen, die jeder für sich selbst beantworten darf:
          Folgende Situation: Man startet mit dem Fahrrad an einer vierspurigen Straße durch Grünstreifen getrennt, Radwege durch Grünstreifen/Parkplätze getrennt. Man möchte nach links und an der nächsten Kreuzung nach links abbiegen. Nach rechts gibt es in 350m Entfernung eine Ampel, nach links gibt es in 200m Entfernung eine Ampel. Was würdest Du/würden Sie tun:
          a) Ich fahre nach rechts, kreuze nach 350m die Straße, nachdem ich an der Ampel gewartet habe. Dann fahre zurück und warte nach 550m an zwei Ampelphasen, um in die gewünschte Richtung zu fahren.
          b) Ich überquere den Grünstreifen, die Parkplätze, warte bis die ersten Spuren frei sind, und kreuze die Straße, beeile mich in der Mitte auf dem Grünstreifen zum stehen zu kommen und wiederhole die Prozedur für die andere Richtung. Nachdem ich auf der richtigen Seite angekommen bin fahre ich 200m nach links und warte an zwei Ampelphasen.
          c) Ich fahre vorsichtig/schiebe nach links, achte auf entgegenkommenden Verkehr zu Fuß und per Rad, achte besonders auf Einfahrten. Nachdem ich die Ampel erreicht habe, fließe ich in Schrittgeschwindigkeit mit dem Fußgängerverkehr über die Ampel und setze meinen Weg auf dem richtigen Radweg jetzt in Reisetempo fort.
          d) Ich fahre schnellstmöglich nach links, um den Gehweg und den Radweg in die andere Richtung schnellstmöglich wieder frei zu geben.
          e) Ich fahre schnellstmöglich nach links, ich habs eilig. Bei Fußgängern klingele ich, damit sie Platz machen. Die müssen ja wissen, dass ich komme. Mit etwas Glück schaffe ich fahrend die Grünphase des Fußgängerüberwegs.

          Ich vermute: 85% aller Radfahrer verhält sich nach e). Das liegt nicht an Zweirichtungsradwegen, sondern weil ein Umweg von 700m in Kauf genommen werden müsste.

          Ja und sie wählen diese Option am Ende eben auch, weil sie so sozialisiert worden sind, dass man sich mit dem Rad nicht so an die Regeln halten muss, weil es eben kein richtiges Verkehrsmittel ist, und weil sie in autogerechtne Städten aufgewachsen sind, die dem Radverkehr es schwer machen, regelkonform und sicher zu funktionieren.

          Und bedenken Sie, um auf das Autobahnbeispiel zurück zu kommen. Bei einem Reiseweg von 3km ein Umweg von 700m entspricht bei einer Autobahntour von 70km einem Umweg von 16km. Zeigen Sie mir einen Autofahrer der das machen würde, weil es an der Stelle nur eine Auffahrt in eine Richtung gäbe? Ich mein klar würde er es machen, weil er nicht Geisterfahren würde, aber es würde nichtmals so geplant werden; Wenn das ein Verkehrsplaner planen würde, wären hier mehr Leute auf der Straße, als zur Wiedervereinigung.

          Genau deswegen soll man aufhören, eine Infrastruktur zu akzeptieren, die Regelverstöße provoziert. Ich will in der Stadt sicher, halbwegs direkt und stressfrei ans Ziel kommen können, ohne dafür gegen Regeln verstoßen zu müssen und dabei mich und andere zu gefährden. Sowohl als Fußgänger, als auch als Radfahrer.

          • avatar Axel sagt:

            Da Sie sich die Mühe machen zu begründen und ebenfalls lang Stellung zu nehmen, werde ich mich gern daran beteiligen. Danke für Ihre Erklärungen und Kommentare.

            Lassen Sie mich zuerst die Kritik am Beitrag konkretisieren, indem ich ihn umformuliere, wie ich ihn gerne gelesen hätte:

            Geisterradfahrer in Braunschweig – Gewöhnt, Gelernt oder Zufall?
            Bei einem Kurzbesuch in Braunschweig fielen mir positiv die vielen Radfahrer auf. Doch dann merkte ich, dass die Radfahrenden extrem häufig auf dem Bürgersteig fuhren und das auch noch in beide Richtungen. Warum das in Braunschweig dem ersten Eindruck nach so extrem sein könnte, lässt sich vielleicht mit einer weiteren Sache erklären, die mir auffiel: die ganze Stadt ist für mich gefühlt voll mit Zweirichtungsradwegen. Vielleicht erlernen die Radfahrer so, dass es a) normal ist auf dem Bürgersteig zu fahren und b) Radwege in beide Richtungen befahren werden können? Braunschweig zu Gute halten muss man im Ausgleich, dass ich einen Pizzalieferdienst oder ähnliches mit einem Rad an mir vorbeirasen sah.

            Kann die Langzeitwirkung von (Zweirichtungs)radwegen so aussehen?
            Täuscht mein erster Eindruck von Braunschweig und es war nur Zufall?

            Soweit. Was mich in Ihrem Eintrag stört, dass Sie überhaupt nicht mehr in Frage stellen, ob es einen Zusammenhang geben könnte (den ich hier in Frage stellen möchte!) und das führt für Sie in Folge dazu, dass Braunschweig ja allgemein Geisterradfahrer lieben muss (sonst würden sies ja anders machen. Ergebnisoffen würde ich die Frage nicht nennen, eher rethorisch). Abschließend stellen Sie die Frage, ob dieser Eindruck täuschen würde, was aber nach Lesen Ihres Beitrags argumentativ überhaupt nicht mehr zur Diskussion steht. Sie formulieren die geäußerten Zusammenhänge ja nicht als Frage oder als persönlichen Eindruck, sondern betrachten sie als gesichert.

            Es sollte ja eigentlich darum gehen Ihren Eindruck der Abhängigkeit von Zweirichtungsradweg Bügersteigbenutzung/Gegenfahrtrichtungsfahren zu hinterfragen? Und nicht ob Braunschweig so eine komische Stadt ist? Oder sehe ich das falsch? Wenn die oben genannte Abhängigkeit gesichert ist, dann bin ich offen für Nachweise.

            Nun zu unseren weiteren Diskussionsthemen:

            Auf die Fahrbahn kommt man als Radfahrer übrings jederzeit, also gibt es da noch weniger Gründe, auf der falschen Seite zu fahren.

            Gibt es nicht eine Radwegbenutzungspflicht, wenn a) einer vorhanden, b) ausgewiesen und c) zumutbar ist? In diesem Falle dürfte ich doch nicht auf die Straße? Geschweige denn, dass ich einen U-Turn an einer für Autos möglichen Stelle machen können würde?

            Ja eben! Dieses Bsp. bestätigt doch eher, dass die Regelungsvielfalt zu groß ist, so dass sie von 08-15 Bürgern nicht mehr begriffen und befolgt werden kann.

            An dieser Stelle sind wir einer Meinung. Mein Eindruck war, dass es Ihnen aber genau auf diese Regeln ankam. Offensichtlich hat das getäuscht.

            Das sind die Schutzräume für Fußgänger*innen, wo sie vor Fahrzeugen (insbesondere motorisierten) weitesgehend geschützt sein sollen.

            Ich befürchte zwar, dass es vom Thema weg führt, aber kurz: An dieser Stelle wird es philosophisch. Ich würde die Trennung bei der Motorisierung vollziehen und stärker auf Rücksicht abstellen. Provokant gefragt: Rollerblader, Longboard-Fahrer, Rollerfahrende Kinder, Rollatoren, wo ist die Grenze zum “Fahrzeug”? Letztens sah ich einen motorisierten Longboarder, der müsste also eigentlich auf die Straße? Das könnte aber schon ein eigener Blog-Eintrag werden ;-).

            Das ist für mich, zu kapitulieren. Nur weil der Autoverkehr einen zu gefährlich erscheint, zu Lasten der noch schwächeren auszuweichen, halte ich für keine gute Idee.

            Natürlich kapituliere ich. Aber nicht vor der generellen Betriebsgefahr, die wäre mir egal. Es sind die Menschen, die auf Ihr Recht pochen, vor denen ich kapituliere (Buttersäure und blaue Augen finden üblicherweise im Stehen statt und nicht im Fahren). Und eine Last haben die Schwächeren mit mir bestimmt nicht, da ich weder die Klingel benutze, noch auf Vorfahrt an irgendeiner Stelle achte. Ich fahre in solchen Fällen üblicherweise so langsam, dass ich innerhalb von Zentimetern bremsen kann und gewähre allen anderen Teilnehmern Platz und Vorfahrt. Und wenn das heißt, dass ich mich in die Büsche drücken muss, oder im Spaziertempo hinter Fußgängern herfahre. Wobei ich da vermutlich nicht repräsentativ bin, und damit nur abschließend feststellen kann, dass Ihre Argumente an der Stelle valide und sinnvoll sind.

            Wobei ich aber auch einräumen muss, dass ich mich an dieser Stelle nicht wirklich Vorbildhaft verhalte. Haben Sie eine Idee, die mein Dilemma lösen kann?

            Herzlichen Gruß, Axel

  3. avatar Norbert Paul sagt:

    Geisterradfahrer in Braunschweig – Gewöhnt, Gelernt oder Zufall?

    Ja, das wäre sicherlich nicht so pointiert und wenn ich das, was ich jetzt alles hier geschrieben habe, dort eingearbeitet hätte, wäre es ein sicherlich gehaltvollerer und ausführlicherer Artikel geworden. Das versuche ich möglichst häufig, aber nicht immer habe ich die Zeit und Lust dazu. Hin und wieder reicht es dann nur für etwas Schnelles, dass dann kein Kandidat ist, einmal in die Auswahl meiner besten Veröffentlichungen einzugehen.

    Es sollte ja eigentlich darum gehen Ihren Eindruck der Abhängigkeit von Zweirichtungsradweg Bügersteigbenutzung/Gegenfahrtrichtungsfahren zu hinterfragen? Und nicht ob Braunschweig so eine komische Stadt ist? Oder sehe ich das falsch? Wenn die oben genannte Abhängigkeit gesichert ist, dann bin ich offen für Nachweise.

    Ich habe nichts gegen Braunschweig, auch wenn der Fahrradbeauftragte – den ich in anderer Sache anschrieb – mir nie geantwortet hat. Keine Sorge. :-) Was ich mir vor einem Jahr genau gedacht habe, kann ich leider nicht mehr wirklich sagen.

    Gibt es nicht eine Radwegbenutzungspflicht, wenn a) einer vorhanden, b) ausgewiesen und c) zumutbar ist? In diesem Falle dürfte ich doch nicht auf die Straße? Geschweige denn, dass ich einen U-Turn an einer für Autos möglichen Stelle machen können würde?

    In dem Fall muss man natürlich auf den benutzungspflichtigen Radweg auf dme Gehweg (von denen es innerorts ja kaium noch welche geben dürfte) auf die andere Seite wechseln. Wenn das aufgrund von geparkten Autos nicht möglich ist, kann man m. E. ohne Bußgeld-Gefahr bis zur nächsten Möglichkeit fahren, an der man ohne Absteigen auf den Radweg wechseln kann. Bei Schutzstreifen und Radfahrstreifen sollte das ja eh kein Problem sein. Mir ging es primär darum, dass man jederzeit problemlos auf die andere Seite kommen sollte, egal ob Fahrbahn, Radweg, Schutzstreifen, Radfahrstreifen oder Radweg.

    Ich befürchte zwar, dass es vom Thema weg führt, aber kurz: An dieser Stelle wird es philosophisch. Ich würde die Trennung bei der Motorisierung vollziehen und stärker auf Rücksicht abstellen. Provokant gefragt: Rollerblader, Longboard-Fahrer, Rollerfahrende Kinder, Rollatoren, wo ist die Grenze zum “Fahrzeug”? Letztens sah ich einen motorisierten Longboarder, der müsste also eigentlich auf die Straße? Das könnte aber schon ein eigener Blog-Eintrag werden ;-).

    Nach aktueller Rechtslage ist das immer noch vermutlich ein Spielzeug und damit gehört das auf den Gehweg. Aufgrund der immer vielfältigeren Landschaft an Fahrzeugen, wird das bisherige System immer schwieriger. Dietmar Kettler schlägt daher in einem Aufsatz vor, von der Einteilung nach technischen Merkmalen zu einer Einteilung nach Geschwindigkeit zu wechseln. Hat den Vorteil, dass auch bei neunen Verkehrsmitteln sofort klar sein sollte, wo die hingehören.

    Haben Sie eine Idee, die mein Dilemma lösen kann?

    Der erste Schritt ist es, das Bewusstsein bei allen zu ändern. Ich glaube nicht, dass es das Gegeneinander von festen Personengruppen gibt. Nein, das Verhalten als Radfahrer ist reziprok zum Verhalten hinterm Steuer bzw. zum Verhalten beim Laufen. Wer beim Autofahren erwartet, dass Radfahrer Platz zu machen haben, verhält sich so, wenn er dann Rad fährt. Das sind ja keine bewussten Entscheidungen, dass passiert ja unterbewusst. Wer mit dem Rad immer regelflexibel fährt, wird Radfahrer als Fußgänger oder Autofahrer auch so wahrnehmen.

    Parallel muss man bei den rechtlichen Regeln ansetzen. D. h., dass z. B. die Radwegebenutzungspflicht abgeschafft wird. Aufgrund der parallel erfolgenden Aufklärung würden die Menschen nur noch Radwege benutzen, die wirklich sicher unds kompfortabel sind. Straßenbegleitende Infrastruktur muss – wie gesagt – immer nach den gleichen rechtlichen Regeln funktionieren. Das hat auch was mit Inklusion zu tun. Auch kognitiv eingeschränkten Mitbürgern muss die sichere eigenständige Teilnahme am Verkehr ermöglicht werden und dafür braucht es Regeln, die nicht nur Verkehrsplaner und Juristen durchsteigen.

    Dazu kommen dann noch Aspekte wie Einführung einer flächendeckenden Verkehrskontrolle von sachkundigen Polizeimitarbeiter*innen. usw. usf. Ich denke also, dass das eine mittelfristige Sache auf mehreren Ebenen ist.

    • avatar Axel sagt:

      In dem Fall muss man natürlich auf den benutzungspflichtigen Radweg auf dme Gehweg (von denen es innerorts ja kaium noch welche geben dürfte) auf die andere Seite wechseln. Wenn das aufgrund von geparkten Autos nicht möglich ist, kann man m. E. ohne Bußgeld-Gefahr bis zur nächsten Möglichkeit fahren, an der man ohne Absteigen auf den Radweg wechseln kann.

      Interessant. Ich dachte das ginge nicht.

      Dietmar Kettler schlägt daher in einem Aufsatz vor, von der Einteilung nach technischen Merkmalen zu einer Einteilung nach Geschwindigkeit zu wechseln. Hat den Vorteil, dass auch bei neunen Verkehrsmitteln sofort klar sein sollte, wo die hingehören.

      Hervorragende Idee. Die ging mir beim diskutieren hier auch schon so durch den Kopf. Obs aber durchsetzbar ist, gerade bei den unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die Fahrradfahrer erreichen, ist die Frage. Vielleicht könnte man eine Mindestgeschwindigkeit und Tachopflicht für Fahrbahn benutzende Bewegungsmittel ;-) einführen und die Nutzung von Radwegen und Fußgängerwegen lockern. Das Problem tritt ja ohnehin meist nur bei sehr breiten Fuß-/Radwegen auf, wo völlig stressfrei alle nebeneinander hinpassen würden. Kleinere Orte und Gemeinden haben das Radwegeproblem sowieso nicht. Da ist eher die Straßenbreite und das völlige Fehlen eines Weges zwischen Orten für Niedergeschwindigkeitsbeweger das Problem.

      Der erste Schritt ist es, das Bewusstsein bei allen zu ändern. Ich glaube nicht, dass es das Gegeneinander von festen Personengruppen gibt. Nein, das Verhalten als Radfahrer ist reziprok zum Verhalten hinterm Steuer bzw. zum Verhalten beim Laufen. Wer beim Autofahren erwartet, dass Radfahrer Platz zu machen haben, verhält sich so, wenn er dann Rad fährt.

      Hmm, das würde ich anders sehen. Ich beobachte bei mir zumindest eine deutlich Änderung in der Wahrnehmung, ob ich hinter dem Lenkrad oder dem Lenker sitze. Teilweise fallen mir Dinge als Autofahrer überhaupt nicht auf, die mir dann erst hinterher klar werden, wenn ich an der selben Stelle mit dem Fahrrad fahre, oder umgekehrt.

      Parallel muss man bei den rechtlichen Regeln ansetzen. D. h., dass z. B. die Radwegebenutzungspflicht abgeschafft wird.

      Ob das aber nicht wieder andere Stilblüten treiben würde? Wie die Einführung einer TÜV-Pflicht für Fahrräder oder noch schlimmer Kennzeichen?

      Aufgrund der parallel erfolgenden Aufklärung würden die Menschen nur noch Radwege benutzen, die wirklich sicher unds kompfortabel sind.

      Die würden sich dann aber Straßenbaulich eigentlich nicht mehr lohnen, oder?

      Straßenbegleitende Infrastruktur muss – wie gesagt – immer nach den gleichen rechtlichen Regeln funktionieren. Das hat auch was mit Inklusion zu tun. Auch kognitiv eingeschränkten Mitbürgern muss die sichere eigenständige Teilnahme am Verkehr ermöglicht werden und dafür braucht es Regeln, die nicht nur Verkehrsplaner und Juristen durchsteigen.

      Volle Zustimmung!

      Dazu kommen dann noch Aspekte wie Einführung einer flächendeckenden Verkehrskontrolle von sachkundigen Polizeimitarbeiter*innen. usw. usf. Ich denke also, dass das eine mittelfristige Sache auf mehreren Ebenen ist.

      Letzteres Ja, ersteres eher Nein. Ich kenne aus eigener Erfahrung eigentlich nur sachkundige Polizisten (die Benutzung des generischen Maskulinums erfolgt hier inklusiv :-)!), aber je stärker kontrolliert wird, desto mehr Regeln muss es ja auch geben. Ich würde für eine stärkere Kontrolle von Rowdies plädieren. Fahre ich mit meinem Fahrrad in Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone werde ich von streifelaufenden mit einem Bußgeld belegt, obwohl ich behaupten möchte, dass ich mein Fahrrad in Schrittgeschwindigkeit besser unter Kontrolle habe, als mancher seine Beine :-). Derjenige, der wie ein Verrückter durch die Zone heizt, kann gar nicht angehalten werden und kommt davon. Keine sehr hübsche Aussicht.
      Allerdings berührt das mehrere Probleme, da man anfangen würde mit zweierlei Maß zu messen. Ein Teufelskreis. Auch ein Shared Space wie in Bohmte brächte wieder Verschlechterung für sehbehinderte Menschen. Vielleicht kann man die Geschwindigkeitstrennung mit dem Shared Space verbinden und eine Hochgeschwindigkeitsfläche und eine Niedergeschwindigkeitsfläche vorsehen, beide als Shared Spaces ausgeführt?

  4. avatar Norbert Paul sagt:

    Ein Paragrafen dafür gibt es nicht, aber ein versperrter Zugang macht den Radweg bis zur nächst erreichbaren Auffahrt faktisch nicht benutzbar.

    Hervorragende Idee. Die ging mir beim diskutieren hier auch schon so durch den Kopf. Obs aber durchsetzbar ist, gerade bei den unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die Fahrradfahrer erreichen, ist die Frage. Vielleicht könnte man eine Mindestgeschwindigkeit und Tachopflicht für Fahrbahn benutzende Bewegungsmittel ;-) einführen und die Nutzung von Radwegen und Fußgängerwegen lockern. Das Problem tritt ja ohnehin meist nur bei sehr breiten Fuß-/Radwegen auf, wo völlig stressfrei alle nebeneinander hinpassen würden. Kleinere Orte und Gemeinden haben das Radwegeproblem sowieso nicht. Da ist eher die Straßenbreite und das völlige Fehlen eines Weges zwischen Orten für Niedergeschwindigkeitsbeweger das Problem.

    In dem Konzept ist es egal, was für ein Fahrzeug es ist. Ein schneller Radfahrer fährt danach wo anders, als ein langsamer.

    Glaub das war der Aufsatz:
    Notwendigkeit und Perspektiven einer StVO-Reform. Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht (NZV) 2000, 273-281
    (http://recht-für-radfahrer.de/Veroeffentlichungen.html)

    Teilweise fallen mir Dinge als Autofahrer überhaupt nicht auf, die mir dann erst hinterher klar werden, wenn ich an der selben Stelle mit dem Fahrrad fahre, oder umgekehrt.

    Klar, eine Auto behindert ja auch die Sicht und je schneller man ist, desto weniger Details nimmt man war.

    Warum soll eine Rechtsvereinfachung neue Regeln mit sich bringen?

    Die würden sich dann aber Straßenbaulich eigentlich nicht mehr lohnen, oder?

    Wenn man das Trennprinzip haben will, dann muss man auch mit dem imensen Flächenverbrauch leben, den das bedeutet, oder mal drüber nachdenken, ob das wirklich so toll ist. Aber: Ich halte das Trennprinzip innerorts fast immer für nicht nötig. Das Trennprinzip ist hierarchisch, so dass die Abkehr Machtgefüge ändert – der Autoverkehr ist dann nicht mehr Maß aller Dinge.

    zur Kontrolle: Da sich die Rowdies flächendeckend bewegen, muss man auch flächendeckend danach suchen. Die Gefahr, dass sich das dann ausweitet, mag sein. Aber flächendeckend heißt ja auch nicht jederzeit überall. Nur so viel, dass alle damit rechnen, wenn es dumm läuft auch in einer Anliegersackgasse mal kontrolliert zu werden.

    Fahre ich mit meinem Fahrrad in Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone werde ich von streifelaufenden mit einem Bußgeld belegt, obwohl ich behaupten möchte, dass ich mein Fahrrad in Schrittgeschwindigkeit besser unter Kontrolle habe, als mancher seine Beine :-). Derjenige, der wie ein Verrückter durch die Zone heizt, kann gar nicht angehalten werden und kommt davon. Keine sehr hübsche Aussicht.

    Jeder hat einen guten Grund, warum er gerade die Regeln ignorieren darf und warum alles anderen sich dran halten sollen. So funktioniert das nicht. Der Fußgänger läuft dann über den Radweg und sagt, dass er doch viel weniger Platz einnimmt als ein Fahrradfahrer und schneller halten kann, weswegen es gerechtfertigt sei, dass er da läuft. Und der Autofahrer parkt ja nur eben auf dem Radfahrsteifen, weil er doch gleich schnell weg ist und sein Parksuchverkehr doch den Radverkehr noch mehr behindern würde und man kann ja auch drum herum fahren. Usw. usf. ;-) Wenn man dem Radverkehr da grundsätzlich von rechtlicher Seite anders behandeln würde, würde man dann tatsächlich mit zweierlei Maß messen.

    Shared Space ist noch mal ein Thema für dich. Da es da keine verbindliche Definition für gibt, muss man immer im Einzelfall gucken, was damit gemeint ist.

    Schönen Abend.

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