Volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung einer Helmpflicht

Der Leiter des Instituts für Verkehrswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Prof. Dr. Gernot Sieg, hat in einer aktuellen Studie die Einführung der Helmpflicht in Deutschland aus gesamtgesellschaftlicher Sicht betrachtet und eine Kosten-Nutzen-Rechnung durchgeführt. Dabei hat er nicht nur die Schutzwirkung des Helms berücksichtigt, sondern auch andere Effekte:

Neben der Tatsache, dass viele Fahrradfahrer einen Helm als störend empfinden und das Fahrradfahren für diese Menschen seinen Reiz verlöre, würden andere potenzielle Radfahrer bei einer Helmpflicht ganz aufs Radfahren verzichten und beispielsweise auf ihr Auto umsteigen. Damit würden gesundheitliche Vorteile zunichtegemacht, beispielsweise die positiven Auswirkungen des Radfahrens auf das Herz-Kreislauf-System. Außerdem würde die Umweltbelastung größer. Viele müssten zunächst auch Geld ausgeben, um sich einen Kopfschutz anzuschaffen.

Sein Fazit:

For Germany, the benefits of a law that obliges cyclists to wear helmets are smaller than the costs. From an aggregated welfare point of view, Germany would therefore lose from introducing such a law. However, wearing a helmet when bicycling, does indeed reduce the negative consequences of accidents. A cyclist “earns” a value of 2.08 Cents of reduced costs for society per km of cy- cling by using a helmet. This is an argument in favor of wearing a helmet when cycling, but not for supporting a mandatory bicycle helmet law for Germany. Furthermore, policies that aim at increasing helmet use may have unwanted side elects. By emphasizing that biking without a helmet is careless, potential cyclists may conclude that cycling is intrinsically rather dangerous and thus decide not to cycle. Because cycling is in fact a safe (per travel time), healthy and envi- ronmentally friendly transport mode, (over-)emphasizing the risk of cycling (per distance) is not a prudent policy.

Nonetheless, increasing road safety is an important policy goal. To increase cyclists safety, stricter speed limits for cars, better monitoring of trac rules combined with increased law enforcement, improving the cycling infrastructure, and generally encouraging cycling are sound policy options. Cost-benefit analyses of these diferent options should reveal which are efficient.

Damit hätten Radforen genug Diskussionsstoff für die nächsten Wochen und populistische und wirtschaftsnahe Boulevard-Politiker ein Argument weniger. :-D

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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