Verwässerte Schnellwege und klemmende Knoten

Halbfertige Knotenpunkte (rot) und Radschnellweg (blau) mit Umwegen (blau gestrichelt)

Halbfertige Knotenpunkte (rot) und Radschnellweg (blau) mit Umwegen (blau gestrichelt)

Viel Gutes für Radfahrer haben sich die Verwaltungen von Stadt und Kreis Neuss vorgenommen. Da hat die Stadt nach gewonnenem Wettbewerb gemeinsam mit Düsseldorf die Machbarkeitsstudie zum Radschnellweg über den Rhein in Auftrag gegeben. Und der Rhein-Kreis Neuss hat als erste Mitgliedskommune des in Köln ansässigen Vereins RadRegion Rheinland das Knotenpunktsystem eingeführt. Doch leider klemmt und knirscht es gewaltig im Getriebe beider Projekte.

Beim Radschnellweg droht Verwässerung. Noch bevor eine seriöse Aussage zu Kosten auf dem Tisch liegt, diskutiert man in Politik und Verwaltung bereits umwegige Alternativtrassen. Warten wir doch erst mal das erste Zwischenergebnis der Machbarkeitsstudie ab. Die ist schließlich dazu da, die Machbarkeit des Projekt zu klären! Immerhin: Die Verwaltung war auf Vorschlag des ADFC bereit, sich die Situation vor Ort anzuschauen und hat mit den Mitgliedern des Unterausschusses Radverkehr eine Befahrung mit dem Rad durchgeführt. Dabei wurden die Vorteile der direkten Führung über Hammer Landstraße, Langemarckstraße und Stresemannallee deutlich. Das lässt hoffen. Siehe auch NGZ-Bericht und ADFC-Information.

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Die für den Planungswettbewert beantragte Route (A, blau) ist erheblich kürzer als die jetzt diskutierten Alternativvorschläge (B, magenta).

Bei den Knotenpunkten droht ewige Verzögerung. Schon vor mehreren Jahren ließ die Verwaltung die mehr als 100 Knotenpunkte auf den 600 Quadratkilometern Fläche des Kreisgebiets in die Karte “Radwandern im Rhein-Kreis Neuss” eintragen. Doch installiert wurden die roten Nummern erst im Winter 2013, und von den zugehörigen Tafeln ist noch keine einzige zu sehen. Viele Radfahrer rätseln zurzeit, was sie mit den roten Nummern auf den Wegweisern anfangen sollen. Denn ohne Übersichtstafeln sind die Knotenpunkte nicht nutzbar. Das muss sich ändern. Es genügt nicht, “in den nächsten Wochen” eine völlig verwaltete Infotafel für Radwanderer am Neusser Hauptbahnhof zu entfernen  – siehe Pressebericht. Die neuen Tafeln müssen aufgestellt werden, und zwar umgehend!

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Muster ohne Wert. Seit drei Jahren besichtigt der ADFC beim Anradeln zur Neusser Skihalle diese Demo-Tafel zum Knotenpunktsystem. Mehr gibt es (noch) nicht zu sehen.

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Über Heribert Adamsky

Die meisten Radklilometer lege ich im Alltag zurück, viele davon in Neuss und Düsseldorf und drumherum - gerne auch in der Bahn, daher meistens mit Faltrad. Bin im Vorstand des ADFC Rhein-Kreis Neuss aktiv, mache gemeinsam mit Andreas Domanski Rad am Niederrhein. Bin auf Facebook als heribert.adamsky und für ADFC.RheinKreisNeuss unterwegs. Auf Twitter findet man mich persönlich als @sharedspace und für den Kreisverband als @adfc_kreisneuss.
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10 Antworten zu Verwässerte Schnellwege und klemmende Knoten

  1. avatar Waldhorst, werner sagt:

    Hallo und Guten Tag.

    Schon vor Jahren hatte Napp, seines Zeichens Noch-Bürgermeister Neuss, vollmundig von einer Fußgänger / Radfahrer – Brücke am Eingang zum Neusser Hafen gesprochen.
    Ähnlich wie in Düsseldorf zur Einfahrt Medien-Hafen.
    Weg-Verlauf:
    Zufahrtsweg über den Deichweg Ölgang-Insel bis zur Hafen-Einfahrt, dort die Brücke,
    auf der anderen Seite in Heerdt Straße Am Hochofen und dann weiter über die Rheinallee.
    Hatte meiner Frau damals direkt gesagt: Große Sprüche vor der Wahl und keine Ausführung danach. Bestätigt sich nun immer mehr !!!!!!!!!!

    Damit wär Links-Rheinisch ein durchgängiger Radfahrweg ohne Umwege vorhanden.

    Die unselige Fahrt über die Südbrücke wäre damit vermieden.

    Wer die Südbrücke für die Radfahr-Benutzung priorisiert, den sollte man Täglich mindestens 10 mal mit dem Rad zu verschiedenen Zeiten dort hin und her fahren lassen.

    Extrem laut und supergefährlich, da keine konsequente Abtrennung zur Fahrbahn da ist!
    Auch der neue Name für die Brücke brachte da keine Änderung, nur das Geländer wurde,
    da schon immer dringend notwendig, um 10 cm erhöht.

    Abschließend: Bin 60 Jahre alt, wohne seit 30 Jahren auf der Drususallee, benutze zur Fortbewegung folgende Reihenfolge: zu Fuss; Mit dem Rad; Bahn/ Bus; zuletzt PKW.
    Fahre jährlich ca 2-3000 Km mit dem Rad, behaupte daher zu wissen wovon ich rede.

    Mit freundlichem Gruß, W.Waldhorst

    • avatar Heribert Adamsky sagt:

      Hallo Werner Waldhorst,

      die Hafenbrücke wäre ein toller Lückenschluss und würde ganze neue Wege für touristischen und Alltags-Radverkehr zwischen Neuss und dem linksrheinischen Düsseldorf eröffnen! Ich hoffe sehr, dass diese Brücke kommt, und zwar bald.

      Aber leider passt die Hafenbrücke nicht zum Radschnellweg-Konzept, das den Planungswettbewerb des Landes gewonnen hat. Denn es ist ausdrücklicher Wunsch der Stadt Düsseldorf, den Radschnellweg von Süden über die Uni an den Rand der Innenstadt zu führen, nicht aber durch die Düsseldorfer City (was man hier kritisieren, aber nicht ändern kann). Der Düsseldorfer Teil endet also in Hamm und eine Verknüpfung mit Neuss muss über die Südbrücke verlaufen – oder über die Hammer Eisenbahnbrücke, was wir im ADFC zunächst vorgeschlagen hatten, da es die kürzeste Verbindung wäre. Am besten mal auf die Grafik in http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-neuss/nachrichten/nachrichten/article/radschnellweg-neuss-duesseldorf-ratingen.html schauen, dort sieht man auch ganz gut, dass für Wege von der Neusser in die Düsseldorfer Innenstadt die Hafenbrücken-Route deutlich länger wäre als über die Südbrücke.

      • avatar rantanplan sagt:

        Wäre die Nutzung der Hammer Eisenbahnbrücke denn mit vertretbarem Aufwand möglich? Also mal abgesehen von Auf- und Abfahrten: Bietet die Brücke selber ausreichend Platz für einen Radweg?

        • avatar Heribert Adamsky sagt:

          Die Brücke hat nur schmale Dienstwege und bräuchte für einen RSW einen Anbau wie den Snelbinder in Nijmegen, siehe Foto im Artikel aus meinem vorigen Kommentar. Der Vorschlag wurde von den Verwaltungen in Neuss und Düsseldorf erwogen, aber frühzeitig verworfen. Einmal wegen Kosten (ohne nähere Begründung und wahrscheinlich auch ohne seriöse Schätzung), zum anderen wegen der Trassenführung, da das Konsens-Konzept der Verwaltungen Wege zwischen Neuss und der Düsseldorfer Uni in den Mittelpunkt gestellt hat. Die Hammer Eisenbahnbrücke verkürzt aber nur Wege in die Düsseldorfer Innenstadt, nicht in den Düsseldorfer Süden.

          Meine persönliche Meinung: Dem Planerbüro, das die Machbarkeitsstudie erstellt, sollte die Freiheit gelassen werden, alle denkbaren Rheinquerungen zu prüfen. Neben den erwarteten Kosten und Weglängenvorteilen wird dabei auch eine Potenzialanalyse angefertig. Damit ist hier die Untersuchung der erschließbaren Quell- und Zielverkehre aus den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Ausbildung gemeint. Deren Ergebnis ist essenziell für die Entscheidung über den endgültigen Trassenverlauf.

  2. avatar Norbert Paul sagt:

    Geht es bei den Knotenpunkten um das NRW-Netz?

    • avatar Heribert Adamsky sagt:

      @Norbert Paul Ja, das Knotenpunktnetz ist Bestandteil des NRW-Netzes – und es verdichtet das Netz, was ein großer Fortschritt ist. Denn damit sind die Kommunen verpflichtet, mehr Radrouten verkehrssicher zu unterhalten. Nur hat die Knotenpunkt-Wegweistung ohne Übersichtstafeln, die zeigen, wo die benachbarten Knoten liegen, keinen Nutzwert für Radwanderer.

      • avatar Norbert Paul sagt:

        Da ist Neuss ja deutlich langsamer als andere Städte, die schon lange ihre kommunalen Ergänzungen haben – die Qualitätsfrage lassen wir aber mal außen vor. Bisher habe ich da nie Übersichtstafeln vermisst.

  3. avatar rantanplan sagt:

    @W.Waldhorst: Die besondere Gefahr der Südbrücke dürfte allerdings eher subjektiv sein. Es ist schließlich hinlänglich bekannt, dass Radfahrer nicht auf gerader Strecke, sondern in Abbiegesituationen (sprich abbiegende Kraftfahrzeuge) und beim Queren von Fahrbahnen verletzt oder getötet werden.
    Gerade das ist ja der Grund warum sich glücklicherweise immer mehr die Ansicht durchsetzt, dass der Radfahrer auf der Fahrbahn am sichersten aufgehoben sind und da existiert nunmal gar keine Abtrennung. Ich wüsste auch von keinem einzigen Vorfall, der die besondere Gefährdung auf der Südbrücke aufzeigen würde.

    Was mich an der ganzen Radschnellwegsache in Neuss so ärgert ist die Tatsache, dass hier ein unglaublicher Aufwand mit Tunneln und Brücken getrieben werden soll, damit die armen Autofahrer nicht durch Radfahrer gestört werden und am Ende wird das alles dann noch als Förderung des Radverkehrs verkauft.
    Vernünftige Radverkehrspolitik benötigt keine Brücken oder Tunnel an Kreuzungen. Radfahrer müssen nicht an 2 Stellen in der Stadt extrem bevorzugt werden. Es würde vollkommen ausreichen, wenn sie überall sonst die gleichen Rechte, wie andere Verkehrsteilnehmer erhalten würden. Man könnte zum Beispiel damit anfangen am Alexianerplatz in Richtung Gnadental die Grünphase der Radfahrer der des übrigen Geradeausverkehrs anzupassen. Das ist fast vollkommen kostenneutral.

  4. avatar rantanplan sagt:

    @W.Waldhorst: Für die Brücke über die Hafeneinfahrt wäre ich übrigens sofort. Könnte man ja mit den Mitteln für den überflüssigen Radschnellweg finanzieren und wenn noch was über bleibt kann man mal am Zustand des Radwegs auf der Südbrückenzufahrt arbeiten;)

  5. @w.waldhorst: im Stadtrat wurde auf Initiative unter anderen der SPD eine Brücke über den Hafen beschlossen, leider mit Finanzierungsvorbehalt, so dass Verwaltung und Bürgermeister nichts unternehmen. Ich gehe sehr stark davon aus, dass nach det Wahl mit einer neuen Mehrheit insbesondere diese Brücke voran getrieben wird, da diese Brücke notwendig für einen sinnvollen Lückenschluss ist. Wir werden das Thema sehr bald wieder aufrufen.

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