BikePilot

Blaupunkt-LenkerNeues Navigationsgerät von Blaupunkt

Mit einem seit Anfang des Jahres auf dem Markt befindlichen Gerät für Radfahrer will der Anbieter von Auto- und Motorradnavis die Lücke im Freizeitbereich schließen. Die Bedienung erfolgt über eine zentrale Taste und per transreflektivem und hintergrundbeleuchteten 3,5″ Touch-Display. Grundlage der Navigation ist die kostenlose Karte von OpenStreetMap. Neben den Navigationsfunktionen bietet das Gerät auch Angaben zur Geschwindigkeit oder bei angeschlossenen Zubehörgeräten zu Tritt- oder Herzfrequenz.

Nach dem Einschalten überzeugt das Gerät vor allem wegen des großen Displays. Ohne Bedienungsanleitung (Wozu brauchen Männer sowas?) versuche ich mich in der Navigation des Bedienungsmenüs. Aus Erfahrung kenne ich die Schwierigkeiten mit anderen Geräten. Das Blaupunktgerät hinterlässt erst mal ein gutes Gefühl. Ich glaube, auch ohne Anleitung das Prinzip verstanden zu haben.

Besonders einfach ist das Routing zu einer Adresse. Wie bei den großen Autogeräten erfolgt die Eingabe über Ort und Straße. Bereits nach wenigen Buchstaben zeigt mir das Navi die möglichen Adressen an. Ich spare mir also das mühsame Tippen aller Zeichen. Auch die letzten eingegeben Adressen sind gespeichert. So geht’s einfach nach Hause.

Nach sehr schneller Berechnung hat das Gerät bereits Streckenvorschläge. Hier kann ich wählen zwischen Einfach (wenig Steigungen), kürzester Strecke oder dem vom Navi vorgeschlagenen Weg. Ich wähle letzteres.

Klasse ist die graphische Anzeige der Richtung. Nicht nur rechts, links oder geradeaus, auch Kombinationen oder Kurven werden angezeigt.

Am ersten Kreisverkehr bin ich irritiert. Die angezeigte Richtung stimmt, die Angabe „erste Ausfahrt” ist definitiv falsch, es ist die dritte. Dieser Fehler wiederholt sich noch häufiger.

BlaupunktDie nicht gelesene Bedienungsanleitung rächt sich gerade. Im Display kann ich Angaben zum Fahrradcomputer anzeigen lassen. Aber welche sind die gewünschten? Wo finde ich Durchschnittsgeschwindigkeit und aktuell gefahrene? Das Menü verwirrt mich doch. Warum ist die Anzeige mal groß, mal klein? Also Zuhause doch mal lesen.

Auf meiner Fahrt benutze ich die als Radweg ausgebaute Strecke der Rheinischen Bahn. Das Navi kennt den Weg auch, schließlich ist er als breite lila Linie dargestellt. Warum soll ich aber ständig auf Straßen daneben fahren? Ich ignoriere das nervende Pfeifen des Gerätes, das ständig auffordert umzukehren oder mir mitteilt, die Strecke neu zu berechnen. Erst kurz vor der Essener Innenstadt gibt das Gerät auf und routet über die von mir gewählte Radwegestrecke. Schon stehe ich vor dem nächsten Problem: Ein Einbahnstraßenschild verbietet mir die Weiterfahrt. Das Navi glaubt jedenfalls, Radfahrer halten sich eh nicht dran und will genau dort lang. Warum gilt hier nicht das gleiche Prinzip wie im Autonavi? Aber immerhin rechnet das Gerät nach kurzer Abweichung eine andere Strecke und führt mich exakt zum Ziel.

Etwas gestört hat mich, dass die Berechnung von Routen immer mit einem schrillen Dauerton verbunden ist.

Neuer Tag, neue Aufgabe: Ich lade eine Route auf das Gerät. Hier wird mir angeboten, zum Startpunkt der Route zu navigieren. Klasse, mache ich und klappt auch. Die rechtzeitigen Angaben, in wie vielen Metern eine Richtungsänderung erfolgt, sind hilfreich. Das Routing auf der geladenen Strecke macht Spaß. Nur die helle Sonne lässt mich auf dem Display nichts erkennen. Vor jeder Richtungsänderung wird die Anzeige aber heller und eine Signalton gibt einen Hinweis. Damit komme ich zurecht. Die Darstellung auf dem Display ist für mich besser lesbar als auf dem daneben angebrachten Garmin E-Trex. Das Garmin ist zwar bei Helligkeit besser lesbar, aber die Darstellung viel kleiner und von der Kartengrundlage schlechter lesbar.

Am nächsten Tag wiederhole ich den Test mit einer anderen Route. Plötzlich soll ich umkehren, links abbiegen… Das Gerät hat sich aufgehängt, eine brauchbare Navigation gibt es nicht mehr. Ich brauche drei Versuche eines Neustarts, bis alles wie gewünscht klappt. Bei der Rückfahrt in der Nacht habe ich das Gefühl gerade bei Dreharbeiten zu einem Film zu sein. Schauspieler im Auto werden auch oft von einer versteckt angebrachten Lampe angestrahlt. Das helle Navi am Lenker hat den gleichen Effekt. Ist zwar toll lesbar, aber mein Gesicht ist auch beleuchtet. Also in der Gebrauchsanleitung nachsehen um die Einstellungen meinen Wünschen anzupassen.

Inzwischen ist der fest eingebaute Akku auch fast leer. Laden kann ich über den PC oder das mitgelieferte USB-Steckernetzteil. Ob das Laden auch klappt, wird leider durch keine LED angezeigt.

Nicht getestet habe ich die umfangreichen Funktionen zum Training. Hier kann die Anzeige nach Entfernung, Zeit oder Kalorienverbrauch eingestellt werden. Auch Geschwindigkeit oder Herzfrequenz sind mögliche Parameter. Den eingebauten Kompass oder die Wettervorhersage habe ich ebenfalls nicht genutzt.

Wer sich für das cirka 200 Euro teure Gerät interessiert, sollte sich auch die Geräte des Herstellers Teasi ansehen. Technisch und von der Bedienung ähnelt das Blaupunkt-Gerät den Teasi-Modellen. Von der Ausstattung ist es zwischen beiden Teasi-Produkten angesiedelt.

 

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Über Michael Kleine-Möllhoff

Meine Fahrten erledige ich meist mit dem RAD oder dem ÖPNV. Ein Auto benötige ich sehr selten. Verantwortlich bin ich für die Zeitschrift RAD im Pott. Vorstandsmitglied im ADFC-NRW und ADFC-Duisburg.

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5 Kommentare zu BikePilot

  1. avatar Norbert Paul sagt:

    Danke für den Bericht!

    Ich finde so ein Navi ja vor allem dann interessant, wenn man die Ecke nicht kennt. Daher könnte ich Zweifelsfall verschmerzen, dass ich auf der Straße daneben lang geroutet werde – ist ja kein schlimmer Umweg, oder? Schlecht finde ich immer, wenn Akkus eingebaut sind – das gibt über kurz oder lang Probleme.

  2. avatar Jan sagt:

    Habe heute das einzig befriedigende gemacht, was mit dem bikepilot von blaupunkt möglich ist: Es genussvoll zerstört! War das einzige mal, seit ich es gekauft habe, das es mir Freude gemacht hat. Ansonsten: Unzuverlässig, leitet Umwege, bezeichnet unbefahrbare Treppen als Radweg und stürzt ab, wenns mal ein wenig ruckelt. Dann muß gewartet werden, bis der Akku leer ist.

  3. avatar Norbert Paul sagt:

    Das sind ja teilweise No-Gos? Warum hast du es nicht reklamiert o. ä.?

  4. avatar Gabriele Sticker sagt:

    mein Bikepilot hängt mal wieder im Disply. Wie kann man es wieder starten?

  5. avatar emilie bauer sagt:

    Leider nur Karte fuer Deutschland im BikePilot vorhanden. Ich will aber nach Oesterreich fahren. Dort ist alles grau und verschwommen. Auch in der Suchfunktion (Ziel) kann man nur Deutschland auswaehlen.
    Ich finde auch keine Dokumentation, wie ich die Karten erweitern kann. Dabei gibt es aber Openstreetmap Karten von der ganzen Welt.
    Ich rate vom Kauf ab!
    Die Dokumentation ist mit 55 Seiten zwar lang aber trotzdem schlecht: es fehlt wie man zu mehr Kartenmaterial kommt, vermutlich ist das aber nicht vorgesehen -> deswegebn Finger weg von dem Produkt. Und es fehlt auch die Spezifizierung in welchem Format POIS zu importieren sind. gpx ist es jedenfalls nicht.
    schade!

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