Fahrradverkehr aus Sicht der ADAC-Motorwelt

Symbolbild Tesla Model S P85 (Foto: Kowloonese, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Symbolbild: Der ADAC interessiert sich für mehr als dicke Autos (Foto: Kowloonese, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Im Heft 5/2014 der ADAC Motorwelt gibt es vor allem Werbung (ca. 40 Seiten Werbung (inkl. Eigenwerbung) von 76 Seiten); es gibt aber auch einen Bericht zu einem wichtigen Thema. Unter der Überschrift “Stress in der City” geht es darum, wie man je nach Verkehrsart die anderen Verkehrsteilnehmer wahrnimmt.

Das Fazit besteht aus sechs Punkten, an denen zu kritisieren ist, dass sie noch den Geist der Trennung atmen und eigene Wege für Radverkehr und Fußverkehr fordern. Die Tatsache vorausgesetzt, dass bei gemeinsamen Wegen sich motorisierte Verkehrsteilnehmer gegenüber nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern anders (rücksichtsvoller und aufmerksamer) verhalten als bei getrennten Wegen, profitiert davon hauptsächlich der motorisierte Verkehr, aber weniger, als man annimmt. Die Autoren sprechen dabei aber explizit von “ausreichend breiten und eindeutig markierten Wegen”. Das absolute Primat des Autoverkehrs klingt anders. Vermutlich denken die Autoren bei “Ein eigenes System des Radverkehrs mit eigenen Ampeln und ohne unverhoffte Lücken im Netz” auch mehr an Radwege denn an eine Wegweisung. Aber damit sind sie sicherlich nicht weit entfernt von vielen Radaktivisten. Wichtiger finde ich, dass der ADAC Radverkehrsinfrastruktur nicht als “Nice-to-have” bei ausreichendem Platz ansieht, sondern an durchdachte Netze denkt. Wie im Zweifelsfall Nutzungskonflikte aufzulösen sind aus Sicht der Autoren, geht daraus jedoch nicht hervor. Bei der Forderung nach eigenen Wegen für den Radverkehr sind die Autoren aber auf der Höhe der zeit und fordern – wenn auch mit falscher Terminologie – Radfahrstreifen auf der Fahrbahn mit – was in der Realität leider selten ist – Sicherheitsraum zu parkenden Autos. Auch Zweirichtungsradwege innerorts lehnen die Autoren zu Recht ab. Interessant finde ich auch, dass die Autoren für Radfahrende in Gegenrichtung frei gegebene Einbahnstraßen nicht ablehnen, sondern Wert auf einheitliche Regelungen in den Stadtvierteln legen. Und zudem betonen sie, wie wichtig die guten Sichtbeziehungen insbesondere an Kreuzungen sind.

Wenn doch die vielen autofahrenden Politiker ihre ADAC-Motorwelt lesen würden, wären wir in Sachen Radverkehr mancherorts sicherlich weiter (Radverkehr auf der Fahrbahn, ausreichende Breiten bei vorhandener Radverkehrsinfrastruktur, keine innerörtlichen Zweirichtungsradwege), wenn auch noch nicht da, wo ich gerne wäre. :-)

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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4 Antworten zu Fahrradverkehr aus Sicht der ADAC-Motorwelt

  1. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Innerhalb des ADAC hat man schon in der Vergangenheit sicherlich zur Kenntnis genommen, dass viele Auto fahrende Menschen auch Rad fahren, und wie man das Rad fahren begünstigen kann.
    Dazu kommt, dass dem AD A C nach den jüngsten Vertrauensverlusten innerhalb weniger Wochen mehr Mitglieder abhanden gekommen sind, als der AD F C insgesamt hat.
    Da schaut man sich doch schon mal um, wo und wie man neue Mitglieder gewinnen kann …

  2. avatar Martin Isbruch sagt:

    Vielleicht können aber auch MIV-Lobbyisten einfach nur ein klein wenig rechnen und stellen sich vor, nur zehn Prozent aller morgendlich im Stau Stehenden und Parkplatz Suchenden würden auf’s Rad umsteigen – schöner kann das (Auto-)Paradies kaum sein…

    Der motorwelt-Artikel ist übrigens schreibstilistisch unterste Schublade, da hat man nichts verpasst.

    • avatar Pedelecer sagt:

      Na dann habe ich ja nichts verpasst. Gab es nicht mal eine Studie, in der die Ansicht vertreten wurde, mehr Radfahrer und Pedelecer auf der Straße würden die Durchschnittsgeschwindigkeit der Autofahrer reduzieren?

      • avatar ElGato sagt:

        Da Studien erfahrungsgemäß den Auftraggebenden nach dem Munde reden hat es so eine Studie sicherlich mal gegeben (finanziert oder gar durchgeführt vom ADAC).
        Was wir von deren Tests und Studien zu halten haben wissen wir ja inzwischen auch ganz offiziell…

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