Geschwindigkeitskontrollen

Von der Schweizer Polizei beim Rasen erwischt zu werden, ist folgenreicher als von der Deutschen Polizei angehalten zu werden. Symbolbild: Kantonspolizei Basel im Einsatz (Foto: Juri Weiss/bs.ch)

Von der Schweizer Polizei beim Rasen erwischt zu werden, ist folgenreicher als von der Deutschen Polizei angehalten zu werden. Symbolbild: Kantonspolizei Basel im Einsatz (Foto: Juri Weiss/bs.ch)

Auf Zeit Online beantwortete vorgestern Klaus Lockschen den deutschen Lesern noch, ob flächendeckende Tempokontrollen sinnvoll sind. Um die Relavanz aufzuzeigen, verweist er auf die schwerwiegenden Folgen der Tempovergehen, denn jeder Dritte Verkehrstoten auf deutschen Straßen geht auf dieses Delikt zurück. Im Gegensatz zu Alkoholdelikten fehle diese Einsicht hier.

Viele hielten sich zudem für so gute Fahrer, dass sie glaubten, auch oberhalb der erlaubten Geschwindigkeit alles unter Kontrolle zu haben, so der Psychologe [Jens Schade von der TU Dresden]. Zumal man bei Regeleinhaltung häufig von anderen Fahrern signalisiert bekomme, ein Verkehrshindernis zu sein.

(s. dazu auch hier)

Er entkräftet auch das Abzock-Argument, denn wer Regelkonform fahre, habe auch nichts zu befürchten und im internationalen Vergleich werde in Deutschland sehr gering bestraft. Auch das Ende des Artikels ist nicht gerade stammtischtauglich:

Zu viele breite und langgezogene innerstädtische Straßen suggerierten, dass hier schneller gefahren werden könne. Die Straße müsse “selbsterklärend” sein, so Schade. Sie müsse wieder enger werden, was automatisch die Geschwindigkeit drossle. Er plädiert daher für den Rückbau.

Das Deutschland hinter anderen Ländern hinterher hinkt, zeigt z. B. ein Blick in die Schweiz. Die Basler Zeitung berichtete am gleichen Tag auf ihrer Homepage von einem Raser, der verhaftet wurde, nachdem er 66 km/h schneller war als die erlaubten 80 km/h. Er musste den Führerschein abgeben und sein Auto wurde beschlagnahmt.

Gestern wurde dann von einem Gerichtsverfahren berichtet, in dem ein notorischer Raser zu zwei Jahren auf Bewährung – der maximalen Bewährungsstrafe – verurteilt wurde, weil er mit 120 km/h innerorts unterwegs war. Die Bewährungszeit wurde auf überdurchschnittliche drei Jahre festgesetzt. Außerdem muss der Raser 3000 Euro bezahlen und ist den Führerschein ersteinmal los. Das Auto konnte er nur behalten, indem er den Betrag zahlte, der bei einer Verwertung des beschlagnahmten Wagens zu erzielen gewesen sei. Dieser Betrag wird aber mit den Verfahrenskosten verrechnet.

Vier [weitere] Raser hat die Staatsanwaltschaft angeklagt. Und allem Anschein nach dürfte dabei auch die eine oder andere unbedingte Gefängnisstrafe beantragt werden. Dies liess der zuständige Staatsanwalt durchblicken.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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