Radwege in den Niederlanden

(via Matthias Moritz: Kommentar zu: Wo wollen wir radfahren? auf criticalmass-muenchen.de)

Vieles hört sich ja gut an in dem Beitrag, aber warum werden immer in Berichten über die Niederlande die Radwege dort gelobt? In dem Video sind lauter innerstädtische Zweirichtungsradwege, schmale Radwege, Bürgersteigradwege und Radwege, die hinter einem Grünstreifen liegen, zu sehen. Also lauter Sachen, die man in Deutschland inzwischen kritisch sieht – insbesondere wegen der Unfallzahlen, die diese Infrastruktur in Deutschland nach sich zieht.

Kann mich da jemand aufklären? :-)

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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7 Responses to Radwege in den Niederlanden

  1. avatar Sonntags und Wochentagsradler sowie Autofahrer sagt:

    fahr hin und erlebe es.

  2. Fahrradinfrastruktur ist mehr als der Radweg. Das hat man in Holland verstanden.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Aber die Sicht in holländischen Autos wird doch z. B. genauso eingeschränkt sein wie in Deutschen Autos, so dass Radfahrende auf Bordsteinradwegen dort doch genauso schnell nicht beachtet werden dürften …

  3. avatar Peter sagt:

    Die kurze Antwort ist: deutsche Radwege sind (meistens) ein Grauen, da ists immer besser, auf der Straße zu fahren. In den Niederlanden gibts dagegen ein ordentlichen Komplettpaket Radfahren, an dem seit Jahrzehnten hinoptimiert wird.

    Die längere Antwort:
    Ich empfehle, mehr auf Bicycle Dutch zu lesen, eine weitere gute Quelle ist auch David Hembrew. Beide Blogger zeichnen sich dadurch aus, sehr geduldig und ausführlich über die Vorzüge niederländischer Infrastruktur zu schreiben.
    Key points: Niederländische Infrastruktur führt dazu, dass tatsächlich alle Bevölkerungsgruppen mit dem Rad fahren, also auch Kinder, Familien, Ältere, Berufstätige. Das Rad ist dort (so die beiden) gerade wegen der Infrastruktur ein zentrales Verkehrsmittel.
    Zum Video: das Video ist gar nicht so sehr eine Analyse von Infrastruktur, sondern fokussiert einfach nur Eindhoven. Was man aber trotzdem sieht: Radverkehr wird wo möglich (und nötig) von Autoverkehr getrennt, es gibt sehr viel Infrastruktur, die darauf ausgelegt ist, Zusammentreffen überhaupt erst zu vermeiden. Am prominentesten der hochgelegte Fahrrad-Kreisverkehr am Anfang des Videos, aber auch viele Tunnels sind zu sehen. Wo es Kreuzungen gibt, ist immer ein expliziter, gesicherter Übergang.

    “Aber die Sicht in holländischen Autos wird doch z. B. genauso eingeschränkt sein wie in Deutschen Autos, so dass Radfahrende auf Bordsteinradwegen dort doch genauso schnell nicht beachtet werden dürften …”
    Radwege werden, wo das der Fall ist, normalerweise nicht hinter Bäumen geführt, Autos stehen beim Abbiegen nicht direkt auf dem Radweg sondern davor und müssen dann rechts (bzw links) Verkehrs beachten. Zu erahnen ist das 2:12 im Video (die beiden Blogs haben etliches an Material dazu, einfach mal dort suchen).

    Shared use hab ich in den Niederlanden auch öfter erlebt, aber das dann meist in ruhigen Wohngebieten, die dann meist baulich “beruhigt” sind, zum Beispiel durch radfreundliche Speedbumps oder Platzinseln, die Autos zum abbremsen zwingen.

    Im Video ist auch (im Vergleich zu niederländischen Verhältnissen) schlechte Infrastruktur zu sehen. Zum Beispiel der Kreisverkehr vor dem Flughafen, der Radverkehr in den Kreis zwingt oder die Straße bei 3:37 vor dem Umbau.

    Ausserdem ist zu sagen, dass niederländische Zweirichtungs-Radwege üblicherweise sehr breit sind, so dass sich problemlos nebeneinanderfahrende Radfahrer entgegenkommen können (1:20, 1:27, 3:20 im Video). Ein riesen Vorteil, wenn man nicht alleine unterwegs ist — man kann sich unterhalten! Auch hier ist zu sagen, dass wichtige Verbindungs-Radwege häufig so weit weg von Straßen geführt werden, dass man den Verkehr dort gar nicht als störend wahrnimmt.

    Das Fahrgefühl ist ganz anders als auf der Straße (oder einem Radweg) in Deutschland. Man fährt entspannt unter Vielen, kann sich unterhalten und kommt gut voran. Zu fordern, dass Radverkehr auf die Autostraße muss heißt auch, ganze Bevölkerungsgruppen auszuschließen (Kinder auf dem Weg zur Schule als bestes Beispiel) bzw Konflikte zu fördern (gibt sogar ein Beispiel im Video: 3:10) und so Leute vom Radfahren abzuschrecken.

  4. avatar Robert Hildebrand sagt:

    Mir ist in den Niederlanden auch aufgefallen, dass Radwege an größeren Kreuzungen direkt an/auf die Fahrbahn herangezogen sind, die Radfahrer also dort im Sichtbereich des motorisierten Verkehr sind. Dazu kommt, dass Radfahrer an Ampelkreuzungen sehr oft eigene Ampeln haben, die den Radfahrern eigene Grünphasen geben getrennt vom motorisierten Verkehr, Rechtsabbiegeunfälle sind dort dadurch fast schon ausgeschlossen. Und im Gegensatz zu Deutschland halten sich dort die Radfahrer an das Rot. Da der Radverkehr in den NL quer durch alle Schichten auch akzeptiert wird, herrscht dort auch ein anderes Klima zwischen Autofahrern und Radfahrern, es ist ein Miteinander, kein Gegeneinander.

  5. avatar Sonntags und Wochentagsradler sowie Autofahrer sagt:

    Alles richtig. Trotzdem bekommt man den richtigen Eindruck, wenn man es erlebt.

    Radverkehr ist dort sowohl beim MIV als auch den Fußgängern akzeptiert.

    Fußgänger pöbeln nicht rum, Autofahrer warten geduldig. Rad Fahrende akzeptieren die Regeln (Rotlicht)

    In Aachen letzte Woche beim “Anradeln” des Fahrradsommers schmissen sich Fußgänger laut meckernd in den geschlossenen Verband, weil die Fußgängerampel auf grün umsprang, Autos sprengten den Zusammenhalt und das, obwohl die Mehrheit mit quietschgelben Warnwesten unterwegs und damit der Verband deutlich zu erkennen war.

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