“Radfahren in Dortmund – aber sicher!”-Kampagne heimlich eingestellt

radsicher

Die Kampagne von Ordnungsamt und Polizei “Radfahren in Dortmund – aber sicher!” sollte dieses Jahr richtig durchstarten. Beginn sollte ein Aktionstag sein. Seitdem war nichts mehr zu hören von der Kampagne, was mich zu einer Nachfrage veranlasste. Vom Ordnungsamt bekam ich die Auskunft:

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass es sich um ein zeitlich befristetes Projekt handelte, dass jetzt ausgelaufen ist. Bei der von Ihnen benannten Veranstaltung in der Berswordthalle am 28. März 2014 handelte es sich um die Abschlussveranstaltung.

Soweit ich mich erinnern kann, war weder beim ersten Treffen mit möglichen Partnern, noch danach jemals von einer Befristung die Rede. Anfang des Jahres schrieb mir der Leiter des Ordnungsamtes persönlich:

Auch in diesem Jahr sind weitere Aktionen geplant.

Das war aber noch vor besagtem Aktionstag, der wohl nicht so gelungen war, wie Beteiligte berichteten. Ich hatte an einem normalen Werktag tagsüber leider nicht die Zeit, mir selbst ein Bild zu machen.

Auf meine Nachfrage, wieso ich Anfang des Jahres eine gegenteilige Auskunft bekommen hätte, wurde ich an den Fahrradbeauftragten im Tiefbauamt verwiesen, der vielleicht Bescheid wüsste. Dort habe ich nachgefragt, aber bisher keine Antwort bekommen. Ich vermute (Autoresponder-Antworten gibt es bei der Stadt Dortmund bekanntlich nicht), dass er aktuell nicht im Dienst ist. Aus der Projektseite des Ordnungsamtes geht das Ende der Aktion bis heute übrings nicht hervor.

Auf die Defizite der Kampagne habe ich hier im Blog bereits ausführlich hingewiesen; u. a. ist sie mir zu sehr auf Fahrradhelme ausgerichtet gewesen, die aber nicht die Sicherheit erhöhen, sondern bei dem Folgen fehlender Sicherheit ansetzten mit ihrer beschränkten Wirkmächtigkeit. Wer wirklich etwas für mehr Sicherheit im Straßenverkehr tun möchte, könnte sich z. B. an der Polizei in Niendorf orientierten. Dort gab es im letzten Jahr eine Kontrolle des Abstandes von Autofahrern beim Überholen. Das Niendorfer Wochenblatt berichtete, dass insbesondere ältere Autofahrer mir Regelunkunde auffielen. Auch die Polizei in Düsseldorf hat das Problem des geringen Überholabstandes erkannt, berichtet derwesten.de

Im Rahmen ihrer Kampagne „Sehen und gesehen werden“ für mehr Rücksicht im Verkehr betont die Polizei deshalb mit Nachdruck: Beim Überholen von Radfahrern müssen Autofahrer je nach Größe des Wagens mindestens 1,5 bis 2 Meter Platz für das Zweirad halten.

Ob man in Düsseldorf den Niendorfer Beispiel folgt und Kontrollen durchführt, verrät der Artikel leider nicht. Selbst wenn die Polizei in Dortmund im Rahmen der wohl nun still, leise und heimlich eingestellten Kampagne es nur bei solchen Appellen belassen hätte, wäre das schon ein Verbesserung der Kampagne gewesen. Das Problem ist nicht die geringe Helmtragequote sondern das Problem ist, dass Radfahrende immer wieder in Situationen kommen, in den tatsächlich oder angeblich der Helm nützlich ist. Wenn der überzeugte Autofahrenden von der Polizei immer nur hört, die Radfahrer hätten sich selber um ihre Sicherheit zu kümmern, bestärkt es nur das Vorurteil, dass das Problem bei den Radfahrenden liege. So beginnt der (Gefahren-)Bewusstseinswandel nie.

Ein Dank geht an Ulf Dietze vom ADFC Hamburg für den Hinweis zur Aktion in Niendorf.

avatar

Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
Dieser Beitrag wurde unter Politik, Radverkehr, Recht abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu “Radfahren in Dortmund – aber sicher!”-Kampagne heimlich eingestellt

  1. Pingback: ADAC: Dortmund besonders fahrradunfreundliche Großstadt | ADFC Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.