Radverkehr in Zahlen 2: In Großstädten innert 10 Jahren 50% mehr Haushalte nur mit Fahrrädern

Parkende Fahrräder in Zürich (Foto: Timo Neumann, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Symbolbild: Abgestellt Fahrräder in Zürich (Foto: Timo Neumann, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

“In Großstädten innert 10 Jahren 50% mehr Haushalte nur mit einem Fahrrad” hört sich doch gut an, oder?

Nicht ganz so spektakulär klingt es, wenn man es wie Zeit-Online darstellt:

In großen Städten ab einer halben Million Einwohner verzichten zunehmend viele Menschen auf das Auto. 30 Prozent der Haushalte in diesen Städten besaßen Anfang 2013 nur Fahrräder – keinen Pkw und kein Motorrad, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Anteil stieg demnach binnen zehn Jahren deutlich: 2003 lag er laut Statistik noch bei 22 Prozent.

Ob das eine erfreuliche Entwicklung ist? Das wäre sie nur, wenn die Menschen freiwillig verzichten und das nicht Ausdruck von Armut ist.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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11 Responses to Radverkehr in Zahlen 2: In Großstädten innert 10 Jahren 50% mehr Haushalte nur mit Fahrrädern

  1. avatar Pedelecer sagt:

    Immer mehr Bürger in den Städten sehen die Autos als störend an, keinesfalls mehr als Statussymbol. Auch kommt man in der Stadt durchaus gut mit anderen Verkehrsmitteln gut von A nach B. Leider sieht das 15km von der Innenstadt schon ganz anders aus. Sogar die E-Mobile der Vermietungsfirmen sind nur in den Innenstädten, vor der Stadt ist Fehlanzeige. Das ist genau der Grund, warum immer mehr Menschen in die Stadt ziehen. Leider hat sich da nicht viel in den letzten Jahren getan, mal abgesehen von den Freizeitangeboten in der Stadt. Welche ja auch deutlich höher sind. Kultur auf dem Land? Fehlanzeige!

  2. avatar Markus MK sagt:

    Neuste Zahlen aus MK belegen selbst in kleineren Städten einen Anstieg des Radverkehrsanteils. Der Radverkehrsanteil in der Innenstadt beträgt in etwa das 18-fache des Radverkehrsanteils in einem nur 7 km außerhalb der Innenstadt gelegenen Stadtteils.
    Darin liegt schon eine große Chance, “to make more people bike more often”.
    Radfahren ist in allen Städten ein Megatrend – und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern auch in denen unter 100.000 Einwohnern.

  3. avatar Vincent sagt:

    Ich sehe das genauso, das Auto ist schon seit längerer Zeit kein Statussymbol mehr. Und warum sollte diese Entwicklung dann ein Zeichen dafür sein, dass die Menschen aus Kostengründen aufs Auto verzichten? Ganz im Gegenteil oft haben Haushalte mit wirklich wenig Kapital aus unerklärlichen Gründen trotzdem ein Auto. Aber auch wenn Leute aus Kostengründen aufs Auto verzichten ist das ja eine gute Sache, denn dann sparen sie an der richtigen Stelle und bemerken nebenbei, dass in Großstädten heutzutage ein Auto überflüssig ist.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Und warum sollte diese Entwicklung dann ein Zeichen dafür sein, dass die Menschen aus Kostengründen aufs Auto verzichten?

      Keine Ahnung ob es so oder so ist, da mir bisher keine Untersuchung bekannt ist, die diese Frage untersucht hat.

      Ganz im Gegenteil oft haben Haushalte mit wirklich wenig Kapital aus unerklärlichen Gründen trotzdem ein Auto.

      Persönlicher Eindruck oder belegbar?

      und bemerken nebenbei, dass in Großstädten heutzutage ein Auto überflüssig ist.

      Wenn nicht die Viertel der Armen gerne “draußen” liegen, wo das mit dem ÖPNV nicht mehr so toll ist wie in der City.

  4. avatar Markus MK sagt:

    MK liegt rechts neben HA und ist eine gängige Ortsangabe wie NRW oder DO ;-)
    wenn man von oben kuckt, liegt der Märkische Kreis rechts neben HSK. Er besteht aus zwei Oberzentren und mehreren Kommunen mit insgesamt einer knappen halben Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und ist flächenmäßig mindestens 10 % größer als Berlin.
    Steigt der Radverkehrsanteil eigentlich mit den Mietpreisen? Münster, Köln/Bonn, …

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Da hätte ich drauf kommen können :-)

    • avatar Martin Isbruch sagt:

      Markus, das mit rechts und links hängt aber ganz stark davon ab, in welche Richtung Deine Füße zeigen, wenn Du von Deiner Wolke schaust…
      Aber da wir ja auf eingenordete Karten eingenordet sind, verstehen wohl die meisten, was Du meinst.

  5. avatar Martin Isbruch sagt:

    Natürlich hat auch der finanzielle Aspekt dazu beigetragen – neben anderen. Aber gestiegene Spritpreise sind zumindestens ein Grund, sich mit dem Thema Mobilitätsausgaben etwas intensiver auseinander zu setzen. Hier spielt weniger das verfügbare Einkommen eine Rolle, als vielmehr Bildungsniveau und persönlicher Wertehintergrund.
    Und dabei merkt man, es gibt durchaus finanzschwache Milieus, in denen das Auto als Statussymbol nach wie vor eine große Rolle spielt – und andere, die dann halt lieber kostensparend mit Rad oder Öffi fahren.
    Reine Schichtenbetrachtung greift zu kurz – Milieuforschung ist hilfreicher. Wird aber auch gemacht, z. B. im ADFC-Monitor, den der ADFC gemeinsam mit dem privaten Forschungsinstitut SINUS Sociovision (als einem der profiliertesten der Branche) erhebt.
    Diese soziologischen Grundlagen dürften gerade eines der Standardthemen in vielen mündlichen Abiturprüfungen im Fach Sozialwissenschaften sein…

  6. avatar ElGato sagt:

    Die mit dem erfahrungsgemäß schlechtesten Benehmen auf der Straße haben sowieso die fetten Limos und SUVs als Dienstwagen und werden mit keiner Faser ihres Körpers daran denken, mal mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Fahrrad ist Freizeitvergnügen, am besten mit teurem E-Bike am Sonntag mit 25 km/h durch die Gegend peesen und sich über langsamere “Normalradfahrer” aufregen.
    Mal abgesehen davon, daß viele solcher Freiteitradler mit 25 viel zu schnell sind für ihr Fahrkönnen.
    Ich sehe Umdenken bei jüngeren, aber das sind nicht der Großteil der Rüpel und Raser. Die können sich diese fetten Kisten (noch) nicht leisten.

    (Nein, ich bediene keine Klischees, es ist meine Erfahrung, daß die Fahrer von dicken wagen bevorzugt die sind, die sich schlecht benehmen.)

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