Mit Helm und Weste zu Fuß gehen lernen – Verkehrsübungplatz Duisburg

Auf derwesten.de gibt es ein Video mit dem Titel In der Video-Beschreibung heißt es dazu Ich denke bei der Ankündigung an Kinder, die die ersten Schritte beim Üben von Abbiegen, Anhalten an der Ampel etc. machen, bevor es demnächst in den Straßenraum geht. Aber was sieht man in dem Film? Einen gesprochenen Kommentar gibt es übrings nicht.

Unbenannt

Die Grundschüler bewegen sich in dem größen- und komplexitätsreduzierten und damit völlig unrealistischen Setting des Verkehrsübungsplatzes ohne Autos die fahren, parken und die Sicht versperren und selbst in diesem Setting lernen die Kinder offensichtlich schon, dass selbst Fußgänger*innen und Radfahrer*innen in einer gefahrenreduzierten Umwelt Helm und Schutzweste tragen müssen. Sonst sieht man im Film nichts. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Kinder möglichst schnell auf die einzige Art und Weise am Verkehr teilnehmen wollen, die keinen Helm und keine Weste bedarf, also vermutlich sicher ist. Brum, Brum, Brum …

Wieso kommt das den Journalisten nicht komisch vor, dass die Kinder da auf einer abgegrenzten übersichtlichen Fläche rumlaufen wie die Bauaufsicht auf der Großbaustelle? Und wenn ihnen das komisch vorkommt, warum lassen sie das so stehen im Film?

Fitte Journalisten könnten die Verantwortlichen z. B. fragen, wie die Kinder regelkonformes Fahren auf Anlagen lernen sollen, deren Fahrspuren vermutlich schmaler sind als Radwege sein dürfen und auf denen man auf keinem Fall lernen kann, genug Abstand zum Bordstein zu halten?

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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2 Kommentare zu Mit Helm und Weste zu Fuß gehen lernen – Verkehrsübungplatz Duisburg

  1. avatar R.H. sagt:

    Jeder, der etwas Neues lernen muss, tut das am besten ohne sich selbst und andere zu gefährden.
    Für die ersten “Gehversuche” im Verkehr ist das Üben auf dem Verkehrsübungsplatz ja vielleicht nicht das Schlechteste.
    Das Problem in unserer Gesellschaft ist aber, dass in dem Alter, in dem sich die Kinder auf dem Video befinden, das Verhalten im Straßenverkehr neu erlernt werden muss. Und zwar, weil die oftmals überbehütenden Eltern bis dato mit den Kindern jeden Weg zum und vom Kindergarten und zur und von der Schule und zum und vom Sport und zu und von den Freunden mit dem Auto zurückgelegt haben und die Kinder deshalb das Verkehrsgeschehen nur aus der Perspektive des Rücksitzes des SUV kennen.
    Wie sonst ist es zu erklären, dass 10-jährige nicht mal einhändig abbiegen können. Ich habe Eltern gehört, die die Meinung vertreten: “Bevor mein Junge 12 ist, darf er auf kein Fahrrad.!” – weil die kognitiven und was weiß ich für Fähigkeiten bis dahin nicht ausgebildet sind. Dann gibt es Menschen, die sagen: “wenn Kinder zu früh Rad fahren lernen, behindert das die Sprachentwicklung”.

    Dass es auch anders geht, zeigt eine KiTa in der Nähe von Berlin:

    https://www.youtube.com/watch?v=jZYlpLvdvtQ

    Die Kinder werden jedenfalls was die Motorik angeht, keine Probleme bei der Fahrradprüfung in der 4. Klasse haben.

    Auch in unserem Schulsystem wird das Erlernen der Teilnahme am Verkehr nur rudimentär durchgeführt. Ist ja auch nicht soo bequem, wenn man mit den Rackern den Schonraum der Schule verlassen muss.

  2. avatar Stephan Behrendt sagt:

    Hallo,

    ich habe immer Probleme, wenn die Polizei – wie auch bei uns in Köln – generell Warnwesten für Radfahrer fordert.

    Eine Warnweste ist eine PSA, also eine persönliche Schutzausrüstung. PSA trägt man, wenn es nicht möglich ist, eine Gefahr zu vermeiden oder die Gefahreinwirkung vom Menschen zu trennen.

    Aber erstens ist Radfahren kein Zustand mit einer gegenüber anderen Tätigkeiten erhöhten Gefahr (im Haushalt und im Auto gibt es mehr Kopfverletzungen) und zweitens suggeriert man dem Radfahrer, er würde sich in einem Bereich aufhalten, wo er eigentlich nicht hingehört. Und drittens gibt es sehr wohl Möglichkeiten, die vorhandenen Gefährdungen zu verringern, sei es durch geringere KFZ-Geschwindigkeiten oder durch eine bessere Wegeführung für den Radverkehr.

    Warnwesten sind sinnvoll, wenn sich Personen dort aufhalten, wo sie nicht zu erwarten sind oder eigentlich nicht hin gehören. Das sind zum Beispiel der Pannenservice auf der Autobahn und die Polizei bei Verkehrskontrollen.

    Stephan Behrendt

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