Fehlende Radständer

In den Städten fehlt es an sicheren Abstellmöglichkeiten für Fahrrädern, allein in Wien sollen es mehrere 10.000 sein. In Dortmund baut man in den Ortskernen und an wichtigen Zielen nach und nach die Anzahl an Ständern aus. Ohne Wenn und Aber muss man hier sagen, dass die Richtung die richtige ist. Aber auch die Hochschulen in Dortmund waren in dem Bereich im letzten Jahr aktiv, schließlich ist das keine rein öffentliche Aufgabe. Das hat auch seinen Niederschlag in der Landesbauordnung NRW gefunden in § 51 Abs. 1 Sätze 1 und 2:

Bei der Errichtung von baulichen Anlagen und anderen Anlagen, bei denen ein Zu- und Abgangsverkehr zu erwarten ist, müssen Stellplätze oder Garagen hergestellt werden, wenn und soweit unter Berücksichtigung der örtlichen Verkehrsverhältnisse und des öffentlichen Personenverkehrs zu erwarten ist, dass der Zu- und Abgangsverkehr mittels Kraftfahrzeug erfolgt (notwendige Stellplätze und Garagen). Hinsichtlich der Herstellung von Fahrradabstellplätzen gilt Satz 1 sinngemäß.

Beim alte Freizeitzentrum West (FZW) hatte man an die Radfahrer gedacht und Abstellplätze direkt am Eingang vorgehalten (Foto: Tbachner

Beim alte Freizeitzentrum West (FZW) hatte man an die Radfahrer gedacht und Abstellplätze direkt am Eingang vorgehalten (Foto: Tbachner, Lizenz: Public domain)

Von daher kann man erwarten, dass zu Neubauten wie dem FZW in Dortmund Fahrradständer gehören. Auf Anfragen zu dem Sachverhalt von mir hat man von Seiten des FZW seit 2012 nicht reagiert. Auf die Frage, warum man die BauO NRW nicht beachtet hat bei der Baugenehmigung eines städtischen Gebäudes, habe ich nie eine Antwort bekommen, aber immerhin sagte mir der zuständige Sachbearbeiter zu, im Umfeld Ständer vorzusehen, so dass ich das Thema erst einmal nicht mehr weiter verfolgt habe, auch wenn es unverständlich ist, dass die Fahrradständer vergessen wurden. (Wie da der aktuelle Stand ist, weiß ich nicht).

Aber auch bei anderen öffentlichen Gebäuden, die schon älter sind, sollte man inzwischen  eine Grundausstattung vorfinden – in anderen Bereichen passt man diese ja auch den aktuellen Entwicklungen an. Ein Jahr und viele E-Mails brauchte es bei dem Ev. Krankenhaus Hagen-Haspe, um zu erfahren, dass man dort nicht auf die gesunde Anreise per Fahrrad setzen mag.

Ob ich mich um ein gesehenes Problem kümmere, hängt häufig davon ab, ob ich gerade Teig habe oder nicht. Nach einem Besuch in der Klinik hatte ich Zeit und Muße, so dass ich am 01.09.2013 eine E-Mail schrieb:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war heute zu einem Besuch in Ihrer Klinik, jedoch musste ich mit Verwunderung feststellen, dass es – obwohl Ärzte Radfahren regelmäßig empfehlen – keine Fahrradständer gibt bzw. diese sehr versteckt stehen müssen und nicht ausgeschildert sind. Sicherlich kommen wegen der Topographie nicht sehr viele Besucher mit dem Rad, aber z. B. ich als nicht besonders sportlicher Alltagsradfahrer bin trotzdem aus Dortmund mit dem Rad gekommen und habe so den Besuch mit einer Radtour verbunden. Sicherlich kommen auch Mitarbeiter_innen mit dem Rad – oder würden kommen, wenn sie ihr Rad sicher anschließen können.

Da man immer wieder auf s. g. Radständer stößt, die nicht geeignet sind ausreichend Diebstahlschutz zu bieten, möchte ich noch darauf hinweisen, dass bei guten Radständern es immer problemlos möglich sein sollte den Rahmen und ein Rad mit einem Bügelschloss o. ä. annzuschließen. Außerdem müssen die Ständer fest monitert sein.
Brauchbare Radständer sind z. B. die vom ADFC zertifizierten Radständer (http://www.adfc.de/3674_1) Im Optimalfall sind die Ständer überdacht.

Solide Fahrradständer sind für mich eine Grundausstattung öffentlicher Gebäude. Inzwischen ist in der Bauordnung NRW § 51 die Einrichtung von Fahrradstellplätzen in gleicherweise vorgeschrieben wie Autoparkplätze.
s. https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=2&gld_nr=2&ugl_nr=232&bes_id=4883&aufgehoben=N&menu=1&sg=0#det277793

Direkt am Haupteingang scheint mir genug Platz zu sein.

Die Möglichkeit Taschen und Helme im Eingangsbereich einzuschließen wäre natürlich ein i-Tüpfchen aus Radfahrersicht – aus Hygeniesicht aber sicherlich eine gute Überlegung für ein Krankenhaus.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Paul

Einzige Möglichkeit, ein Fahrrad sicher abzustellen: ein Geländer am Haupteingang (Foto: Michael Schröder)

Einzige Möglichkeit, ein Fahrrad sicher abzustellen: ein Geländer am Haupteingang (Foto: ADFC OG Hagen)

Ich hätte mit einer Antwort gerechnet, in der man mir sagt, wo die versteckt sind, oder dass man sich des Problem annimmt. Von mir aus auch hätte man mir schreiben können, dass das kein Thema sei, von wegen Hagen und steil und so. Das ist aber keine Ausrede, sondern mehr ein Hinweis auf fehlenden politischen Willen. Wie auch immer … überspringen wir einfach alle nachharkenden E-Mails, die höchstens zeigen, welche niedrige Priorität das Thema dort hat, und kommen wie zur finalen Auskunft vom 1.7. 2014:

wir haben sowohl vor unserem Krankenhaus als auch hinter dem Krankenhaus (vor allem für Mitarbeitende) Zweiradstellplätze.

Musste man erst einmal suchen, sodass man mir nicht auf Anhieb weiterhelfen konnte? Da ich dort nicht mal eben vorbeikomme, hat die OG Hagen des ADFC netterweise nachgeschaut und nach langem Suchen in einem Innenhof ein paar Felgenbieger gefunden (was nun mal keine Fahrradständer sind sondern industriell hergestellte ortsfeste Kunst ist) und konnte beobachten, dass die Räder immer wieder dort angebunden wurden, wo ich es auch gemacht habe und wo ich es – sollte ich da noch einmal hin müssen – wieder abstellen werde (s. Bild). Falls es dort doch Ständer gibt, sind die so gut versteckt, dass sie unauffindbar sind – auch ein Zeichen für den Stellenwert der gesundheitsförderlichen An- und Abreise von Patienten, Besuchern und Mitarbeitenden.


 

Ihr habt ergänzende Infos oder ebenfalls gute oder schlechte Erfahrungen in dem Bereich gemacht? Über entsprechende Kommentare freue ich mich. :-)

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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3 Antworten zu Fehlende Radständer

  1. avatar Michael HA sagt:

    Der Artikel ist doch gut geworden und zeigt deutlich, dass man es mit der Bauordnung nicht so genau nimmt, wenn es um Abstellanlagen für Fahrräder geht.
    Immerhin haben wir eine ganze Reihe neuer Radständer in Hagen bekommen und zwar genau dort, wo wir es uns gewünscht haben:
    Direkt in der Rathausstraße vorne am Friedrich-Ebert-Platz, vor der neuen Rathaus-Galerie (die noch nicht öffnen durfte; außer Saturn). Die neuen Radständer wurden gestern zum verkaufsoffenen Sonntag auch schon fleißig genutzt.

  2. avatar Patrick sagt:

    Es ist eine Schande dass mittlerweile fast überhaupt nichtmehr an Radfahrer gedacht wird! Sei es wie oben beschrieben Radständern, als auch Radwege, die nicht richtig ausgebaut werden oder gar nicht erst komplett umgesetzt werden. Ich verfolge das Ganze mit Skepsis, ist Radfahren doch ein Weg, der nicht nur dem Menschen hilft fit zu bleiben, sondern auch der Natur.

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