Dortmund weiterhin ohne funktionierendes Winterdienstkonzept für den Radverkehr

In den letzten Jahren war die mangelhafte Berücksichtigung des Radverkehrs beim Winterdienst in Dortmund ein großes Thema, denn die bisherigen Regelungen werden den Anforderungen nicht gerecht. “Sie werden derzeit überarbeitet. Auf Grund der komplexen Rechtslage sind neue Regelungen jedoch noch nicht vereinbart. Ein Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest.” erklärt Stadtsprecher Frank Bußmann diese Woche auf Anfrage für adfc-blog.de hin. In der bestehenden Regelungen ist explizit festgehalten, dass die Folgen eines mangelhaften Winterdienst der Grund dafür sind, dass man sich da nicht drum kümmern muss:

Auf zur Fahrbahn gehörenden Radwegen innerhalb geschlossener Ortslage besteht grundsätzlich nur eine Winterdienstpflicht auf den Stellen, die sowohl verkehrswichtig als auch gefährlich sind. Dabei ist die Verkehrswichtigkeit ausschließlich auf die Winterzeit und nur auf den Nutzer Radfahrer bezogen. Erfahrungsgemäß ist der Radverkehr bei Eis und Schnee ziemlich gering.

Wenn man die Wege räumt, fahren die Leute auch bei Schnee mit dem Rad, wie dieses Video aus den Niederlanden zeigt. Dortmunder Kommunalpolitiker*innen halten das sicherlich für eine Computerannimation. ;-)

Aber selbst das, was gemacht wird, steht unter einem Vorbehalt und wird nicht mit Priorität versehen:

Nichts desto trotz hat die Stadt Dortmund eine vertragliche Vereinbarung mit der EDG geschlossen, nach der derzeit 96 km Radwege (sowohl innerhalb wie außerhalb geschlossener Ortslage) im Winter im Rahmen ihrer Möglichkeiten geräumt und bestreut werden. Damit wird eine Winterdienstleistung für den Radfahrverkehr erbracht, die deutlich über die rechtlichen Anforderungen hinausgeht.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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3 Responses to Dortmund weiterhin ohne funktionierendes Winterdienstkonzept für den Radverkehr

  1. avatar Markus MK sagt:

    Es sollte auch mal Einigkeit darüber erzielt werden, wo der Schnee dann hingeräumt werden soll. Bei uns wird der Schnee in der Regel an den Fahrbahnrand geschoben. Wenn sich dort zufällig statt des ehemaligen Seitenstreifens ein Radweg befindet, kann es schon mal passieren, dass die meterhohen Schneeberge dort verweilen, bis Tauwetter einsetzt. In der Stadt wird der Schnee im Höchstfall vom Straßenrand den schmalen Straßen weggebaggert und mit LKWs abtransportiert, weil er z. B. den ÖV behindert.

    Vielleicht bekommen wir ja wieder nur drei Schnee-Tage in diesem Winter…

    An vielen Zählstationen in einigen Städten wird allerdings schon belegt, dass es inzwischen wesentlich mehr geworden sind, die im Winter selbstverständlich mit dem Fahrrad fahren. Das wird immer gerne so abgetan, als handele es sich lediglich um die 5 % Hardcoreradler, die bei Eis und Schnee noch unterwegs sind. Dabei hat sich der Trend aus Norwegen auch bei uns längst etabliert. Welches Fahrzeug fährt sich schliießlich bei richtiger Eisglätte für alle Beteiligten sicherer, als ein anständig spikebereiftes Fahrrad (inzwischen ja auch made in NRW – und somit auch ein wirtschaftlicher Faktor für unsere Region)?!

    Die Leute, die zwischen den Verkehrsmitteln abwägen und nur ab und zu das Fahrrad nutzen (entspricht also der Hauptzielgruppe der Radverkehrsförderung), ist nur zu erreichen, wenn die täglichen Wege am sichersten und komfortabelsten – mit dem Fahrrad im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln – zurückgelegt werden können. Und das ist wahrscheinlich nicht nur in Kopenhagen so.

  2. avatar Axel Reimann sagt:

    Viele Grüße aus der Hauptstadt. Also ihr Dortmunder habt kein Monopol auf winters
    nicht geräumte Radwege.Das geht hier auch. Trotz einer Räumpflicht für Radwege
    kümmert sich da kein Schwein drum. Und das stadtweit. In der Winterzeit wird dann
    auch richtig offenkundig, wie wir Radler von den Behörden verarscht werden. Denn nicht
    geräumte Radwege mit angeordneter Benutzungspflicht sind ja wegen Unbefahrbarkeit dann nicht mehr benutzungspflichtig. Die Anordnung einer Benutzungspflicht entlarvt sich damit als reine Alibiveranstaltung der Verkehrsbehörde.Mit einer Sorge um die Verkehrssicherheit hat das nichts mehr zu tun. Von solch löblichen Zuständen, wie in den Niederlanden, sind wir weiter entfernt, als die Milchstraße. Da hilft nur noch auswandern – nach Holland!

  3. avatar R.H. sagt:

    Was beim Anschauen des Videos noch auffällt: Radfahrer müssen den geräumten Radweg nicht mit Fußgängern teilen. Die stapfen artig durch den Schnee. In Deutschland, jedenfalls in Aachen völlig undenkbar.

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