Wie man andere gefährden kann und das Wohlwollen der Polizei Köln dabei nicht verliert

In einem netten Telefonat, hatte mit mal ein Pressesprecher der Polizei Dortmund erklärt, dass die Polzei vorsichtig sein muss, mit dem, was sie in einer Pressemitteilung schreibt, u. a. weil die Wortwahl bei Verfahren hinterher eine Rolle spielen kann und nur Tatsachen kommuniziert werden dürfen und als solche erkennbare Zeugenaussagen. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man die Pressemitteilung der Polzei Köln liest, die ich gestern zufällig las. Vorher sollte man sich auch noch einmal kurz überlegen, wie man als Radfahrer reagieren würde, wenn man in einer engen Straße von einem Auto plötzlich mit wenigen Zentimetern Abstand überholt wird? Wenn man sich vorstellen kann, in Panik auf das Auto zu schlagen, weil man offensichtlich nicht beachtet wird, um auf sich hinzuweisen und wenn man sich vorstellen kann, nicht gerade höflich zu der Autofahrerin zu sein, nachdem man auch noch gestürzt ist, arbeitet ganz sicher nicht in der Pressestelle der Polizei Köln.

10.11.2014 | 14:48 Uhr
POL-K: 141107-5-K Fahrradfahrer als Verkehrsrowdy – Zeugensuche

Köln (ots) – Am Freitagnachmittag (7. November) hat ein Velofahrer in Köln-Nippes nebst seiner Beherrschung auch das Gleichgewicht verloren. Er kippte um und beschimpfte wüst eine Autofahrerin (54) und ihren Beifahrer (48)

Gegen 15.20 Uhr befuhr die 54-Jährige mit ihrem Pkw die Hartwichstraße in Richtung Merheimer Straße. “Auf der Einbahnstraße war es sehr eng, sodass ich sehr dicht an dem Fahrradfahrer vorbeigefahren bin. Ich habe ihn aber nicht berührt. Er schlug jedoch plötzlich auf mein Autodach”, äußerte die Erschrockene bei der Anzeigenaufnahme. “Ich setzte meine Fahrt fort, sah jedoch dass der Radfahrer durch den Schlag sein Gleichgewicht verloren hatte und zu Boden gefallen war”, gab die Autofahrerin weiter an. Die Frau eilte dem Gestürzten zu Hilfe. Dieser entgegnete direkt wüste Beschimpfungen und beleidigte auch ihren 48-jährigen Begleiter. Jegliche weitere Kommunikation lehnte der Mann ab.

Der Radfahrer ist circa 30 Jahre alt, dunkelhäutig und hat schwarze kurze Haare. Er war bekleidet mit einem grauen Sweatshirt und einer Jeans.

Die Polizei sucht Zeugen die den Vorfall beobachtet haben und weitere Angaben machen können. Hinweise nimmt das Verkehrskommissariat 4 unter der Rufnummer 0221/229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln( at )polizei.nrw.de entgegen. (st)

Bevor ich mich dazu äußern wollte, stellte ich der Polizei Köln ein paar Rückfragen:

1) Nach meinem Kenntnisstand ist es geübte Rechtssprechungspraxis, dass man beim Überholen eines Radfahrers mit dem Auto mindestens 1,50 Meter Abstand halten muss. Um beim Radfahren einem Auto auf das Dach hauen zu können, muss dieser Sicherheitsabstand massiv unterschritten worden sein, was die Fahrerin ja laut Ihrer Mitteilung ja sogar zugegeben hat. (“sodass ich sehr dicht an dem Fahrradfahrer vorbeigefahren bin”). Wenn der Platz nicht da ist, darf laut StVO nicht überholt werden.

a) Warum sprechen Sie in der Überschrift nicht davon, dass die Autofahrerin die Verkehrsregeln massiv missachtet hat, sondern suchen die Schuld beim Opfer (=Betroffenen des Regelverstosses)?

b) Warum weisen Sie nicht explizit auf die Regelverstöße der Radfahrerin als solche hin?

2) Wäre unter den geschilderten Umständen die Schläge nicht als Versuch des Opfers zu verstehen, die Autofahrerin auf sich aufmerksam zu machen, da vermutlich der Eindruck entstanden ist, dass er nicht beachtet wird?

3) Hält man es bei der Polizei Köln für denkbar, dass Pressemitteilungen, in denen Opfer von grob verkehrswiedrigem Verhalten (zu wenig SICHERHEITsabstand) als Täter dargestellt werden dem Auftrag der Polizei, für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen, entgegenlaufen?

4) Wird gegen die Autofahrerin wegen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr ermittelt und/oder ein Busgeldverfahren wegen deutlichem Unterschreiten des Sicherheitsabstandes eingeleitet?

Ein(e) anonyme(r) Pressersprecher(in) der Polizei Köln schrieb daraufhin:

Vielen Dank für ihre E-Mail. Gerne beantworten wir Ihre Fragen, bzw. möchte ich Ihnen den dargestellten Sachverhalt erläutern.

Hier wurde Strafanzeige wegen Beleidigung, die durch den Fahrradfahrer begangen wurde, erstattet.

Selbstverständlich prüft die Polizei in diesem Zusammenhang alle verkehrs-/strafrechtlichen Verstöße.

Derzeit sucht die Polizei Zeugen, um den Gesamtsachverhalt aufzuklären.

Nun, da kann man sich nicht für bedanken, wie es meine Art ist, wenn ich eine Antwort bekomme – unabhängig davon, wie zufieden ich mit der Antwort bin.

Sehr geehrte anonyme Pressesprecherin bzw. sehr geehrter anonymer Pressesprecher,
von anderen Pressestellen der Polizei bin ich es gewöhnt, dass die Antwort von einem persönlichen Ansprechpartner*in unterzeichet wird und das man auf Presseanfragen eingeht. Schade.
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Paul

Eine wortgleiche Antwort haben auch engagierte Radfahrer erhalten, berichtet Marco Laufenberg, der in die Meldung ausführlich kommentiert, der bereits Anzeige gegen die Autofaherin erstattet hat, damit die Polizei Köln ihre Arbeit tut.

edit 12.11.14 17:07
“Eine wortgleiche Antwort scheint auch Marco Laufenberg erhalten zu haben” wurde aufgrund des Kommentars von Marco Laufenberg geändert zu “Eine wortgleiche Antwort haben auch engagierte Radfahrer erhalten, berichtet Marco Laufenberg”

Hinweis 28.11.14 23:03
Es gibt eine Fortsetzung.

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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3 Kommentare zu Wie man andere gefährden kann und das Wohlwollen der Polizei Köln dabei nicht verliert

  1. Sehr guter, sachlicher Artikel.
    Anzumerken ist, daß nicht ich den Textbaustein als Antwort bekommen habe (ich habe bis heute noch keine Antwort, auch keine Eingangsbestätigung auf meine Anzeige und Dienstaufsichtsbeschwerde erhalten), aber mehrere (ich weiß von ungefähr einem halben Dutzend) andere den gleichen Text. STRG C&P scheinen bei der Pressestelle der Kölner Polizei also gut zu funktionieren 😉

    Sehr schön, daß auch ADFC Aktive hier tätig werden. Je mehr menschen sich dort beschweren, desto besser, finde ich.

  2. Schon erstaunlich, ich habe exakt die gleichen Fragen kurz nach
    erscheinen der Pressemitteilung an die Polizei gestellt und
    war ebenso verwundert über die anonyme Antwort. Sowas hab ich
    selbst bei der kölner Polizei noch nicht erlebt!

    Meine Antwort auf die Textbausteine der Polizei war:
    “””
    Sehr geehrte (anonyme) Pressestelle,

    zunächst vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

    Umso erstaunlicher, dass sie trotz offensichtlich unklaren
    Sachverhalt den Radfahrer schon jetzt als Rowdy klassifizieren
    konnten.

    Wurde das bereits von der Kraftfahrerin begangene “Fehlverhalten”,
    mit den vorgesehenen 30Euro geahndet, oder wurde die Dame so
    gebauchpinselt, dass sie noch nicht einmal eine Ahnung hat,
    dass sie der Auslöser der Reaktion gewesen sein könnte?
    “””

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