Die Falschparkerpetition: Der ADFC und seine Kritiker

Die Position des Bundesverbands zur Bußgeld-Petition wurde nicht nur hier intensiv diskutiert. Ich halte es für richtig, dass der ADFC sich da raus hält, wenn auch aus einem Grund, der beim Bundesverband keine Rolle spielt. Eine Unterstützung des ADFC sollte voraussetzten, dass der ADFC rechtzeitig vorher – in welcher Form auch immer – eingebunden worden wäre. Es ist eine Frage der Höflichkeit, dass ich nicht andere vor vollendete Tatsachen stelle und dann deren volle Unterstützung erwarte. Nachdem es nun gelaufen ist, wie es gelaufen ist, kann der ADFC nun nichts anderes machen, als auf die Petition hinzuweisen. Dann kann und muss jeder selbst entscheiden, ob er es unterstützt.

Bei aller berechtigten Kritik an der Position des Bundesverbandes wird aber übersehen, dass ein Verband mit einer breit gefächerten Mitgliedsstruktur (die für politisches Gewicht wichtig ist) von Warnwesten tragenden Gehwegradlern bis hin zu Critical Mass (CM)-Aktiven, von Freizeitausflüglern bis zu verkehrspolitisch aktiven 365-Tage-Radfahrern nicht die Position einer Teilgruppe allein vertreten kann und somit – wenn alles richtig läuft – immer schon einen Kompromiss nach außen kommunizieren muss. Wer sich in der Position des nicht mit dem Rad zur Vorstandssitzung kommenden ADFC-KV-Vorstandes wiederfindet, darf sich nicht darüber beklagen, dass nicht alle den Common Sense einer Gruppe aktiver CMler beim Bier teilen. Wer pointierte Forderungen vertritt, ist immer auch weniger anschlussfähig als ein Gruppe mit einem mehr oder weniger weichen Kompromiss. Wie viel Kompromiss akzeptabel ist, ist situationsabhängig und wird von jedem anders beurteilt. Ein Kompromiss wird aber in den seltensten Fällen “radikal” in eine Richtung sein. Je kleiner eine Gruppe und je weniger komplex ein Thema ist, desto leichter klappt dort auch die Verständigung auf eine Position und je pointierte kann die ausfallen. Eine Personenmehrheit wird aber nie genau der eigenen Position in Gänze entsprechen. Wenn eine Personenmehrheit aber nicht eine temporäre Erscheinung mit fluider Position sein will, braucht es aber die Meinungsfindung der Gruppierung und die damit die Bereitschaft zum Kompromiss. Mit dieser Position kann sie dann an Meinungsbildungsprozessen partizipieren. Bei den traditionell adfc-distanzierten CMlern hält man trotz aller Organisationsstrukturen das Mantra hoch, keine Organisation zu sein, wie es z.B. auf der Seite criticalmass-berlin.org cmtypisch heißt:

Die Aktionsform Critical Mass kennt weder Organisator*innen noch Hauptverantwortliche.

Komischerweise hindert das einen anonymen Schreiber mit dem Nick everydaycm auf dieser anonymen Seite nicht daran, gegen jegliches Szeneverständnis in einem Post im Name der Szene zu sprechen und Stellung zur Position des ADFC zu beziehen:

Wir laden alle adfc-Aktiven ein, bei der nächsten Critical Mass mitzufahren.

Wie schon diskutiert (s. hier und hier), liegt der Nukleus im Verständnis der CM-Szene darin, CM eben nicht aufzuladen mit Zuschreibungen über das Da-Sein hinaus. Aufgrund dieser Tatsache braucht es in der CM-Szene auch keine anstrengenden Meinungsfindungsprozesse, was aber aber auch bedeutet, keine Stimme im gesamtgesellschaftlichen Meinungsfindungsprozess sein zu können über erzeugte Handlungsnotwendigkeiten hinaus, was der einen oder anderen ADFC-Gliederung sicherlich gelingt. Das bekommt man eben nicht zum Nulltarif, sondern um den Preis von Konsensfindung und ein bisschen formales drum herum.

Zurück zu dem Artikel: Die Möglichkeit eines Gegenbesuchs diskutiert er/sie gar nicht, die Möglichkeit, den ersten Schritt zu machen erst recht nicht. Bei dem Post werde ich wie so häufig das Gefühl nicht los, dass die Position des ADFC durch die eigene ersetzt werden soll. Unabhängig davon, ob ich die ADFC-Positionen gut finde, mag ich diese Grundhaltung grundsätzlich nicht – auch nicht bei verborten ADFClern, da sie im Kern intollerant ist.

Wie auch immer: Bisher ist mir nicht bekannt, dass irgendeine ADFC-Gliederung gefordert hätte, die CMler sollten ADFCler wie sie selber werden. Spannend ist dabei die Frage, warum scheinbar so viele CMler das empfundene Desinteresse des ADFC an dem Phänomen CM so beschäftigt und das immer wieder thematisieren und fordern, dass man auf sie zugehe solle (bei gleichzeitiger Betonung, dass es bei ihnen gar keinen Absprechpartner gäbe). Aufgrund meiner bisherigen Begegnungen vermute ich, dass die Distanz zwischen engagierten ADFClern und den Organisatoren der CM gar nicht so groß ist, schließlich gibt es doch auch personelle Überschneidungen und die beteiligten bewegen ähnliche Fragestellungen.

Zustimmung bekommt er/sie dann auch von einem Kommentator Peter, der einige Klischees vom ADFC zum Besten gibt und vernünftige Beleuchtung am Rad für nicht zukunftsweisend hält und das Mengenverhältnis zwischen Wochenendausflüglern und – wie er es nennt – Fahrradafficionados falsch einschätzt.

Beim ADFC geht es um Warnwestenträger. Radelnde Wochenendeausflügler. Um Radpendler mit teurem Cityrad und Ortlieb-Panniers., TÜV-geprüfter Lichtanlage und natürlich Reflektoren in den Speichen. So langweilig und altbacken wie sich diese Auflistung liest, so wird dieser Verein von jungen, dynamischen und nach vorne denkenden Fahrradafficionados wahrgenommen. Man sieht sich etwa dann bestätigt, wenn ohne Not proaktiv eine Absenkung der Promillegrenze für die eigene Klientel gefordert wird. Das ist deswegen schade, weil sich der ADFC damit eines großen Potenzials nebst der Möglichkeit beraubt, wirklich politisch Gewicht zu erlangen.

Ein ADFC für Leute wie Peter wäre ein kleiner Verein und politisch bedeutungslos – allein schon, weil in den Räten der Städte und Gemeinden Menschen sitzen, die am Sommerwochenende eine lange Radtour über 10 Kilometer machen und nicht auf dem Fixie mit dem Risiko des Straßenverkehrs spielen.


Und eine kleine Frage an die Leser: Wie benenne ich die eher junge, auf jedenfall selbstbewusste, adfc-unaffine Szene eigentlich am besten, in der die CM, Falschparker-Wegtrag-Flashmobs, vegane Velo-Kitchens etc. ihre Heimat haben?

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Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.
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14 Kommentare zu Die Falschparkerpetition: Der ADFC und seine Kritiker

  1. avatar Quirinus sagt:

    Dieser interessanter Beitrag offenbart so einiges, was sich aktuell in Deutschland unter Fahrrad-interessierten so abspielt. Es geht nicht mehr um die Petition, es geht um die Identität. Es klingt fast wie: “Wer ist der RICHTIGE Radfahrer?”.

    Selbst bin ich aktives ADFC-Mitglied (Bereich Verkehrspolitik) und erlebe Woche für Woche, wie viel Arbeit ehrenamtlich geleistet wird. Viel auch ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Der ADFC ist nun mal ein ernstzunehmender Gesprächspartner für die Lokalpolitik und die Stadtverwaltung. Kompetent und konstruktiv. Weitere Ansprechpartner stehen den Behörden kaum zur Verfügung.

    Auf dem Land spielt meiner Meinung nach die Komponente Radverkehrspolitik eine untergeordnetere Rolle. Da geht es mehr um gemeinsame Radtouren etc. Hier sind viele Mitglieder älter. Eine überregionale ADFC-Veranstaltung hat mir das letzens wieder vor Augen geführt.
    In den Städten engagieren sich in den letzten Jahren immer mehr junge Leute im Verein. Speziell auch im Bereich Verkehrspolitik. Trotzdem hat der ADFC ein Problem…

    Die Welt dreht sich immer schneller und der ADFC kommt nicht nach. Im Web spielt die Musik, da wird schnell verlinkt, verbreitet und geschrieben. Mal unüberlegt was in die Welt gesetzt, mal gut recherchiert veröffentlicht. Wer hier nicht dabei ist, kann im Nachhinein nur noch feststellen was passiert. So entstehen neue Aktionsformen und Zusammenschlüsse. Critial Mass ist ein super Beispiel dessen. Erfolgreich obendrein. Wann hat es der ADFC bei uns in der Stadt geschafft so viele Radfahrer gleichzeitig auf die Straße zu bekommen? Das ist schon ein Statement. Aber auch eine andere Form, ohne Ansprechpartner, ohne Programm. Frech, unverbindlich und beliebig. So haben es die Jüngeren gerne. So what? Es funktioniert.

    Nach eigenen Beobachtungen gibt es durchaus Überschneidungen bei ADFC und CM. Aber mehr als 10% sind es nicht. Ist das ein Problem? Ich glaube nicht. In meiner Stadt gibt es lose Verbindungen zwischen beiden. Als letztes Jahr ein Ghostbike aufgestellt wurde, haben CM und ADFC das gemeinsam gemacht. Der ADFC wurde schon merhfach von den Behörden gefragt, ob er die Organisation des CM übernehmen könnte, oder ob man wisse, wer das organisiert. Da haben wir die Hände gehoben und gesagt: “Sorry, das wollen wir nicht”. Auf der Facebook-Seite des CM mischen bei uns einige ADFC-Mitglieder fleißig mit. Einige CM-Teilnehmer nehmen gerne an Rennrad- und/oder MTB-Touren des ADFC teil. Dieses Jahr habe ich mit einem Kumpel die erste Singlespeed-Tour (ja, auch mit Fixies!) im ADFC-Tourenprogramm organisiert. Das war richtig nett, aufgeschlossene Teilnehmer zwischen 17 und 50, gut durchgemischt.

    Was zeigt das? Generalisieren und den anderen verurteilen hilft nichts. Weder von der einen, noch von der anderen Seite. Der ADFC sollte lernen, mit der Zeit zu gehen und mehr auf neue Generationen von (urbanen) Radfahrern zuzugehen. Dazu gehört auch mal eine freche Aktion oder etwas nicht ganz legales. Die Ablehnung der Bußgeld-Petition des Bundes-ADFC hat bei mir auch nur Kopfschütteln ausgelöst. Ob das alles 100%-ig juristisch wasserdicht ist, ist doch völlig irrelevant. Es geht darum eine breite Masse zu mobilisieren um das Thema zu bewegen. So funktioniert das heute. Im Bundestag ist es jetzt auch schon angekommen. So schnell kann das gehen.

    An den ADFC-Kritikern sei gesagt: Organisiert euch so, dass ihr für die Lokalpolitik Ansprechpartner sein könnt oder schaut mal 3 Monate beim ADFC, was da an Radverkehrspolitik betrieben wird. Nur kritisieren ist zu einfach, versuche es mal mit konstruktiven Aktionen oder Projekten.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Bezieht sich

      Dieser interessanter Beitrag

      auf meinen oder den zitierten Beitrag?

        • avatar Norbert Paul sagt:

          Für mich gibt es – und das wird im Beitrag hoffentlich klar – nicht den einen Typus Radfahrer und erst recht nicht den richtigen. Mich irritiert nur, dass die latente Botschaft ist, dass der ADFC per se alles mitmachen muss. Vielleicht hast du Recht und das ist eine Identitätsfrage.

          Auch sehe ich das auch so, dass die stille Arbeit nicht wirklich gesehen wird von vielen Kritikern, aber ich kann nicht so recht abschätzen, wie hoch im Durchschnitt der Anteil ist.

          Die Welt dreht sich immer schneller und der ADFC kommt nicht nach. Im Web spielt die Musik, da wird schnell verlinkt, verbreitet und geschrieben. Mal unüberlegt was in die Welt gesetzt, mal gut recherchiert veröffentlicht. Wer hier nicht dabei ist, kann im Nachhinein nur noch feststellen was passiert.

          Die Frage ist aber, ob das im Internet nicht in geschlossenen Kreisen bleibt? Ich mache mir nicht die Hoffnung, dass die Verwaltung hier mitliest. Stark ausschlagende Empörungswellen im Web verändern vor Ort nichts. Dafür muss ich über Monate mühsame Schriftwechsel mit der Verwaltung führen.

          Critial Mass ist ein super Beispiel dessen. Erfolgreich obendrein.

          Nicht überall. In DO und Essen sind die TN-Zahlen eher bescheiden, soweit ich weiß, anders in Wuppertal.

          Frech, unverbindlich und beliebig. So haben es die Jüngeren gerne. So what? Es funktioniert.

          Bin mal gespannt, wie lang sich das hält.

          Nach eigenen Beobachtungen gibt es durchaus Überschneidungen bei ADFC und CM. Aber mehr als 10% sind es nicht. Ist das ein Problem? Ich glaube nicht.

          Mehr würde ich auch nicht vermuten, worin ich auch kein Problem sehe, was aber gegen die Kein-Kontakt-Hypothese spricht.

          Was zeigt das? Generalisieren und den anderen verurteilen hilft nichts. Weder von der einen, noch von der anderen Seite. Der ADFC sollte lernen, mit der Zeit zu gehen und mehr auf neue Generationen von (urbanen) Radfahrern zuzugehen.

          Sehe ich auch so.

          An den ADFC-Kritikern sei gesagt: Organisiert euch so, dass ihr für die Lokalpolitik Ansprechpartner sein könnt oder schaut mal 3 Monate beim ADFC, was da an Radverkehrspolitik betrieben wird. Nur kritisieren ist zu einfach, versuche es mal mit konstruktiven Aktionen oder Projekten.

          🙂

          • avatar Quirinus sagt:

            Die Frage ist aber, ob das im Internet nicht in geschlossenen Kreisen bleibt? Ich mache mir nicht die Hoffnung, dass die Verwaltung hier mitliest. Stark ausschlagende Empörungswellen im Web verändern vor Ort nichts. Dafür muss ich über Monate mühsame Schriftwechsel mit der Verwaltung führen.

            Die Stadtverwaltung und die Lokalpolitik in Nürnberg haben sehr gut mitbekommen, dass sich im Netz und auf der Straße was bewegt, wenngleich die es vermutlich nicht alles verstehen, weil es so schnell geht. Wenn, wie im vergangenen Sommer, jeden Monat ca. 800 Radfahrer durch die Stadt fahren, dann fangen auch Politiker an nachzudenken. So haben die Instanzen angefangen schneller zu reagieren und plötzlich wird das Thema Radverkehr salonfähig. Die Lobbyarbeit des ADFC in der Verwaltung profitiert davon indirekt auf jeden Fall. Aber der Weg ist lang und steinig…

            • avatar Norbert Paul sagt:

              Mit Betonung auf WENN. Das passiert nämlich in Dortmund nur bei der Sternfahrt und die kann man problemlos unter Events/Freizeit abheften. In Dortmund kommt selbst von den Grünen keinen erkennbares Engagement pro Radverkehr.

          • avatar Quirinus sagt:

            Außerdem stelle ich fest, dass immer mehr mündige Bürger den Weg zur Verwaltung finden, wenn es um Einschränkungen beim Radverkehr geht. Auch da hilft das Netz und die Kommunikation untereinander.

            • avatar Norbert Paul sagt:

              Die Kommunikation untereinander war schon immer sinnvoller, aber das Internet bzw. E-Mail macht das deutlich einfacher. Und es macht einfacher, sich bei der Stadt etc. zu melden.

  2. avatar JPH sagt:

    Man sieht sich etwa dann bestätigt, wenn ohne Not proaktiv eine Absenkung der Promillegrenze für die eigene Klientel gefordert wird.

    Ja, das ist echt ein Problem diese Forderung!

  3. avatar Norbert Paul sagt:

    Auf Facebook schreibt Sim Knur

    Wer für eine bessere und autoärmere Nahmobilität ist, der muss ich auch für eine angemesse Strafen bei Fehlverhalten einsetzen. Alles andere ist inkonsequent. Dabei ist völlig egal, welche Art von Rad- oder Gehwegen blockiert werden. Und ja, es darf auch polariseren. Und dieses “hätten-sie-uns- früher-fragen-sollen-wir-sind-wichtig”-Argument kann man sich in einem solchen Statement sparen. Es stand dem ADFC frei seite Jahren selbst so etwas zu starten. Wenn andere es machen, dann muss man nicht beleidigt spielen. Der Bundesweite Auftritt des ADFC war extrem inkonsquent und zeigt sehr deutlich, dass er keine bundesweit übergeifende Fahrradvertretung schafft. Den eigentlichen Schaden hat damit der ADFC mit seinen Kirchturmlandesverbänden. Schade. Wasch mich aber mach mich nicht nass, war noch nie eine gute Strategie. Eigene klare Positionen zeigt man nicht auf, in dem man mit dem Finger auf die Anderen zeigt. Entweder man treibt, oder man wird getrieben.

    Da ich nicht beim Datensammler bin, antworte ich mal hier:

    Ich habe nie gesagt, dass der ADFC gefragt werden muss und schon gar nicht, weil der ADFC wichtig sei. Ich bin nur der Ansicht, dass man grundsätzlich Partner vorher fragt, egal worum es geht und wie wichtig oder unwichtig die sind. Und man darf sich nicht wundern, wenn Leute sich nicht beteiligen, wenn man sie zu spät fragt. Das hat nichts mit beleidigt sein zu tun. Ich kann einer großen Gruppe Menschen doch nicht die Pistole auf die Brust halten, und sagen “Entweder seid ihr jetzt sofort dabei oder ihr seid doof.”

    Ergänzend sei noch gesagt, dass ich es sinnvoll finde, dass Thema anzugehen und immer erst versuchen würde das Thema zusammen oder wenigstens abgestimmt anzugehen. Durch die nicht rechtzeitige Anfrage an den ADFC konnte der ADFC die Petition nicht im Vorfeld diskutieren, sondern macht es ja jetzt intensiv (woran ich auch nichts falsch finde – ein Kirchturmdenken kann ich aktuell darin wirklich nicht erkennen). Eine reflexhafte Unterstützung von allem, was mit Radverkehr zu tun hat, würde dem ADFC schnell und zu Recht den Vorwurf der Profillosigkeit einhandeln.

  4. Um hier noch mal Fakten in die Diskussion zu bringen: Anfang Mai 2014 habe ich den EU-Knöllchen-Report mit allen Basiszahlen veröffentlicht. Damit gab es genügend Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Im Juni war in der Presse, dass das Schwarzfahren teurer werden soll. Im Juli gab es erste Informationen, das eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Überprüfung des Bußgeld-Kataloges im August 2014 ihre Arbeit aufnehmen wird. Ab Oktober bin ich in Gespräche mit diversen Verbänden gewesen, zunächst mit denen, mit den es schon vorher eine Zusammenarbeit gab, z.B. VCD.

    Am 28.10. ist der Geschäftsführer des Innoz nach nicht einmal fünf Minuten Bedenkzeit offizieller Unterstützer der Petition geworden. Es gab mit seinen Mitarbeitern dann auch noch intensivere textliche Abstimmungen.

    Einer seiner Mitarbeiter fragte dann den ADFC-Bundesgeschäftsführer an, ob der ADFC nicht ebenfalls offizieller Unterstützer sein wolle. Ein eindeutig negative Antwort kam wenige Tage danach. Vor meiner Seite hat sich damit eine offizielle Anfrage erübrigt. Fakt ist damit, dass die Bundesgeschäftsstelle vertreten durch ihren gesetzlichen Vertreter informiert und angefragt wurde und eindeutig abgesagt hat, was ich bedauere, aber respektiere. Die Petitionskampagne wurde vier Wochen später gestartet – bis zum letzten Tage wäre Zeit gewesen, sowohl inhaltliche Positionen als auch Textpassagen anzupassen.

    Als einfaches ADFC-Mitglieder wünsche ich mir zum neuen Jahr von meinem Verein, dass Falschparker-Problem effektiv zu lösen. Laut Radsicherheitsdialog der Stadt Berlin ist es das Top-Thema aus Sicht von mehr als 5.000 Befragten Radfahrern. Sollte es bessere Wege als Petition, Falschparker-App oder Flashmob-Aktionen geben, die wirksam das Problem beseitigen, würde es mich sehr freuen. Ich bin zu jedem weiteren Projekt gerne bereit. Bis zum 21.2., dem Ende der Petitionslaufzeit, ist auch noch etwas hin.

    In diesem Sinne wünsche einen guten Rutsch ins neue Fahrrad-Jahr 2015!

  5. avatar Norbert Paul sagt:

    Hallo Heinrich Strößenreuther,

    auch ich bin einfaches Mitglied des ADFC. 🙂

    Hier ging es mit gar nicht um die Initiative sondern um das ADFC-Bild, dass immer wieder auftaucht. Das das an einem Artikel zur Position des ADFC bzgl. der Petition stattfand, ist am Ende mehr Zufall als bewusste Entscheidung.

    Anfang Mai 2014 habe ich den EU-Knöllchen-Report mit allen Basiszahlen veröffentlicht.

    Das Deutschland ein Paradies für Leute mit einer geringen Affinität zu Verkehrsregeln ist, ist schon länger bekannt.

    Von daher kann ich den Wunsch verstehen:

    Als einfaches ADFC-Mitglieder wünsche ich mir zum neuen Jahr von meinem Verein, dass Falschparker-Problem effektiv zu lösen.

    Mir ist der ADFC inzwischen auch zu unpolitisch. Und mich hat das Desinteresse vor Ort an der Tempo-30-Initiative selbst bei den wenigen verkehrspolitisch Aktiven auch irritiert.

    Jedoch haben Vereine einge Eigenlogik und unterliegen gewissen juristischen Bedingungen. Das bedeutet in der Konsequenz, dass ein Geschäftsführer in einer Firma eine ganze andere Bedeutung hat als in einem Verein. In der Konsequenz ist es auf der einen Seite möglich:

    Am 28.10. ist der Geschäftsführer des Innoz nach nicht einmal fünf Minuten Bedenkzeit offizieller Unterstützer der Petition geworden. Es gab mit seinen Mitarbeitern dann auch noch intensivere textliche Abstimmungen.

    Bei einem Verein, in dem nicht ein Vorsitzender ein paar gefügige Getreue beherrscht, ist das nicht möglich. Wichtige Dinge müssen erst durch den Vorstand oder eine Mitgliederversammlung abgesegnet werden.

    Ab Oktober bin ich in Gespräche mit diversen Verbänden gewesen, zunächst mit denen, mit den es schon vorher eine Zusammenarbeit gab, z.B. VCD.

    Aber warum nicht auch mit dem ADFC, wenn es doch scheinbar gewünscht ist, dass er dabei ist? Wenn der erste direkte Kontakt dazu in der Öffentlichkeit stattfindet und aus Kritik besteht, dass der ADFC nicht von sich aus das unterstützt, ist das für mich einfach ein grober Manöverfehler und das dann die Offiziellen wenig Lust verspüren, sich da einzubringen, halte ich für sehr wahrscheinlich.

    Einer seiner Mitarbeiter fragte dann den ADFC-Bundesgeschäftsführer an, ob der ADFC nicht ebenfalls offizieller Unterstützer sein wolle. Ein eindeutig negative Antwort kam wenige Tage danach. Vor meiner Seite hat sich damit eine offizielle Anfrage erübrigt. Fakt ist damit, dass die Bundesgeschäftsstelle vertreten durch ihren gesetzlichen Vertreter informiert und angefragt wurde und eindeutig abgesagt hat, was ich bedauere, aber respektiere.

    “Wir machen bei was mit – wie siehts bei euch aus” ist für mich etwas anderes als eine “offizielle” Anfrage/Einladung. Wie das die “Chefetage” sieht, weiß ich natürlich nicht.

    Grüße

    • Hallo Herr Paul, da ich die Aktivitäten ehrenamtlich neben meinem sonstigen Job betreibe, bleibt nicht immer die Zeit, alles ganz korrekt zu machen. Sicherlich hätte in dem Ablauf einiges verbessert werden können, aber zwischen der offiziellen Bestätigung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Bußgeldkatalog des BMVMin und der Bundesratsentscheidung, das Schwarzfahren teurer zu machen, waren nicht einmal acht Wochen. In dieser Zeit mussten Texte geschrieben, erste sichere Unterstützer angefragt werden, die z.B. als offizielle Unterstützer der Falschparker-App Wegeheld mitmachten. Dann wäre danach auch der ADFC von mir offiziell angefragt worden, da aber auf dem kleinen Dienstweg schon eine sehr deutlich Ablehnung kam, hab ich mir das erspart. Wie auch immer, hätte alles besser laufen können. Aber wenn es um die Sache geht, wäre ausreichend Zeit gewesen. Manche politische Zeitfenster öffnen sich halt nur kurzfristig: Dann kann man agieren oder es lassen. Noch ist das Momentum offen, die Arbeitsgruppe tagt, erste “Kleine Anfragen” auf Bundes- und Landesebene laufen. Es gibt also nach wie vor viele Möglichkeiten, das Ziel, Zuparken teurer zu machen, anzugehen. In diesem Sinne meine besten Wünsche zum neuen Jahr! Heinrich Strößenreuther

      • avatar Norbert Paul sagt:

        Hallo Herr Strößenreuther,

        das der ADFC sich auf Umsetzbarkeitsprobleme zurück zieht finde ich auch schwach und wer nicht visionär denkt, wird nicht mal das Erreichbare erreichen sondern weniger.

        Ich bin skeptisch, dass der eingeschlagene Weg des ADFC langfristig sinnvoll ist, mehr Gewicht durch eine höhere Mitgliederzahl zu ereichen und dafür mehr auf Service zu setzten und weniger auf profilierte Fachposition. In Dortmund müsste der ADFC eigentlich mal thematisieren, wie wenig StVO-affin die Polizei ist, stattdessen gibt es vor allem Radtouren im Sommer für Senioren. Und die wenigen jungen Radfahraktivisten in DO sammeln sich im Umfeld der VeloKitchen und/oder CM.

        Aber wie gesagt, ging es mir darum, dass häufig der ADFC kritisiert wird, dabei aber ein paar Punkte übersehen werden. Aber damit will ich keinem verbieten den ADFC zu kritisieren. Warum der ADFC nicht bereit ist, eine Erhöhung der Bußgelder mit gleichzeitiger Einführung der Halterhaftung einzufordern, ist auch mir schleierhaft.

        Auch einen guten Start in das neue Jahr!

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