Konflikte induzieren [mit Ergänzung]

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Viele Autofahrer und Radfahrer werden hier meinen, dass Radfahrer von der Fahrbahn auf den Bürgersteig wechseln müssen, da die Markierung eindeutig vom Schutzstreifen auf den Bürgersteig lenkt. Müssen sie aber gar nicht, denn die Markierung lenkt auf einen für Radfahrer frei gegeben Fußweg, wo die Radfahrerin im Zweifelsfall Schritttempo fahren müsste. Korrekt wäre eine neutrale Markierung gewesen, die offen endet. Damit wäre klar, dass die Radfahrer weiterhin legal auf der Fahrbahn fahren dürfen. Optimal wäre hier – insbesondere aufgrund der Steigung in Fahrtrichtung eine Aufstellfläche oder/und Schutzstreifen in der Mitte der Fahrbahn. Eine Benutzungspflicht für Radfahrer auf dem Bürgersteig traut man sich vermutlich nicht mehr. Damit die Radfahrer aber dennoch alle da fahren, wo sie nur Schüler einer nahegelegenen Schule, Senioren, Mütter/Väter mit Kinderwagen etc. gefährden und nicht den Autoverkehr behindern, hat man halt zu diesem Trick gegriffen. Oder bei einer Aufhebung der Benutzungspflicht irgendwie vergessen, die Markierung aufzuheben.

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Vor fünf Jahren wurde das gleiche Problem auf der Seite Radmelder an anderer Stelle in Dortmund thematisiert:

Fußwege mit dem Zusatz “Radfahrer frei” auszustatten sollen den Radfahrern die Wahl lassen, ob sie die Straße benutzen oder lieber auf einem getrennten Weg fahren möchten. Hier wurde die Wahl prinzipiell zwar offen gelassen, jedoch durch die Radstreifenführung deutlich beeinflusst! Nutzt man den Angebotsstreifen auf dem Heiligen Weg in Richtung Norden, so ist dieser erstmal recht gut angelegt. An der Kreuzung mit der Ernst-Mehlich-Straße (nach der Tankstelle) führt der Angebotsstreifen jedoch geradewegs auf einen Fußgängerweg mit dem Zusatz “Radfahrer frei”. Dieser Fußgängerweg ist jedoch in sehr schlechtem Zustand, von Rissen übersäht und der Bordstein ist auch nicht richtig abgesenkt. Zudem kommt hinzu, dass die Straße in diese Richtung recht abschüssig verläuft und man ohne weiteres auf 30km/h beschleunigen kann. Um auf dem Gehweg zu fahren, sind 30km/h jedoch viel zu viel und können selbst bei ausreichender Breite des Gehwegs zu gefährlichen Unfällen mit Fußgängern führen.

In die Gegenrichtung gibt es südlich der Löwenstraße das gleiche Problem. Das sind beileibe aber keine Einzelfälle. Auch an der Kreuzung von Semerteichstraße und Westfalendamm kommuniziert das Tiefbauamt, wo es den richtigen Ort für die Radfahrer sieht.

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Aber auch in anderen Städten findet man diese Auslöser für wildes Angehupe und pädagogisches Abdrängen, wie z. B. dieses Foto aus Magdeburg zeigt.

DSC_0133

(Foto: Norbert Paul)

Ganz in der Nähe hat man es dafür hin bekommen, den Schutzstreifen von den parkenden Autos abzusetzen.

(Foto. Norbert Paul)

(Foto. Norbert Paul)

An anderer Stelle in Magdeburg traf ich auf dieses Highlight.

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Zurück nach Dortmund. Auch toll sind Rad oder Schutzstreifen, die z. B. vor parkenden Autos enden und das Wechseln auf die Fahrbahn zu einer riskanten Sache machen.

 

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Ich bin ja gespannt, ob soetwas demnächst im neuen Gestaltungsbeirat Nahmobilität in Dortmund diskutiert wird und ob sich daraus Veränderungen ergeben.

Weiter soll unter der Federführung des/der Radfahr- und Fußgängerbeauftragten ein “Beirat Nahmobilität” installiert werden, in dem sowohl grundsätzliche Themen als auch größere Straßenbaumaßnahmen mit Verwaltung, fachberührten Verbänden, Organisationen, Interessenvertretern und Vertretern der Ratsfraktionen erörtert werden sollen.

Nachtrag 31. 01. 2015 19:28

Noch ein besonders “gelungenes” Beispiel aus Dortmund

(Foto: Norbert Paul)

(Foto: Norbert Paul)

Ergänzung 05.02.2014 07:18

Ein weiteres schönes Beispiel gibt es im Artikel “So züchtet man Gehwegradler” auf bt2rad.de.

avatar

Über Norbert Paul

Norbert Paul ist seit Jahren ehrenamtlich journalistisch und verkehrspolitisch aktiv. Neben dem Engagement im ADFC war er auch schon über 10 Jahre Mitglied im Bundesvorstand von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland. Von Dezember 2012 bis August 2013 war er Geschäftsführer des ADFC Dortmund, schilderte aber auch in dieser Zeit wie alle anderen Blogger hier in seiner Freizeit seine persönliche Sicht der Dinge. Er ist Redaktionsmitglied von Mobilogisch.

Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Infrastruktur, Politik, Radverkehr abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Konflikte induzieren [mit Ergänzung]

  1. avatar Philipp R. sagt:

    Der Text aus dem Radmelder kommt mir bekannt vor ;-). Auf meine E-Mail mit direkten Links zu den Meldungen bekam ich übrigens die Antwort, dass es die Kapazitäten übersteigen würde, sämtliche Internetforen zu durchsuchen. Stattdessen wurde eine persönliche Begehung angeboten. Ich frage mich bis heute, was es an dieser Situation vor Ort zu besprechen gibt? Das sieht doch ein Blinder, dass bei der Planung wohl jemand geträumt hat oder derjenige keine Ahnung hat was ein Fahrrad überhaupt ist….

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Der Text aus dem Radmelder kommt mir bekannt vor 😉

      😀

      Warum aufwendige Ortstermine möglich sind, aber Hinweise auf Homepages nicht gewollt werden ist Eigenlogik der Verwaltung. 🙂

      • avatar Christian Strupp sagt:

        Weil das Internet für die Verwaltung Neuland ist. Und weil man Ortstermine so legen kann, dass man vorher nicht ins Büro muss und hinterher nach Hause gehen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.