Knoten knüpfen im Sauerland: Neue Ausschilderung im Land der tausend Berge

Druckfrisch im März 2015: ADFC-Regionalkarte Sauerland und ADFC-Radausflugsführer Alte Bahntrassen im Sauerland (Foto: M. Isbruch)

Druckfrisch im März 2015: ADFC-Regionalkarte Sauerland und ADFC-Radausflugsführer Alte Bahntrassen im Sauerland (Foto: M. Isbruch)

Rad fahren im Sauerland – schon lange kein Geheimtipp mehr. Fanden vor Jahren noch fast ausschließlich Mountainbike und Rennrad Fahrende den Weg ins Land der tausend Berge, fasziniert die tolle sauerländische Landschaft zunehmend auch Genussradelnde. Im Zuge der Regionale 2013 wird das NRW-Radverkehrsnetz derzeit in der gesamten Region Südwestfalen aufgewertet durch ein Knotenpunktsystem. Schon vor Fertigstellung ist auch entsprechendes Kartenmaterial druckfrisch verfügbar.

Die Initialzündung gab 2006 die Eröffnung des Ruhrtalradweges, der mittlerweile Platz 5 der beliebtesten Fernradwege in Deutschland erreicht hat (ADFC-Radreiseanalyse 2015). Seinen besonderen Reiz erlangt der Ruhrtalradweg durch die kombinierte Vielfalt der Regionen von Sauerland bis Ruhrgebiet.

Doch das Sauerland hat mehr zu bieten: Zwischen den für manch Radfahrende unangenehmen Hügeln schlängeln sich noch mehr Flüsse und auch im Sauerland wurden einige ehemalige Bahntrassen zu komfortablen Radrouten umgebaut.

Abgedeckte Fläche der ADFC-Regionalkarte Sauerland (Bild: BVA-Verlag)

Abgedeckte Fläche der ADFC-Regionalkarte Sauerland (Bild: BVA-Verlag)

Direkt vom Ruhrtalradweg zweigt in Meschede und Wennemen die Nordschleife des Sauerland-Radrings ab, der zusammen mit der größeren Südschleife eine Acht bildet. Überwiegend auf Bahntrassen verbindet der Ring Ruhrtalradweg mit der Lenneroute, welche wie der Ruhrtalradweg ebenfalls in Winterberg beginnt und entlang der Lennestrände wieder gen Ruhr strebt. Die Lenneroute ist noch nicht so touristisch überlaufen, verläuft sie doch auf kürzeren Teilstücken (noch) über die unangenehme Bundesstraße im Lennetal. Deutlich aufgewertet wird die Lenneroute derzeit im Iserlohner Stadtteil Letmathe, wo in unmittelbarer Nähe des Stadtteilzentrums die Route über eine neue Flaniermeile direkt an der Lenne führen wird. Diese so genannte Lennepromenade ist ebenso Teil des NRW-Großförderprojektes Regionale 2013 wie das neue Knotenpunktsystem unter dem Titel “Radnetz Südwestfalen“.

Radnetz Südwestfalen: Radfahren von einem Knotenpunkt zum nächsten (Karte: BVA-Verlag, Foto daraus: M. Isbruch)

Radnetz Südwestfalen: Radfahren von einem Knotenpunkt zum nächsten (Karte: BVA-Verlag, Foto daraus: M. Isbruch)

Knotenpunktsysteme sind vielen mit dem Rad Urlaubenden bereits lange aus den Niederlanden bekannt. Nach dem Rheinland wird dieses System im Frühjahr/Sommer 2015 auch in ganz Südwestfalen installiert (Kreis Soest, Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Kreis Olpe, Kreis Siegen-Wittgenstein). Nach der Installation kann das “Radeln nach Zahlen” direkt losgehen: Denn in den im März 2015 erschienenen Kartenwerken aus der ADFC/BVA-Kooperation sind die Knotenpunkte bereits implementiert (im Bild die roten Punkte mit weißen Zahlen).

Die ADFC-Regionalkarte Sauerland erscheint damit bereits in dritter Auflage. Leider ist die Ergänzung des Knotenpunktnetzes die einzige wirkliche Neuerung der Karte – auf die tolle Kennzeichnung der Bahntrassenradwege wie in den neuen Ruhrgebietskarten ist hier leider noch verzichtet worden.

Ganz anders im ADFC-Radausflugsführer “Alte Bahntrassen im Sauerland”, ebenfalls neu im BVA-Verlag erschienen. Die Autoren Bernhard Lubeley und Daniel Wegerich stellen insgesamt zehn Tagestouren durch das Sauerland vor, die – bis auf Tour 3 entlang des Ruhrtalradweges – alle in mehr oder weniger langen Teilstrecken auf ehemaligen Bahntrassen verlaufen. Sowohl in der Übersichtskarte (Bild) als auch in den Detailkarten sind die Bahntrassenwege klar erkennbar und machen Lust auf steigungs- und kreuzungsarmes Radwandern. Alle Touren sind gut verknüpft mit Bahnhöfen, vor allem an der Oberen Ruhrtalbahn (RE 17 und RE 57) und der Ruhr-Sieg-Strecke (RE 16 und RB 91) in Richtung Ruhrgebiet bzw. Kassel oder Siegen, Tour 9 auch an der Siegstrecke (RE 9) nach Köln, Tour 10 an der Oberbergischen Bahn (RB 25) Richtung Köln.

Tagestouren-Vorschläge aus dem ADFC-Radausflugsführer "Alte Bahntrassen im Sauerland" (Bild: BVA-Verlag)

Tagestouren-Vorschläge aus dem ADFC-Radausflugsführer “Alte Bahntrassen im Sauerland” (Bild: BVA-Verlag)

Die vorgeschlagenen Tagestouren ergänzen sich, teilweise überschneiden sie sich auch. Sie lassen sich ideal kombinieren zu einer längeren Urlaubstour durch das Sauerland, die in Nachbarregionen fortgesetzt werden kann. Neben dem Ruhrtalradweg bieten sich hierfür die Bergischen Bahntrassenwege und das Siegtal an.

So könnte eine Tour beispielsweise in Soest beginnen, über die Pengel-Anton-Bahntrasse am Möhnesee vorbei aufwärts nach Brilon, von dort zur Ruhr, der man bis Wennemen folgt. Der abzweigende Sauerland-Radring ist mittlerweile auch als Ruhr-Sieg-Radweg ausgeschildert und führt auf alten Bahntrassen aus dem Ruhrtal heraus durch den Kückelheimer Fledermaus-Tunnel hinab ins Lennetal. Ab Finnentrop geht es die Bigge aufwärts und am Biggesee vorbei über Olpe und Freudenberg nach Kirchen (Sieg). Hier endet der Radausflugsführer – weiter fährt man entlang der Sieg bis zum Rhein.

Alternativ zweigt man in Olpe ab in Richtung Drolshagen/Marienheide und gelangt auf das Bergische Bahntrassennetz (auch hierzu ist ein ADFC-Radausflugsführer erhältlich). Dem Bergischen Panorama-Radweg folgend lässt sich über die Wuppertaler Nordbahntrasse bei Hattingen die Ruhr erreichen oder alternativ über den Panorama-Radweg Niederbergbahn in Essen-Kettwig. In Richtung Rhein zweigt südlich von Remscheid-Lennep die Balkantrasse nach Opladen ab.

In den ADFC-Radausflugsführern finden sich dazu auch die passenden Bett+Bike-Betriebe, im Sauerland sind das sowohl einige Jugendherbergen als auch Hotels unterschiedlicher Preisklassen.


Anmerkung: Vorsicht beim Kauf der ADFC-Regionalkarte Sauerland – vereinzelt können noch Restexemplare der zweiten Auflage im Handel sein!

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Über Martin Isbruch

Ganzjahres-Alltagsradfahrer mit Präferenz für intelligentes Verknüpfen der Verkehrsmittel (Rad, Pedelec, Faltrad, ÖPNV und gelegentlich auch schon mal MIV). Aktiv für ein zeitgemäßeres Fahrradklima als Vorstandsmitglied im ADFC NRW und als 1. Vorsitzender des ADFC Märkischer Kreis.
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19 Kommentare zu Knoten knüpfen im Sauerland: Neue Ausschilderung im Land der tausend Berge

  1. avatar Norbert Paul sagt:

    Warum führt man jetzt noch ein neues System ein, bevor das eine funktioniert (Ich meine die rot-weißen Radverkehrswegweiser, bei denen es bis heute in Dortmund weder in der Verwaltung ein Verantwortungsbewusst sein für gibt wie für die allg. Wegweisung noch eine nutzbare Beschilderung).

    • avatar Martin Isbruch sagt:

      Einfache – und hochgradig überspitzte – Antwort: Weil man Zuschüsse dafür absahnen konnte.

      Ausführlichere Antwort: Ein unfähige Dortmunder Stadtverwaltung ist kein Zeichen dafür, ob ein System allgemein funktioniert. Ja, es gibt solche Städte. Und es ist unsere Aufgabe lokal vor Ort diese jeweils zu treten, dass die NRW-Radverkehrswegweisung in gutem Zustand ist und bleibt.

      Die Knotenpunktsysteme setzen auf den NRW-Radverkehrswegweisern auf. Oben auf den Mast kommt ein Hütchen mit der großen Nummer, an die Pfeilwegweiser kommen Einschübe (ähnlich derer bei Radrouten) mit den Nummern der zu erreichenden nächsten Knotenpunkte.

      Letztendlich ist das NRW-Radverkehrsnetz eher auf den Alltagsverkehr abgestimmt. Die Knotenpunktwegweisung soll vor allem den Radtourismus ansprechen. Daher sind auch längst nicht alle Kreuzungspunkte des ausgeschilderten Netzes auch als Knotenpunkt ausgewiesen, sondern nur diejenigen, die touristisch interessante Wege verknüpfen. Für TouristInnen ist das Fahren nach Ortsnamen enorm lästig, da sie sich lokal/regional i. d. R. nicht auskennen. Wenn sie aber nicht gerade einer ausgeschilderten Radroute (Logo!) folgen können, erscheint das Knotenpunktsystem als hilfreich.

      Übrigens werden die Knotenpunktsysteme in naher Zukunft in den NRW-Radroutenplaner integriert. Dann braucht man keinen Kartenausdruck mehr – es reicht ein einkaufszettelgroßer Spickzettel mit der Abfolge der Knotenpunkte.

  2. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Das eine System schließt das andere nicht aus.

    Das konventionelle Wegweisungssystem im Radverkehrsnetz NRW mit seinen kommunalen Ergänzungen habe ich in verschiedenen Regionen des Landes gut nutzen können. Grobe Kenntnis der Gegend und/oder Übersichtskarte reichten aus, um voran zu kommen und auch auch in vermeintlich bekannten Gegenden noch interessante Strecken kennen zu lernen. Gleiches habe ich mit vergleichbarer Wegweisung auch in anderen Bundesländern erlebt. Wenn Streckenauswahl oder Zustand der Beschilderung in einzelnen Städten ganz oder teilweise nicht gut sind, ist das natürlich ärgerlich, aber kein grundsätzlicher Systemfehler, der sich nicht beheben ließe.

    Das Knotenpunktsystem kommt denjenigen entgegen, die sich in der Gegend gar nicht auskennen oder auch keine Karten haben oder sich eigene (Rund-)Strecken basteln wollen, auf denen sie die Ortschaften vielfach nicht anfahren. Ein vorheriger Blick auf einen Routenplaner oder eine geeignete Karte und ein Spickzettel (oder ein gutes Zahlengedächtnis ;-)) reichen.

    Auch in den Niederlanden existieren beide Systeme parallel und ergänzen sich gut.

  3. avatar Norbert Paul sagt:

    Danke für eure Antworten. Weder im Ruhrgebiet, noch in Baden-Würtemberg konnte ich bisher überzeugende Erfahrungen mit der Wegweisung machen – für mich gehört dazu, dass man sie ohne Ortskenntnis und Karten nutzen kann, wie bei der Kfz-Wegweisung auch.

    • avatar Thorsten Boehm sagt:

      Kann man doch! Wenn ich von grober Ortskenntnis schrieb, dann heißt das, eine Ahnung davon zu haben, in welchen Ort man möchte und welche Orte auf dem Weg dorthin liegen könnten. Das ist bei der allgemeinen („Kfz-“)Wegweisung gar nicht anders. Oder ist München bereits in Dortmund ausgeschildert? Und haben Autofahrer nicht auch Hilfsmittel (Navi, früher: Generalkarten/Straßenatlas) bei sich, wenn sie eine unbekannte Strecke in Angriff nehmen?

      • avatar Norbert Paul sagt:

        Das sehen wir wohl ähnlich. Nur das geht mit dem Rad mit der Kfz-Beschilderung im Ruhrgebiet deutlich besser als mit der Radfahrer ins Nirgendswo-Schick-Beschilderung.

        • avatar Jens2 sagt:

          Nur das geht mit dem Rad mit der Kfz-Beschilderung im Ruhrgebiet deutlich besser als mit der Radfahrer ins Nirgendswo-Schick-Beschilderung.

          Da kann ich Nobert nur zustimmen. In den Bereichen von NRW, in denen ich diesen roten Wegweisern schon gefolgt bin, schwankt deren Qualität zwischen schlecht und katastrophal. Aberwitzige Wegführungen, verkehrswidrige Wegweisungen, Wege, die im Nichts enden – die Palette der Mängel ist lang.

          Zum Vergleich: Ich bin auch einmal in Hessen den Lahn-Radweg gefahren. Das ging erstaunlich gut. Obwohl ich aus Versehen mein GPS-Gerät zu Hause vergessen hatte, konnte ich mit den Schildern und der Erinnerung an meine Routenplanung fast immer dem Weg folgen (2 bis 3 mal habe ich mich dann doch verfahren). Jedenfalls schon einmal deutlich besser als alles was ich aus NRW kenne. So war es dann übrigens auch bei dieser Reise: kaum in Bad Laasphe (an der Grenze von NRW) angekommen nahm das Unheil wieder seinen Lauf und die Beschilderung war wieder so schlecht, dass man sich einfach verfahren muss. Da half dann man Ende nur noch Google Maps auf dem Handy und Fahren auf Hauptstraßen. Zum Glück war es bis zur Lahnquelle dann aber nicht mehr weit.

          Nun will ich nicht behaupten, dass in Hessen alles super wäre (Negativbeispiel: Wo ist hier der Radwegweiser versteckt? Wem dieses Suchspiel zu schwierig ist, kann auch die vereinfachte Variante wählen), aber immerhin gibt es dort schon einmal in regelmäßigen Abständen Wegweiser, an deren Ausbleiben man erkennen kann, wenn man nicht mehr auf dem richtigen Weg ist. Das ist beim NRW-System ein absolutes Manko, da kommt manchmal kilometerweit nichts und man denkt, man wäre falsch, dabei ist man richtig. Ebenfalls deutlich besser gelöst war das (jedenfalls am Lahn-Radweg) in Hessen zwischen Gießen und Marburg mit auf den Asphalt gemalten Pfeilen und Kürzeln (“GI”, “MR”), die einem an den dortigen Zickzackwegen weiterhelfen, wo man bei Schildern auch schon Schwierigkeiten hätte zu erkennen, für Radfahrer aus welcher Richtung die jetzt gelten sollen. Da hat man jedenfalls das Gefühl, dass die Beschilderung auch einmal an Auswärtigen erprobt wurde, die den Weg nicht von vorneherein kennen, während ich bei den roten Rad-Wegweisern in NRW oft genug glaube, die wurden von Leuten aufgehängt, die so betriebsblind sind, dass sie sich gar nicht vorstellen können, warum man diese Art von Ausschilderung eher hinderlich als nützlich findet.

          • avatar Norbert Paul sagt:

            Was, es gibt soetwas wie Markierungen auf dem Boden? Ich habe schon oft gedacht, dass das an vielen Stellen die optimale Lösung wäre. Falls jemand weiß, ob es davon Fotos im Web gibt … 🙂

            Ein zentrales Problem ist, dass man nicht ein gute Beschilderung bekommen will, sondern eine möglichst preiswerte, so dass man auf die absurde Idee kam, die Schilder müssten nicht nach einheitlichen Kriterien aufgestellt werden, sondern möglichst an irgend einen Pfosten, der schon da ist. Aus gutem Grund wird die allg. Ausschilderung nach einheitlichen Kriterien aufgestellt, damit das erfasst werden kann.

            Zum Bsp.: An der Stelle hätte ich – als suchgewohnter Mensch – nicht damit gerechnet …

            • avatar Jens2 sagt:

              Was, es gibt soetwas wie Markierungen auf dem Boden? Ich habe schon oft gedacht, dass das an vielen Stellen die optimale Lösung wäre. Falls jemand weiß, ob es davon Fotos im Web gibt …

              Im Gegensatz zu dem, was mir nicht gefallen hat, habe ich von der Wegweisung, die mir gefallen hat, leider keine Fotos gemacht. Ein klarer Fall von negativity bias. 😉

              Aber es waren wie gesagt weiße Markierungen mit Pfeilen und Städtekürzeln (sinngemäß “nach Gießen hier entlang!”), die auf den Asphalt gepinselt waren. Dabei handelte sich sich um Wege mit sehr wenig bis gar keinem Kfz-Verkehr, so dass diese Markierungen auch nicht schon nach kürzester Zeit durch Abrieb wieder unlesbar wurden.

  4. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Es ist ja unbestritten, dass es in NRW (wie anderswo auch) schlecht ausgewählte oder schlecht beschilderte Strecken gibt. Gerade das sind aber keine systemeigenen NRW-typischen Vorgaben, sondern es liegt an den handelnden Personen, wie das Ergebnis ausfällt. Und die sitzen nun mal nicht in einer einzigen Zentralbehörde, um landeseinheitlich zu entscheiden. Über Streckenwahl sowie Art und Standort der jeweiligen Wegweiser entscheiden in NRW die Kommunen. Landeseinheitlich sind die “Handreichungen zur wegweisenden Beschilderung”. Man muss sie nur mit Verstand anwenden …

    • avatar Jens2 sagt:

      Gerade das sind aber keine systemeigenen NRW-typischen Vorgaben, sondern es liegt an den handelnden Personen, wie das Ergebnis ausfällt.

      Da die Unterschiede in der Qualität der Beschilderung nach meiner Erfahrung aber durchaus gravierend sind, stellt sich mir dann aber doch die Frage, ob diesem Thema in NRW einfach keine Bedeutung beigemessen wird (etwas übertrieben ausgedrückt: Bleibt das in NRW als Aufgabe für die Nichtskönner in den Behörden liegen, während anderswo fähige Leute darauf angesetzt werden)? In jedem Fall gibt es offenbar keine übergeordnete Kontrollinstanz, die die Arbeit der Kommunen durch Befahren der Strecken einmal kritisch begutachtet und Verbesserungsbedarf anmeldet, denn allein schon die Diskrepanzen zwischen den in offiziellen Karten verzeichneten Wegen und den ausgeschilderten Routen sprechen oft genug Bände.

      Diesen Sommer werde ich voraussichtlich auch in Baden-Württemberg und Bayern mit dem Rad auf ausgeschilderten Radrouten unterwegs sein. Da werde ich mal die Augen offenhalten, wie es dort so ist mit der Beschilderung. Den BW-Radroutenplaner habe ich jedenfalls schon mal als deutlich schlechter als den NRW-Radroutenplanar kennengelernt.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Das Grundnetz war doch eine Landesinitiative, oder nicht?

  5. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Vielleicht helfen ein paar Infos, um das Wegweisungssystem, seinen Anlass und seine örtlichen Mängel zu verstehen:

    Vor Jahren gab es in NRW das Netz der R-Wege, eine Initiative der Landschaftsverbände. Nachteile: Die Routen sparten vielfach Ortschaften und Bahnhöfe aus; meist Plaketten-Wegweisung ohne Ziel- und Entfernungsangaben, daher nur mit Begleitliteratur zu verstehen; die Baulastträger (überwiegend Kommunen) waren nicht verpflichtet, die Wegweisung zu pflegen. Nach einiger Zeit war die Wegweisung – sofern sie überhaupt mal vollständig war – nur noch rudimentär vorhanden. Anschlüsse an Kreisgrenzen fehlten.

    Um diesem Mangel zu begegnen, wurde das Radverkehrsnetz NRW konzipiert und 2001 eingeweiht: Ein Streckennetz zur Verbindung von Städten/Gemeinden mit überörtlicher Bedeutung; Qualitätsanforderungen an die auszuwählenden Strecken (Oberfläche, soziale Sicherheit); Haupt-Wegweiser mit Fernziel-/Nahziel- und Entfernungsangaben an Verzweigungspunkten; verschiedene Typen von Zwischenwegweisern zur Bestätigung bzw. als Abbiegehinweis; Kataster als Basis einer systematischen Pflege und Umsetzung in einen Routenplaner, Möglichkeit zielgerichteter Nutzerhinweise, straßenverkehrsrechtliche Anordnung der Wegweisung, damit auch Pflegeverpflichtung für die Baulastträger.

    Die Kosten der Erstausstattung mit Wegweisern übernahm das Land, ebenso den Betrieb von Kataster und Routenplaner. Die Auswahl der Strecken lag wegen ihrer Ortskunde und der Möglichkeit, ortsansässige Bürger einzubeziehen, bei den Kommunen. Außerdem spielt eine Rolle, dass Baulast und straßenverkehrsrechtliche Anordnungsbefugnis für die fraglichen Strecken überwiegend bei den Kommunen liegen.

    Da dieses NRW-weite Grundnetz schon aus finanziellen Gründen nicht jedes Dorf und jeden Stadtteil umfassen sollte, gab es den ausdrücklichen Appell an die Kommunen, es mit gleichartig beschilderten kommunalen Netzen zu ergänzen bzw. die bisherigen Strecken – falls nötig – bedürfnisgerecht zu modifizieren. Dafür gab und gibt es Fördergelder. Um eine möglichst gute Qualität der Streckenauswahl und Beschilderung herbeizuführen, gibt es umfangreiche Handreichungen, an denen sich die kommunalen Behörden orientieren sollen. Wenn sie das tun, kann eigentlich nicht so viel schief gehen.

    So weit, so gut.

    Leider waren schon beim Aufbau des Grundnetzes nicht alle Kommunen gleichermaßen engagiert. Dort, wo sie selbst keine Vorschläge für die konkrete Streckenführung machten, wurden die Strecken notgedrungenermaßen von ferne bestimmt. Manche Kommunen haben den Sinn des Ganzen überhaupt nicht verstanden und dunkle Waldwege u.ä. ausgewählt. Andere hingegen haben von vornherein potenzielle Nutzer ins Boot geholt und mit ihnen die Strecken abgestimmt. Wieder andere haben mit professioneller Hilfe die Netze in ihren Bereichen geplant bzw. später revidiert und ergänzt.

    NRW ist aber kein zentralistischer Staat, der den Kommunen vorschreiben kann, wie sie bei der Radroutenplanung im Detail zu entscheiden haben und wieviel Mühe und Geld sie dafür investieren sollen. Und es gibt wahrscheinlich niemanden, der später die Umsetzung kontrolliert und eventuelle Fördergelder zurückfordert – das wäre nicht zuletzt mit Gesichtsverlust für beide Seiten verbunden … Man setzt die Hoffnung darauf, dass von Nutzerseite Kritik und Anregungen kommen und dass die Kommunen den Nutzen eines guten Radverkehrsnetzes erkennen.

    Zu Details, die Jens2 anspricht:

    Ob eine weiß-rote Wegweisung zum Radverkehrsnetz NRW gehört oder zu einem kommunalen Radverkehrsnetz, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Allenfalls an den Service-Aufklebern am Schilderpfosten und im Kataster. Falls die Kommune ihre kommunale Netzerweiterung fürs Kataster gemeldet hat …

    „Offizielle Karten“ für das Radverkehrsnetz gibt es nicht. Diskrepanzen zwischen Radwanderkarten und der Wirklichkeit können dadurch verursacht werden, dass die Kartenredaktion nicht die aktuelle Streckenführung des Radverkehrsnetzes NRW und der kommunalen Radverkehrsnetze ermittelt hat. Oder dass deren Verläufe sich nach dem Erscheinen der Karte geändert haben. Die alten prospektartigen NRW-Übersichtskarten zum Radverkehrsnetz waren zum Fahren eh nicht gedacht und zeigten nur den geplanten Urzustand, nicht aber die späteren Änderungen.

    Die Beschilderung und Markierung eines einzigen Radwanderweges, idealerweise unter einheitlicher Regie geplant und durchgeführt, ist trivial im Vergleich zur flächendeckenden Radwegweisung für ein großes Bundesland. Vergleichbare Systeme in anderen Bundesländern waren zumindest für lange Zeit auf einzelne Kreise beschränkt.

    Der langen Rede kurzer Sinn:

    Die Qualität hängt immer von den handelnden Personen ab bzw. der politisch beeinflussten Personalausstattung der Behörden. Ich kenne einige Kreise, in denen die Routenführung und die Oberflächen der Strecken gut sind, die Wegweiser ausreichend häufig und gut erkennbar aufgestellt sind und die Zielwegweiser sinnvoll beschriftet. An der Grundidee kanns also nicht liegen, wenns hakt. In manchen Kommunen macht die Wegweisung erst deutlich, dass es dort überhaupt keine guten Strecken für den Radverkehr gibt, wo man sie bräuchte. Ich habe aber auch erlebt, dass dies der Anlass war, durch Umbau oder Neuanlage die Qualität zu verbessern. Dort war die Wegweisung und der Hinweis auf ein NRW-weites System ein kommunalpolitisches Druckmittel, um (Um-)Baumaßnahmen erst in Gang zu bringen. Und wiederum in anderen Kommunen spielt die Politik leider nicht mit, wenn es darum geht, eine Radverkehrs-Hauptroute auf einer eigentlich geeigneten Strecke einzurichten.

    Es hilft aber nichts, über ein vermeintlich schlechtes „System“ zu klagen. Man muss sich dort einmischen, wo die Entscheidungen getroffen werden.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Da ich an funktionierenden Beispielen interessiert bin: In welchen Kreisen sind die Beschilderungen für Ortsfremde nutzbar?

      • avatar Thorsten Boehm sagt:

        Sorry, war ein paar Tage weg …

        Funktionierende, mir vorher nicht bekannte Strecken habe ich als ortsfremder Nutzer “erfahren” in den Kreisen Lippe und Herford (bes. nach der Überarbeitung in beiden Kreisen), Höxter, Gütersloh, Warendorf, Minden-Lübbecke, Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis.

        Im HSK in Einzelfällen auf Strecken, die die ich hinsichtlich Führung und Oberfläche problematisch finde. Es war offensichtlich, dass man eine Verbindung ausweisen wollte, bei den Strecken aber nur zwischen Pest und Cholera wählen konnte. Ein Fall für Nachbesserungsbedarf in der Infrastruktur.

        Es gibt sicherlich weitere positive Beispiele, mit denen ich aber keine persönlichen Erfahrungen gemacht habe.

        • avatar Norbert Paul sagt:

          Danke! Alles leider nicht mit meiner Dauerkarte für den ÖPNV inkl. Fahhrad für eine Probefahrt zu erreichen.

  6. avatar Karsten Obrikat sagt:

    Sicherlich kann man überall hier und da etwas verbessern. Oftmals sind die Zwischenwegweiser ziemlich versteckt, bzw. dort, wo man sie nicht vermutet. Im Großen und Ganzen kann man sich aber schon recht gut nach den Schildern richten. Es sind vielleicht nicht immer die ökonomischten Strecken, aber bisher bin ich noch immer ans Ziel gelangt.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Oftmals sind die Zwischenwegweiser ziemlich versteckt, bzw. dort, wo man sie nicht vermutet.

      WENN sie denn da sind. In Dortmund fehlen andauernd Wegweiser. Manchmal kann man – wenn man darum weiß – erreichen, dass ein neuer kommt. Am Hauptbahnhof fehlte monate- oder jahrelang der Wegweiser (oder fehlt er noch immer?) z. B. Die Wegweisung zum Campus Süd endet 4 Kreuzungen vor dem Ziel. In die Gegenrichtung beginnt sie noch viel später.

      Es sind vielleicht nicht immer die ökonomischten Strecken, aber bisher bin ich noch immer ans Ziel gelangt.

      Es sind Kompromisse, das ist klar. Von mir aus fahre ich auch ein Umweg, wenn ich denn dann die Strecke finde. Im Ruhrgebiet verliere ich eigentlich immer die Wegweisung.

  7. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Die Wahl der Strecke ist ja auch oft eine Gratwanderung: Sie soll alltagstauglich sein, aber auch nicht so unattraktiv zu befahren, dass sie nur wenige nutzen wollen – und sich vielleicht noch veräppelt fühlen, wenn ihnen diese Strecke als „Radstrecke“ angeboten wird.

    Gibt es zwei Alternativen, von denen eine kürzer und z.B. auf Radweg entlang einer stark befahrenen Straße führt, und die andere etwas länger, aber ruhiger/weniger emissionsbelastet ist, dann können auch beide beschildert werden. Dann gibt es ergänzende Hinweise auf den Zielwegweisern, z.B. „über Bundesstraße Bxxx” bzw. mit Bäumchensymbol oder anderem Hinweis für die ruhigere Route. Das ist besonders dann sinnstiftend, wenn sich durch eine der Alternativrouten gleichzeitig eine weitere Verbindung (zu einem anderen Ort) im Netz ergibt.

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