Wie vermeidet man Dooring-Unfälle?

Dooring: Radfahrer fährt an parkenden Autos vorbei.

Radfahrer fährt an parkenden Autos vorbei.

Eine sehr häufige Unfallursache in der Stadt ist das sogenannte Dooring: Eine Autotür wird ohne zu Schauen geöffnet und ein Radfahrer fährt ungebremst in den spitzen Teil der Tür. Am Neusser Wall in Köln gab es heute mal wieder einen solchen Unfall mit einem parkenden Auto. Eine Radfahrerin wurde von einer öffnenden Autotür schwerverletzt.

Die Verantwortung für den konkreten Unfall liegt natürlich in fast allen Fällen allein beim Autofahrer (oder Beifahrer). Aber zur Vermeidung von Dooring-Unfällen gibt es auch wichtige Tipps für Radfahrer und Forderungen an die Kölner Behörden.

Radfahrer sollten insbesondere bei parkenden Autos immer in der Mitte der gemeinsam mit den Kraftfahrzeugen genutzten Fahrspur fahren. Bei vorhandenen Schutzstreifen, ist dieser am besten möglichst weit links zu nutzen. Das Rechtsfahrgebot der StVO gilt selbstverständlich auch für Radfahrer. Aber man muss nicht so weit rechts fahren, dass man sich selbst in Gefahr bringt. Das Fahren in der Mitte Spur vermeidet Dooring und zeigt dem Autofahrer ebenso, dass ein enges Überholen innerhalb der Fahrspur nicht sicher und damit nicht möglich ist.

Das mittige Fahren mag gewöhnungsbedürftig sein, hupende Autos muss man ggf. auch einmal aushalten. Dies ist immer noch besser als zu verunfallen. Aber auch bei einer selbstbewussten, mittigen Fahrweise ist eine erhöhte Aufmerksamkeit bei parkenden Fahrzeugen immer wichtig.

Dooring: Unachtsam von Autofahrern geöffnete Autotüren können zu schweren Verletzungen führen.

Unachtsam von Autofahrern geöffnete Autotüren können zu schweren Verletzungen führen.

Autofahrer müssen immer und ohne Ausnahme vor dem Öffnen der Tür nach vorne und hinten schauen, ob ein Radfahrer kommt. Radfahrer können auch in Einbahnstraßen aus beiden Richtungen kommen. Ein “Übersehen” von Radfahrern gibt es entgegen vieler Presseberichte eigentlich nicht. Ebenso gehört es zur Pflicht eines jeden Autofahrers, Beifahrer und andere Mitfahrer dazu aufzufordern, nach dem Verkehr zu schauen.

Die Stadt Köln muss endlich den Parkraum reduzieren. Insbesondere die Kölner Wälle sollten endlich von parkenden Fahrzeugen befreit werden. Radspuren sollten mit deutlichem Abstand zu den parkenden Fahrzeugen angeordnet werden. Die beste Position für Radspuren ist die Mitte der Fahrspur. Die Stadt Köln orientiert sich hier derzeit an den absolut unzureichenden Mindestmaßen der Baurichtlinien bzgl. Breiten und Abständen von Radspuren. Die derzeitigen Radspuren in Köln markieren eigentlich genau den Bereich, in dem Radfahrer NICHT sicher sind.

Die Polizei NRW Köln muss endlich in Pressemitteilungen die Bürger dazu auffordern, vor dem Öffnen der Tür nach Radfahrern zu schauen. Eine Informationskampagne zu Abständen (Radfahrer zu parkenden Autos, überholende Autofahrer zu Radfahrern) ist ebenso schon lange überfällig.

Wir wünschen der heute schwer verletzen Radfahrerin alles Gute und hoffen, dass sie schnell wieder gesund wird!

POL-K: 150514-3-K Radfahrerin (45) bei Unfall in der Innenstadt schwer verletzt
Kölner Stadtanzeiger: Radfahrerin schwer verletzt durch parkendes Auto

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Über Christoph Schmidt

Ich bin seit einiger Zeit radverkehrspolitisch in Köln tätig und kam über die Critical Mass Köln und das Thema Radverkehr zum ADFC Köln. Dort bin ich Vorsitzender des Kreisverbands mit gut 3.000 Mitgliedern. Neben dem ADFC-Blog schreibe ich auch für unsere Zeitschrift fahrRAD! und die Sozialen Medien unseres Kreisverbands. Im Berufsleben bin ich IT-Unternehmer und dort fast ausschließlich mit Bahn und Rad unterwegs.
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11 Antworten zu Wie vermeidet man Dooring-Unfälle?

  1. avatar Philipp R. sagt:

    Sehr anschauliche Bilder hast du da! Würde es dir etwas ausmachen wenn ich die benutze?
    Gruß Philipp

  2. avatar Sabine sagt:

    Aus Erfahrung fahre ich nicht mehr mittig, sondern so weit links auf der Radspur wie möglich. Das durfte ich kürzlich in Bonn auf der Kennedyallee (wo die Radspur z.T. notorisch zugeparkt wird) mit einem Polizisten diskutieren, der mir zugestimmt hat. Es ist keineswegs ein Verstoß, wenn man soweit weg von parkenden PKWs wie möglich fährt.

    • Du hast absolut recht, Sabine. Im Fall einer Radspur solltest Du äußerst links auf der Radspur fahren. Ggf. sogar etwas außerhalb, wenn beispielsweise SUVs rechts parken. Wenn aber KEINE Radspur vorhanden ist, dann solltest Du in der Mitte der normalen Fahrspur fahren. Das war gemeint. Ich habe das im Text etwas ausgebaut. Danke für den Hinweis!

  3. avatar Thorsten BoehmBoehm sagt:

    Beim Begriff „Radspur“ würde ich noch einmal unterscheiden:

    Schutzstreifen (unterbrochener Strich) sind Teil der Fahrbahn. Grundsätzlich ist hier alles (zumindest rechtlich) so, als sei gar keine Markierung vorhanden. Das heißt, man darf ohne weiteres weiter links (und damit evtl. auch links vom Schutzstreifen) fahren, wenn von rechts Gefahr droht. Denn niemand ist verpflichtet, so zu fahren, dass er/sie sich in eine offensichtliche Gefahr begibt. Hingegen sollen alle vorausschauend fahren, um gefährliche Situationen von vornherein zu vermeiden.

    Radfahrstreifen (durchgezogener Strich) sind benutzungspflichtige Sonderwege. Ihre Mindest- und Regelbreiten sind deswegen größer. Verstöße gegen die Benutzungspflicht sind aber ordnungsrechtlich nicht vorwerfbar, wenn der Sonderweg faktisch nicht befahrbar ist (z.B. wegen Glatteis, Scherbenhaufen, Baustelle) oder wenn akute Gefahr drohen würde (Autotüren – besonders, wenn mal jemand zu weit links geparkt hat). Denn niemand … (siehe oben).

    Der Radfahrstreifen im Bildbeispiel ist völliger Murks und steht nicht im Einklang mit den technischen Regelwerken: Er ist zu schmal und es fehlt der Sicherheitstrennstreifen (0,5 bis 0,75 m bei Längsparken).

    • Ich verwende hier bewusst eine vereinfachte Darstellung, da ich versuche, den einfachen Auto- und Radfahrer mit den Artikeln zu erreichen. Und der glaubt immer noch, dass Radfahrer äußerst rechts, möglichst in der Regengosse fahren müssen und Abstände nur den Verkehrsfluss behindern… Deine Punkte sind natürlich alle valide und richtig. Danke für die Ergänzung!

      Der Radfahrstreifen ist ein Bild aus der Wikipedia und mutmaßlich nicht einmal aus Deutschland. Die Maße im Bild entsprechen aber leider durchaus der Kölner Realität, die sich nicht um die ERA kümmert. Ich habe die beiden Bilder gewählt, weil sie das Dooring sehr anschaulich darstellen. Es fehlt ggf. ein Bild 3: “Radfahrer fährt zur eigenen Sicherheit außerhalb des Streifens”. ;-)

      • avatar Thorsten Boehm sagt:

        Christoph Schmidt schrieb: „Ich verwende hier bewusst eine vereinfachte Darstellung, da ich versuche, den einfachen Auto- und Radfahrer mit den Artikeln zu erreichen. “

        Diesen Ansatz finde ich gut. Mir kam der Gedanke zu einer Unterscheidung anlässlich von Sabines Beitrag und Deiner Empfehlung, evt. sogar etwas links von der „Radspur“ zu fahren. Nach meiner Erfahrung fragen viele Interessierte immer gleich danach, ob man dies oder das denn auch darf. Leider ist es so, dass manchen eine (vermeintliche) Vorschrift für das Verhalten in kritischen Situationen subjektiv fast wichtiger ist als das angepasste, Gefahren vermeidende Reagieren.

        Während des Schreibens habe ich dann auch gemerkt, dass es für das Links-im-Streifen-Fahren oder gar Außerhalb-Fahren eigentlich keinen Unterschied macht, welche Art von Streifen vor einem liegt. Den Unterschied macht die konkrete Situation: Wie breit ist der Streifen und wie nah ist die Fahrertür?

        Dass Markierungen nicht immer intelligent und zur Situation passend eingesetzt werden, ist wohl leider so. Ich sehe die Regelwerke als Werkzeugkasten. Welches Werkzeug ich dann für welche Aufgabe nehme, muss ich mir gut überlegen. Zum Einschlagen von Bilderhaken hat sich der Vorschlaghammer auch nicht bewährt …

  4. avatar Roland Geißler sagt:

    Nicht die “sich” öffnende Tür führt zu schweren Verletzungen wie es im Titel des zweiten Bildes heißt, sind der die unachtsame Öffnung der Tür durch Autoinsassen. Die Tür kann nichts dafür.

    Ein Radfahr-Blog sollte m. E. solche verharmlosenden und Autoinsassen-aus-der-Verantwortung-nehmenden Formulierungen aus Polizeipressemeldungen nicht übernehmen.

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