Verkehrswende Teil 3 – Kommunale Radverkehrspolitik

Radverkehrsförderung findet primär auf lokaler Ebene statt. Hier werden die städtischen Straßen geplant, gebaut und unterhalten und Baugenehmigungen für Parkhäuser und Parkplätze erteilt. Die Kommunalpolitik bestimmt, in welche Richtung sich der Verkehr in einer Stadt entwickelt – mehr Autoverkehr oder mehr Radverkehr.

Entscheidet sich die Politik und Verwaltung für den Bau eines Parkhauses, so ist es nicht verwunderlich, wenn im Umfeld der Kraftfahrzeugverkehr zunimmt. Es ist dann attraktiver mit dem eigenen PKW in die Stadt zu fahren, da man die Garantie hat, einen Parkplatz zu finden. Wird hingegen eine attraktive Radverkehrsanlage errichtet, ist es eventuell schneller und komfortabler das eigene Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen zu nutzen.

Auf Basis des städtischen Etats für den Radverkehr lässt gut die Wichtigkeit dieser Form der Mobilität bei der kommunalen Verkehrspolitik ablesen. Hier ein paar Beispiele aus den Niederlanden. Die Zahlen sind leider schon ein wenig veraltet, zeigen aber dennoch deutlich, welchen Stellenwert das Fahrrad in den jeweiligen Städten hat:

 Stadt  Einwohner  Budget in Mio. Euro pro Jahr  Euro je Einwohner und Jahr
 Amsterdam  742.000  20 Mio. €  26,95 €/Jahr
 Nijmegen  159.000  2,5 Mio. €  15,66 €/Jahr
 Tilburg  200.000  2,8 Mio. €  13,98 €/Jahr

Quelle: Radfahren in den Niederlanden (Veröffentlichung: Ministerie van Verkeer en Waterstaat / Fietsberaad, 2009)

Gemäß dem Nationalen Radverkehrsplan des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahr 2012 soll der Finanzbedarf in deutschen Kommunen zwischen 13 und 19 € pro Einwohner und Jahr* für liegen (Seite 63).

Nennt mir bitte eine deutsche Stadt, die auch nur annähernd diese Summen für den Radverkehr aufbringt. Mir ist keine einzige bekannt. Hier ein paar Negativbeispiele:

Stadt Einwohner Budget in Mio. Euro pro Jahr Euro je Einwohner und Jahr
Aachen 251.000 0,75 Mio. € (2014) – 0,32 Mio. € (2015) 2,99 – 1,25 €/J
Berlin 3.400.000 4,8 Mio. € (2013) 1,40 €/J
Köln 1.034.000 ~ 2,0 Mio. € (2013?) < 2,00 €/J

Quellen:
Investitionen in den Radverkehr in Aachen – PM zur AGFS-Verlängerung, Seite 4 mittlerer Abschnitt – ADFC Aachen
Investitionen in den Radverkehr in Berlin – Reden ist Plastik, handeln ist Gold – ADFC Berlin
Investitionen in den Radverkehr in Köln – Fehlende Investitionen in die Infrastruktur – ADFC Köln

* = Finanzbedarf für: Infrastruktur (Um-/Neubau und Erhaltung) + Infrastruktur (betriebliche Unterhaltung) + Abstellanlagen + nicht investive Maßnahmen (u.a. Kommunikation) + weitere Maßnahmen (Fahrradverleihsystem, Fahrradstation)

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Über Norbert Rath

Das Fahrrad ist meine Leidenschaft! Egal ob im Alltag oder in der Freizeit mit dem Rennrad, Mountainbike und Reiserad - auf zwei Rädern macht es einfach mehr Spaß sich zu bewegen. Seit mehreren Jahren engagiere ich mich im ADFC Aachen um die Bedingungen für den Radverkehr in der Region zu verbessern.
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2 Kommentare zu Verkehrswende Teil 3 – Kommunale Radverkehrspolitik

  1. avatar Norbert Rath sagt:

    Die Kommentarfunktion ist wieder verfügbar! War aus unerklärlichen Gründen deaktiviert.

  2. avatar Daniel sagt:

    In diesem Artikel finden sich fast unglaubliche Zahlen für Frankfurt und Heidelberg in den Jahren 2011/2012:

    Frankfurt: 14 Euro
    Heidelberg: 26 Euro

    http://www.badische-zeitung.de/freiburg/knappe-investitionen-fuers-radkonzept-bremsen-die-planung–68240962.html

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