10-Punkte-Plan für den Radverkehr an den Kölner Ringen

Pressemitteilung von ADFC Köln und VCD Köln vom 3. November 2015

Bereits seit zwei Jahrzehnten engagieren sich die Kölner Radverkehrsverbände für eine Verbesserung der Situation an den Kölner Ringen. Aber leider sind wir seit der ersten großen Demo im Mai 1993 kaum vorangekommen. Noch immer dominiert das Automobil mit bis zu sechs exklusiven Spuren zum Fahren und Parken unseren städtischen Boulevard, während Fußgänger, Radfahrer und Gastronomie auf engsten Raum gequetscht werden.

Die im Gesetz festgelegte Frist zur Aufhebung des Radwegzwangs lief am 3. Oktober 1998 ab. Behält die Verwaltung ihr Tempo bei, werden nicht einmal unsere Kinder die Umsetzung erleben. Von den demokratischen Fraktionen Kölns ging daher letzte Woche ein starkes Signal aus. Die Verwaltung wurde dazu aufgefordert, die StVO-Novelle 1997 in Köln endlich unverzüglich umzusetzen.

Christoph Schmidt, Radverkehrssprecher des ADFC Köln, erklärt: „Der Gesetzgeber knüpft die Einrichtung einer Radwegbenutzungspflicht klar an zwei Kriterien, die an den Ringen beide nicht erfüllt sind. Weder entspricht der Radweg dort den Baurichtlinien noch liegt an den Ringen eine Gefährdung des Radfahrers über das normale Maß hinaus vor. Eine Freigabe der Ringe muss somit sofort erfolgen.“

Reinhold Goss, Initiator der Petition #RingFrei: „Wir haben in den letzten Wochen festgestellt, dass unter allen Verkehrsteilnehmern eine gewisse Unsicherheit herrscht. Viele Radfahrer fahren bereits heute gern auf der Fahrbahn, andere können sich das überhaupt nicht vorstellen. Daher haben wir uns in der vergangen Woche mit Radfahrern aus verschiedensten Gruppen von Eltern über Studenten bis zum Radrennfahrer in einer offenen Diskussionsrunde getroffen. Nach kontroverser Diskussion haben wir einen 10-Punkte-Plan erarbeitet, der die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer an den Ringen abdecken soll.“

Der vom ADFC und VCD unterstützte Plan sieht vor, dem Radverkehr und dem Kfz-Verkehr jeweils eine eigene vollständige Fahrspur zu widmen und die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu begrenzen. Es ist darüber hinaus die Einrichtung von großzügigen, aber streng kontrollierten Lieferzonen angedacht, um das Parken in zweiter Reihe zu eliminieren und den Lieferverkehr zu vereinfachen.

„Der 10-Punkte-Plan ermöglicht allen Radfahrern von 8 bis 80 Jahren das sichere Fahren auf der Straße.“ erläutert Hans-Georg Kleinmann vom VCD Köln. „Durch den Abbau des alten Radwegs bekommen aber auch die Fußgänger eine Flaniermeile mit großzügiger Außengastronomie nach Pariser und Wiener Vorbildern, wie es Albert Speers Masterplan für die Stadt Köln bereits vorsieht.“

10-Punkte-Plan der Initiative #RingFrei

Initiative Ring Frei

1. Die Aufhebung der Benutzungspflicht an den Kölner Ringen muss sofort und ohne weitere Verzögerung umgesetzt werden. Dazu sind zunächst außer dem Entfernen der Schilder (in der Regel VZ237) keine weiteren Maßnahmen erforderlich.

2. Es soll auf allen Spuren und in voller Länge der Ringe Tempo 30 gelten. Tempo 50 oder ein 30/50 Mix sind inakzeptabel.

3. Es wird eine verständliche, durchgängige und einheitliche Radverkehrsführung über die gesamten Ringe benötigt.

4. Es soll eine volle Fahrspur (3,75 m Breite) pro Richtung für den Radverkehr bereitgestellt werden. Auch an Engstellen müssen netto mind. 2,75 m Breite zur Verfügung stehen.

5. Die Radspur benötigt eine deutliche Markierung. Der bisherige Kölner Standard reicht hier nicht aus.

6. Die Schaltung der Lichtsignalanlagen muss für den Radverkehr optimiert werden. Eine grüne Welle ist erstrebenswert.

7. Ein vollständiger Rückbau der alten Radwege ist erforderlich. Der Platz soll dem Fußverkehr sowie einer erweiterten Gastronomie und unkommerziellen Sitzbereichen zur Verfügung gestellt werden.

8. Die Parkplätze an den Ringen sollen in großzügige Ladezonen sowie in Taxistände und Fahrradparkplätze umgewandelt werden. Parkraum für den MIV steht in den umliegenden Parkhäusern ausreichend zur Verfügung.

9. Es wird vor allem in der Anfangszeit eine intensive Kontrolle, sowohl der Ladezonen als auch des Haltens und Parkens in zweiter Reihe, durch das Ordnungsamt erforderlich sein.

10. Die Veränderung muss von einer breit angelegten Kampagne „Radfahren ist Verkehr“ begleitet werden.

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Hintergrund:

Die Initiative #RingFrei wurde von Kölner Radfahrern gestartet, um die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht an den Kölner Ringen zu erreichen. Ziel ist es, an den Ringen die seit 1998 deutschlandweit geltende Gesetzeslage endlich umzusetzen, nach der eine Benutzungspflicht nur bei einer besonderen Gefahrenlage ausgewiesen werden darf. Dazu haben sie eine vom ADFC Köln unterstützte Online-Petition gestartet, die bereits über 1.800 Bürger unterzeichnet haben.

Der hier vorgestellte 10-Punkte-Plan wurde am 26. Oktober 2015 in einer offenen Diskussionsrunde von Rennradfahrern, Alltagsradlern, Studenten, Eltern, Senioren, Kommunalpolitikern, Unternehmern, Beamten und Angestellten gemeinsam erarbeitet. Der 10-Punkte-Plan ist der gemeinsame Konsens aus einer teils kontrovers geführten Debatte für eine gute Radverkehrsführung an den Kölner Ringen.

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Über Christoph Schmidt

Ich bin seit einiger Zeit radverkehrspolitisch in Köln tätig und bin im Vorstand des Kölner ADFC für das Thema Radverkehr zuständig. Neben dem ADFC-Blog schreibe ich auch für unsere Zeitschrift FahrRad! und betreue die Sozialen Medien unseres Kreisverbands. Außerdem bin ich ein großer Fan der Critical Mass Köln, bei der jeden letzten Freitag im Monat bis zu Tausend Radfahrende durch unsere Stadt fahren. Im Hauptberuf bin ich IT-Unternehmer und dort fast ausschließlich mit Bahn und Rad unterwegs.
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16 Kommentare zu 10-Punkte-Plan für den Radverkehr an den Kölner Ringen

  1. avatar Michael HA sagt:

    Hintergrund der Aktion “Ring frei” war doch die hohe Zahl der Rechtsabbieger-Unfälle, insbesondere mit LKW. Die Ursache hierzu ist, dass der rechtsabbiegende KFZ-Verkehr gleichzeitig mit dem geradeaus fahrenden Radverkehr Grün hat und sich die Wege gefährlich kreuzen.

    Merkwürdig ist, das dieser Aspekt in den 10 Punkten nicht mehr auftaucht, da es diesen Effekt auch bei einer breiten Radspur weiterhin geben wird.
    Daher ist Punkt 11 zwingend geboten: Getrennte Ampelschaltungen für rechtsabbiegende KFZ und geradeausfahrende Radfahrer!

    • Das Anliegen ist Punkt 6 enthalten. Optimierung der LSA beinhaltet an allererster Stelle die vorgelagerte Signalisierung für den Radverkehr. Das ist Bedingung.

      Die Ergänzung einer grünen Welle ist darüber hinaus ein Wunsch.

      • avatar Michael HA sagt:

        Ein geringfügig früheres Grün für Radfahrer ist keine getrennte Schaltung. Da die meisten Unfälle im letzten Drittel der Grünphase passieren, bringt das nicht viel. Wenn es nicht explizit unter Punkt 6 steht, bekommt ihr das auch nicht.

        • Woher die Info mir dem letzten Drittel der Grünphase? Dazu hätte ich gern einmal Literatur gelesen.

          • avatar Michael HA sagt:

            Die Info zur Grünphase habe ich aus einer Untersuchung zu Rechtsabiegeunfälle. Ich werde mein Archiv durchsuchen und die Quelle hier mitteilen, sobald ich sie gefunden habe.

          • avatar Andreas Domanski sagt:

            Vorab: Die Initiative ist großartig!
            Zu Punkt 6:
            Grüne Welle für Radfahrende: schwierig! Auf welche Geschwindigkeit soll sie denn ausgelegt werden?
            Zu der Problematik mit Rechtsabbiegeunfällen: Kritisch wird es doch immer bei dichtem Verkehr auf der Kfz-Abbiegespur mit stop and go, wenn sich die grüne Ampelphase dem Ende nähert. Autofahrende wollen in der Grünphase noch schnell abbiegen, geben Gas und – da kommt von hinten ein Fahrradfahrer, der ebenfalls noch zügig vor Grün-Ende geradeaus rüber fährt. Peng!
            In Krefeld gibt es viele Kreuzungen mit Grün-Vorlauf für Radfahrende. Das schützt die, die bei Grün losfahren, kann aber solche Unfälle am Ende der Grünphase nicht verhindern. An Unfallhäufungspunkten hat man dann die Grünphase der Radfahrenden früher enden lassen.
            Alternativvorschlag für den Ring: Habt ihr mal über eine Phase mit komplett Rot für Autoverkehr und komplett Grün für den Radverkehr in alle Richtungen nachgedacht? So etwas gibts in Holland: https://www.youtube.com/watch?v=roIeRZA5w54
            Ich drücke die Daumen für die Umsetzung des Plans!

            • avatar Jonas vK sagt:

              Die grüne Welle hat sich in Kopenhagen mit 20km/h (zwischen 7 bis 19 Uhr) bewährt. Die langsameren kommen dann ja ebenfalls durch viele Knotenpunkte in einem Rutsch. Warum alles neu erfinden?
              https://www.youtube.com/watch?v=6Kx1XZeFkXk
              Scheint nicht schwierig zu sein.
              Die Verwaltung entgegnete jedoch, durch den Fahrradbeauftragten Möllers bereits, dass auf Grund der technisch veralteten Ampeln in allen Fällen alles sehr lange dauert:
              “Wieso sind die Ampeln ein Problem?

              Das Problem ist die Einstellung der Räumzeit, also der Zeitraum, den die Verkehrsteilnehmer benötigen, um die Kreuzung zu räumen, bevor der kreuzende Verkehr grünes Licht erhält. Der ist beim Radfahrer größer als beim Pkw. Bei alten Ampelanlagen kann die Schaltung nicht verändert werden. „An diesen Stellen dürfen wir die Nutzungspflicht gar nicht aufheben“, sagt Möllers. […] … das Problem sind hier die Ampelanlagen. Die sind zur Hälfte veraltet. Der Austausch hat Priorität, dauert aber noch eineinhalb Jahre.
              Quelle: http://goo.gl/NEiLtj

              Ihr verlinktes Video aus Groningen zeigt eindrucksvoll, dass die meisten Ampeln nur wegen dem motorisierten Verkehr nötig sind. All Directions Green (ADG) würde auf den Ringen ebenfalls hervorragen funktionieren mit eigener Spur. Vermutlich müssten die alten Ampeln auch hier definitiv ausgetauscht werden.
              Es gibt viele unterschiedliche strukturelle Maßnahmen Abbiegeunfälle zu entschärfen.
              Die Ringe könnten mit überschaubaren finanziellen Mitteln ein Leuchtturm-Projekt für Köln sein.

          • avatar Michael HA sagt:

            Leider habe ich die konkrete Untersuchung zum letzten Drittel nicht mehr finden können. Es scheint jedoch so, dass 80% aller kritischen Interaktionen beim Rechtsabbiegen dann entstehen, wenn der Radfahrer bei der Ankunft bereits Grün hatte. Siehe: Abbiegeunfälle Pkw/Lkw und Fahrrad – GDV Forschungsbericht Nr. 21, Seite 28.

  2. avatar Norbert Paul sagt:

    Bitte 1:1 in Dortmund wiederholen.

  3. avatar Jan Borsky sagt:

    Als erfahrender Radfahrer in Köln (fahre seit der Schulzeit fast täglich Rad und bin jetzt 29) bin ich dagegen, dass der Radfahrer nun auch auf der Straße fahren soll. Autofahrer und Radfahrer beißen sich, es wird sogar noch mehr Unfälle geben meiner Meinung nach. Die jetzigen Radwege sollten erhalten bleiben und nicht entfernt werden (wie ich das Im Kölner Stadt Anzeiger las). Jedoch bin ich für weniger Autoparkplätze und allgemein für mehr Fahrradstellplätze. Außerdem sollte die Stadt Köln öfter die Radstationen von Fahrradleichen “säubern”.

    • Hallo Jan, die aktuelle Planung der Stadt Köln sieht einen Mischverkehr in der rechten Spur der Ringe vor. Wir wollen diese Spur – wie einen Radweg – exklusiv für den Radverkehr, getrennt von den Autos. Komm doch einfach am Montag 2. Mai um 19 Uhr in den ADFC, da diskutieren wir weiter, wie das genau gestaltet werden soll.

  4. avatar Petra sagt:

    TOP 6.5 der heutigen Sitzung des Verkehrsausschusses:
    Radwegbenutzungspflicht auf Kölner Radwegen

    hier: gemeinsame Anfrage der CDU-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der Fraktion Die Linke, der FDP-Fraktion, der Gruppe Die Piraten und der Gruppe Deine Freunde aus der Sitzung des Verkehrsausschusses vom 19.01.2016, TOP 1.1

    Die Antworten der Verwaltung:
    https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=58551&voselect=15401

    Zitat: “Nach den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung (StVO) soll ein baulicher Radweg in der Regel eine lichte Breite von mindestens 150 cm aufweisen. Dieses Maß wird an manchen Stellen zum Teil deutlich unterschritten. Allerdings begründet die vorhandene Beschilderung mit Zeichen 237 (Radweg), 240 (gemeinsamer Geh- und Radweg) oder 241 StVO (getrennter Rad- und Gehweg) eine Benutzungspflicht unabhängig von der baulichen Ausführung. Bis zu der angestrebten Entfernung der Beschilderung nach erfolgter Durchführung von verkehrstechnischen Maßnahmen zur Gewährleistung einer für Radfahrer sicheren Fahrbahnnutzung ist die Benutzungspflicht somit zu beachten.”

  5. avatar Fahrradtroll sagt:

    Der Punkt 4. spricht für ein ungewohnt hohes Maß an Realismus beim ADFC. Bravo!

    Es wäre schön, wenn der ADFC mittelfristig bundesweit zu der Einsicht gelangen würde, dass ein “zweispuriger” Radweg netto (!) so breit wie eine Autofahrspur sein muss und weniger als 2,5 m faktisch unbrauchbar ist.

    Eine Überarbeitung der ERA mit Hirn wäre außerdem angebracht, denn während Radwege für eine Richtung zu schmal sind, sehen die ERA unerklärlicherweise für Zweirichtungswege mal 2,5 und mal 3,0 Meter vor, je nachdem, ob diese Wege ein- oder beidseitig geführt sind, was nicht nachvollziehbar ist und auch keine Entsprechung anderswo auf der Welt findet.

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