Kleine Erfolge

Was man alles mit ein paar Mails erreichen kann …

Ab und zu fahre ich auch durch die Nachbarstadt Holzwickede. Dort wurde vor einiger Zeit die Gehwegbenutzungspflicht auf der Nord- und Hauptstraße aufgehoben und Gehwege mit “Radverkehr frei” ausgeschildert. – Bis auf zwei Streckenabschnitte.

Abschnitt 1: Hauptstraße zwischen Sölder Straße und Reuterstraße. In Fahrtrichtung Süden wird der Radverkehr von der Fahrbahn befehligt und muss sich den vorhandenen, ca. 650m langen Gehweg mit (zugegeben oft wenigen) Fußgängern teilen. Eigentlich eine schöne Passage, die durch Buschwerk baulich von der Fahrbahn getrennt ist. Jedoch verstößt dieses Benutzungspflicht gegen die Vorgaben, dass R2016-04-22 21.19.49adwege stetig und intuitiv zu befahren sein sollten. Außerdem wurde der Asphalt von den angrenzenden, flachwurzelnden Bäumen aufgebrochen, womit sich in einiger Zeit die Urologen über mehr Hämorrhoiden-Patienten erfreuen können. Nach diesem Abschnitt wird das Fahrbahnverbot wieder aufgehoben und man darf wieder auf der Fahrbahn fahren.

 

 

 

Abschnitt 2: Hauptstraße weiter in südliche Richtung. In Höhe Massener Straße wird der Radverkehr im Kreuzungsbereich auf den links2016-04-19 23.03.34seitigen Gehweg gezwungen, um ihn nach 460m wieder verlassen zu müssen und die teils stark befahrene Straße abermals ohne jegliche Radverkehrsführung zu queren.

 

 

 

 

Nun habe ich mich mal an die Stadt Holzwickede gewandt, welche mich an den zuständigen Mitarbeiter beim Kreis Unna verwies. Dabei erläuterte ich die Situationen und es stellte sich heraus, dass bereits im Jahre 2011 eine Anordnung zur Umschilderung des Abschnitts 2 besteht, vom Baulastträger aber nicht ausgeführt wurde. Im Falle des Abschnitts 1 wurde mir mitgeteilt, dass auf meine Eingaben hin jetzt eine straßenverkehrsrechtliche Anordnung zur Umschilderung erteilt wurde. Und somit werden wieder rund 1000 Meter Gehweg ohne Radwegbenutzungspflicht.

Um eines klar zu stellen: dieser Beitrag soll kein “phishing for compliments” sein. Vielmehr möchte ich verdeutlichen, wie wichtig die Kommunikation auch des einzelnen Bürgers mit den Ämtern der Städte und Kreise ist. Nur wer spricht, kann geholfen werden. Probiert es mal aus!

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Über Karsten Obrikat

Ich bin erst recht spät wieder auf das Radfahren zurück gekommen, indem ich einfach einmal aus Lust und Laune ausprobieren wollte, mit dem Fahrrad zur 13km entfernten Arbeitsstelle zu fahren. In den letzten Jahren ist aus diesem einem Mal gleich eine Weltanschauung geworden. Denn mittlerweile fahre ich jede Fahrt zur Arbeit mit dem Rad. Auch den Wocheneinkauf erledige ich mit Fahrrad (hier nehme ich dann das Pedelec) und Anhänger. Aber auch Radurlaube stehen mindestens ein mal im Jahr auf meinem Programm. Im Großen und Ganzen nimmt aber immer mehr die Arbeit im ADFC meine Freizeit ein. Sehr gerne engagiere ich mich hier z.B. als Tourenleiter, Schreiberling und als Strippenzieher hinter den Kulissen. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, die Bedingungen für Radfahrer im Alltag zu verbessern.
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6 Antworten zu Kleine Erfolge

  1. avatar Sarah sagt:

    Ich wüsste gern den Prozentsatz der Schilder, die von keinem Verwaltungsakt (mehr) gedeckt sind und trotzdem in der Landschaft herumstehen.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Einfach mal die Straßenverkehrsakten von ein paar Straßen (notfalls über Informationsfreiheitsgesetz besorgen) mit der Realität abgleichen … :-)

      • avatar Martin Isbruch sagt:

        Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass es häufig keine systematischen Verzeichnisse gibt. So zum Beispiel erlebt, wenn die Stadt “alle Radwegebenutzungspflichten”, “alle Drängelgitter”, “alle freigegebenen Einbahnstraßen” oder “alle durchgängigen Sackgassen” auflisten soll. Letztere interessieren mich momentan, weil auf vielen Sackgassenschilder der alte Zusatzaufkleber vom Sonnenlicht verblichen ist – aber es ist keine Liste zu bekommen.

        • avatar Norbert Paul sagt:

          Wenn die Behörde nicht mehr weiß, warum sie das Schild angeordnet hat, will sie damit logischerweise nichts mehr regeln und das Schild müsste – was die vermutlich dann machen – neu angeordnet werden. Bis dahin ist es Nicht-Akt aber trotzdem zu beachten …

          So wie du das willst müssen die das nicht aufschlüsseln, aber in der Akte jeder Straße muss was stehen, denke ich.

          • avatar Thorsten Boehm sagt:

            Die einzelnen Straßenakten wissen es schon, aber es gibt keine übergeordneten Informationsquellen, die eine schnelle Übersicht über die aktuellen rechtlichen oder baulichen Zustände erlauben. Oder es gibt Quellen (z.B. Existenz baulicher Radwege im Kataster), aber es gibt keine Bearbeiter/innen (z.B. in der Straßenverkehrsbehörde), die mit der speziellen Software die entsprechenden Informationen filtern können.

  2. avatar Norbert Paul sagt:

    Man neigt dazu, über das zu schreiben, was nicht funktioniert. Auch gibt es da schlicht mehr zu schreiben. Es ist aber wichtig, zu zeigen, dass man manchmal auch schnell etwas erreichen kann, wobei dass – so meine Erfahrung – zu großem Teil auch von dem zuständigen Mitarbeiter abhängig ist.

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