Radfahren im Märkischen Kreis – Potential wird unterschätzt

Gerne würde ich auch mal etwas positives zum Radverkehr schreiben, meist meckere ich ja nur herum.

Nagut, hier das Positive

Im Zuge einer für meinen Beruf erforderlichen Führerscheinverlängerung habe ich im Frühjahr 2014 das Bürgerbüro des MK in Iserlohn aufsuchen müssen. Selbstverständlich wähle ich für diese Art von Strecken (ca. 10km) das Fahrrad als Verkehrsmittel. Dort angekommen fand ich aber keinerlei Abstellanlage für Fahrräder vor. Also schrieb ich an den Kreis mit der Forderung, eine sichere Anlage zu installieren, an denen man das Fahrrad anschließen kann. Kurz das Positive: es wurde gehandelt.

Jetzt geht das Gemeckere los

Ganz innovative Abstellanlage – war es zumindest einmal im Jahre 1960 Foto: ©Märkischer Kreis

In diesem Jahr musste ich dort wieder vorstellig werden. Natürlich bin ich auch diesmal mit dem Rad hin. Eine Abstellanlage habe ich nicht gefunden, also wiederholte ich meine Eingabe von vor zwei Jahren.
Die Antwort meiner Mail erhielt ich recht kurzfristig. Darin teilte man mir mit, man hätte auf meine damalige Forderung reagiert und im Frühjahr 2015 eine Abstellanlage installiert. Zur Verdeutlichung wurden mir sogar Fotos mitgeschickt.

Kein Wunder, dass ich diese “Abstellanlage” übersehen habe, das mache ich nämlich gerne mit “Felgenquetschen”. Fährt im Kreishaus niemand Rad? Wer gibt denn bitteschön soetwas in Auftrag? Das einig Positive: das Parkplatzschild. Auch wenn der Platz mit Rasengittersteinen ausgelegt wurde: wer latscht denn schon gerne ins (nasse) Gras?

Der Ruhr-Lenne-Achter

Prima, wie schnell das von uns vorgeschlagene Projekt umgesetzt wurde. Dazu beigetragen

Symbol des Ruhr-Lenne-Achters

Symbol des Ruhr-Lenne-Achters

haben sicherlich die Fördergelder aus der “Regionale Südwestfalen 2013”. Für die, die den RLA noch nicht kennen: er verbindet auf vorhandenen Wegen Ruhr und Lenne und lädt mit einigen Bahntrassen und fluß- und bachnahen Radwegen zu einem Abstecher vom Ruhrtalradweg in die Iserlohner Provinz ein.
Ich habe bereits viel positive Resonanz vernehmen können. Allerdings wurde bei diesen Gesprächen auch eines deutlich: die Beschilderung ist verbesserungswürdig. Am 30. April wurde der RLA offiziell eröffnet, bisweilen fehlen aber an vielen prägnanten Stellen die offiziellen Wegweisungen. Daher sind bereits einige Radfahrer auf nicht schönen, weil viel vom Kfz befahrenen Strecken unterwegs.

Mehrmals haben wir die Ausschilderung angemahnt, aber nichts hat sich getan. Zum Wohle der Rad-Touris haben wir jetzt die fehlende Beschilderung in Eigenregie übernommen. Vorbild für mich war jene des ADFC in Wuppertal auf der

Hier der Abzweig, bei dem die Wegweisung gen "Durchstich" durch das Baarbachtal nach Iserlohn fehlt. Unten unser Provisorium.

Hier der Abzweig, bei dem die Wegweisung gen “Durchstich” durch das Baarbachtal nach Iserlohn fehlt. Unten unser Provisorium.

Nordbahntrasse.

Also lieber Märkischer Kreis,
anscheinend habt Ihr, im Gegensatz zu anderen Kreisen und Regionen noch nicht begriffen, dass der Radverkehr mittlerweile eine immer wichtigere Rolle spielt, sei es im touristischen Sinne oder im Alltag. Mit der mangelhaften Ausschilderung verärgert Ihr nur Radfahrer, die unter Umständen kein zweites Mal in unsere doch eigentlich sehenswerte Heimat zurückkommen werden. Auch auf outdooractive steht ein ganz anderer als Track zum Download als die offizielle Route führt. Der derzeitige Track ist eine der ersten Entwürfe. Somit verärgert Ihr auch die modernen, mit GPS ausgerüsteten Radfahrer. Man gewinnt den Eindruck, Ihr seid nicht wirklich an mehr Radverkehr und Tourismus im MK interessiert, dabei ist es bei uns wunderschön! Bitte legt in Zukunft ein bisschen mehr Eifer an den Tag.

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Über Karsten Obrikat

Ich bin erst recht spät wieder auf das Radfahren zurück gekommen, indem ich einfach einmal aus Lust und Laune ausprobieren wollte, mit dem Fahrrad zur 13km entfernten Arbeitsstelle zu fahren. In den letzten Jahren ist aus diesem einem Mal gleich eine Weltanschauung geworden. Denn mittlerweile fahre ich jede Fahrt zur Arbeit mit dem Rad. Auch den Wocheneinkauf erledige ich mit Fahrrad (hier nehme ich dann das Pedelec) und Anhänger. Aber auch Radurlaube stehen mindestens ein mal im Jahr auf meinem Programm.
Im Großen und Ganzen nimmt aber immer mehr die Arbeit im ADFC meine Freizeit ein. Sehr gerne engagiere ich mich hier z.B. als Tourenleiter, Schreiberling und als Strippenzieher hinter den Kulissen. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, die Bedingungen für Radfahrer im Alltag zu verbessern.

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4 Kommentare zu Radfahren im Märkischen Kreis – Potential wird unterschätzt

  1. avatar Norbert Paul sagt:

    Das mit den Beschilderungen ist aber auch anderswo ein Problem.

  2. avatar Markus MK sagt:

    DAS Kreishaus 1 hat so einen kellerartigen Teil eines Parkdecks und die Fahrradständer sehen da auch nicht viel besser aus. Für Verwaltungsmitarbeiter steht ein Fahrradkäfit zur Verfügung, der auch genutzt wird.
    Die Kulturstufe unserer Heimat ist nicht zu überschätzen. Aus Gesprächen habe ich z. B. erfahren, dass ein “E-Bike” sogar als Statussymbol taugt. “Pedelec” hingegen nicht. Die Ablehnung der Nutzung eines Pedelecs basiert darauf, dass es als umständlich angesehen wird, entsprechende Kleidung aus- und anzuziehen und es irgendwo anschließen zu müssen.
    Donnerstag war es schön warm auf dem Sonnendeck des verkehrstechnisch völlig abgeschiedenen Haus Nordhelle. O.k. in der Nähe gibt es Bürgerradwege, an deren mangelden Ausbau die Bürger sogar selbst Schuld sind 😉 Da brachte man unbedingt etwas Gegrilltes ohne vegane Option und jede Menge Krombacher.
    Wer war denn da mit dem Fahrrad??? 2030 ist doch nur eine Vision über die man nur redet und die Rentner kaum noch interessiert.
    https://suedwestfalen-agentur.com/netzwerk-interessenvertretung/suedwestfalen-forum/swf-forum-2016/

  3. avatar Daniel Schulte sagt:

    Ich schreibe als Außenstehender gerne was Positives zum Radfahren im Märkischen Kreis. Nur so animiert ja auch andere zum Radeln. Ich war dieses Jahr bereits zum fünften zum Radfahren im Märkischen Kreis. Die Winterradeltouren von Neuenrade durchs Hönnetal und das von Iserlohn über die Ruhrhöhen sind etablierte Veranstaltungen und immer wieder schön.

    2 mal hat es mich dann beruflich mit dem Rad nach Lüdenscheid und zur Durchreise nach Bonn verschlagen. Sehr gut gefielen mir die Anstiege von Nachrodt nach Wiblingwerde und durchs Nahmertal. Im Nahmertal ist kaum Autoverkehr. Lüdenscheid für Radler ist aber grenzwertig. Da haben wir an der Grenze vom Münsterland zum Ruhrgebiet natürlich mehr Raum zum Fahren.

    Der Kracher war am letzten Wochenende aber die P-Weg Veranstaltung in Plettenberg. Ganz Plettenberg ist wohl auf den Beinen. Über 1500 freiwillige Helfer samt Schützenvereinen und freiwilligen Feuerwehren sichern die Strecke ab. Die Stimmung ist einfach toll. Selbst ein Altenheim an der Strecke mutiert zu einem Fanpunkt. Beste Werbung fürs Radfahren im Allgemeinen und fürs sportliche Fahren im Besonderen. Wer sich das mal Angucken möchte, kann dies auf der Website vom P-Weg machen: http://www.p-weg.de/

    Viel Spaß beim Gucken und nachfahren. Ab Freitag gibt es ja wieder verträglichere Temperaturen zum Radfahren

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Fahrradevents inszenieren Radfahren als was Besonderes, dass man bei so einem Anlass macht. Das ist dann Freizeit. Entscheidend sind aber nicht die Sommerfreizeitradrouten sondern ein anderes Verkehrsverhalten im Alltag.

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