„Mit Abstand Überholen – 1,5 m für mehr Sicherheit von Radfahrenden“

Immer wieder kommt es in Aachen zu gefährlichen Situationen, wenn Radfahrende von Kraftfahrzeugen auf der Fahrbahn eng überholt werden. Das Fahrrad ist ein balancegesteuertes Fahrzeug, welches aufgrund von Straßenunebenheiten, Windeinwirkungen, Fahrgeschwindigkeit, Steigungen und der unterschiedlichen körperlichen Fitness der Radfahrenden unterschiedlich stark Schlangenlinien fährt. Um die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, ist ein ausreichender Abstand beim Überholen durch schneller fahrende Kraftfahrzeuge sehr wichtig, um schwerwiegende Unfälle zu vermeiden.

Aufgrund zahlreicher Unfälle mit Toten und Schwerverletzten in Deutschland wird der Gesetzgeber im Frühjahr 2020 im Rahmen der geplanten Novellierung der Straßenverkehrsordnung (StVO) vorbeugend den Überholabstand erstmalig gesetzlich vorschreiben. In der Vergangenheit wurde der Überholabstand nur durch die Rechtsprechung nach Unfällen definiert (mindestens 1,5 m). Zukünftig gilt innerorts generell ein Überholabstand von mindestens 1,5 m und außerorts ein Abstand von mindestens 2,0 m. Diese Abstände sind übrigens auch dann einzuhalten, wenn Radfahrende auf markierten Schutzstreifen oder Radfahrstreifen im Straßenraum fahren.

Um die erforderlichen Überholabstände von Kraftfahrzeugen gegenüber Radfahrenden der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, hat der ADFC Aachen mit Unterstützung der ASEAG (lokales Busunternehmen) einen Linienbus auf der Heckseite mit einer symbolhaften Darstellung eines Überholvorganges gestaltet. Der Bus soll für einen Zeitraum von 5 Monaten durch das Aachener Stadtgebiet fahren.

Foto: ASEAG
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Über Norbert Rath

Das Fahrrad ist meine Leidenschaft! Egal ob im Alltag oder in der Freizeit mit dem Rennrad, Mountainbike und Reiserad - auf zwei Rädern macht es einfach mehr Spaß sich zu bewegen. Seit mehreren Jahren engagiere ich mich im ADFC Aachen um die Bedingungen für den Radverkehr in der Region zu verbessern.
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5 Antworten zu „Mit Abstand Überholen – 1,5 m für mehr Sicherheit von Radfahrenden“

  1. avatar Markus Koßmann sagt:

    Hoffentlich denken auch die am Steuer dieses Fahrzeuges Befindlichen immer an die Bemalung am Heck

    • avatar Patrick Krüger sagt:

      Hallo,
      ich kann das nur unterstreichen.
      Es braucht noch mehr Kampagnen wie diese und wahrscheinlich auch mehr “Abstandsstraßenschilder” damit sich das in den Köpfen verfestigt. Ich fahre viel Rennrad und erlebe fast wöchentlich grenzwertige Situationen.

      Schöne Grüße aus Buchholz!
      Patrick

  2. Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

  3. avatar Daniel sagt:

    Bindet man am Fahrradträger eine 2m lange Schwimmnudel dann klappt mit Abstandhalter wunderbar :)

  4. avatar comparotf sagt:

    Im Buch ISBN 978-3-944101-07-1 (ja sogar in der Vorversion aus 2007 unter anderer ISBN) von Dietmar Kettler sind die meisten der neuen Rechte schon gültiges Recht gewesen. Es war an sich vorteilhafter für die Radfahrer, weil die Rechtsprechung nach reellen Verhältnissen erfolgte. Ab S. 44, rechts, letzter Absatz unten, bemängelt er, dass ein Vorstoss gegen eine neue StVO-Vorschrift kaum jemals geahndet wurde. Auf der S. 45, links, letzte Zeile, fängt eine ganz brisante detaillierte Abhandlung der gesicherten Rechtsfälle aus der Jurisprudenz zu den Abständen insbesondere mit klaren Wertungen zur vernünftigen Einschätzung der Pflichten des stärkeren Kraftfahrers zum Seitenabstand bei Anwesenheit eines transportierten Kinds auf dem Fahrrad (ca. 15 Zeilen vor Seitenschluss). Es waren 2 m. Auch was bei widrigen Situationen gilt (gleiche Spalte, oben), nämlich das Gleiche. Die Frage, die sich erhebt, also: Ist heute der Radfahrer und speziell dabei sein transportiertes Kind, der Dumme? Entlässt man den Kraftfahrer voll und ganz aus jeglicher Verantwortung? Es geht sogar weiter! Bei getrennt lebenden Eltern darf ein Elternteil, der sich von dieser Verschlechterung des Schutzes der “unmotorisierten Allgemeinheit” bewusst ist, es wagen, sein Kind auf dem Fahrrad mitzunehmen? Kann der andere Partner ihn hinterher für diese Unvorsichtigkeit belangen, wenn es zu einem Schaden kommt? Ganz speziell, wenn beides zutrifft, Kind ist dabei, und die sowieso für alle Radler ungünstigen Voraussetzungen liegen vor (was sich teilweise durch eigene Entscheidungen, beisp. durch die Bevorzugung eines Wegs und nicht eines anderen, manchmal beeinflussen lässt). Denn heute, nach dem Rummel und den Skizzen an die Öffentlichkeit erinnert sich vermutlich kaum ein Kraftfahrer noch an dem hohen Grad seiner Verantwortung bei der Einschätzung des notwendigen Abstands, nachdem dieser ja heute vorgegeben wird! Auch ist die Skizze oft irreführend. Im Ausland sah ich die gleiche Skizze (gleich mit welchem Mass auch immer), mit einem bewusst schrägen Pfeil von der Aussenkante des rechten Aussenrückspiegels zur Lenkerspitze links des Fahrrads; ich würde da sogar gern jeweils eine senkrechte rote Strich punktierte senkrechte Linie sehen!

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