DHL – Falschparken als Teil des Geschäftsmodells?

Vor allem in Großstädten treten sie in Rudeln auf: Falschparkende Lieferfahrzeuge der verschiedensten Kurierdienste. Der ehemalige Staatsmonopolist Deutsche Post DHL fällt dabei am deutlichsten auf. Es wird geparkt, wo es gerade passt, vorzugweise auf der Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer. Gerne mittig, damit man weder links noch rechts vorbei kommt. Freie Parkplätze werden nicht genutzt, auch auf sechsspurigen Straßen wird daneben geparkt, um den motorisierten Verkehr nicht zu behindern. Hier mal ein paar Bilder, die innerhalb weniger Wochen im Tumblr-Blog Autogerechte Stadt von Kölner Radfahrenden gesammelt wurden:

DHL Falschparker in Köln 01

DHL Falschparker in Köln 02

DHL Falschparker in Köln 03

DHL Falschparker in Köln 04

DHL Falschparker in Köln 05

DHL Falschparker in Köln 06

DHL Falschparker in Köln 07

DHL Falschparker in Köln 08

DHL Falschparker in Köln 09

DHL Falschparker in Köln 10

DHL Falschparker in Köln 11

DHL Falschparker in Köln 12

DHL Falschparker in Köln 13

DHL Falschparker in Köln 14

DHL Falschparker in Köln 15

DHL Falschparker in Köln 16

DHL Falschparker in Köln 17

DHL Falschparker in Köln 18

DHL Falschparker in Köln 19

DHL Falschparker in Köln 20

Sind das alles bedauerliche Einzelfälle oder handelt es sich um einen systematischen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung? Ist Falschparken ein Teil des Geschäftsmodells? Warum interessiert dies weder das Kölner Ordnungsamt noch die Polizei, wenn hier fließender Radverkehr systematisch behindert wird? Muss man das die Gefährdung und Behinderung von Fußgängern und Radfahrenden so hinnehmen? Oder gäbe es nicht bessere Alternativen?

Natürlich gibt es diese! Einige Kurierdienste nutzen bereits Lastenräder zur Auslieferung von Paketen. UPS arbeitet in Hamburg mit lokalen Containerdepots, die immer wieder angefahren werden können. Die Post fährt Briefe seit 120 Jahren mit Lastenrädern durch die Gegend. Und auch DHL selbst hat so manches DHL-Bullitt im Einsatz. Warum nicht auch in Köln? Und warum wird – wenn schon illegal geparkt wird – immer der Radweg genutzt? Das geht doch besser, DHL!


Danke an Autogerechte Stadt (Facebook, Twitter) für die Fotos.

avatar

Über Christoph Schmidt

Ich bin seit einiger Zeit radverkehrspolitisch in Köln tätig und kam über die Critical Mass Köln und das Thema Radverkehr zum ADFC Köln. Dort bin ich Vorsitzender des Kreisverbands mit über 3.600 Mitgliedern. Neben dem ADFC-Blog schreibe ich auch für unsere Zeitschrift fahrRAD! und die Sozialen Medien unseres Kreisverbands. Im Berufsleben bin ich IT-Unternehmer und dort fast ausschließlich mit Bahn und Rad unterwegs.
Dieser Beitrag wurde unter Infrastruktur, Radverkehr abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

32 Antworten zu DHL – Falschparken als Teil des Geschäftsmodells?

  1. avatar Markus MK sagt:

    Das wirksamste Gegenmittel ist systematisches Abschleppen. Ausgerechnet in Köln sind die Abschleppdienste rund 1/3 günstiger als z. B. in Berlin…

    • avatar ElGato sagt:

      Bis der Abschleppwagen da ist ist DHL aber schon längst weg und Du darfst die Anfahrt des Abschleppwagens bezahlen…
      Na, immerhin in Köln günstiger als in Berlin ;-)

      • avatar Markus MK sagt:

        Systematisches Abschleppen = Nur ein ausgeklüngeltes Denkmodell: Die Kommune macht einen Vertrag mit einem Abschleppdienst. Der nimmt nach kurzer Rücksprache mit den Behörden alles mit, was da nicht hingehört. Wäre langfristig zum Abgewöhnen.

        • In Köln ist der Ordnungs- und Verkehrsdienst so organisiert, dass nur eine Hand voll Mitarbeiter das Recht haben, einen Anschleppdienst zu bestellen. Der “normale” Mitarbeiter in der Parkraumbewirtschaftung muss in jedem Fall einen Kollegen hinzuziehen – was er natürlich in der Regel wegen des Aufwands nicht macht. Außerdem nimmt man Parken auf Gehwegen hin, wenn zwei Gehwegplatten frei bleiben. Dann gibt es nicht mal ein Ticket! Daher wird hier kaum abgeschleppt.

          • avatar Norbert Paul sagt:

            Neulich stand in der dortmunder Lokalzeitung, dass die Verkehrsüberwachung wegen lauter Falschparker nicht zu dem Ort kam, wo sie aufgrund von Anwohnerbeschwerden tätig werden wollte …

            • avatar ElGato sagt:

              Einfach öfters mal mit einem Feuerwehr-Einsatzwagen neuralgische Punkte abfahren. Wo der Einsatzwagen nicht mehr durchkommt geht’s zur Sache: Dann hat man auch die rechtliche Handhabe, die Falschparker direkt abzuschleppen. Das muss denen weh tun, sonst passiert da nichts.
              Und da Geld zahlen nicht weh genug tut nimmt man ihnen eben ihren liebsten Schatz (“my precious!”) temporär weg. Dazu haben sie so viel emotionale Bindung daß sie sich das vielleicht merken…
              Und nach ein paar Wochen gleich wieder, wenn nämlich die Wirkung nachlässt…

  2. avatar Daniel sagt:

    Korrektes Parken wäre schon mal ein Anfang und auch überhaupt nicht schwer umzusetzen.

    • avatar Matze sagt:

      Das ist einfach gesagt, aber ich stell mir das wirklich nicht einfach vor wenn man Pakete abliefern muss die auch Oft Schwer und Sperrig sind. Das ist zwar keinen Grund Falsch zu Parken aber ein bisschen Verständnis wäre sicherlich angebracht.

      • Es gibt sicherlich auch Pakete, die dafür zu groß sind, aber 90% können mit Lastenrädern abgedeckt werden, wie es UPS in Hamburg bereits erfolgreich macht. Ebenso ist es oft so, dass der Einsatz einer Sackkarre sehr hilfreich ist. Das Unternehmen DHL muss endlich einlenken und die Auslieferung anders organisieren. Aktuell wälzt der Postkonzern das Thema ganz bequem allein auf die eigenen Fahrer ab.

  3. avatar ElGato sagt:

    Eine solche Kollektion kann man mit jedem Paketdienst erstellen, nur sind die DHL-Wagen in D nun mal am häufigsten. Andere sind oft auch nicht als solche zu erkennen weil die mit Scheinselbständigen freiwillig selbständigen Subunternehmern arbeiten, die keine Firmenlabels auf den Wagen haben.

    Der Grund (bitte ankreuzen): Zeitknappheit, man macht ja nur seine Arbeit, man steht da ja nur kurz um ein Paket auszuliefern, ist doch nur ein Radweg, ist mir sowieso alles egal, Hauptsache ich krieg meine Pakete ausgeliefert, was soll ich denn machen, ins Parkhaus fahren oder was? kann endlos weitergeführt werden.
    Bis die Polizei da ist sind die meist schon weitergefahren, daher lohnt es sich kaum, die Rennleitung zu rufen.
    Mich ärgern die Lieferservices eher weniger als die Fahrer dicker Limousinen (gerne aus dem benachbarten Ausland, also Bayern => BMW, aber auch andere), die meinen sie hätten die Straße gepachtet. Die Lieferwagen kann ich sogar ein Stück weit verstehen. Ich möchte den Job nicht machen (müssen).
    Für uns Radfahrer ist es natürlich trotzdem ärgerlich.

    ElGato

  4. avatar ElGato sagt:

    Oder gäbe es nicht bessere Alternativen?

    Na klar – die Amazon-Drohne ;-))

  5. avatar Rotbarsch sagt:

    Vielleicht liegt es an der Mainzer Filiale:

    DHL Paketshop
    Radweg 5
    55130 Mainz

  6. avatar Annette Quaedvlieg sagt:

    Ich fände es gut, wenn der ADFC-Landesverband ein Gespräch mit DHL über das Parken auf Radwegen führen würde. Denn in der Tat besteht das Problem ja nicht nur in Köln.

    Das hätte doch etwas mehr Gewicht. Zu überlegen wäre evt. auch ob der ADFC Landesverband eine gemeinsame Aktion gegen das Falschparken initieren könnte.

    Annette, ADFC Bonn/Rhein-Sieg

  7. avatar Michael sagt:

    Schlussendlich müssten hier die Städte handeln und in jeder Strasse 3-4 normale Parkplätze in solche Kurzladezonen umwandeln wo man maximal 5-10 Minuten stehen darf. Dann gäb es auch immer Platz für DHL.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Weiß jemand, wie die Erfahrungen in Bochum und anderen Städten ist, wo es Lieferzonen gibt?

    • In Köln werden Lieferzonen sofort zugeparkt und das Ordnungsamt kümmert sich zu wenig. Außerdem nutzen gerade Lieferdienste (wie man auf einem der Bilder oben sieht) selbst freie Parkplätze nicht, weil man mit Zweite-Reihe-Parken einen Moment Zeit spart.

  8. avatar Norbert Rath sagt:

    In Aachen sammeln Radfahrer seit Ende Dezember auch Fotos von Falschparkern (https://www.flickr.com/photos/138680546@N05/). Zwischenzeitlich sind mehr als 500 Fotos zusammen gekommen. Die Paketlieferdienste sind auch hier die Besten “Kunden”.

    Das einzige Mittel was hilft:
    – Schaffung von Lieferzonen in jeder Straße (Parkplätze nur für Lieferfahrzeuge)
    – restriktive Parkraumüberwachung
    – Anhebung der Bußgelder für Falschparker auf ein Niveau, dass es weh tut

  9. avatar max sagt:

    Ich bin gegen die Falschparker! Mir tun die arme Schweine leid, weil die Onlinebranche boomt und es keine Reduktion in Sicht ist. Es ist eine Kunst mit einem Smart schon einen Platz in einer Großstadt zu finden, dann will ich gar nicht wissen, wie ich parken würde, wenn ich unter Stress stehen würde ca. 200 Päckchen täglich auszuliefern.
    Für beide Seiten ist es nicht so toll.

    • avatar Markus MK sagt:

      Die Bilder hier oben sehen aber eher nach schlechter Gewohnheit, als nach Platzmangel aus. Der Boom der Onlinebranche ist wohl noch weit unter seinen Möglichkeiten. Da gibt’s bei uns gerade ein neues Hilfsprogramm “Einelhandelslabor”
      HIER
      Bin gespannt, ob die darin geschult werden, wie man den Laden endgültig kaputt bekommt und demnächst nur noch ohne Fachberatung gehandelt und geliefert wird.
      Dass mit der geplanten Umsatzverdrängung von 30 % in 10 Jahren auch entsprechend logistisch herausfordernder Verkehr auf uns zukommt, wird aber offenbar gar nicht so wahrgenommen.

  10. avatar Thorsten Boehm sagt:

    Als die Deutsche Post noch ein öffentlich-rechtliches Unternehmen war, hatte sie m.W. sogar eine Ausnahmegenehmigung für das Parken der “Einsatzfahrzeuge” auf Geh- und Radwegen. Und damit auch einen staatlich verordneten Wettbewerbsvorteil gegenüber privatrechtlichen Zustellfirmen. Nachdem auch die Deutsche Post privatisiert wurde, sind alle wieder “gleich”.

    In Bielefeld hat das Ordnungsamt mir gegenüber das Problem als bekannt beschrieben und angedeutet, nur begrenzte Möglichkeiten für eine generellen Regelung zu sehen. Dafür hat es mir konsequentes Anzeigenschreiben empfohlen und ein Word-Formular zugesandt. Das ist nicht so mein Ding, habs aber mal eine Zeitlang gemacht (begrenzt auf die Zeiten und Strecken meines Arbeitswegs). Tatsächlich stehen seitdem einige Fahrzeuge nicht mehr auf Geh- und Radwegen, sondern am Fahrbahnrand, was ja ohne weiteres möglich ist. Oder sie tauchen zu den fraglichen Zeiten an den bewussten Stellen nicht mehr auf …
    Eine generelle Besserung über alle Stadtteile und Lieferdienste hat das natürlich nicht bewirkt.

    • avatar Thorsten Boehm sagt:

      Ergänzung:
      Ein Halten (nicht Parken!) auf Schutzstreifen zu Be- und Entladen ist sogar erlaubt – sofern nicht ausdrücklich ein uneingeschränktes Halteverbot angeordnet wurde (Verkehrszeichen 283).

  11. avatar J. Albrecht sagt:

    Ich habe vor wenigen Wochen NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin darauf angesprochen. Er sagte, dass dieses Falschparkverhalten subjektiv vielleicht so wäre, aber bestimmt nicht systematisch. Die Bitte an ihn, dass er ein Gespräch mit den großen Kurierdiensten dazu führt, lehnte er ab.

  12. avatar Carina Schütz sagt:

    Ich bin fassungslos, welch verständnislose Einstellung hier den DHL-Zustellern entgegengebracht wird. Diese Männer erledigen einfach nur ihre (harte!!!!) Arbeit und haben in 99,99% der Fälle keine andere Wahl und müssen kurzzeitig eben so parken.

    Es ist mir unbegreiflich, warum man dann als Radfahrer nicht einfach um das DHL-Auto herumfahren/-schieben/-gehen kann?!?!? Wie kann man mit solch ausgeprägter Hingabe und Zeiteinsatz solche Fotos schießen???

    Wahrscheinlich haben die sich hier aufregenden Personen einfach zu viel Zeit… Viel mehr als sie DHL-Zusteller haben…

    • 1. Die Kritik richtet sich primär an das Unternehmen und weniger an die Fahrer, deren Job sicher nicht leicht ist. DHL plant sowohl den Zeitdruck als auch die Nutzung für enge Innenstädte vollkommen ungeeigneter Fahrzeuge zulasten Dritter ein.

      2. Der Artikel macht diverse Vorschläge, wie es besser gehen könnte.

      3. Warum parken die Lieferwagen nicht zumindest einfach auf der Fahrbahn statt auf dem Radweg? Dann behindern sie ggf auch, aber gefährden zumindest nicht schwächere Verkehrsteilnehmer. „Unser“ toller UPS-Fahrer hier macht das konsequent und zeigt täglich, dass das geht.

      4. Fußgänger und Radfahrer sind genauso Verkehr wie ein Kraftfahrzeug.

    • avatar Norbert Paul sagt:

      Da müssen Kinder und Jugendliche sich in den nachfolgenden Kfz-Verkehr einordnen und mit dem rechts drum herumfahren.

      Das Problem ist, dass die Paketdienstleister nicht auf Lieferparkplätze bestehen, um legal parken zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.