Offener Brief zur Sanierung der Mülheimer Brücke

Am Wochenende haben fünfzehn Kölner Vereine und Initiativen einen gemeinsamen Brief zur Mülheimer Brücke an die Stadt und die Stadtgesellschaft geschrieben. Adressaten waren die zuständigen Mitarbeiter in der Verwaltung sowie die Lokalpolitiker in den für das Thema relevanten politischen Gremien. Ziel ist es, den Ausbau der Mülheimer Brücke für den aktuellen und künftigen Bedarf des Radverkehrs im Rahmen der Sanierung sicherzustellen.

Kölner Umweltinitiativen

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Reker,

Liebe Kölnerinnen und Kölner,

die Stadt Köln plant in Kürze die Sanierung der Mülheimer Brücke. In diesem Rahmen kommt auch die dort vorhandenen Fuß- und Radweg-Infrastruktur auf den Prüfstand. Diese soll künftig an den Niehler Gürtel angebunden werden.

Darüber hinaus stehen aktuell weitreichende politische Entscheidungen im Rat der Stadt Köln zur Gestaltung des Niehler Gürtels an.

Durch die seit Jahren zunehmende Bedeutung des Radverkehrs muss dieser stärker als bisher in allen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen berücksichtigt werden. Das gilt daher auch für Baumaßnahmen an der Mülheimer Brücke und dem Niehler Gürtel. Solche Maßnahmen sind durch ihre langfristige Ausrichtung für die nächsten Jahrzehnte mitentscheidend für die weitere Entwicklung des Radverkehrsanteils in Köln.

Laut dem von Politik und Verwaltung getragenen Strategiepapier „Köln mobil 2025“ soll der Anteil des Radverkehrs in den nächsten 9 Jahren um 50% gesteigert werden.

Eine hierauf ausgerichtete qualitativ hochwertige, sowie kinder-und seniorengerechte Radverkehrsinfrastruktur ist insbesondere zwischen den Bezirken dringend notwendig. Derzeit ist dies in den (Sanierungs-)Planungen aber nicht berücksichtigt.

Darüber hinaus steht Köln bereits jetzt vor massiven Herausforderungen durch grenzwertüberschreitende Emissionen in unserer Atemluft.

Angesichts zahlreicher Stadtentwicklungsprojekte, wie z.B. des Clouth-Geländes und des Lindgens-Areals, ist mit einem erheblichen Verkehrsanstieg sowohl in Mülheim als auch in Nippes zu rechnen. Um die bereits jetzt hohe Immissionsbelastung der Kölnerinnen und Kölner nicht noch weiter zu steigern muss hier dringend eine umweltfreundlichere Verkehrsplanung umgesetzt werden.

Weiterhin ist es in einer wachsenden Stadt wichtig, die dringend benötigten Naherholungsflächen zu erhalten und zu erweitern.

Wir fordern daher eine für Radfahrer durchgängige attraktive Verbindung zwischen Mülheim und Nippes in Form eines Radschnellweges unter Einbezug der Mülheimer Brücke. Diese innerstädtische Verbindung sollte nach dem Radschnellwegstandard ausgebaut werden und auch auf der Brücke als Zweirichtungsradweg von mindestens 4 Metern Breite in beiden Fahrtrichtungen angelegt sein.

Ebenfalls ist ein 2 Meter breiter Fußweg zu realisieren, damit auch im Begegnungsverkehr Fußgänger nicht auf den Radweg ausweichen müssen. Darüber hinaus muss am Brückengeländer Fußgängern zusätzlich mindestens ein halber Meter Raum zum Verweilen gegeben werden.

Sollte aus statischen oder sonstigen Gründen eine solche Verbreiterung der Brücke nicht möglich sein, muss eine grundlegende Neuverteilung der Verkehrsfläche, beispielsweise auf dem verkehrsärmeren nördlichen Fahrstreifen erfolgen. Eine direkte Anbindung an den neu entstehenden Radschnellweg des Niehler Gürtels muss bereits jetzt mit umgesetzt werden.

Wir erwarten darüber hinaus auch eine für Fußgänger durchgängige und attraktive Verbindung zwischen Mülheim und Nippes. Hierunter verstehen wir einen vom Motorisierten Individualverkehr frei gehaltenen Niehler Gürtel, sowie die Schaffung einer zusammenhängenden weitläufigen Park-und Grünanlage. Diese zeichnet sich durch eine hohe Aufenthaltsqualität aus, die von Bürgergärten und öffentlich zugänglichen Freiflächen und Waldstücken geprägt ist. Von dieser Neugestaltung werden alle Kölner Bürgerinnen und Bürger, insbesondere die Kinder und Jugendlichen der angrenzenden fünf Schulen sowie der neu entstehenden Grundschule profitieren.

Eine zeitnahe Einbindung der Kölner Bürgerinnen und Bürger in die Planungsprozesse der Brückensanierung, des Radschnellweges und der Fußwegverbindung ist sicherzustellen.

Da sowohl die Mehrkosten eines entsprechenden Ausbaus der Mülheimer-Brücke im Vergleich zu den Gesamtkosten der Sanierung, als auch die Planung und Errichtung eines Radschnellweges, mit den begleitenden Parkgestaltungen, eher gering sind, steht aus unserer Sicht einer Umsetzung unserer Forderungen nichts im Wege.

Mit freundlichen Grüßen

  • ADFC Kreisverband Köln
  • Agora Köln
  • ARGE Umweltverbund Köln-Mülheim
  • BezirksschülerInnenvertretung Köln
  • Bürgerinitiative Gisbertspark
  • Bürgerinitiative: Grüngürtel für Alle!
  • Initiative #RingFrei
  • Nachbarschaft Köln-Mülheim-Nord
  • Natürlich Köln
  • Nippes-Park statt Niehler Gürtel
  • RADKOMM – Kölner Forum Radverkehr
  • Spiel und Sport Nippes 1912
  • Stadtschulpflegschaft Köln
  • UrbanGrün
  • wielebenwir
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Über Christoph Schmidt

Ich bin seit einiger Zeit radverkehrspolitisch in Köln tätig und bin im Vorstand des Kölner ADFC für das Thema Radverkehr zuständig. Neben dem ADFC-Blog schreibe ich auch für unsere Zeitschrift FahrRad! und betreue die Sozialen Medien unseres Kreisverbands. Außerdem bin ich ein großer Fan der Critical Mass Köln, bei der jeden letzten Freitag im Monat bis zu Tausend Radfahrende durch unsere Stadt fahren. Im Hauptberuf bin ich IT-Unternehmer und dort fast ausschließlich mit Bahn und Rad unterwegs.

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